Linke haben „schlechten Lauf“ / Bildungssenator Rackles nimmt den Kampf auf

08.02.2026 8 Von Axel Schuller

Justiz-Skandal, Staatsräte-Skandal. Die Linken haben gerade einen „schlechten Lauf“. Bei allem Trouble droht ein Hoffnungsträger der Senatspolitik fast aus dem Blick zu geraten: Mark Rackles (SPD), Senator für Kinder und Bildung.

Zunächst zu den harten Fakten, zu dem unglaublichen Skandal um ein Mitglied des Staatsgerichtshofes, den die Linke vorgeschlagen hatte. Erst von 2019 bis 2023 als Mitglied des höchsten Bremer Gerichtes, seitdem als Stellvertreter. Dieser Mann, im Berufsleben Rechtsanwalt, war offenbar zusammen mit einer Gruppe der als linksextrem geltenden „Interventionistischen Linken“ (IL), welche jüngst einen V-Mann in einem „eindringlichen“ Gespräch enttarnt hat. Laut SPIEGEL wurde in diesem Gespräch verbal heftig gerungen, bis der Spitzel seine Tätigkeit für den Verfassungsschutz zugab.

Anwesend war offenbar jener Rechtsanwalt, den die Linken für den Staatsgerichtshof vorgeschlagen hatten und der von der Bürgerschaft gewählt worden war. Wohl auch mit den Stimmen der Opposition. Wie es halt so parlamentarischer Brauch ist.

Liebe Leserschaft, ich will die Details nicht alle wiederkäuen. Die kennen Sie.

Nachdem meine Journalisten-Kollegen von den Tagesmedien jedoch eher routinemäßig darüber berichtet haben, will ich kurz an die rechtliche Grundlage des Staatsgerichtshofes erinnern.

In Paragraf § 3 des Gesetzes heißt es wörtlich: 

„Mitglied oder stellvertretendes Mitglied des Staatsgerichtshofs kann nur werden, wer die Gewähr bietet, sich jederzeit für die demokratische Staatsform im Sinne der Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen und des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland einzusetzen.“

Die Linke-Co-Fraktionschefin Sofia Leonidakis witterte nach Bekanntwerden des SPIEGEL-Artikels über den Juristen auf Linkem-Ticket Ungemach. Sie formulierte zwar die indirekte Erwartung, dass der Anwalt sein Amt rasch aufgebe. Zugleich unternahm die Abgeordnete einen durchsichtigen Entlastungsversuch. Es könne ja sein, dass der Jurist bloß in seiner Funktion als Jurist bei der V-Mann-Enttarnung anwesend gewesen sei. 

Ernsthaft? Als Berater der IL-Enttarner? Oder vielleicht als Protokollant? Oder doch als Teil jener Gruppe, die den vermutlichen Spitzel unter Druck setzte, bis dieser aufgab?

Kurios übrigens, dass die „taz“ vermutlich als einziges Medium Kritik an der Linken Partei (exakt von der anderen Seite aus) übte.

Ich zitiere: 

„Linke opfert Verfassungsrichter. Ein Rechtsanwalt, der dem Bremer Staatsgerichtshof angehört, war wohl bei der Enttarnung eines V-Mannes zugegen – das ist alles andere als ein Skandal.“

Die CDU- und FDP-Opposition sahen das ganz anders. Sie übten heftige Kritik an dem Verhalten des Juristen. CDU-Fraktionschefin Dr. Wiebke Winter sprach von einer Staatskrise und forderte Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) auf, die Linke aus der Koalition zu werfen.

Verbal brutal äußerte sich Kevin Lenkeit, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, auf „X“: 

„Ein linksextremes trojanisches Pferd: Herr A. muss sofort zurücktreten. Verfassungsfeinde haben keinen Platz im Staatsgerichtshof. Parlamentarische Aufarbeitung muss folgen.“

Knall, peng, rumms – das hat beim Linken Koalitionspartner gesessen.

Kommen wir zum Staatsräte-Skandal. Sie wissen schon, Senatoren-Stellvertreter, die in den einstweiligen Ruhestand streben, um sich um Kind, Familie oder sich selbst zu kümmern. Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss dürfte demnächst mit seiner Arbeit beginnen. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) wird dort erneut erklären müssen, weshalb sie ihren Staatsrat Sven Wiebe vorzeitig pensionierte, nachdem der erklärt hatte, er wolle  sich mehr um sein Kind kümmern. Ihre Erklärungen  im Haushaltsausschuss – in Begleitung von zwei Rechtsanwälten – hatten der Opposition nicht ausgereicht.  

Zum Schluss noch etwas Aufbauendes.

Mark Rackles (SPD), neuer Senator für Kinder und Bildung, will offenbar Wort halten. Er hat jetzt ein ehrgeiziges Programm für eine bessere Bildung vorgelegt. Der Kern: Alle Kinder mit frühzeitig festgestellten Sprachschwierigkeiten, müssen künftig vor der Schule eine Kita besuchen und dort an kindgerechten Sprach-Schulungen teilnehmen. Sein Ziele: Mehr Rechnen, Schreiben, Lesen; bessere Pisa-Test-Ergebnisse; weniger Schulabgänger ohne Abschluss. Und: Hochbegabte fördern. Endlich!

Nebenbei bemerkt: Ich vermute, dass nicht nur Kinder aus migrantischen Familien zum Kita-Besuch verpflichtet werden…

Rackles Überlegungen erinnern an Hamburg, das im Pisa-Ranking in die Höhe geklettert ist, seitdem sie dort verpflichtende Vorschulklassen eingerichtet haben.

Rackles geht ein hohes Risiko. Wer ankündigt, muss auch liefern. Sein Manko: Er setzt neben Bundesgeldern für die Kitas (hoffentlich nicht vergeblich) auch auf die Umschichtung von Geldern innerhalb seines Großressorts zugunsten des neuen Programms. Dem muss nämlich das Parlament zustimmen.

Während CDU, Grüne, Linke und FDP Rackles für seine Ankündigung lobten, fiel das Schweigen seiner eigenen Partei, der SPD, auf. 

Die Sozialdemokraten müssen wohl erst noch verdauen, dass Rackles die Arbeit seiner Vorgängerin, Sascha Aulepp, teilweise auf den Kopf stellt. Dummerweise sitzt Aulepp nach ihrem durch Andreas Bovenschulte erzwungenen Rücktritt wieder in der SPD-Bürgerschaftsfraktion.

Das wird noch spannend. Immerhin traut sich Rackles den Konflikt mit verkrusteten Strukturen zu.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller 

P.S.: Dieser Beitrag wurde verändert, um eine rechtliche Kontroverse unnötig zu machen.