Zeitung, Eiswette, Juristerei – hängt in Bremen irgendwie „alles mit allem“ zusammen?
Allmählich wird es kurios. Einige Leserinnen und Leser fragen m i c h, (der sich vor 27 Jahren vom WK abgewandt hatte), nach aktuellen Interna des Weser-Kurier… Also, denn: Ein neuer Zwischenstand des Stückes „Dallas an der Weser“. Inklusive einiger bemerkenswerter Hintergründe – auch aus dem Bremer Eiswett- und Juristen-Milieu. Der Betriebsrat hat gestern über den Fortgang des Streits zwischen den Eigentümern Hackmack und Güssow informiert (siehe Doku 1 ). Ein Amtsrichter setzte bekanntlich Ex-Vorstand David Koopmann überraschend als Notvorstand ein. Unbefristet. Bis sich die zerstrittenen Aufsichtsräte auf einen neuen Chef einigen. Alle 6 Aufsichtsräte müssen jeweils ein Sechstel der Gerichtskosten tragen. Und: Der Richter mahnte außerdem zum zügigen Handeln. Wenn der Aufsichtsrat seine Aufgaben nicht erfülle, könnten die AR-Mitglieder in Haftung genommen werden. (Doku 2).
David Koopmann ist nun Notvorstand per Gerichtsentscheid. Auf LinkedIn postet er fröhlich, er habe „eine neue Position“:
„Jan. 2026-Heute – Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG“. Von „Notvorstand“ ist dort nichts zu lesen.
Koopmann, dieses Mal zunächst nicht für die Eiswettfeier vorgesehen, durfte dort überraschend doch Platz nehmen (ohne im Teilnehmer-Verzeichnis aufzutauchen) – offenbar als Nachrücker für einen Gast, der kurzfristig abgesagt hatte.
Liebe Leserschaft, zurück zur erstaunlichen Entscheidung des Amtsgerichtes Bremen, David Koopmann als Notvorstand einzusetzen – obwohl 50% der Eigentümer (Christian Güssow) ihn unbedingt aus dem Verlag entfernen wollte.
Heute, liebe Leserinnen und Leser, gibt’s was auf die Augen:
1. Hintergründe, Interna etc. zum aktuellen Stand im Pressehaus.
2. Das Infoschreiben des WK-Betriebsrates, gestern im Intranet veröffentlicht.
3. Die Entscheidung des Amtsgerichtes über die Einsetzung von Koopmann zum „Notvorstand“.
Hintergründiges:
Eigentümer-Vertreter Dr. Ulrich Hackmack hatte sich bekanntlich festgelegt, wollte seinen Favoriten Koopmann auf jeden Fall im Amt halten. Die Idee, neben Koopmann einen zweiten Vorstand zu berufen, widersprach offenbar die andere Eigentümer-Hälfte von Christian Güssow. Dem Vernehmen nach schien es dieser Eigentümer-Seite als zu teuer – außerdem wollte sie Koopmann ja loswerden.
Zu teuer? Nach meiner Schätzung dürfte der Vorstand der Bretag ein Jahressalär von etwa 300.000 bis 350.000 Euro erhalten. Bei zwei Vorständen also mal 2 multipliziert…muss erst mal verdient werden.
Übrigens, der Richter hat nicht festgelegt, wie der Notvorstand zu entlohnen sei. Deshalb rechne ich damit, dass die Güssow-Seite nicht nur gegen die Entscheidung zum Thema „Notvorstand“ klagen wird. Ebenfalls könnte es zum Streit über das Gehalt des Vorstandes von Gerichts Gnaden kommen. Schließlich darf dieser – im Vergleich zu einem regulären Vorstand – nur eingeschränkt tätig sein, bspw. keine großen Geschäfte für den Laden abschließen.
Übrigens: In der Doku 1 schreibt der Betriebsrat stets von der Eigentümerseite „Meyer/Güssow“ . Woher dies rührt? Christian Güssow ist der Enkel von Hermann Rudolf Meyer, dem legendären, knallharten Geschäftsführer und Miteigentümer des Weser-Kuriers.
Dr. Ulrich Hackmack hingegen ist Nachfahre von Ex-Schulrat Gerhard Hackmack. Diesen Vater Hans Hackmack (Journalist) erhielt 1945 (mit anderen) von der US-Militärregierung die Lizenz, eine neue Zeitung (WK) herauszugeben.
Geschichtlicher Exkurs: Als Felix von Eckardt – wie Hackmack Lizenznehmer der ersten Stunde – 1952 Sprecher der Bundesregierung von Konrad Adenauer wurde, verkaufte er seine Anteile an den Verlagsleiter Hermann Rudolf Meyer. Vier Jahre später übernahm Meyer weitere Anteile – von Hans Hackmack. Seitdem verfügen beide Familien – Hackmack und Meyer (jetzt Güssow) über exakt gleich viele Besitzanteile am WK, was seit Jahren zur Patt-Situationen führt. Christian Güssow drängte Dr. Ulrich Hackmack 2013 – per Urteil des Bundesgerichtshofes – aus dem Job als Vorstand des WK. Dies dürfte auch eine Erklärung für die Konkurrenz zwischen den beiden Männern sein.
By the way: Wenn die DGzRS bei der Eiswette den „Schneider“ trockenen Fußes über die Weser chauffiert, kommt stets der Seenotkreuzer „Hermann Rudolf Meyer“ mit seinem Tochterboot – Achtung – „Christian“ (Güssow) zum Einsatz.
Apropos Eiswette: Die Traditionsgesellschaft ist nicht nur über den Seenotkreuzer eng mit dem WK verbunden, sondern auch auf andere Weise:
Bernhard Gätjen gehört nicht nur (für die Hackmack-Seite) dem Weser-Kurier Aufsichtsrat an, sondern ist auch Eiswett-Genosse. Außerdem: Der „notarius publicus“ der Eiswette, Dr. Jochen Böning, vertrat im Verfahren um Einsetzung des Notvorstandes das Aufsichtsrats-Mitglied und Miteigentümer Dr. Hackmack (Eiswettgenosse) bei Gericht. Böning ist Partner der Kanzlei Ahlers & Vogel. Und jetzt wird’s historisch, eigentlich sehr speziell: Einer der Namensgeber dieser Kanzlei, Dr. Dieter Ahlers, war dereinst Aufsichtsratschef des WK – zunächst von Geschäftsführer Meyer (also Güssows Großvater) als Fimenanwalt angeheuert.
Weil ich gerade bei Güssow bin. Er lebt zwar in Hamburg, ist aber mit Bremen eng verbunden: Seine Ehefrau Esther Haase, international tätige Fotografin, ist die Tochter von Bremens Werbe-Urgesteinen, Fritz Hasse und Sibylle Haase-Knels (˝†) Gründer von der Agentur Haase und Knels im Schnoor.
Zu guter Letzt – ja, jetzt tatsächlich mal etwas aus der Klatsch-und-Tratsch-Ecke: Der „Chef“ des eingangs erwähnten Richters, der David Koopmann zum Notvorstand berufen hat, ist Jörg Lockfeldt – Präsident des Bremer Amtsgerichts und Mann der Medienfrau Anja Kalski. Sie führt die Geschäfte des Osterholzer Anzeigers – nicht zu verwechseln mit dem Osterholzer Kreisblatt, das wiederum zum WK-Imperium gehört.
Manchmal könnte man meinen, Alexander von Humboldt hätte bei der Formulierung seiner Weisheit über das Zusammenwirken der Natur „Alles hängt mit allem zusammen“ auch an einen Ort wie Bremen gedacht.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Bitte schauen Sie sich heute – oder wenn Sie genügend Zeit haben – Doku 1 (WK-Betriebsrat) und Doku 2 (Amtsgericht entscheidet über Notvorstand) an.
Und ganz Eifrigen lege ich erneut die Leserkommentare zu den vorherigen Blog-Einträgen ans Herz. Prädikat: Extrem lesenswert.
Natürlich kennt in Bremen (wie übetall auf der Welt) jeder jeden. Das nennt sich das „Kleine-Welt-Phänomen“, was in der Wissenschaft hinreichend beschrieben und erforscht ist. Darüber zu spekulieren, dass der Amtsrichter seine Entscheidung in Sachen :Notvorstand nicht unabhängig getroffen hat, weil die Ehefrau des Präsidenten des Amtsgerichts irgendwas mit Medien zu tun hat, halte ich für abwegig. Sowas schürt Staatsverdrossenheit. Im übrigen ist es widersprüchlich auf der einen Seite zu kritisieren, dass in Bremen Funktionsträger sich untereinander kennen, andererseits zu bemängeln, dass z.B. Senat incl. Staatsräte nicht mit Bremern besetzt wird. Wie soll es denn nun sein?
Sehr amüsant, es bestätigt wieder einmal das alte Vorurteil, dass die Enkel das Erbe vor die Wand fahren. Die mussten sich als Unternehmer nie bewähren, sondern sind durch den Zufall der Geburt in ein gemachtes Nest geplumpst. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum wir von einer Leistungsgesellschaft in eine degenerierte Leistungsbehauptungsgesellschaft transformiert wurden. Denn der Fisch beginnt am Kopf zu stinken.
Eine intelligent strukturierte Erbschaftssteuer sollte eigentlich die Spreu vom Weizen trennen, bevor Schaden entsteht. Minderleister sollten Vermögen und Einfluss verlieren, ohne dass – wie momentan in Deutschland – einer Konzerninfizierung verschubgeleistet wird.
Darüber lohnt es sich nachzudenken: Wir müssen wieder eine echte Leistungsgesellschaft werden.
Großen Dank an Herrn Schuller für den fast schon „amüsant und ironisch“ anmutenden Blick hinter die Kulissen der Besitzgesellschaften des Weser-Kuriers. Hätte ich als ‚Zugereister“ so niemals im Detail erfahren. Welch ein ‚Filz“.
Zu der Verquickung von Bremer Eiswett-und Juristen-Milieu fällt mir wiederum nur J.W.v.Goethe ein:
„Es erben sich Gesetz‘ und Rechte wie eine ew’ge Krankheit fort; sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte“…. (Faust I)
Was ursprünglich Vernunft war, wird zu Unsinn, und Wohltat wird zur Plage“…
Das, was ich gelesen habe, will ich eigentlich gar nicht wissen. Dass Zusammenhänge zwischen Gesellschaftern, Familien, Unternehmen, Vereinen, personellen Besetzungen etc bestehen und schon immer bestanden haben, finde ich ziemlich normal. Im Einzelnen kann und will ich aber auf die Namen nicht eingehen, weil mir ( und fast allen Lesern ) zu viel Hintergrund fehlt.
Eines allerdings bringt mich zum Nachdenken: Hier werden ja Namen von Menschen und Institutionen genannt, die durchaus z.T. einen guten Namen haben. Jedenfalls ist das mein Eindruck.
Den WK lese ich seit zig Jahren. Jedenfalls den nicht so interessanten regionalen Teil, die Familienanzeigen, das TV-Programm und ich mache regelmäßig die Rätsel. Das, was über die Grenzen Bremens hinausgeht, kann ich woanders regelmäßig hören und auch in den Nachrichten im Radio oder TV. Mir bleibt nicht verborgen, dass die meisten Menchen, die ich kenne, den WK ( inhaltlich ) eher kritisieren als ihn zu loben und die Frage, ob ich denn eigentlich den WK lesen würde, geht mir auf die Nerven. Wie passt nun die Kritik dieser Infos etc zusammen mit einigen honorigen Namen? Verpasste ich etwas oder verpasse ich jetzt etwas. Irgendwie passt das so, wie ich es verstanden habe, nicht richtig zusammen.
@Wolfgang Golasowski, als zumindest,“ehemaliges“ Mitglied des Systems als Richter sollten Sie bei Ihren Leisten bleiben. Wer eins und eins zusammen zählen kann, dem geht bei diesem ganzen Kuddel Muddel die Hutschnurr hoch. Sind Sie sich so sicher, dass es nicht bemerkt wird?
Es ist so unheimlich wichtig, dass die „Strippen“ und deren „Zieher“ hinter den Kulissen benannt werden. Wie sonst sollte man zu einer „objektiven“ Bewertung des Sachverhaltes/“fast schon Tatgeschehens“ kommen? Sie als Ex-Richter kennen das doch, oder?
@Josef Teupe, gerade weil ich weiß, was „richterliche Unabhängigkeit“ bedeutet und wie achtsam damit in der deutschen Justiz sowohl in der Ausbildung als auch in der Praxis umgegangen wird, geht bei mir die Hutschnur hoch, wenn ohne belastbare Tatsachen über Einflussnahmen auf richterliche Entscheidungen spekuliert wird. Da bin ich genauso kämpferisch wie Axel Schuller, wenn es um Angriffe auf die Meinungs- und Pressefreiheit geht. Dass das nicht in jedermanns Weltbild passt, ist mir klar und ich nehme das in Kauf. Die Entscheidung des Amtsrichters ist für mich in der Sache und im Ergebnis nachvollziehbar. Es ist in einer solchen Situation nicht die Aufgabe des Gerichts, an Stelle eines blockierten Unternehmensorgans die vermeintlich richtigen unternehmerischen Entscheidungen zu treffen. Das Gericht ist gehalten – mit dem denkbar kleinsten Eingriff in die Kompetenzen des Aufsichtsrates – eine Notfalllösung zu finden, um Schaden zu vermeiden. Dem zuständigen Organ muss Gelegenheit gegeben werden, sich zu besinnen. Gerichte sind nicht die „Reparaturbetriebe“ von schlecht geführten Wirtschaftsunternehmen.. Auch hier gilt das Prinzip der „richterlichen Selbstbeschränkung“. Über Fehlleistungen von Unternehmensorganen entscheidet der Markt.
@Josef Teupe, so sehe ich das auch. Ich lese aus dem Kommentar von Herrn Golasowski noch etwas anderes heraus. Die Personen im „System“ glauben zum größten Teil bedingungslos an das „System“. Vielleicht sind sie betriebsblind? Die glauben sich auf der Seite der guten.
Wenn gesagt wird „So was schürt Staatsverdrossenheit“, also Kritik an mutmaßlichen Missständen schürt Staatsverdrossenheit. Nicht etwa die Diskrepanz zwischen dem Prospektversprechen des Grundgesetzes und der Staatswirklichkeit schürt Staatsverdrossenheit oder Ungerechtigkeiten, sondern geäußerte Zweifel und die Diskussion von Indizien für Betrug tun das? Die EU stellt ohne Rechtsgrundlage und ohne Prozess, drei deutsche Journalisten einen Franzosen und einen Schweizer unter EU-Sanktionen, Thomas Röper wurde ist sogar in Bremen geboren. Das erinnert mich an George Orwell: Sklaverei ist Freiheit.
Siehe auch die Kommentare zu: „Zersetzung – Nimmt der Bürgermeister ernsthaft Anleihen am NS-Vokabular?“
Die System-Verteidiger sind sich nicht zu schade, die Amadeu-Antonio-Stiftung zu zitieren, die jahrelang und bewusst von einer überführten Stasi-IM geleitet wurde. Oder – in Bezug auf neue Medien paraphrasiert: „Die Macht des Framings hat den gesellschaftlichen Zusammenhalt dauerhaft beschädigt. Wenn Narrative Fakten ersetzen.“ – Das stimmt sogar, nur machen die Menschen vom „System“ das mit uns. Elisabeth Wehling hat ein Framing-Handbuch für die ARD geschrieben, also quasi ein Konsumenten-Manipulationshandbuch.
Während der Nürnberger Prozesse hat Hermann Göring ausgesagt: „Wir haben unseren Gegnern einfach das vorgeworfen, was wir selbst getan haben.“ Und da das im Geschichtsunterricht unterschlagen wird, fallen immer noch zu viele darauf rein.