Zeitung, Eiswette, Juristerei – hängt in Bremen irgendwie „alles mit allem“ zusammen?

19.01.2026 7 Von Axel Schuller

Allmählich wird es kurios. Einige Leserinnen und Leser fragen m i c h, (der sich vor 27 Jahren vom WK abgewandt hatte), nach aktuellen Interna des Weser-Kurier… Also, denn: Ein neuer Zwischenstand des Stückes „Dallas an der Weser“. Inklusive einiger bemerkenswerter Hintergründe – auch aus dem Bremer Eiswett- und Juristen-Milieu. Der Betriebsrat hat gestern über den Fortgang des Streits zwischen den Eigentümern Hackmack und Güssow informiert (siehe Doku 1 ). Ein Amtsrichter setzte bekanntlich Ex-Vorstand David Koopmann überraschend als Notvorstand ein. Unbefristet. Bis sich die zerstrittenen Aufsichtsräte auf einen neuen Chef einigen. Alle 6 Aufsichtsräte müssen jeweils ein Sechstel der Gerichtskosten tragen. Und: Der Richter mahnte außerdem zum zügigen Handeln. Wenn der Aufsichtsrat seine Aufgaben nicht erfülle, könnten die AR-Mitglieder in Haftung genommen werden. (Doku 2).

David Koopmann ist nun Notvorstand per Gerichtsentscheid. Auf LinkedIn postet er fröhlich, er habe „eine neue Position“: 

„Jan. 2026-Heute – Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG“. Von „Notvorstand“ ist dort nichts zu lesen.

Koopmann, dieses Mal zunächst nicht für die Eiswettfeier vorgesehen, durfte dort überraschend doch Platz nehmen (ohne im Teilnehmer-Verzeichnis aufzutauchen) – offenbar als Nachrücker für einen Gast, der kurzfristig abgesagt hatte.  

Liebe Leserschaft, zurück zur erstaunlichen Entscheidung des Amtsgerichtes Bremen, David Koopmann als Notvorstand einzusetzen – obwohl 50% der Eigentümer (Christian Güssow) ihn unbedingt aus dem Verlag entfernen wollte

Heute, liebe Leserinnen und Leser, gibt’s was auf die Augen

1. Hintergründe, Interna etc. zum aktuellen Stand im Pressehaus.

2. Das Infoschreiben des WK-Betriebsrates, gestern im Intranet veröffentlicht.

3. Die Entscheidung des Amtsgerichtes über die Einsetzung von Koopmann zum „Notvorstand“.

Hintergründiges

Eigentümer-Vertreter Dr. Ulrich Hackmack hatte sich bekanntlich festgelegt, wollte seinen Favoriten Koopmann auf jeden Fall im Amt halten. Die Idee, neben Koopmann einen zweiten Vorstand zu berufen, widersprach offenbar die andere Eigentümer-Hälfte von Christian Güssow. Dem Vernehmen nach schien es dieser Eigentümer-Seite als zu teuer – außerdem wollte sie Koopmann ja loswerden

Zu teuer? Nach meiner Schätzung dürfte der Vorstand der Bretag ein Jahressalär von etwa 300.000 bis 350.000 Euro erhalten. Bei zwei Vorständen also mal 2 multipliziert…muss erst mal verdient werden.

Übrigens, der Richter hat nicht festgelegt, wie der Notvorstand zu entlohnen sei. Deshalb rechne ich damit, dass die Güssow-Seite nicht nur gegen die Entscheidung zum Thema „Notvorstand“ klagen wird. Ebenfalls könnte es zum Streit über das Gehalt des Vorstandes von Gerichts Gnaden kommen. Schließlich darf dieser – im Vergleich zu einem regulären Vorstand – nur eingeschränkt tätig sein, bspw. keine großen Geschäfte für den Laden abschließen.

Übrigens: In der Doku 1 schreibt der Betriebsrat stets von der Eigentümerseite „Meyer/Güssow“ . Woher dies rührt? Christian Güssow ist der Enkel von Hermann Rudolf Meyer, dem legendären, knallharten Geschäftsführer und Miteigentümer des Weser-Kuriers. 

Dr. Ulrich Hackmack hingegen ist Nachfahre von Ex-Schulrat Gerhard Hackmack. Diesen Vater Hans Hackmack (Journalist) erhielt 1945 (mit anderen) von der US-Militärregierung die Lizenz, eine neue Zeitung (WK) herauszugeben.

Geschichtlicher Exkurs: Als Felix von Eckardt – wie Hackmack Lizenznehmer der ersten Stunde – 1952 Sprecher der Bundesregierung von Konrad Adenauer wurde, verkaufte er seine Anteile an den Verlagsleiter Hermann Rudolf Meyer. Vier Jahre später übernahm Meyer weitere Anteile – von Hans Hackmack. Seitdem verfügen beide Familien – Hackmack und Meyer (jetzt Güssow) über exakt gleich viele Besitzanteile am WK, was seit Jahren zur Patt-Situationen führt. Christian Güssow drängte Dr. Ulrich Hackmack 2013 – per Urteil des Bundesgerichtshofes – aus dem Job als Vorstand des WK. Dies dürfte auch eine Erklärung für die Konkurrenz zwischen den beiden Männern sein.

By the way: Wenn die DGzRS bei der Eiswette den „Schneider“ trockenen Fußes über die Weser chauffiert, kommt stets der Seenotkreuzer „Hermann Rudolf Meyer“ mit seinem Tochterboot – Achtung – „Christian“ (Güssow) zum Einsatz.

Apropos Eiswette: Die Traditionsgesellschaft ist nicht nur über den Seenotkreuzer eng mit dem WK verbunden, sondern auch auf andere Weise:

Bernhard Gätjen gehört nicht nur (für die Hackmack-Seite) dem Weser-Kurier Aufsichtsrat an, sondern ist auch Eiswett-Genosse. Außerdem: Der „notarius publicus“ der Eiswette, Dr. Jochen Böning, vertrat im Verfahren um Einsetzung des Notvorstandes das Aufsichtsrats-Mitglied und Miteigentümer Dr. Hackmack (Eiswettgenosse) bei Gericht. Böning ist Partner der Kanzlei Ahlers & Vogel. Und jetzt wird’s historisch, eigentlich sehr speziell: Einer der Namensgeber dieser Kanzlei, Dr. Dieter Ahlers, war dereinst Aufsichtsratschef des WK – zunächst von Geschäftsführer Meyer (also Güssows Großvater) als Fimenanwalt angeheuert.

Weil ich gerade bei Güssow bin. Er lebt zwar in Hamburg, ist aber mit Bremen eng verbunden: Seine Ehefrau Esther Haase, international tätige Fotografin, ist die Tochter von Bremens Werbe-Urgesteinen, Fritz Hasse und Sibylle Haase-Knels (˝†) Gründer von der Agentur Haase und Knels im Schnoor.

Zu guter Letzt – ja, jetzt tatsächlich mal etwas aus der Klatsch-und-Tratsch-Ecke: Der „Chef“ des eingangs erwähnten Richters, der David Koopmann zum Notvorstand berufen hat, ist Jörg Lockfeldt – Präsident des Bremer Amtsgerichts und Mann der Medienfrau Anja Kalski. Sie führt die Geschäfte des Osterholzer Anzeigers – nicht zu verwechseln mit dem Osterholzer Kreisblatt, das wiederum zum WK-Imperium gehört.

Manchmal könnte man meinen, Alexander von Humboldt hätte bei der Formulierung seiner Weisheit über das Zusammenwirken der Natur „Alles hängt mit allem zusammen“ auch an einen Ort wie Bremen gedacht.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Bitte schauen Sie sich heute – oder wenn Sie genügend Zeit haben – Doku 1 (WK-Betriebsrat) und Doku 2 (Amtsgericht entscheidet über Notvorstand) an.

Und ganz Eifrigen lege ich erneut die Leserkommentare zu den vorherigen Blog-Einträgen ans Herz. Prädikat: Extrem lesenswert.