Verkehrsbehinderungen, wenige Kauf-Magnete – Bremen verprellt Kunden
Die Bremer Innenstadt befindet sich in einem sowohl-als-auch-Zustand. Zögen Weihnachtsmarkt und Schlachtezauber sowie historische Gebäude nicht so viele Touristen an – in der City würde neben wenigen Highlights eher Tristesse walten. Wo sind all jene gut verdienenden Menschen, die Bremen in den Speckgürtel vertrieben hat? Warum kommen die seltener oder gar nicht mehr in die Bremer Innenstadt? Eine Erklärung: Bremen hält Menschen aus dem Umland mit einer teilweise abseitigen Verkehrspolitik von der Fahrt in die Metropole ab. Ich sage nur: Tempo 30 auf dem langen Jammer. Gilt aber nur für die bösen Autos, nicht für die Bimmelbahn.
Für Ortsunkundige: So nennt man in Bremen die schier endlos lange innerstädtische Straße von Horn nach Borgfeld.
Wer – außer der immer noch auf Grün gedrehten Behördenschar im Verkehrsressort – kommt bloß auf die Wahnsinns-Idee, den innerstädtischen„Zubringer“ von Lilienthal, ja auch Worpswede und Borgfeld, mit Tempo 30-Schildern vollzunageln? Abends und nachts rasen einige viel zu schnell auf dem langen Jammer. Ja. Die Alternative kann doch aber nicht Tempo 30 sein. So oder so muss das Tempo kontrolliert werden, sonst hält sich kaum einer dran; egal, welche Ziffern auf die Schilder gemalt sind (wie übrigens auch 30km/h vor Kindergärten mit dem Zusatz 6-22 Uhr). Letztgenannten Blödsinn (an allen Tagen!) sucht man in Hamburg erfreulicherweise vergebens. Die Elbstädter wissen halt, wann Kinder im Bett liegen…
Die vielen 30-Schilder in Bremen sind als indirekte Wegweiser „nach“ Dodenhof u.a. zu verstehen.
Das gleiche gilt für die nicht gerade verarmte Bevölkerung von Stuhr, Varrel und Co. Die Leute haben keinen Bock mehr, sich in die City zu quälen. Als künftige Krönung des Unfugs wird demnächst eines der bestgenutzten Bremer Parkhäuser unter senatorischen Fanfarenstößen plattgemacht; das Parkdeck zwischen Noch-Karstadt und bald Ex-Kaufhof.
Weil ich gerade bei den Parkgaragen bin. Die olle „Katharina“ weist eine komplett gesperrte Etage für E-Autos auf – nur leider stehen die Ladestationen selbst nach – gefühlt – einem halben Jahr immer noch nicht unter Strom. Dazu fallen in den städtischen Parkhöhlen Gebühren von bis zu 1,50 Euro – pro angefangene halbe Stunde an.
Was machen nun die Stuhrer, Delmenhorster und anderen Umländler, die Bremen offensichtlich nicht mehr haben will? Oldenburg, Weserpark und Dodenhof können sich einen Wolf freuen…
Selbst der Weser-Kurier, verkehrspolitisch meist ja eher „grün“ unterwegs, hat kürzlich aufhorchen lassen. Online konnte man dem Medium entnehmen: „Will nicht mehr nach Bremen fahren – Pendler-Frust wegen B75 und A1“.
Wow, da kamen endlich mal wahrhaftige Menschen aus dem Umland zu Wort, die eines eint: Es stinkt ihnen maßlos, jeden Morgen und Nachmittag in endlosen Staus zu stecken. Unter anderem ausgelöst auch durch den irren Umleitungsverkehr von der A-1-Weserbrücke-Baustelle. Damit die Kritik bloß nicht zu viele aufrüttelte, veröffentlichte der WK den Artikel im Delmenhorster Kurier (verkaufte Auflage keine 4.000 Exemplare).
Zwischendurch ein, ich gebe es zu, tollkühner Gedanke:
Ein Nadelöhr, wie derzeit die Weserbrücke der A 1, muss natürlich repariert werden. Aber: Warum nur tagsüber? Und montags bis freitags. Die Staus auf diesem Autobahnabschnitt inklusive der vielen Unfälle dort und die Irrsinns-Staus auf der B75 und B6 müssten doch Grund genug sein, rund-um-die-Uhr an der Weserbrücke zu werkeln. Und zwar sieben Tage die Woche.
Gerade höre ich die Umweltbewegten aufjaulen: Ja, würden die Leute auf Bus und Bahn umsteigen, gäbe es weniger Staus, weniger Abgase. Wobei sich die BSAG eine Einzelfahrt mit stattlichen 3,20 Euro entlohnen lässt.
Außerdem: Dumm, dass nicht alle Menschen in der Großstadt mit einem ÖPNV-System leben. Und, dass nicht jeder gewillt ist, vollbepackt mit Einkäufen in Straßenbahn, Bus oder Eisenbahn zu steigen.
Das gerühmte Deutschland-Ticket ist doch in Wahrheit ein Angebot für Großstädter. Fast zwei Drittel der deutschen Bevölkerung wohnt zwar nicht gerade in Orten wie Posemuckel, aber doch verstreut auf dem Land. Ohne ordentliche ÖPNV-Anbindung.
Wäre die Umsteige-Rate von Autofahrern aufs D-Ticket höher, könnte man sich im morgendlichen Verkehrsfunk viele Horror-Nachrichten ersparen. Da gibt’s rund um Hamburg Staus von teilweise über 10 Kilometer Länge. Bei uns sorgt die vermaledeite Weserbrücke für Staus und Gram. Und die häufig nur einspurige Verkehrsführung auf den innerstädtischen Heerstraßen.
Keinen Deut besser als den „Umländlern“ geht es Bewohnern von Bremen-Nord, die „in die Stadt“ fahren wollen. Wer am Müllberg Richtung City abbiegt, trifft nicht nur auf den Ausweich-Verkehr der A1, sondern auch auf ein Monument aus der Zeit von Schilda: den Utbremer Fly-Over. Zweispurig von der Autobahn abfahren, um sich dann einspurig über die Utbremer Brücke zu quälen – das muss man wohl unter Bremer Humor einsortieren.
Nicht wenige Auswärtige, die früher nach Bremen zum Shoppen und Bummeln fuhren, meiden die City. Wegen der schlechteren Erreichbarkeit und wegen des – freundlich formuliert – nicht immer überzeugenden Angebots. Ja, natürlich gibt es noch attraktive Läden. Aber spätestens, wenn man in einem einst prosperierenden Kaufhaus steht und nicht nur nach Verkaufspersonal, sondern auch nach Bezahlstationen Ausschau halten muss, hat man – in dem Fall tatsächlich: Mann – genug. Da können sich Eigentümer-geführte Läden wie Bo-Concept, Riestedt, Made in Bremen oder die neuen Jacobs-Geschäfte im Balgeviertel noch so sehr bemühen. Die Bremer City verfügt abseits des Weihnachtsmarktes über zu wenig Kauf-Magnete.
Dodenhof, Weserpark, Outlet Brinkum (alle drei ohne Park-Gebühren), Oldenburg und Hamburg ziehen der City viel Kundschaft ab. Die künftige Großbaustelle Ex-Parkhaus-Mitte und Ex-Kaufhof wird über Jahre allenfalls Großeltern mit wissbegierigen Enkelkindern anlocken – aber kaum Umsätze generieren.
Statt nun den wirklich nicht armen Umlandbewohnern zumindest aktuell den roten Teppich auszurollen, stößt Bremen sie mit immer neuen Verkehrseinschränkungen eher ab. Demnächst kommt bestimmt auch noch Tempo 30 auf dem Osterdeich. Nach dem Motto: Was wollt ihr Bewohner des Speckgürtels eigentlich hier?
Das hat unsere schöne Stadt nicht verdient!
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
Ich rege mich auch über diese Verkehrsbaustellenplanung täglich auf! Die Behörde hat z.B. den gesamten Bremer Osten abgeriegelt durch destruktive Baustellen-Koordination. Einzelhandelsgeschäfte waren monatelang nicht erreichbar und oder nur über kilometerlange Umwege. Selbst die Bremer Polizei sprach mir gegenüber von „Kopfzerbrechen‘. Der Verantwortliche in der Verkehrsbehörde heißt“ Gunnar Polzin.
Er erinnert mich immer an diesen „Lauterbach“!… Beide tragen/haben „Fliege“ getragen. Ich kann nur hoffen, dass sich der „Propeller“ bald mal so schnell dreht, dass sie den Abflug machen….
Die Bremer Innenstadt ist zum Shoppen inzwischen leider weitgehend unattraktiv, das mit dem Kfz Reinfahren ist (rot-grün) nicht gewollt und das Parken ist tatsächlich zu teuer. Mangels vorhandener Kaufkraft ist auch nur noch wenig attraktiver Einzelhandel vorzufinden, so dass man dort allenfalls die notwendigsten Besorgungen möglichst rasch erledigt. Wunderbar einkaufen lässt sich hingegen z.B, in Hamburg, Oldenburg und Münster oder halt beim nächsten Ausflug in eine attraktive dt. oder europäische Metropole. Selbst Dodenhof muss man rundum Respekt zollen!
Altbekanntes Motto: >> Was der GRÜNE/LINKE nicht zu brauchen glaubt, darf ein anderer nicht haben . . . <<
Danke, dass Sie dieses Thema noch einmal in den Fokus gerückt haben Axel Schuller, aber ich befürchte, da ist Hopfen und Malz verloren. Das Ganze hat Methode. Autofahrer sollen zermürbt werden, und als Pendler nach Niedersachsen kann ich bestätigen, es funktioniert! Im Chaos jeden Morgen und Abend ergreift einen nur noch kalte Wut. Am Wochenende mal schnell in die Stadt zur Bücherei? Fehlanzeige! Schnell oder billig geht hier gar nichts mehr. So viele Parkplätze ohne Erklärung gesperrt / Parken auf so unsinnig kurze Zeiträume eingeschränkt, dass dies weder zur Entspannung, noch zum Bummeln einlädt. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass viel von dem Unsinn, der mancherorts schon an Sabotage grenzt, von hochbezahlten Beamten mit Absicht so orchestriert wird, dann denkt man immer öfter darüber nach, weg zu ziehen, denn meine Steuern sind mir dafür zu schade. Und es geht nicht nur mir so! Anscheinend glaubt man im RRG Senat das (Steuer-) Geld wächst auf Bäumen, das würde zur kindlichen Grünen Ideologie passen. Irgendwann ist dann für nichts mehr Geld da, auch nicht für Fahrradbrücken oder Erlebnislabors, oder die vielen, vielen Ressorts, die trotz der hohen Kosten den Service für die Bürger nicht besser machen.
Ich denke auch, dass die Zerstörung ausgerechnet des, wie durch Umfragen nachgewiesen, attraktivsten Bremer Parkhauses einen weiteren stabilen Nagel in den Sarg der Bremer Innenstadt treibt. Das wissen unsere klugen Stadtplaner vermutlich auch. Ich denke, dass sie die Innenstadt als Einkaufszentrum gedanklich schon lange aufgegeben haben und dort nur noch Gastronomie und Wohnen haben wollen. Dann entfällt das Schleppen von Einkaufstüten und damit auch die Notwendigkeit, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Mit Rücksicht auf das ohnehin angespannte Verhältnis zu Handel und Gewerbe spricht das niemand von RGR deutlich aus. Andernfalls würden wohl auch die letzten Einzelhandelsmohikaner die Bremer Innenstadt fluchtartig verlassen und dann sähe die Bremer City zügig so aus, dass dort niemand mehr wohnen würde wollen.
Wenn Sie, lieber Axel Schuller, und letztlich auch ich und viele andere die hiesige Stadtgestaltung kritisieren, gehen wir von der Prämisse aus, den Verantwortlichen ginge es darum, die Bremer Innenstadt für kaufwillige Mitmenschen aus dem Umland attraktiv zu halten bzw. wieder zu machen. Da liegen wir aber deutlich daneben. Wir erleben traumtänzerische Politik aus einem Guss.
Vielen Dank für diesen zutreffenden Bericht. Ich komme aus Huchting und kann die Straßenbahn nicht nutzen, da die Strecke sich seit mehr als zwei Jahren im Bau befindet und erst 2027 fertig gestellt werden soll. Der Bus zur Anschlußstelle Rolandcenter steht oft ebenso im Stau. Wie man bei einer solchen Verkehrssituation (Huchting wird als Ausweichstrecke genutzt und säuft regelrecht ab) Umleitungen von der A 1 auf dei B75 ausweisen kann und gleichzeitig die Bahnübergänge Huchting (hier hat man es inzwischen begriffen und die Baustelle vorerst beseitigt) sowie Grolland sperrt ist mit ein Rätsel. Wer mit dem Auto aus Huchting kommend die B75 ansteuert kann sich fast täglich im Stau bzw. Schritttempo anstellen. Andersherum ist Oldenburg von hier aus innerhalb von 30 Minuten erreichbar.
Für die 10 Kilometer nach Bremen sind es durchschnittlich mit dem Auto eine Stunde.
Die „Bremer Kaufleute“ in der Innenstadt haben es leider besonders schwer in Bremen!
Trotzdem FROHE WEIHNACHTEN ????
Hallo Herr Schuller, ich lese Ihre Artikel mit großer Freude. Und so manches mal denke ich: hätte es genau so geschrieben. Ich lebe auch im Speckgürtel ( Moordeich ). Wir sind früher an jedem Samstag in die Stadt gefahren, zum Schoppen und haben dann ein Restaurant besucht. Den Abschluss bildete dann immer ein Besuch der Schlachte. Das haben wir seit zwei Jahren eingestellt. Aus eben diesen von Ihnen genannten Gründen.
Aber diese Probleme hat auch die Gemeinde Stuhr. 30-Zonen nach dem Vorbild Bremens werden hier auch sehr gerne ausgewiesen. Dafür sind aber die Radwege marode, und der Radverkehr wird einfach auf den Fahrstreifen umgelegt; auch eine patente, billig Lösung.
Alles bis hierher geschriebene ist eine Punktlandung. Ich frage mich als Mensch, Bremer und Jahrzehnte in dieser Stadt lebender Bürger schon viele Jahre: Wo sind eigentlich die intelligenten Menschen dieser Stadt, die dem einfallslosen Treiben schon so lange zuschauen?
Ich wünsche mir so sehr, dass die in Bremen beheimatete Hochtechnologie sich vielleicht auch mal mit Chips für Ampelsteuerungen und Verkehrsleitsystemen beschäftigt. Die müssten es in Zeiten von KI eigentlich können. Werden die von der Politik vielleicht daran gehindert? Eher wohl nicht! Meine Erkenntnis: Die Bremer Politik will es offenbar so, wie es ist, und nimmt dabei in Kauf, dass durch elend lange Staus über viele Stunden auch noch die Luft verschmutzt und den Menschen der Aufenthalt vergrault wird.
Nun bekommt doch endlich ein Spitzname für eine viel befahrene Verkehrsader seinen offiziellen politisch gewollten Patenamen: Langer Jammer. Ein weiterer verkehrspolitischer Ohrpfopf in den Gehörgängen unseres immer ’so bürgernah‘ agierenden Bremer Senats. Tempo 30 Zonen mal mit, mal ohne Zeitbegrenzung, vorwiegend da, wo kaum einer wohnt oder schläft. „Grünpolitische Folgen: 1. Abgaszunahme mit CO und CO2, Feinstaubbelastung (Anfahren/Einbremsen) zunehmend, Zeitverzögerungen, morgend- und abendlicher Fahrstress und Zeitraub durch Stau. Ökobilanz und Klimaziele : nicht überzeugend. Zudem eine nicht in ihrer Geschwindigkeit reduzierte, quietschende Linie 4 gerade nach 22.00 Uhr. Geschäfts- oder Weihnachtseinkäufe in der Innenstadt? Nein danke! Amazon und Co freuen sich! DHL hat in der Black F-Woche mit allein 12 Mio-Auslieferungen einen neuen Jahresrekord in dieser Woche verbucht! Bald brauchen wir auch ab Borgfeld Hinweisschilder: Bremer Rathhaus > ! Politiker und Verwaltungen, macht weiter so, dann habt ihr bald die Innenstadtgastronomie für Euch allein!
Eine warme Winterhose sollte es sein. Von Lilienthal nach Bremen ist schon lange keine Option mehr. Autos sind nicht erwünscht, Parkplätze irrwitzig teuer, die Strapazenbahn braucht ewig. Bleiben zum Beispiel Dodenhof oder Weserpark. Das geht meist flott, die Parkplätze vor der Tür kosten nichts, die Auswahl ist groß, die Beratung meist freundlich. Bremen als Einkaufsstadt hat ausgedient, da helfen auch keine Pop-up-Stores und andere verzweifelte Versuche der Belebung. Zur Wahl in Bremen darf ich nicht gehen, aber mit dem Auto abzustimmen ist mir ein Vergnügen. Dagegen kommen auch die jungen, von der Verkehrswende beseelten Redakteure beim Weser-Kurier nicht an. Dafür geht die einstmals lebenswerte Stadt Bremen gründlich den Bach runter.
Tatsächlich frage ich mich regelmäßig, warum Bremen sich mit der Verkehrsinfrastruktur so viele Steine in den Weg legt. Wahscheinlich hängt das auch damit zusammen, dass Bremen einfach kein Interesse hat, Umlandbewohner (aus Niedersachsen kommend) nach Bremen einzuladen. Oder Bremer sollen daran gehindert werden, etwas im Outlet Center in Brinkum-Nord einzukaufen.
Wenn ich als Bürger von Stuhr nach Bremen möchte, kann das für einen Weg hin oder zurück 30 Minuten dauern oder 1 1/2 Stunden für einen Weg. Hin und zurück also max 3 Stunden. Dabei ist es egal, ob ich die Oldenburger Hochstrasse fahre oder die Erdbeerbrücke nehme. Da fahre ich zum Einkaufen doch lieber nach Oldenburg als in die Bremer Innenstadt. Und lieber nach Bassum, Syke, Diepholz etc zum Essen – als nach Bremen in die Innenstadt, wo ich sowieso Probleme habe mit Parkgelegenheiten oder Fahrradwegen etc.
Bremen macht sich damit selber kaputter als es schon ist. Und wenn ich denke, dass ich dann lieber z. B. nach Oberneuland fahre, dann stehen die Staus auf der A1 im Weg oder die Straßen in Oberneuland sind so schlecht, dass ich Angst habe, mein Auto zu demolieren.
Lieber Axel Schuller, mein Kommentar schließt alle vorangegangenen mit ein! Alle und ich betone „alle Bremer senatorischen Dienststellen“ tun alles dafür, die bürgerliche Mehrheit aus dieser Stadt (nicht nur zum Einkaufen) zu vertreiben. Kräftig unterstützt werden sie dabei von den „stadteigenen Medien“, wie BuB und WK. Ich danke dem Schicksal, dass ich als geborener und ehemals überzeugter Bremer inzwischen über 70 Jahre alt bin und der endgültigen „Machtübernahme“ durch RGR nur noch zusehen muss. Eine Schande für die folgenden Generationen, für die vom bisherigen honorigen Bremen leider nichts mehr übrig bleibt. Vielleicht bereuen sie es später einmal.
Warum diese Aufregung? Es dauert halt ein wenig. Die Menschen brauchen doch immer Zeit, um das Gute zu erkennen. Wenn sich erst einmal das Verständnis durchgesetzt hat, Verständnis für die kluge, weitsichtige Verkehrspolitik des Senates, dann werden Groll, Frust und diese unfreundlichen Attacken gegen den Senat sich verkehren ins Gegenteil. Wenn erstmal kein Auto mehr die Innenstadt verpestet, wenn kein geldgeiler Kapitalistenladen mehr wegelagernd dem City-Besucher auflauert und in der Folge diese suchtfördernde Gastronomie (Alkohol) auf ein tolerierbares und vor allem veganes Maß zurückgeschnitten ist, dann gibt es endlich Raum, Zeit und Muße für Stadtsoaziergänge – und Wohnraum. Die leerstehenden Geschäfte und Restaurants werden umgewidmet. Dann haben wir die lebenswerte Innenstadt ohne Kaufzwang und Kaufrausch. Das wird schön. Wem’s nicht gefällt, der soll doch rüber gehen – nach Oldenburg oder Hamburg.
Für den Kaufhof wurde das historische Lloydgebäude abgerissen. Jetzt droht der nächste Abriss. Geld spielt im administrativen Bereich keine Rolle.
Die „Katharina“ wurde mit Zwangsbeiträgen zur Ablöse fehlender Einstellplätze nach dem Krieg finanziert, um die Innenstadt für Käufer attraktiv zu machen. Jetzt werden die damaligen Zahler, die Bremen wiederaufgebaut haben, betrogen. Die Parkplätze vernichtet. Die Innenstadtfirmen ausgehungert.
Als das grosse Erdbeben in Kalifornien Strassen, Brücken und andere Infrastruktur zerstörte, dauerte der Wiederaufbau weniger als 2 Monate. Je Tag früherer Fertigstellung wurden den beteiligten Unternehmen Hunderttausende von Dollar Prämien gezahlt. Und Bremen?
Diejenigen, die bei der Reprivatisierung der Mozartrasse – eine öffentliche Ausschreibung ist mir nicht bekannt – reich geworden sind, wollen die Innenstadt in ein Dorf verwandeln. Der Rest kommt in den Speckgürtel. Was uns das kostet? Siehe Vorkommentare. Daneben nimmt m.W. jeder über 7.000 Euro an jährlichen Steuern nach Niedersachsen mit.
Schließe mich den vorherigen Kommentaren an. Warum man gerade das am meisten genutzte Parkhaus Mitte abreißen will und nicht kleinere, weniger genutzte Parkhäuser wie etwa das Parkhaus am Brill, erschließt sich mir nicht. Eine Führungskraft von Brepark räumte im kleinen Kreis ein, dass die autofeindliche Verkehrspolitik die Brepark in wirtschaftliche Bedrängnis bringt und dass das Parkhaus Mitte ein Goldstück in der Brepark-Schatzkiste sei, von dem man sich nur schweren Herzens trenne. Um die Autofahrer in andere Parkhäuser zu lenken, sei es am teuersten. Tatsächlich finde ich 7,50 Euro für 2 1/2 Stunden einen recht stolzen Preis. Ich bin darauf hin in das Parkhaus am Brill ausgewichen, das „nur“ 1,20 Euro pro halbe Stunde kostet, allerdings nur, wenn man nicht die sog. Komfortparkplätze nutzt – die sind genauso so teuer. Die autofeindliche Politik soll aber in Form von Bewohnerparken auch auf die Binnenbremer ausgedehnt werden – gleichzeitig wird die Automobil- und Stahlindustrie zur Schlüsselindustrie für Bremen erklärt – wie passt das zusammen? Ich soll also ein Auto kaufen, aber möglichst nicht fahren? Dabei werden die Radfahrer auf die Straße geschickt (auf sog. Fahrradstraßen als lebende Verkehrsberuhigung für Autofahrer) und die bisherigen separaten Fahrradwege werden in Parkplätze umgewandelt oder vernachlässigt. Ergebnis: Auch die Radfahrer werden immer unzufriedener und Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern nehmen zu. Alternativvorschlag: Statt in engen Wohnstraßen Parkplätze abzubauen, sollten solche Straßen in verkehrsberuhigte Zonen umgewandelt werden. Parkplätze sollten so markiert werden, dass auch bei aufgesetzten Parken ausreichend Platz für Rettungsfahrzeuge und Müllabfuhr bleibt, ansonsten sind alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. Bei Durchfahrtsstraßen wie Kirchbachstraße, Osterdeich, Schwachhauser Heerstraße etc. sollte auf Tempo 30 verzichtet werden. Bremen ist kein Dorf und wer an einer großen Straße wohnt, weiß, dass er dort mit viel Autoverkehr rechnen muss, sonst muss man eben umziehen oder sich schalldichtere Fenster zulegen. Perspektivisch wünsche ich mir allerdings, dass der Staat dahingehend steuert, die Autos umwelfreundlicher zu machen (statt Autofahrer zu gängeln): umweltfreundlicher Antrieb, schmalere und kürzere Autos, die weniger Platz benötigen und maximal 180 km/h fahren können.