SPD im Abwärtsstrudel / Bovenschulte reagiert „angefressen“

08.01.2026 16 Von Axel Schuller

Die Bremer SPD kann einem fast schon leidtun. Ihr Hauptmatador, Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte, hinterlässt zuweilen den Eindruck eines politischen Zappelphilipps. Fraktionschef Mustafa Güngör gräbt sich immer tiefer in die selbstgewählte Anti-Rechts-Trutzburg ein. Und SPD-Landeschef Falk Wagner – nimmt man gar nicht erst wahr. Die Partei selbst ist von einst über 10.000 Mitgliedern zu Hans Koschnicks Zeiten auf 3.500 Mitglieder abgemagert. Die Bremer Sozialdemokratie strahlt aktuell eines aus: Angst.

Die Umfragewerte auf Bundesebene – besorgniserregend. Prognosen für die Landtagswahlen in Baden-Württemberg – ernüchternd. Selbst im ehemaligen „Malu-Dreyer-Land“ Rheinland-Pfalz droht der Verlust der Regierungszentrale. In Berlin wird die SPD trotz des amateurhaft-agierenden CDU-Bürgermeisters vermutlich noch weiter absacken.

Im Osten katastrophal ist noch untertrieben: Nicht nur McPo wackelt. In Sachsen-Anhalt muss die SPD – wie eine Splitterpartei! – die 5-Prozent-Hürde fürchten!

In Bremen sieht das Umfrageportal „Civey“ (ja, nicht unbedingt zuverlässig, aber immerhin) die Schwarzen vor den Roten.

Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte gilt zwar als abgebrühter Polit-Profi, ist aber (zum Glück) doch noch Mensch.

Der Mann ist von Kritik derart angefressen, dass er angeblich kurz davor war, die offizielle Verabschiedung von Innensenator Ulrich Mäurer zu „schmeißen“. Mäurers treffende Analyse der negativen Folgen durch die übermäßige Migration an die Weser war zwar keine neue Erfindung von ihm, wurde von führenden Sozialdemokraten aber als Nestbeschmutzung gewertet. Manche verstiegen sich sogar zum polit-tödlichen Brandmal: Mäurer habe AfD-Sprech übernommen.

Hinzu kamen Interview-Äußerungen des altgedienten und in der Bevölkerung ja durchaus beliebten „Roten Sheriffs“. Nee, Bürgermeister habe er nie werden wollen. Schon wegen der vielen Repräsentationspflichten. Bovenschulte fühlte sich dem Vernehmen nach plötzlich als eine Art Grüß-August diffamiert.

Das war selbst für den Hünen „Bovi“ zu viel. Der sonst durchaus selbstbewusst auftretende Bürgermeister leidet aktuell unter mangelnden Selbstwertgefühl. Die Staatsratsaffäre und der Rücktritt der Grünen Senatorin Kathrin Moosdorf sorgten garantiert nicht für die Aufhellung seiner Stimmung. Außerdem wirkt allmählich die Brutal-Strategie der CDU, jede Kritik an der Regierung – egal ob an SPD-, Grünen- oder Linken-Senatoren m/w – geradezu penetrant „dem Senat Bovenschulte“ anzuheften.

Eine Rolle dürfte außerdem spielen, dass die bremische Verwaltung besser jammern als ordentliche Arbeit abliefern kann. Einige der Ursachen: Den Gründen für übermäßig viele Krankheitstage im öffentlichen Dienst wurde nie nachgegangen. Weshalb die Verwaltung teilweise mangelhafte Arbeitsergebnisse abliefert, wurde nie erforscht. So kommt man möglichen Effizienzsteigerungen nie auf die Spur.

Fatal: Die SPD wehrt sich seit Jahren wie ein störrischer Esel selbst gegen eine „ergebnisoffene“ Inventur des Personalvertretungs-Gesetzes. Aus nackter Angst vor den Gewerkschaften. Auch gibt es kein Nachdenken darüber, ob der Öffentliche Dienst möglicherweise schlecht organisiert und geführt wird.

Solch ignorantes Verhalten können sich nur zwangs-alimentierte Einrichtungen wie der Staat (oder der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk) leisten.    

Bovenschulte ist aktuell tief verunsichert. Dies merkt man auch, wenn man seine Zappelphilipp-mäßige Posterei auf der Unternehmens-Plattform LinkedIn verfolgt. Da versteigt er sich – häufig an Wochenenden – zu teils fast schon abstrusen Gedanken. Dort äußert er auch häufig Unverständnis über die Leistungen der Wirtschaft. Unternehmer wünschen sich in der angespannten wirtschaftlichen Lage jedoch eher Wertschätzung als Herabsetzung. 

Allmählich fragt man sich: Was will Bovenschulte (60)? Verfolgt er einen persönlichen Plan? Nachdem er nicht Bundesjustizminister geworden ist – wohin will er? Bloß raus aus dem finanziellen Jammertal Bremen? Was will er? Bundestagsabgeordneter mit mehr Zeit fürs Private? Vorsitz der üppig Steuer-finanzierten (SPD-)Friedrich Ebert-Stiftung (FES) – der Amtsinhaber Martin Schulz zählt ja mittlerweile auch schon 70 Lenze. Der FES-Chefposten ist nicht nur gut besoldet, sondern mit allerlei Annehmlichkeiten ausstaffiert.

Vor dem Hintergrund eines möglichen „Abflugs“ des Bremer Präsidenten des Senats könnte das „Einfliegen“ von Dr. Eva Högl (57) strategisch Sinn machen. Strebte Bovenschulte an eine andere Wirkungsstätte, könnte Högl der Bremer SPD womöglich das Rathaus sichern. Und Fraktionschef Mustafa Güngör könnte sich endlich doch noch im Innenressort breitmachen – auch wenn er den Drall dorthin stets dementiert.

Vor dem Absturz der Partei auf mehreren Wahlebenen hatten einige in der Bremer SPD-Spitze noch ganz andere Pläne geschmiedet. Einige sahen Falk-Constantin Wagner schon im Amt des Bausenators. Doch der 36-Jährige blieb Abgeordneter und entschied sich – durchaus clever – für eine Reife- und Warteschleife auf dem Posten des SPD-Landesvorsitzenden. Von dort, so das Kalkül, könne er in ein paar Jahren Bovenschultes Nachfolge anstreben. (Bislang kommen jedoch kaum Anstöße für die an Ideen darbende Partei von ihm.) Die Exekution des eigenständige SPD-Unterbezirks Bremen-Nord und Einverleibung desselben in den UB-Stadt, sorgt für anhaltenden Schaden an der Norder SPD-Seele.

Die Zeiten haben sich dramatisch geändert. Das Ansehen der SPD rauscht – auch in Bremen – nach unten. Civey sieht zurzeit die Union vorn, mit der sehr jungen, neuen Frontfrau Dr. Wiebke Winter (29). Wobei ich vermute, dass Winter noch mehr Erfahrungen sammeln und an eigener Statur im Politik-Geschäft gewinnen muss. 2027 könnte für sie als Entscheidungsjahr vier Jahre zu früh sein.

Aber, wer weiß das heutzutage schon…

Die SPD fühlt sich angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in West und Ost massiv unter Druck. Immerhin haben die Bremer Sozialdemokraten bereits bei der Bundestagswahl 2025 nicht gerade Fanfaren-mäßig gut abgeschnitten. Im Gegenteil: SPD-Erststimmen: 27,4 % (-5,7), Zweitstimmen: 23,1% (-8,3).

Die AfD, bei der Bürgerschaftswahl noch am eigenen Unvermögen gescheitert, macht den Genossen schwer zu schaffen. Obwohl ihr Programm überwiegend unbekannt sein dürfte, errang sie bei der Bundestagswahl 2025 an Erststimmen: 15,2 % (+8,6) und Zweitstimmen: 15,1 (+8,2).

Dieser Anstieg beunruhigt SPD, Grüne und Linke so sehr, dass sie die Partei (wegen ihrer teilweise rechtsextremen Haltung auf Bundesebene) verbieten lassen wollen. 

An die Spitze dieser Bremer Kampffront hat sich Fraktionschef Mustafa Güngör gesetzt. Er will das „Ding durchziehen“. Um jeden Preis.

Dabei blendet er aus, dass gerade die SPD in der Vergangenheit speziell in Arbeiterbezirken Wähler an die AfD verloren hat. Und: Viele langjährig integrierte Ausländer, früher überzeugte SPD-Anhänger, wenden sich teilweise ebenfalls zur AfD ab. Mit einer SPD-Bürgerschaftspräsidentin, die für ihr Leben gern gendert, übrigens nicht ganz überraschend.

Liebe Wähler-, äh, Leserschaft, in Bremen wird – regulär – im Mai 2027 gewählt. Mal schauen, welche Person danach im weiter schönen Bremer Rathaus regieren wird.

Die SPD jedenfalls ist in einem schlechten Zustand. Sie kriegt nicht einmal einen Neujahrsempfang 2026 auf die Beine.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Wie schlecht die SPD auf Bundesebene von langjährigen Mitgliedern beurteilt wird, zeige ich schlaglichtartig in einer „Doku“ direkt unter diesem Stück auf. Sie werden sich – versprochen – wundern!