Zu Hause für den Frieden bibbern? / Achtung vor   Dienstwagen-Heizern

17.03.2022 Aus Von ED-as_Blog-17

Sorry, heute kriegen Sie’s mal wieder faustdick ab. So viele Themen, so viel Unfug allerorten und – fehlende Kommentare. Wie kann das bloß sein? Ich warne Sie vor: Mein Gedanken-Hof ist knallvoll, schreit nach einer Grund-Reinigung. 

Fangen wir mit dem aktuellen „Lieblingsthema“ von Politikern und Medien an. Ich könnte jetzt über den wenig überzeugenden Vorschlag von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck sprechen, der ernsthaft vorgeschlagen hat, wir sollten alle weniger heizen, um so vom Putin-Gas und -Öl sowie Russen-Kohle unabhängig zu machen.

Nur ein Satz dazu. Selbst wenn wir allesamt in unseren Wohnungen und Häusern bibbern würden, könnten wir auf Putins Energie-Träger n i c h t verzichten. Der größte Teil der genannten Energieträger werden eingesetzt, damit deutsche Industrieunternehmen produzieren können. Auch Dienstleister benötigen genügend Saft, um unter anderem die Server-Farmen zu betreiben, die wir dank online-Shoppen, kommunizieren, posten, etc. in Dauer-Schwung halten. Zum Thema Riesen-Strombedarf für Bit- und andere Coins will ich mich jetzt vorsichtshalber nicht auslassen.

Nächstes Thema Benzin-Rabatt. Vorab, werte Schnellfahr-Fans im Kreise meiner Leserschaft: Jetzt wird es Ihnen vermutlich wehtun. Da müssen Sie durch! 

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat – sehr schlau – das Kartellamt gebeten, mal genauer hinzuschauen, ob und inwiefern die Mineralöl-Konzerne sich gerade an unserer Kriegsangst eine goldene Nase verdienen. Und das, bevor sich Finanzminister Christian Lindner (FDP) mit seiner super volksnahen Idee eines direkten Tankrabatts durchsetzt. Mensch, seltsam, ausgerechnet in diesem Moment fällt mir etwas ein: Christian Lindner stammt aus Wuppertal, und in diesem bevölkerungsreichsten Land aller Bundesländer findet am 15. Mai 2022 die nächste Landtagswahl statt. Da gibt’s jetzt aber keinen Zusammenhang, oder?

spiegel.de hat diese Woche einen bemerkenswerten Hintergrundartikel zum Thema Belastung der Bevölkerung durch Sprit- und Heizkosten (aufgesplittet nach Einkommensgruppen)  veröffentlicht. Völlig überraschendes Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung: Je ärmer die Menschen, desto mehr werden sie durch steigende Energiekosten belastet. Und je reicher, desto weniger jucken steigende Ausgaben für Benzin, Diesel, Heizöl, Gas diese Menschen. Wohlgemerkt, viele Wirtschaftswissenschaftler haben für diese epochale Erkenntnis viel Gehirnschmalz verschwendet. Egal: Ein wesentlicher Aspekt wurde in den -zig, vermutlich über hundert, Zeilen nicht berücksichtigt. Das Thema heißt: Dienstwagen!

Während Greenpeace, die Umwelthilfe, vielleicht sogar Herr Gauck in seiner Dienstkarosse und andere über ein Tempolimit oder gar autofreie Sonntage sinnieren, sollten die sich mal auf die Autobahn begeben – und staunen. Dort ist fast alles wie immer. Selbstzahler wie Otto Kiel oder Emma Karlsruhe fahren meist im Bereich der Richtgeschwindigkeit von rund 130km/h, Sprit kostet aktuell ja unglaublich viel Geld. Und der Verbrauch steigt ab 120/130km/h übermäßig an. Ham wir alle in der Fahrschule gelernt. 

Die Schnellfahrer und Raser, jawohl, die gibt es werte FDP, fegen auf der linken Spur Tieffliegern gleich, fahren schier bis in den Kofferraum des Vormannes, schmeißen die Lichtorgel an, überholen gerne auch rechts, benehmen sich teilweise wie Assis. Ergänzung: Unter den Straßen-Flegeln sind immer wieder Niederländer, Luxemburger und Schweizer – wehe, wenn sie in Deutschland aus ihrer (Tempo-) Beschränktheit losgelassen werden…

Ohne Vorteile bedienen zu wollen: Diese Autos sind meist mit einer Person besetzt, lassen auch aufgrund der Fahrzeuggrößen den Schluss zu: Das müssen Dienstwagen sein.

Ein Blick in die unterschiedlichen Statisten belegt: Über 65 Prozent aller in Deutschland neuzugelassenen Mercedes, noch mehr Audi, aber auch BMW und vor allem Passat Kombi sind extrem häufig gewerblich betriebene Kfz. Das bedeutet: Deren Fahrer geht es am langen Rücken vorbei, wieviel ein Liter Diesel oder Benzin kostet. Für Unwissende: Dienstwagenfahrer erhalten von ihren Firmen zum Auto Tankkarten dazu, sprich: Sie müssen fürs Tanken nicht selbst blechen. Ich bin kein Wissenschaftler, habe aber einen Kopf auf den Schultern zum Denken. Meine „wissenschaftliche“ Erkenntnis: Solange kein Tempolimit gilt (und überwacht wird), solange werden die nicht-selbst-zahlenden Dienstwagen-Heizer weiter volle Kanne über die Piste kacheln.

In diesem Zusammenhang: extra3, eine für Ironie und Sarkasmus bekannte NDR-Sendung, hat jüngst einen strunzdummen Post via Facebook unters Volk gebracht. Der Text: „Allen gerade ins Lenkrad beißenden, übermotorisierten SUV-Fahrern ein kurzes aber gepflegtes: Tja! #Spritpeis#Benzinpreis#extra3“

Als ob die Mehrheit der „übermotorisierten“ SUV-Fahrer die Tankrechnung selbst bezahlen würde….

Übrigens: Unsere Spitzenpolitiker kennen die Preise für Diesel und Super – wenn überhaupt – aus dem Fernsehen. Die werden nämlich mit Dienstwagen des größten Kalibers (mitsamt Tankkarte) durch die Gegend gekutscht. Und deren Fahrer mögen eben auch kein Tempolimit.

So, vorerst meine letzte Anmerkung: Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser ebenfalls ungläubig darüber gestaunt, dass Verdi diese Woche das Sicherheitspersonal an den Flughäfen zum Streik aufgerufen hat? Und, dass Sie dazu (zumindest in unserem Bremchen) keinen Kommentar dazu gelesen haben? Streiks sind in unserem Gott-sei-Dank freien Land zulässige, letzte Kampfmittel. Aber: Kann es wirklich angehen, dass an Flughäfen (teilweise zu Beginn von Ferien) zum Streik aufgerufen wird, nachdem mehrere Airports in den Pandemie-Monaten häufig nur dank Staatsknete (also unseren Steuergeldern) künstlich über Wasser gehalten worden waren? Handelt Verdi hier verantwortungsbewusst? 

Was mich mindestens genauso interessiert: Weshalb habe ich dazu keine Kommentare kluger Journalisten gefunden?

Kann es sein, dass sich Mitglieder der Deutschen Journalisten Union als Teil von Verdi den Gewerkschaftskollegen näher fühlten als den Interessen ihrer Leserinnen und Leser?

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Noch ein Nachtrag zu der kraftvollen Strafe von 1,9 Millionen Euro, welche die Landesdatenschützerin der 

städtischen Brebau wegen illegaler Datenspeicherung übergebrummt hat. Könnte sein, dass der Finanzsenator sich insgeheim darüber freut. Das Geld wandert, so ist zu hören, von der städtischen Firma direkt ins Abgaben- und Steuersäckel von Finanzsenator Dietmar Strehl (ups: Der sitzt ja im Brebau-Aufsichtsrat). 

Die 1,9 Millionen Euro schlagen sich in der Brebau-Bilanz mithin als Betriebskosten nieder, fließen also steuerfrei in die Landeskasse. Wirtschaftsprüfer fällt für einen solchen Sachverhalt möglicherweise der Begriff „verdeckte Gewinnausschüttung“ ein.

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller