Bremer Grüne führen „Erpressung“ als politisches Stilmittel ein

07.12.2025 12 Von Axel Schuller

Unfassbar! Die Bremer Grünen stellen das Wohl ihrer Partei brutal über das Wohl der Freien Hansestadt Bremen. Dabei schreckt die ehemalige Friedenspartei nicht einmal vor dem Stilmittel der (Polit-)Erpressung zurück. Das Schlimmste: SPD und Linke haben im Koalitionsausschuss nachgegeben. Der Kuhhandel: Am Flughafen darf ein neues Gewerbegebiet erschlossen werden, weil die Erweiterung der Gewerbeflächen um OHB herum („Horner Spitze“) beerdigt wird.

Weshalb ich heute zum Säbel und nicht zum sprachlichen Florett greife? Weil ich die Grüne Vorgehensweise einfach nur schändlich finde.

Am 13. Juni 2025 reichten SPD, Grüne und Linke mit der Drucksache 21/553 S einen gemeinsamen Dringlichkeitsantrag in der Bürgerschaft ein. 

Überschrift: 

„Aufwertung des Gewerbestandorts Airport-Stadt vorantreiben – Flächen Hanna-Kunath-Straße und Airport-Stadt-Süd prioritär erschließen“

Unterschrieben von: Dr. Emanuel Herold, Dr. Henrike Müller und Fraktion die Fraktion Bündnis 90/die Grünen,

Volker Stahmann, Mustafa Güngör und Fraktion der SPD  

Klaus-Rainer Rupp, Nelson Janßen, Sofia Leonidakis und Fraktion die Linke.

Inhalt: Erschließung der Erweiterungsfläche des Gewerbegebietes Airport-Stadt-Süd und entlang der Hanna-Kunath-Straße.

Dies ist das Gebiet, um das jetzt im Koalitionsausschuss gefeilscht wurde. Die Grünen, obwohl mit den beiden anderen Parteien Antragsteller, zogen plötzlich ihre frühere Zusage zurück, das für Luft- und Raumfahrtfirmen sowie für mehrere andere Spezial-Unternehmen attraktive Gebiet Airport-Stadt-Süd zu erschließen. Es sei denn: SPD und Linke verzichten auf die „Horner Spitze“ als Erweiterungsgebiet für OHB und Co an der Hamburger Bahnstrecke. Sozialdemokrat Volker Stahmann tobte: „Das ist eine unverantwortliche Verquickung. Den Grünen geht es doch nur um Symbolik für den nächsten Wahlkampf.“

Jedoch, die Partei- und Senatsspitzen von SPD und Linken ergaben sich dem üblen Spiel der Grünen.

Die „Horner Spitze“ ist übrigens bereits im Koalitionsvertrag von 2023 als Gewerbegebiet genannt. Zwar wurde noch eine Prüfung des Areals verabredet. Doch kaum jemand nahm an, dass dieses Projekt scheitern würde.

Aber plötzlich machten der BUND, einige Horner Bürger und das Projekt „Kinder, Wald und Wiese“ gegen die gewerbliche Nutzung der Fläche mobil. Dabei, das muss man eingestehen, heizten sie den Grünen mächtig ein.

Der Haupteinwand: Die Luftschneise nach Horn werde womöglich durch zusätzliche Gebäude beeinträchtigt. Und die Kinder hätten auf dem Grundstück doch so viel Freude mit den Pferden. Diese Idylle dürfe für OHB und Co nicht geopfert werden.

So nahm die Geschichte ihren verhängnisvollen Lauf. Am Ende stand am Sonnabend eine Zusammenkunft des Koalitionsausschusses. Die Entscheidung: Ja zum Gewerbe auf dem 34 Hektar großen Gebiet Airport-Stadt-Süd, Nein zur gewerblichen Nutzung der„Horner Spitze“.

Ist schon irre: Beide Flächen haben absolut nix miteinander zu tun. Beide gelten für Bremens Entwicklung als wichtig. Und dennoch haben die Grünen diese künftigen Gewerbegebiete auf dem Polit-Basar zum Schachern eingesetzt.

Besonders pikant im Koalitionsausschuss: Emanuel Herold, im Juni 2025 wirtschaftspolitischer Sprecher Grünen, inzwischen aber Fraktionschef, musste auf Druck seiner Partei das neue Gewerbegebiet am Airport offiziell infrage stellen, sofern SPD und Linke weiter auf der „Horner Spitze“ bestanden hätten. Das gleiche traf auf Henrike Müller zu – seinerzeit Fraktionschefin und jetzt Umweltsenatorin.

Meine Güte, wie belämmert müssen die beiden sich gefühlt haben, „Horner Spitze“ und Hanna-Kunath-Straße plötzlich gegeneinander ausspielen zu müssen.

Und warum das ganze Theater? Weil sich die Grünen sowohl auf Bundesebene als auch in Bremen im Hintertreffen wähnen. Also hatte der Landesvorstand der Partei darauf gedrungen, die BUND-Kritik an der „Horner Spitze“ zu nutzen, um das grüne „Profil“ der Partei zu schärfen. Dabei gilt zumindest der eine neue Vorsitzende,Marek Helsner, durchaus als Pragmatiker. Lediglich seine Co-Vorsitzende Josephine Assmus – zu dieser Grünen will ich mich jetzt lieber nicht weiter auslassen. Nur soviel: Sie hatte im August die Forderung aufgestellt, Ampel-Männchen in Bremen als Schwule, Lesben und Queere darzustellen. Da amtierte Assmus bereits im alten Grünen Landesvorstand als Co-Vorsitzende. Noch Fragen?

Schade übrigens, dass SPD und Linke das vom Projekt „Irgendwo“ genutzte Grundstück am Flughafen im Koa-Ausschuss offenbar nicht „argumentativ genutzt“ haben. Dieses rund 7.000 Quadratmeter große Filetstück mit Autobahn- und Straßenbahnschluss wurde der Initiative „Kulturbeutel“ auf Betreiben von Dr. Maike Schaefer, 2021 noch mächtige Bau-, Verkehrs- und Umweltsenatorin, zugesprochen – allerdings: mit Zustimmung des rot-grün-roten Senats. Für eine lächerliche Jahrespacht von netto 565,56 Euro.

Auch wenn’s manchmal schwer fällt: Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller