Peitgen: Politik verharmlost Mega-Investitionen für die Energiewende / Stures Bremen
Bremen will besser sein als andere. Während die EU die CO2-Losigkeit für 2050 proklamiert, peilt der Bund das Jahr 2045 an. Bremen, so will es die Bürgerschafts-Mehrheit, soll bereits 2038 Klima-neutral sein. Die swb AG richtet sich darauf ein, den Bremer Gaskunden 2038 knallhart den Gashahn zuzudrehen. Haben die handelnden Bremer Politiker auch nur einen Gedanken darauf verschwendet, was dies real für die Bevölkerung bedeutet?
bremensogesehenhat (erneut) Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen um eine Einschätzung gebeten. Sein erschütterndes Fazit: „Es ist unbegreiflich, dass Bremen als ärmstes Bundesland stur an dem Ziel festhält, bereits 2038 klimaneutral zu sein, statt zu energiepolitischer Vernunft zu finden.“
Liebe Leserschaft, ich hatte Ihnen Peitgen bei Erscheinen seines viel beachteten Beitrages zum Thema Wasserstoff/grüner Stahl vorgestellt. Der emeritierte Bremer Prof. gehört inzwischen in einer angesehenen Gruppe von Wissenschaftlern und Unternehmern aus Österreich, der Schweiz und Deutschland an. Der Kreis nennt sich „4Pi Solutions“,er tritt vehement für die Energiewende ein, sucht aber nach praktikablen Wegen der Umsetzung.
Liebe Leserinnen und Leser, nachfolgend Peitgens Text, in dem er nachweist, dass die von Bürgerschaft und Senat beschlossene Klimaneuralität rechnerisch und damit auch praktisch nicht möglich ist.
Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen schreibt
Abschied vom Gasnetz – aber wie?
„Abschied vom Gasnetz zeichnet sich ab“, titelte der Weser-Kurier am 23. Dezember. Eine frohe Botschaft für alle, die noch an die deutsche Energiewende glauben. Gemeint ist: Gasnetzbetreiber sollen ihren Kundinnen und Kunden zehn Jahre vorher mitteilen, wann die Gasversorgung endet – damit diese rechtzeitig umsteigen können.
Da Bremen bereits 2038 klimaneutral wirtschaften will, wird es also höchste Zeit, mit der Abschiedsplanung in die Puschen zu kommen.
Wie realistisch ist ein Ausstieg aus Gas bis 2038?
Schauen wir nur auf die Wärmeversorgung im privaten Gebäudebestand in Bremen. Meine Zahlen sind grobe Überschläge, aber sie treffen die Größenordnung.
- Private Haushalte in Bremen verbrauchen heute insgesamt etwa 1 TWh (Terrawattstunden) Strom pro Jahr.
- Wenn man die wenigen Stadtteile mit Fernwärme und die mit Ölheizungen ausklammert, müssten in einem konsequenten „Abschiedsszenario“ wohl rund 50 % der Häuser und Wohnungen von Gas auf Wärmepumpen umstellen.
Wärmepumpen heißen so, weil aus 1 kWh (Kilowattstunden) Strom mehrere kWh Wärme erzeugt werden. Rechnen wir grob vereinfachend:
- 50 % der Bremer Haushalte entsprechen etwa 187.000 Haushalten.
- Durchschnittlicher Wärmebedarf: rund 15.000 kWh pro Jahr und Haushalt.
- Das ergibt einen jährlichen Wärmebedarf von etwa 2,8 TWh. (Dazu kommen natürlich noch Gewerbe- und Industriekunden, die ich außen vor lasse.)
- Unterstellen wir eine Jahresarbeitszahl von 3 (also 1 kWh Strom → 3 kWh Wärme), dann bräuchten die Wärmepumpen fast 1 TWh Strom.
Mit anderen Worten:
Allein die Wärmepumpen würden den Stromverbrauch der Bremer Haushalte ungefähr verdoppeln. Energetisch gesehen wäre Gas ersetzt, aber der elektrische Energiebedarf und das Stromsystem würden massiv wachsen.
Das eigentliche Problem: Leistung, nicht nur Energie
Noch kritischer ist die Leistungsseite – also die Frage: Wie viel Strom muss gleichzeitig bereitstehen?
An kalten Wintertagen laufen Wärmepumpen in vielen Haushalten gleichzeitig und zudem bei schlechterem Wirkungsgrad. Für diese Situationen muss das Netz dimensioniert werden.
Meine grobe Abschätzung:
Die bisher benötigte maximale Leistung von etwa 800 MW müsste auf rund 1.800 MW anwachsen – also mehr als eine Verdopplung.
Photovoltaik auf den Dächern hilft in dieser Situation nur sehr begrenzt:
- nachts scheint keine Sonne
- an kalten, trüben Wintertagen liefern PV-Anlagen nur wenig Strom
- Batteriespeicher im nötigen Maßstab wären extrem teuer und für saisonale Speicherung ungeeignet.
Und das ist noch nicht alles:
Um das Verbrenner-Aus zu erfüllen, werden in diesen Jahren zusätzlich sehr viele batterieelektrische Fahrzeuge unterwegs sein – ein weiterer dicker Brocken für das Stromnetz.
Das heutige Verteilnetz in Bremen ist für solche Spitzenleistungen schlicht nicht ausgelegt. Es müsste komplett bis in die Hausanschlüsse hinein verstärkt werden. Das würde gigantische Investitionen erfordern, die letztlich über stark steigende Netzentgelte bei den Haushalten landen.
„Das macht das Lastmanagement“?
Grüne Expertinnen und Experten werden kontern, man könne all das durch intelligentes Lastmanagement lösen. Ich möchte nicht derjenige sein, der 2038 in einer eisigen Februarnacht erklärt, warum Tausende Bremerinnen und Bremer in einer Art „Stromschlange“ stehen, um abwechselnd heizen oder laden zu dürfen, oder im Kalten einige Nächte verbringen.
Parallel dazu wird häufig die Fernwärme als Heilsversprechen präsentiert – ohne zu erwähnen, dass sie heute überwiegend aus Müllverbrennung mit erheblichem CO₂-Ausstoß stammt. Künftig müsste auch Fernwärme nahezu CO₂-frei sein. Wodurch? Durch Großwärmepumpen, natürlich. Das verschiebt das Problem nicht, es verstärkt es zusätzlich. Fernwärmekundinnen und -kunden dürften sich bei Netzausbau und Umstellung auf Großwärmepumpen auf deutliche Preissteigerungen einstellen.
Fazit:
Die Planung, das städtische Gasnetz abzuschalten, ist ein weiteres Beispiel für eine planwirtschaftlich gedachte Energiewende, die – je weiter sie voranschreitet – den Bürgerinnen und Bürgern immer höhere Lasten aufbürdet. Wie man das bei der aktuellen, öffentlichen Haushaltslage sozial austarieren will, ist mir völlig rätselhaft. Warum Bremen als ärmstes Bundesland dennoch stur an dem Ziel festhält, bereits 2038 klimaneutral zu sein, statt zu energiepolitischer Vernunft zu finden, bleibt unbegreiflich – zumal absehbar ist, dass dadurch private wie öffentliche Haushalte zusätzlich und vermeidbar belastet werden, mit der Folge, dass die Defizite in Bildung, Infrastruktur und Gesundheit sich unnötig verschärfen.
Prognose:
Ich glaube nicht, dass es so kommt, wie es heute auf dem Papier steht. Und ich habe den Eindruck, dass die Verantwortlichen das insgeheim wissen. Sie scheuen aber davor zurück, offen einzugestehen, dass ihre Energiepolitik, je konsequenter sie umgesetzt wird, immer stärker ins Straucheln gerät.
Viele Bürgerinnen und Bürger spüren das längst und fragen sich, warum die Politik hier nicht ehrlich ist. Ich sehe eine Parallele zur Migrationspolitik, in der über mehr als ein Jahrzehnt Probleme verharmlost oder geleugnet wurden – mit dem Ergebnis, dass sich ein erheblicher Teil der Wählerschaft nach rechts abgewandt hat.
Ich fürchte, eine völlig unrealistische Energiepolitik kann ähnliche Dynamiken auslösen.
Schlußbemerkung:
An einem eisigen Wintertag liefert das Bremer Gasnetz eine Leistung von rund 2.500 Megawatt, das Stromnetz dagegen nur etwa 800 Megawatt. So stark sind Moleküle, wenn es um Transportfähigkeit geht. Besonders drastisch wird das im Vergleich von Pipeline und Hochspannungsleitung: Eine Gasleitung mit einem Durchmesser von einem Meter kann mehr als das Zwanzigfache der Energiemenge transportieren wie eine 380-kV-Höchstspannungsleitung mit 3-GW-Kapazität. Das macht deutlich: Der notwendige Ausbau der Stromnetze verursacht ein Vielfaches der Infrastrukturkosten im Vergleich zur Versorgung mit Molekülen. Wer sich für ein „all electric“-System entscheidet, muss sich dieser physikalischen Realität stellen – die politischen Konsequenzen offen benennen und bereit sein, sie zu verantworten.
Meine stille Hoffnung ist, dass jene, die sich traditionell für die Interessen der arbeitenden Bevölkerung verantwortlich fühlen, sich dieser Verantwortung wieder bewusst werden – denn diese Energiewende trifft die Menschen nicht nur hart in ihren Haushalten, sondern ebenso an ihren Arbeitsplätzen.“
Liebe Leserschaft, das waren jetzt keinesfalls besinnliche Gedanken zu Weihnachten, sondern knallharte Fakten. Mögen diese die zuständigen Politiker zur Besinnung bringen.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Bitte schauen Sie sich auch die Dokumentation „WK-Betriebsrat…“ vom heutigen Tag an. Steht direkt unter diesem Blog-Stück.
Auch wir waren erschrocken, im WK lesen zu müssen, dass in absehbarer Zeit Gasheizungen nicht mehr betrieben werden sollen. Jedoch haben wir uns kürzlich an der Straßengemeinschaft „Erdwärme dich e.G.“ beteiligt, wobei die Frage unbeantwortet blieb, woher der Strom für die Pumpe kommen werde – und zu welchen Preisen!. Parallel zur Propaganda für E-Autos und deren Strombedarf. Der Strom kommt aus der Steckdose, wird dem Volk erzählt, nicht jedoch wie viel es künftig kosten werde, bis und nachdem die erforderliche Infrastruktur geschaffen wurde.. Ein grünes Märchen wird präsentiert, rot angestrichen. Was tun?!
Das von Herrn Professor Dr Peitgen in der Sache Vorgetragene kann man sofort unterschreiben. Dazu muss man allerdings die „Funktionslogik“ der Stromerzeugung verstehen. Das kann nicht jeder so ohne Weiteres. Denn „Das“ ist in etwa so, als wenn man mit einer leeren Geldbörse einkaufen geht.
Für mich ist Dr Peitgen so etwas wie ein „Mahner in der Wüste“. Hoffentlich verhallen seine Worte nicht so schnell, vor allem bei den politischen Entscheidungsträgern.
Wann sehen die Bundesbürger, dass es den Sozialisten und Kommunisten nur VORGESCHOBEN um Umweltfragen geht. Wenn jeder ENERGIEBEDARF (Wärme, Arbeit, Mobilität) auf einen einzigen Energieträger (Strom) migriert ist (xxx-Wende), herrschen diejenigen über ihre Mitmenschen, die das dann knappe Gut (Strom) POLITISCH beherrschen werden. Konzentration statt Diversifizierung ist die DÜMMSTE Entscheidung bei Energiethemen.
Wir lassen uns freiwillig unseren aktuellen und zukünftigen WOHLSTAND abnehmen, von Zivilversagern, angelernten möchtegern Berufspolitikern ohne Expertise und marktkritischen Sozialisten-/Kommunisten. Alle wollen den natürlichen Verlauf des Weltklima ändern, ohne die Notwendigkeiten und Gesetzmäßigkeiten der Weltklimaveränderungen zu verstehen.
Munter bleiben!
Der Beitrag von Herrn Peitgen lässt mich nach neuen Quoten und Beauftragten rufen.
Bei unseren Mandatsträgern fordere ich eine MINT-Quote in der Bürgerschaft, die selbstverständlich nicht nur durch Studierte, sondern auch durch in einschlägigen Handwerksberufen ausgebildete Menschen abzudecken ist. Als Vorstufe kann ich mir eine Eingangsprüfung in Dreisatz- und Prozentrechnung vorstellen, die unsere Bürgerschaft insgesamt auch schon auf eine höhere Ebene der Intellektualität heben würde. Die genannte Quote und den Eingangstest in Alltagsmathematik würde ich an die Stelle aller anderen Quoten setzen.
Des weiteren schlage ich vor, alle bisherigen Beauftragten in den Senatsbehörden zu streichen. Diese sollten durch Beauftragte für Logik, Empirie und gesunden Menschenverstand ersetzt werden. Die Parteien sollten an der Auswahl dieser Beauftragten nicht beteiligt werden.
Durch die Umsetzung meiner Vorschläge würde sich die Wahrscheinlichkeit drastisch erhöhen, dass Herr Peitgen mit seinen plausibel vorgerechneten Szenarien Gehör bei unseren MdBBs fände. Bei den Damen und Herren von RGR sehe ich da aktuell nicht die geringsten Chancen.
Lieber Herr Paul, was für ein Weihnachtsgeschenk! Sie sprechen nicht nur mir, sondern – denke ich – auch vielen vielen Anderen aus der Seele.
Allerdings glaube ich, dass nur einige wenige der Abgeordneten der Bürgerschaft Ihren Wink mit dem Zaunpfahl verstehen! Die meisten der Mitglieder der Bürgerschaft halten Ihren Kommentar wahrscheinlich für einen Aprilscherz an Heiligabend. Ein weiterer Beweis für deren Unvermögen.
suum quique (Jedem das Seine). Herr Paul, Ihr Ruf nach Quoten und neuen Beauftragten in Gottes (oder wessen auch immer) Ohr. Hauptsache, er wird gehört.
Natürlich kostet die Energiewende, aber es nicht zu tun kostet und viel mehr. Warum also kurzsichtig alles schlecht reden? Ein weiter so ist inakzeptabel. Die Versicherungswirtschaft weiß das übrigens.
Die Realität ist bei näherer Betrachtung sogar noch schlimmer als von Herrn Pleitgen kalkuliert. Bei Umstellung von Gasheizung auf Wärmepumpen muss das Stromnetz um den Faktor 4 verstärkt werden, und da ist die E-Mobilität noch gar nicht mitgerechnet. Jeder einzelne Kabelkanal in Bremen muss aufgebuddelt werden, um ein Kabel mit 4fachem Querschnitt zu verlegen. Mein Tipp: Schnell weg von hier.
Herr Gerken, ich denke, Sie haben Herrn Peitgen missverstanden. Ihm geht es nicht in erster Linie um ökonomische, sondern um physikalische und technische Grenzen der Dekarbonisierung. Die lassen sich nicht durch Grundgesetzänderungen und gigantische Schulden überwinden. Wenn man sich die Klimawende so herbeisehnt wie Sie, wäre es klug gewesen, sich beizeiten für den Erhalt oder noch besser den Ausbau der Atomenergie einzusetzen. Andernfalls sind die bei Verzicht auf Gas erforderlichen Strommengen fürs Heizen wohl nicht zu beschaffen. Auch wenn man alle freien Flächen mit Windrädern und Solarpaneelen zupflastert, wird es ohne göttlichen Beistand nicht möglich sein, Flauten und Dunkelheit abzuschaffen. Was ist Ihr Vorschlag? Beten für die Energiewende in Bremen?
Für die erforderliche Aufrüstung der Stromnetze fehlt es uns schlicht am erforderlichen Personal. Davon haben wir in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig in die Welt gesetzt und großgezogen. Und die, die wir haben, müssen jetzt erst einmal kriegstüchtig werden. Vielleicht können wir die Chinesen fragen, ob sie Lust haben, das für uns zu übernehmen. Sind Sie dabei, Herr Gerken?
Wir sollten uns schon mal Kerzen und Kohleöfen kaufen und wieder Kamine in die Häuser einziehen. Zudem sollten Pferdeställe gebaut werden, um die Pferde unterzubringen, die die „neue“ Mobilität sein werden. Das Szenario, das hier beschrieben wird, wird nie im Leben funktionieren. Schon heute stoßen die Netze an die Grenzen. Was man nicht beachtet hat, ist die Tatsache, dass der Strombedarf weiter steigen wird, da die Rechner für die digitalen Welten, in denen wir zukünftig leben werden, enormen Strombedarf haben.
So oder so – der Weg, der gerade eingeschlagen wurde, ist grundfalsch und das Ende aller Industrie in unserem Land.
Als Ingenieur weiß man, dass Strom eine Energie ist, die man sehr bequem handhaben kann (Steckdose), die aber gegenüber anderen Energieformen weniger effizient ist. Wenn es um komfortable Handhabung geht, ist Elektrizität top, wenn es aber um Energiedichte geht, schneiden molekulare Energien besser ab. Deshalb ist es auch so schwer zu verstehen, warum die Politik eine Monokultur der Energieform Strom anstrebt. Wenn Energie knapp ist, ist Diversität immer die bessere Strategie. Oder man riskiert Verletzlichkeit. Wir haben ja jetzt schon die Situation, dass unsere Abhängigkeit von Strom furchterregend hoch ist. Energiepolitisch sinnvoller wäre doch die Überlegung, wie man da robuster wird. Es ist schon lange unverständlich, warum dieses Thema nicht angegangen wird. Aber das hat wohl viel damit zu tun, dass unsere Politiker keine physikalischen Grundkenntnisse haben. Darauf hinzuweisen ist wichtig und das macht den Beitrag vom Prof Peitgen wertvoll. Kenntnisbefreite Politik ist schrecklich.
Zunächst muss man Herrn Prof. Peitgen für die erneute Aktualisierung des Themas dankbar sein, wie auch Herrn Schuller für die Veröffentlichung! Wir bewegen uns in einem Dilemma – das wird überaus deutlich! Einerseits: Die Dekarboniosierung ist unausweichlich – davon sollten wir unsere Augen auch jenseits aller Wünsche und Fluchtgedanken nicht verschließen. Auch in anderen einigermaßen zivilisierten Ländern bemüht man sich um die gleichen Ziele. Andererseits müssen wir in den nächsten 20 Jahren mit gewaltigen Herausforderungen umgehen. Die uns regierenden Politiker orientieren sich v.a. an ihren Wählern – also an uns: Wenn wir diese wichtigen Themen ständig vermeiden und die Fakten ignorieren: Sollen sie sich daran die Finger verbrennen? Herr Peitgen hat wichtige Fakten auf den Tisch gelegt, die für alle sehr anstrengend sind, von denen wir aber immer schon gewusst haben. Das Fernwärmenetz wird nicht ausreichen, ein Umsteuern auf elektrische Grundversorgung erfordert massive bauliche Veränderungen, Zeit und Kosten – für jegliche Energie-Varianten, für PV, Wind, neue Netze und erst recht für die Alternative Atom. Der Appell von Herrn Peitgen sollte uns alle erreichen und auch alle (!) Fraktionen der Bürgerschaft: Wir müssen einen konsistenten, ansatzweise realistischen, ideologiefernen Zeit- und Kostenplan für die nächsten 20 Jahre entwerfen! Wir brauchen eine öffentliche und offene (!) Diskussion. Dazu sollte v.a. auch die Variante der Erdwärme-Netze gehören, die in mehreren Ländern bereits realisiert wurden. Ich bitte alle Mit-Diskutanten umgehend von Vorwürfen, ideologischen, faktenfernen Beiträgen abzusehen und ins sachliche Gespräch einzutreten – auch wenn es wehtut.
An einer Stelle muss ich Herrn Peitgen widersprechen: „… eine planwirtschaftlich gedachte Energiewende …“ Ich denke, dass wir hier eher Religionswissenschaftler oder Psychiater bemühen sollten. Ich würde das Phänomen „Bekämpfung des Klimawandels“ eher in eine Reihe mit der Bekämpfung der Hexerei oder der Durchsetzung des geozentrischen Weltbildes setzen.
Ich erinnere noch mal an die Indizien: Anteil von CO₂ in der Atmosphäre 0,04 %, der Mensch verursacht zirka 3 % der gesamten CO₂-Emissionen, die Eisbohrkerne zeigen, dass es zuerst wärmer wird und dann das CO₂ ansteigt. Warmes Wasser kann weniger CO₂ speichern – ist das schon Ketzerei? Es wird noch besser.
Welcher Philanthrop hat die Brotsuppe warum erfunden? Erinnert sich noch jemand an den „Club of Rome“ der durch David Rockefellers Handlanger Aurelio Peccei, und Gianni Agnellioder gegründet wurde und der dieser „Peak-Oil-Theorie“ richtig Schub verlieh? Also dass das Öl zwischen 1970 und 2000 alle sein sollte. Zum Glück für uns war das Unsinn. Aber das war die Geburtsstunde der Transformationsindustrie.
Und wem gehört das neue unverhoffte Öl? Um es mal maximal desrespektierlich auszudrücken: „Indianern“ in Venezuela, dem „Ivan“ und den „Negern“ in Afrika, die aus verständlichen Gründen lieber Geschäfte mit den Chinesen machen.
Die Amis lösen das „Problem“ für sich gerade in Venezuela mittels der guten alten Piraterie. Habe ich das große Erdgasfeld vor Gaza vergessen? Das gehört jetzt auch in Kürze den „Richtigen“, die Erschließung kann starten.
Der Klimawandel ist als Ideologie durch, da gibt es übrigens Parallelen zur Eugenik, an der man in deutschen Landen auch mindestens 12 Jahre länger hing als in den beiden Erfinderländern. Blackrock hat sein Kapital da schon rausgezogen. Dass Friedrich Merz noch keinen Anruf in dieser Sache von Larry Fink bekommen hat, liegt womöglich daran, dass seine Performance während seiner Zeit bei Blackrock enttäuschend war und das persönliche Verhältnis gestört ist – oder Larry hat angerufen, Friedrich hat es nur nicht verstanden, weil – Na ja …
Diese Polemik musste mal sein.
Vielen Dank für das erneute Aufgreifen dieses Themas.
Mein Beitrag soll ganz einfach die praktische Auswirkung beleuchten.
Ich beschäftige mich seit mehr als 3 Jahren immer wieder mit dem Thema, weil meine 29 Kw Gaszentralheizung drei Wohneinheiten versorgt und inzwischen über 30 Jahre alt ist. Ich wollte mich frühzeitig mit einem sinnvollen Ersatz beschäftigen, um im Falle des Falles einen Plan zu haben, der eine langfristige Lösung darstellt. Zuerst wandte ich mich an einen Energieberater der Verbraucherzentrale. Gegen eine Gebühr kam er zu mir nach Hause und besah es sich dieses vom Dach bis zum Keller. Ergebnis: eine Wärmepumpe kommt für mein Haus nicht in Frage, weil damit eine Riesenaufwand verbunden ist. Die PV Anlage auf dem Dach würde, weil die Dachfläche eher klein ist, nur 6 Kw erzeugen, das nicht mal für den Betrieb der Wärmepumpe ausreichen würde. Außerdem würde der Schornstein ein neues Innenrohr aus Kunststoff benötigen und das vorhandene Edelstahlrohr müsste entfernt werden. Die Elektrifizierung müsste durch das gesamte Treppenhaus erfolgen (wegen des großen Aufwandes wohl Aufputz), was zu einem schlechteren Standard führen würde als er jetzt ist. Ebenfalls sei ein neuer Zählerschrank erforderlich. Kosten ca 50.000-60.000€.
Dann fragte ich meinen Klempner, der meine Heizung seit 30 Jahren wartet. Ergebnis: gleiche Einschätzung, gleiche Kosten, Empfehlung bei Gas zu bleiben. Eine neue Brennwertherme kostet nur 10.000€.
Ein nächster Versuch führte mich zu einem deutschlandweit aktiven Anbieter, wo es alles aus einer Hand geben soll auch die Wartung und das ganze besonders kostengünstig. Die staatliche Förderung führe dazu, dass ich nur etwa die Hälfte der Kosten selbst aufbringen müsse. Würde ich nur die Wärmepumpe nehmen, blieben nur ca 25.000€ bei mir. Dafür wurde mir ein -aus meiner Sicht – sehr teures Finanzierungsangebot gemacht.
Ich wollte wissen, was meine Bank mir für eine Finanzierung vorgeschlagen würde. Dort hörte ich, dass ich ja wisse, dass ich über 70 Jahre alt sei und sich ein solches Investment nicht mehr lohnen würde, weil ich den Kredit zu meinen Lebzeiten wohl nicht mehr zurückführen könne. Interessant.
Dann beschloss die Bundesregierung verpflichtend die kommunalen Wärmeplanung, die von den einzelnen Bundesländern vorgelegt werden sollte. Es stellte sich heraus, dass die in einer konkreten Form in Bremen erst Mitte 2026 vorliegen soll. Noch sieht sie sehr vage und allgemein aus. Nichts Genaues weiß man nicht.
Genauso wenig ist bekannt, ob und wo genau das Fernwärmenetz ausgebaut werden bzw. verlaufen soll und ob ich mich dem möglicherweise anschließen muss, wie zu lesen war.
Für Erdwärme hat sich ein Nachbar entschieden. Kosten mehr als 60.000€. Die Odyssee, die ich bis jetzt hinter mir habe, hatte noch zwei weitere Schleifen, die ich hier nicht auch noch ausführen will. Ich möchte aber zeigen, wie es mir als Bürgerin in der Praxis ergeht, wenn ich mich mit diesem Thema konfrontiert sehe und eine geeignete Lösung für mich finden will. Ich habe bis jetzt keine tragfähige, langfristige und bezahlbare Entscheidungsgrundlage für das Problem, obwohl ich mich intensiv damit befasst habe. Warum sind die Kosten für Wärmepumpen in vielen Nachbarländern eigentlich so deutlich niedriger als in Deutschland?
Alleingelassen fühle ich mich von der Politik, weil sich diese so wichtige Thematik für die Zukunft von uns allen nicht durch fundierte Sachpolitik, sondern durch ideologische Machtpolitik auszeichnet. Den Bürgerinnen und Bürgern nützt das aber genau gar nichts. Danke dafür!
Ich bin erstaunt, dass hier noch der menschgemachte Klimawandel geleugnet wird – das bleibt nach Abzug der Polemik mit abwertenden Herkunftsbezeichnungen von Menschen übrig. Schade, dass sie das Niveau bringen, Hr. Mayer!
Und wer es nicht nicht mitbekommen hat… der Netzausbau ist auch in Bremen im Gange, ich habe seit einem Monat ein neues Kabel ins Haus.
Lieber Martin Gerken, „abwertende Herkunftsbezeichnungen“ – der Überbringer der schlechten Nachrichten ist nicht deren Verursacher. Nehmen wir Venezuela: Die Sanktionen, insbesondere die der USA (seit den frühen 2000er-Jahren) und der EU, werden nicht primär verhängt, um „Demokratie“ oder „Menschenrechte“ zu fördern, sondern um einen Regimewechsel zu erzwingen um die Ressourcen zu kontrollieren. Venezuela besitzt die größten nachgewiesenen Ölvorkommen der Welt, und die US-Regierungen – von Obama über Trump bis Biden – haben diese als strategisches Ziel betrachtet.
Die Sanktionen begannen systematisch um 2015 herum, als das Maduro-Regime trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten seine sozialistische Politik fortsetzte und enge Beziehungen zu Ländern wie Russland, China und Iran pflegte. Komisch die sind alle als „Feinde“ markiert. Kritiker wie „UN-Experten“ argumentieren, dass dies eine Form des Imperialismus ist: Die USA wollen einen pro-westlichen Führer installieren, der den Zugang zu Öl erleichtert, nicht den Weltmarktpreis zahlen und die Einflussnahme durch rivalisierender Mächte einschränkt.
Imperialismus, also die Ausbeutung fremder Länder, ist ja ohne Rassismus gar nicht vorstellbar. Man raubt ja nicht Menschen auf Augenhöhe aus; die muss man vorher abwerten, um das vor sich selbst zu rechtfertigen. Wenn Sie sich historisch etwas weiterbilden, werden Sie erkennen, dass es da ein Muster gibt und seit mindestens 1.000 Jahren immer wieder die gleichen Methoden angewandt werden.,
Und der Begriff „Leugner“ geht Ihnen leicht von der Hand – was bedeutet der eigentlich? Im religiösen Sinn bezeichnet „Leugner“ eine Person, die eine göttliche Wahrheit, den Glauben oder Gott selbst verleugnet oder bestreitet. Dies impliziert oft eine moralische Verurteilung, da es um die Ablehnung einer anerkannten religiösen Realitäten geht.
Ein „Gottesleugner“ oder „Glaubensleugner“ (z. B. jemand, der Christus verleugnet, wie Petrus in der Bibel). Im Islam: Übersetzung für „kāfir“ (Ungläubiger), das wörtlich „Leugner“ oder „Verberger der Wahrheit“ bedeutet – jemand, der die Existenz oder Botschaft Gottes leugnet. Die Abrahamisten sind sich in dem Punkt einig. Aber ich bin Atheist; für mich gibt es keinen Gott und eigentlich geht es hier um Physik. Also ein mathematisches Modell der Wirklichkeit mit dem man die Zukunft vorher sagen kann und das stimmt dann in bestimmten Grenzen oder eben nicht.
In der Propaganda werden Kritiker mit dem Zusatz „-leugner“ belegt, wenn der eigene Standpunkt schwach ist und kaum inhaltlich argumentiert werden kann – so wie Sie das nicht können. Sie sagen nur: „Alle wissen das, nur der (ungläubige) Mayer leugnet die Wahrheit.“ Ich habe zumindest drei harte Indizien gebracht; die könnte man ja vielleicht widerlegen, wenn man Fähigkeiten hätte.
Man darf da gerne noch hin u. her lamentieren, bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Das ändert aber nichts an den Tatsachen. Die sog. Energiewende ist gescheitert und wer das immer noch nicht realisiert, glaubt vermutlich auch noch immer, dass völlig unqualifizierte Masseneinwanderung ein Fachkräfteproblem lösen könnte, welches es mit verantwortlich tätiger Familienpolitik so eh nie gegeben hätte.
Die Energiewende hingegen tut exakt das, was nach den Planungen ihrer Installateure und Erdenker auch beabsichtigt war. Sie scheitert mit katastrophalen Folgen! Da geht es um ein mit sehr viel Marketing-Kapital befeuertes Projekt, mit dem Ziel Deutschland CO2-frei zu machen. Diejenigen welche diese Kampagnen-Maschinerie mit viel Geld am laufen halten (u.a. US-Milliardäre) wissen doch das eine ganz genau: Ist Deutschland erst einmal CO2-Neutral, spielt es in der Weltwirtschaft keinerlei Rolle mehr – der Wettbewerber ist tot und man kann dessen Marktanteile begeistert übernehmen.
Das war es allerdings noch längst nicht – dann erst beginnt die grosse Schnäppchenjagd. Liegt der Staat erst einmal nach dem sich bereits klar abzeichnenden Wirtschaftskollaps im finanziellen Abgrund, läßt er sich durch die üblichen Heuschrecken trefflich plündern (siehe Griechenland). Deutschland besitzt ein Hochvermögen in Form von Infrastruktur, welches sich vermutlich Blackrock (Ja genau, das sind die, mit dem Kanzler!) und weitere Akteure dann begeistert zum Ramschpreis einverleiben werden. In der Ukraine hat wohl dem Vernehmen nach übrigens die Vorbereitungsphase für diesen Prozess wohl bereits begonnen.
Wenn also Gas-Pipelines durch Terrorakt gesprengt werden und Atomkraftwerke plattgemacht werden, dann folgt all dies einer Agenda mit klar definierten Absichten, bei denen es stets, wie üblich, um die eine zentrale Frage geht. Wer verdient daran? Den vorderen Entscheidungsträgern auf Bundesebene des Altparteien-Kartells dürfte das alles soweit auch sonnenklar sein. Auf den Landesebenen hingegen übernimmt man, wie in Kaderparteien üblich, natürlich kritikbefreit die Mär von der Klimarettung durch Selbstabwrackung. Zumindest tut man so, weil der nächste Listenparteitag kommt bestimmt und schliesslich möchte man ja wenn dort alle 4 Jahre wieder „Reise nach Jerusalem“ gespielt wird, doch keinesfalls leer ausgehen, bzw. könnte sich dies auch keinesfalls leisten. Begleiterscheinungen wie der der jüngste Totalausfall in Sachen Wasserstoff / Grüner Stahl, spielen da weiters keine Rolle – immerhin hat man ja das ganz Grosse und ganz Ganze fest im Blick!
Was hilft? Z.B. gerne mal darüber nachdenken, weshalb der Rest der Welt überhaupt nicht einmal ansatzweise dazu bereit ist, unseren Weg in die wirtschaftliche, wie auch gesellschaftliche Apokalypse mitzugehen. Dies gilt auch hinsichtlich des eigenen Wahlverhaltens. Wer die Kartell-Kaderparteien von links bis anscheinskonservativ wählt, hat keinen notwendigen Politikwechsel zu erwarten.
Vielen Dank an Herrn Peitgen für seinen Beitrag, der wieder einmal zeigt, wie groß die Diskrepanz zwischen politischen (ideologiegetriebenen) Träumen (Klimaneutralität 2038) und der Realität eines komplexen Wirtschafts- und Sozialsystems ist. Damit ist Bremen natürlich nicht allein, das gleiche Problem gibt es in anderen Bundesländern, zum Beispiel in Hamburg ebenso wie auf der Bundesebene. Aber warum eigentlich gelingt es „der Politik“ nicht, realistische, zielführende Pläne und Maßnahmen zu etablieren ? Die eigentlichen Ursachen liegen in unserem Politiksystem!
Um ein so komplexes Unterfangen wie eine Energiewende zu gestalten, bedarf es anderer Methoden. Es reicht nicht, „Strategien“ zu formulieren, die in der Politik in der Regel aus mehr oder weniger geschwätzigen Beschreibungen von Zielen bestehen, und aus denen dann, unorganisiert, zum Teil widersprüchliche Einzelmaßnahmen abgeleitet werden, die dann auch noch in Gesetzen erlassen werden. Es bedarf einer echten Strategischen Planung, so wie sie in der einschlägigen Wissenschaft definiert ist.
Eine Strategische Planung hat drei Elemente, 1) Ziele, 2) eine sorgfältige, den relevanten Bereich komplett abdeckende Bestandsaufnahme der Ausgangssituation und schließlich, 3) einen Maßnahmenplan, der die Maßnahmen quantifiziert (Kosten/ Zeiten), logisch und terminlich zuordnet und Verantwortlichkeiten festlegt. Für die Erstellung eines solchen Planes bedarf es spezieller Kompetenzen, ausreichend Zeit und die nötigen Ressourcen (qualifiziertes Personal). Bei einem sorgfältigen Prozess können dann auch Ziele, falls unerreichbar, angepasst werden!
All dies ist in unserem Politiksystem nicht verfügbar. Ein durch Legislaturperioden getakteter (durch ständige Wahlkämpfe getriebener) Politikbetrieb hat keine Zeit für eine mehrjährige Planungsaktivität (so lange dauert typischerweise ein entsprechender Prozess). Die Demokratie verlangt immer schnelle, sofortige Maßnahmen. Besonders eklatant ist das Fehlen der nötigen Methoden-Kompetenz in den Senats- bzw. Ministerialbürokratien.
Die Schlussfolgerung: Eine zielführende Planung für eine Energiewende, sei es auf der Ebene der Bundesländer oder auf Bundesebene, wird es so nicht geben! Wir werden weiterhin mit schnellen, widersprüchlichen Einzelaktionen konfrontiert werden.
Das Scheitern beim Erreichen von politischen Zielen für die Energiewende ist bei dieser Art der Vorgehensweise unvermeidbar, es sei denn die Politik ringt sich dazu durch, erst einmal über die erforderlichen Prozesse nachzudenken. Beispiele dafür wie das gelingen kann gibt es in anderen Ländern.