Mäurer spricht am Ende erneut Klartext: Grenzöffnung hat AfD massiv vorangebracht

09.12.2025 12 Von Axel Schuller

Entsetzen im Bremer Senat, frohlocken in den Reihen der Opposition: Der scheidende Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat bei Radio Bremen 2 Klartext gesprochen. Zunahme der Kriminalität, volle Schulen sowie Enge auf dem Wohnungsmarkt  – dies seien auch Ergebnisse der 2015 erfolgten unkontrollierten Öffnung der Grenzen durch Angela Merkel (CDU). Seine Partei, die SPD, habe die Auswirkungen der damaligen Grenzöffnung zu spät erkannt. Mäurer führt (auch) darauf das Erstarken der AfD zurück.

Wer’s gestern nicht im Radio gehört hat, kann es heute leider nicht in der Zeitung lesen. 

Deshalb hier einige Mäurer-Zitate von der butenunbinnen-Website; wobei man sagen muss, dass Ulrich Mäurer auf diese Themen auch in der Vergangenheit mehrfach hingewiesen hatte – ohne aber ausreichend Gehör zu finden.

Zum Interview: Nach der unkontrollierten Grenzöffnung und teilweise Nicht-Registrierung von Ankömmlingen hatte Bremen deutlich mehr jugendliche unbegleitete Flüchtlinge aufgenommen, als der Bundes-Verteilschlüssel vorsah.

Mäurer bei RB2: „Das Hauptproblem war ja, dass man nicht umverteilt hat. Es ging nicht darum, sie nach Afrika zurückzubringen. Sondern sie wären nach Oldenburg oder Jever gekommen, also Orte, an denen man sich um sie gekümmert hätte. Hier war die Idee, alles in Bremen weiterzumachen. Das hat ja alles auch zu horrenden Kosten geführt. Wir haben dann gesehen, dass wir fast eine halbe Milliarde Euro für die Betreuung dieser Jugendlichen ausgegeben haben. Und dann hat man kein Geld für einen zweiten Streifenwagen.“ 

Über die Folgen der 2015 geöffneten und längere Zeit nicht wieder geschlossenen Außengrenzen äußerte sich der Senator bei RB an anderer Stelle so:

„Wir haben seit 2015 natürlich ein zentrales Thema dazu bekommen, was sehr wahrscheinlich mit Migration nur unzureichend umschrieben wird. Es ist nicht zu übersehen, dass wir neben gelungenen Integrationsmaßnahmen natürlich auch ein Problem haben mit Tätern, die ihre Wurzeln nicht hier in Bremen haben. Das Thema AfD ist untrennbar mit dieser Fehlentscheidung, der Grenzöffnung, verbunden. Die AfD würde es heute nicht geben, wenn man ihr mit der Öffnung der Grenzen nicht den Steigbügel gehalten hätte.“

Und: 

Die laut Mäurer seit 2015 existierenden Probleme könne man in Bremen und in Bremerhaven an folgenden Punkten ablesen: In der Kriminalstatistik, auf dem Wohnungsmarkt und in den Schulen.

Der scheidende Senator wörtlich: „Wir haben das Problem völlig unterschätzt und nicht gesehen, dass natürlich auch diese Entwicklung in den klassischen SPD-Hochburgen zum Problem wird. Bremen ist eine gespaltene Stadt. Wir haben Stadtteile, da ist alles in Ordnung und dann haben wir andere Stadtteile, die das alles heute ausbaden müssen.“

Die Spaltung habe auch dazu geführt, dass viele ehemalige Wähler von der SPD zur AFD gewechselt seien. 

Die Frage, ob er Hoffnung auf eine Kursänderung der SPD-Bundesspitze habe, verneinte er.

Für diese Sätze bei Radio Bremen erntete Mäurer gestern abend indirekte Kritik des SPD-Fraktionschefs Mustafa Güngör bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES): Die Sicht, dass Migranten an allem Schuld seien, müsse er „leider auch in den eigenen Reihen“ feststellen.

Das Statement eines pensionierten Schulleiters blieb bei der FES leider unbeachtet. Der ehemalige Direx einer Schule im Bremer Westen berichtete von einer Umfrage unter damals 2.000 Schülerinnen und Schülern. „Wer von euch ist schon einmal abgezogen worden?“ Antwort: 90 Prozent hatten dies bereits erlebt. Auf die Frage nach den Tätern: 80 Prozent der Täter hätten einen migrantischen Hintergrund gehabt. Der Schrecken über dieses verheerende Ergebnis war dem Gesicht des Ex-Schulleiters noch über zehn Jahre nach der Umfrage am Dienstag Abend anzumerken.

Bei der FES ging es um eine Studie zur Denke der „gesellschaftlichen Mitte“, in deren Reihen überraschend viel „rechtes Gedankengut“ festzustellen sei.

Blicken wir in die Zukunft: Eva Högl, Nachfolgerin von Ulrich Mäurer im Innenressort, steht direkt nach ihrer Wahl am Donnerstag gleich vor einer schwierigen Aufgabe. Für den Senat muss sie eine Große Anfrage von Grünen, SPD und Linke zum Thema AfD beantworten. 

Vorab: Die Koalitionäre hatten ihre Anfrage im Juli 2025 gestellt – nach der Einstufung der AfD als „gesichert extremistisch“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz. Schon damals hatte ich den Eindruck, dass treibende Kräfte der Koalitions-Parteien regelrecht vom Eifer getrieben wurden. Die Koa erkundigte sich nach Möglichkeiten, AfD-Mitgliedern die Verbeamtung zu verwehren; den Zugang zum Waffenschein zu versperren; selbst Angestellte des öffentlichen Dienstes aus dem Job zu kicken – sofern sie mit der AfD in Verbindung zu bringen seien.

Der Senat – da ist noch Mäurers Handschrift zu erkennen – weist in seiner Antwort zunächst darauf hin, dass eine Einstufung durch den Verfassungsschutz als „gesichert extremistisch“ kein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ersetze.

Immerhin hatte die AfD bereits im Sommer gegen die Einstufung durch die Behörde geklagt. Das Verwaltungsgericht Köln verfügte daraufhin, der Verfassungsschutz müsse seine Einstufung bis zu einem Urteil aussetzen.

Die Kölner Verwaltungsrichter (dies ist übrigens die erste Instanz) beraten aktuell noch über ihr Urteil zum von der AfD angestrengten Eilverfahren. Angeblich ist vor Frühjahr 2026 mit keinem Richterspruch zu rechnen; obwohl es sich um ein Eilverfahren handelt.

Das hält die Anti-AfD-Aktivisten von SPD, Grünen und Linke freilich nicht davon ab, ständig ein Verbot der AfD zu fordern – und zwar jetzt.

Nachdem das Berliner Abgeordnetenhaus (CDU-/SPD-Senat) jüngst den Bundesrat aufgefordert hatte, Verbotsverfahren gegen extremistische Parteien zu prüfen, legte Bremens SPD-Fraktionschef Mustafa Güngör umgehend eine Schippe drauf: Bremen müsse endlich Berlin folgen und das AfD-Verbotsverfahren vorantreiben.

By the way: Im Berliner Beschluss taucht das Parteikürzel AfD nicht auf.

Munter bleiben!

Herzlichst 

Ihr Axel Schuller