Radio Bremen auf Abwegen / Bundestagschefin mahnt zur Selbstreflexion / Streik

02.02.2026 12 Von Axel Schuller

buten un binnen – manchmal sitzt du mit offenem Mund vor dem TV, schnappst nach Luft – stierst ungläubig auf das Dargebotene. Sonntagabend hab ich mich ernsthaft gefragt „Ist das noch Fernsehen, oder geht das schon Richtung Märchen-TV?“ Moderatorin Kirsten Rademacher befragte eine „Protestforscherin“, die a) irgendwie unsortiert wirkte und b) den Eindruck vermittelte, als hätten Linksextreme nach dem Outen eines Verfassungsschutz-Spitzels nur gleichgezogen, als sie das Privathaus des obersten Verfassungsschützers mit Farbe attackierten. Liebe Leseschaft, heute mehr von den Öffentlich-Rechtlichen, unglaubliche Zahlen und ein Link zum Selber-Gucken.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat am Wochenende ARD und ZDF brutal den Spiegel vorgehalten. Wer rund zehn Milliarden Euro an Gebühren einnehme, habe auch die Pflicht zur „selbstreflektierenden Korrektur“. Außerdem: Es sei schwierig, „wenn die veröffentlichte Meinung sich immer mehr von der öffentlichen Meinung verabschiedet“. Klöckner setzte – mutig, mutig – noch einen drauf und ermahnte die öffentlich-rechtlichen Anstalten zu mehr„Effizienz, Neutralität und Ausgewogenheit“.

Dieser Appell korrespondiert indirekt mit einem Tagesordnungspunkt des Radio-Bremen-Rundfunkrates. „Denkwerkzeuge“ zur Beurteilung journalistischen Arbeitens“, werden am Donnerstag im RR vorgestellt. Unter 13a. heißt es: „Vielfältig und unparteilich oder einseitig und unausgewogen“.

Mein Ergänzungsvorschlag für die Rundfunkräte: „berichten statt richten.“

Zu dem Rundfunkrats-Punkt passt übrigens auch die unselige bubI-Sendung vom Sonntagabend – sagt man das so? – „wie die Faust aufs Auge“. Da näherte sich die Moderatorin Kirsten Rademacher zusammen mit der „Protestforscherin“ – wow, was es so alles auf Gottes Erden gibt – Martina Schiebel der Frage: 

Farbattacken in Bremen – Was sagt das über die politische Lage?“

Was dann folgte war – nach meiner Auffassung – nicht sendefähig. Ging aber natürlich trotzdem über die Mattscheiben.

Damit Sie sich selbst einen Eindruck vom unterirdisch abseitigen Gerede machen können, hier ein paar Zitate (für besonders Leidensfähige packe ich den Link zu dem etwa fünf-minütigen Stück dazu).

Kirsten Rademacher (Moderatorin): 

Da stellt sich die Frage, gerade bei diesem Privathausanschlag von Thorge Koehler, dem Chef des Bremer Verfassungsschutzes. Ist das noch reine Sachbeschädigung? Oder weil im Bekennerschreiben ja auch stand, „du sollst dich nicht mehr sicher fühlenoder sinngemäß oder so was? Geht das schon einen Schritt darüber hinaus? Ist das eine Bedrohung oder sowas? 

Martina Schiebel (Protestforscherin): 

Nun, ich bin keine Strafrechtlerin, sondern Sozialwissenschaftlerin. Aber ich sehe schon den Zusammenhang zwischen einer Enttarnung eines Informanten des Verfassungsschutzes, eines sogenannten V-Mannes. (…) Und dass da tatsächlich die Wut in dieser Bewegung sehr stark hochgekocht ist. Und dann eben zu diesem Mittel gegriffen worden ist.

Kirsten Rademacher: 

Dass das zu diesen Farbattacken geführt hat. Ist eigentlich die verwendete Farbe, hat die auch irgendeine Bedeutung

Martina Schiebel: 

Ja, zum Teil. Manche Gruppierungen nutzen bestimmte Farben. Das Rote wird zum Teil ja eher auch dem linksorientierten Spektrum zugeordnet. Grüne Farbe wird eher mit ökologischen Bewegungen und Parteien vielleicht assoziiert. Genau.

Hier der Link zu dem Stück:

https://www.butenunbinnen.de/videos/farb-attacken-gebaeude-parteien-100.html

Bei der Protestforscherin konnte ich mich nicht gegen den subjektiven Eindruck wehren, dass einige Sätze der Frau eher wie eine Rechtfertigung als nach soziologischer Erläuterung klangen. Dabei ist klar, dass ein Farbanschlag kein Schabernack, sondern eine Straftat ist. Und die vier zerstochenen Reifen und eingeschlagenen Autoscheiben erst recht – was stellt der Nachbar auch seine Karre bei Koehler vors Haus. Diese Fakten hatten die Damen bei ihrem Geplauder aber sowieso ganz aus dem Blick verloren.

Mal grundsätzlich, werte Redaktion, Sendeleitung oder wer sich zuständig fühlt: Warum lädt Radio Bremen zu solch einem Thema keinen versierten Juristen, sondern eine Sozialwissenschaftlerin ein? Sollte da etwas gerechtfertigt werden. Oder welche krude Idee steckte dahinter?

Da ich gerade bei den Öffentlichen-Rechtlichen bin.

Liebe Leserschaft, ist Ihnen eigentlich bekannt, dass weltweit kein anderes öffentlich-rechtliches Rundfunksystem (Hörfunk und Fernsehen) existiert, das mehr Geld als das deutsche ÖRR-System erhält? Fließen bei uns rund 10 Milliarden Euro in die Kassen der laut Julia  Klöckner mangelhaften Selbst-Reflektierer, sind es bei der nächst folgenden BBC in England 6,58 Mrd., in Japan 4,24 Mrd., Frankreich 3 Mrd., Italien 2,51 Mrd., Schweiz 1,6 Mrd., Österreich 1,08 Mrd. Euro. – ich höre jetzt auf, sonst glauben Sie noch, ich sei an Ihrer aufkommenden Depression schuld…

Bevor ich mich jetzt für heute von Ihnen verabschiede, noch ein paar Gedanken zum Streik des öffentlichen Nahverkehrs:

Schnee und Eis machten Montagmorgen den Weg zur Arbeit für viele zu einer zeitaufwendigen und teilweise gefährlichen Herausforderung. Nach meiner Beobachtung hat die Gewerkschaft Ver:di viele Sympathien für den ÖPNV verspielt. Erstmals – so meine ich mich zu erinnern – hat sich eine Bevölkerungsmehrheit gegen die Bus- und Bahnfahrer m/w gestellt. Auf die Frage der Civey-Meinungserkunder hatten 56 Prozent eher kein bis überhaupt kein Verständnis für den Warnstreik. 37 % äußerten eher bis volles Verständnis dafür. 7 Prozent waren unentschieden (diese Zahlen habe ich am 3.2., um 14 Uhr aktualisiert). In der Vergangenheit konnten die Fahrerinnen und Fahrer trotz aller Einschränkungen für die Bevölkerung auf das Verständnis der Ticket- und Steuerzahler setzen. Schnee und Eis haben offenbar die Sicht beeinflusst.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Achtung, heute gibt’s noch eine Doku dazu: Die Konrad-Adenauer-Stiftung prangert die Linken für deren Unterstützung der „Roten Hilfe“ an. Die CDU hat daraus umgehend eine Anfrage an den Senat zusammengeschraubt. Also, scrollen Sie nach diesem Stück einfach weiter runter…