Bremens rot-grün-rote Regierung – manchmal kaum noch auszuhalten

22.01.2026 13 Von Axel Schuller

Oh Bremen, manchmal bist du kaum noch auszuhalten – bzw. das Tun deiner Regenten. Zunächst in Kurzform: Die Linke verlangt: Der Verfassungsschutz darf Links-Extremisten nicht länger durch V-Leute beobachten lassen. Der Bürgermeister schimpft über Arbeitgeber, die eine Verlängerung der erlaubten Wochenarbeitszeit verlangen – will die eigenen Beamten aber real länger „schuften!“ lassen. Ausgerechnet die Grünen treibt das Mercosur-Abkommen um… Und: Rot-Grün-Rot möchte die Schulbildung verbessern, traut sich aber nicht ans Kindergarten-Pflichtjahr ran.

„Ich bin ruhig. Ich bin ganz ruhig. Ich bin vollkommen entspannt.“ Selbst diese Formel vom Autogenen Training reicht nicht immer zuverlässig aus, um die teilweise abenteuerlich anmutenden Polit-Eskapaden der Regierungskoalition mit Gelassenheit zu ertragen.

Man kann es sich nicht ausdenken, was die Linken (mit zwei Senatorinnen an entscheidenden Stellen des Staatsapparates) von sich geben. Diese Partei fordert Innensenatorin Dr. Eva Högl (SPD) allen Ernstes auf, die  „interventionistische Linke“ – vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft – nicht länger mit V-Leuten zu unterwandern, bzw. auszuspähen. V-Männer und -Frauen, so die in Bremen gewählten und mit Staatsknete ausgestatteten Politiker, dürften nicht zu Ermittlungszwecken eingesetzt werden. 

Hintergrund ist die Enttarnung eines Verfassungsschutz-Spitzels, der sich gegen Bezahlung bei der IL eingeschlichen hat und sich dort in äußerst gewissenhafter Ausübung seines Amtes – für Linke offenbar völlig undenkbar – sogar mit IL-WG-Bewohnerinnen ins Bett gelegt hat.

Man kann Högl nur wünschen, dass sie das spinnerte Begehren der Linken energisch zurückweist. Auch, wenn’s der eigene Koalitionspartner ist. 

Nebenbei: Offen blieb beim Vorstoß des Linken-Co-Fraktionsvorsitzenden Nelson Janßen, ob er die AfD ebenfalls vor Spitzel-Einsätzen bewahren möchte. Bislang hatte man ja den Eindruck: Wenn’s gegen Rechts geht, kann kein Mittel zu scharf sein.

Die Grünen haben sich ein schreckliches Ei ins Nest gelegt. Während der nächsten Landtagssitzung wollen sie in einer Aktuelle Stunde diskutieren:„Zwischen Mercosur-Abkommen und Grönland-Zollkrieg…“ Da ahnten die Armen – mein’ ich jetzt wirklich so – noch nix von ihren Grünen EU-Abgeordneten, die im Verbund, unter anderem mit AfD-Politikern, im EU-Parlament das Mercosur-Abkommen ausbremsen wollen. Generell kann man sagen: Wie dusselig (im Volksmund: blöd) können EU-Parlamentarier eigentlich noch sein, dass sie das Abkommen nach 25 Verhandlungsjahren für einen gemeinsamen Markt von 700 Millionen Konsumenten erneut torpedieren? Und: Grüne fordern die CDU mindestens 3x am Tag auf, sich ja nicht auf die AfD einzulassen. Das spielte bei der Abstimmung plötzlich keine Rolle mehr.

Nota: Biste erst mal in Brüssel, wird das moralische Getue notfalls über Bord geworfen.

Auf die Debatte zu ihrer Aktuellen Stunde im Bremer Landtag werden sich die Grünen vermutlich so freuen wie Wohnungslose auf zweistellige Minustemperaturen. Wenn sie clever sind, ziehen sie ihren Antrag bis kommenden Mittwoch noch zurück.

Nicht mehr zurücknehmen kann Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) seine Schimpftirade auf Arbeitgeber. Der offensichtlich von irgendeiner Unzufriedenheit getriebene Regierungschef warf – mal wieder bei LinkedIn – ArbeitgeberpräsidentRainer Dulder „unverhohlenen Klassenkampf“ vor. Der Unternehmer-Repräsentant fordert unter anderem zwar nur, die erlaubte Wochenarbeitszeit auf bis 48-Stunden auszudehnen. Bovenschulte blendete bei seinem Post anscheinend komplett aus, dass seine eigene Koalition den Beamten eine reale Wochenstunde mehr abverlangen möchte. Ein Hoch auf die Doppelzüngigkeit.

Die Bildungspolitik soll endlich besser werden, erklären SPD, Grüne und Linke in einem gemeinsamen Antrag für die Bürgerschaft. Besserer Unterricht dank besser Daten, mehr Unterstützung in sozialen schwachen Wohngebieten usw. 

Zu einem Pflicht-Vorschuljahr für Kinder mit Sprachdefiziten – wie in Hamburg – kann sich die Koalition vermutlich so lange nicht durchringen, wie die Bremer SPD noch mitregiert.

Eher in die Rubrik „putzig“ fiel das Herumgejammer über die Tatsache, dass der Zughersteller Alstom die Auslieferung von 34 modernen Doppelstock-Zügen erneut verschoben hat. 

Behördenvertreter kündigten jetzt dem WK gegenüber kraftvoll an:„Wir werden alle rechtlichen Schritte prüfen…“ Erinnern wir uns: Bereits Ende November 2024 wurden in der Verkehrsdeputation erstmals Lieferverzögerungen der Alstom-Züge erörtert. Da hieß es: „Wir prüfen Vertragsstrafen…“ Erstaunlich, wie lange sich in unserer wunderbaren, zuweilen aber doch wundersamen, Stadt „Prüfungen“ hinziehen können…

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller 

P.S.: Für unsere Heimatzeitung liegen neue Auflagenzahlen vor (Weser-Kurier-Gesamtausgabe, inkl. aller Regional-Hefte – Mo bis Sbd): Verkaufte Exemplare im 4. Quartal 2025: 95.726 Exemplare – (minus 6,58 %); davon digital: 28.103 (plus 3,82 %).