Grüne Abrissbirne gegen Ausbildungsfonds? / Im P.S.: Skandalöses Kuschen vor einer Minderheit

04.03.2026 11 Von Axel Schuller

Gute Aussichten für die Wirtschaft, schlechte für die Ideologen im Bremer Rathaus und den DGB-Gewerkschaften: Die Grüne Regierungsfraktion ist es offenbar leid, die Missgeburt namens  „Ausbildungsfonds“ inklusive Zwangsgebühren in der jetzigen mangelhaften Form weiter mitzutragen. Dr. Solveig Eschen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, geht jetzt mit einer geharnischten Kritik an die Öffentlichkeit.  Sie erklärte: „Die bisherigen Einnahmen reichen nicht einmal, um die Ausgleichszahlungen an Unternehmen zu decken, die besonders viele Menschen ausbilden. Das wirft Fragen an die Zukunftstauglichkeit des Ausbildungsfonds als arbeitsmarktpolitisches Instrument auf.

Rumms. Man muss sich das noch einmal in Erinnerung rufen: Erst prügelten die SPD – angetrieben vom damaligen DGB-Chef Dr. Ernesto Harder (SPD) sowie den Jusos – und die Linken den Ausbildungsfonds samt Zwangsabgabe durchs Parlament. Die Grünen waren von Beginn an skeptisch. Der damalige Abgeordnete Robert Bücking räumte im März 2023 vor der entscheidenden Bürgerschaftsabstimmung ein: „Wir haben uns da wohl verbastelt.“ Gleichwohl votierte er wie ein „Parteisoldat“ mit seiner Fraktion für den Fonds.

Offenbar vertrauten die Grünen dem Versprechen von SPD und Linken, mit den Einnahmen des Fonds könne man ausbildende Betriebe finanziell unterstützen und außerdem Jugendliche beim Wechsel von der Schulbank in das Ausbildungsverhältnis unterstützen.

Alle Arbeitgebervertreter – Kammern und Verbände – opponierten vergebens. Auch die Opposition von CDU und FDP.

Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte setzte den Fonds zusammen mit seiner Partei und den Koalitionspartnern von Linken und Grünen knallhart durch. Man kann auch sagen: Der sich stets so bürgerlich gerierende Regierungschef zeigte der gesamten Bremer Wirtschaft symbolisch den bösen, den mittleren Finger.

Selbst ein extrem knappes „Ja“ des Staatsgerichtshofes (ej, da war doch was…) veranlasste die Regierenden keineswegs zur reinigenden Selbstreflexion.

Und jetzt, fast drei Jahre nach Beschluss des Fonds samt Abgabe? Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Der Jurist Bovenschulte hat keine Scheu, das Geld aus anderen Haushaltsregionen umzulenken, um zumindest die Prämien an die Betriebe auszahlen zu können. Geld für die Betreuung der Azubis – nicht dran zu denken. 

Liebe Leserschaft, ich lasse jetzt der Einfachheit und der Deutlichkeit halber die Grüne Dr. Solveig Eschen, als Fraktionsvize immerhin Akteurin im Zentrum der Koalitions-Macht, zu Wort kommen.

Zitat Anfang (inkl. Link zur Tischvorlage der Arbeitsdeputation):

„Die Arbeitsdeputation hat zur Situation des Ausbildungsunterstützungsfonds beraten, der sich trotz gegenteiliger Zielsetzung bisher finanziell nicht selbst trägt. Für uns Grüne hängt die Sinnhaftigkeit des Bremer Ausbildungsfonds davon ab, ob damit tatsächlich eine ausbildungsbegleitende Infrastruktur geschaffen wird. Ein Versprechen des Fonds ist es, Betriebe bei der Ausbildung bedarfsgerecht zu unterstützen. Nun reichen die bisherigen Einnahmen jedoch nicht einmal, um die Ausgleichszahlungen an Unternehmen zu decken, die besonders viele Menschen ausbilden. Das wirft Fragen an die Zukunftstauglichkeit des Ausbildungsfonds als arbeitsmarktpolitisches Instrument auf.

Und Eschen fährt fort:

„Für die Finanzierung der geplanten und gesetzlich vorgesehenen Ausgleichszahlungen an ausbildende Unternehmen muss aktuell eine Sonderrücklage aus anderen Haushaltsmitteln verwendet werden, die bisher für die Kriegsgräberfürsorge zurückgestellt war und dort nicht benötigt wird. Für Maßnahmen der Arbeitsförderung, die eigentlich aus dem Fonds finanziert werden sollen, stehen bisher gar keine Gelder zur Verfügung. Die laut Senat temporäre Unterdeckung der verfügbaren Fonds-Mittel von ca. 700.000 Euro ergibt sich aus fehlenden Einnahmen aufgrund anhängiger Gerichtsverfahren zur Zahlung der Abgabe.

Wir benötigen eine systematische Unterstützung für Schulabgänger*innen und für Unternehmen. Deshalb setzen wir uns etwa für Ausbildungsbegleiter*innen ein, um gezielt direkt nach der Schule die Ausbildungsfähigkeit von Schüler*innen zu verbessern. Verbundangebote ausbildungsbereiter Betriebe und außerbetriebliche Ausbildungsmöglichkeiten sollten ebenso über den Ausbildungsfonds finanziert werden – wie auch eine gezielte Förderung der Basiskompetenzen von Azubis etwa in Mathematik. Der Fonds muss sich in Zukunft und so schnell wie möglich ohne Zuschüsse aus anderen Haushaltstöpfen tragen und zwar inklusive der angekündigten Ausbildungsförderungsmaßnahmen! Die reine Auszahlung von Mitteln an Betriebe ist nicht ausreichend.

Zitat Ende

Lieber Herr Bürgermeister Bovenschulte, es ist an der Zeit, beim Thema Ausbildungsabgabe die sozialträumerischen Gefühle beiseite zu schieben, und den Verstand einzuschalten. Ihren Rückgriff auf Mittel für die Kriegsgräberförderung legitimieren Sie damit, dass die Gelder dafür nicht mehr benötigt würden. Ist es Ihnen eigentlich schon einmal in den Sinn gekommen, Mittel, die „übrig“ sind, nicht für Anderes auszugeben, sondern zur Schuldentilgung zu nutzen? Nehmen Sie gerne einmal Nachhilfe-Unterricht bei der berühmten„schwäbischen Hausfrau“.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller 

P.S.: Noch ein paar Gedanken zu einem anderen Skandalthema. Die Frauengleichstellungsstelle (ZGF) und Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer hatten zu einer Debatte über männliche Gewalt eingeladen – die Veranstaltung aber auf Druck von Außen abgesagt.

Ich meine: Das ist das Allerletzte. Da fordern einige Randgruppen, eine Veranstaltung in der Bürgerschaft zu canceln, nur weil der Chef des Bremer Verfassungsschutzes auf dem Podium sitzen sollte. Wohlgemerkt zum Austausch unterschiedlicher Meinungen. Und die Behörde für Frauengleichstellung (ZGF) sowie die Bremische Bürgerschaft sagen die Veranstaltung (nach Rückziehern von Podiumsteilnehmerinnen) ab, statt heftig dagegen zu halten – beispielsweise mit einer neuen Veranstaltung: „Was wollen wir uns von Minderheiten noch bieten lassen? Den Hass auf den Verfassungsschutz in bestimmten, aber kleinen Kreisen konnte man bereits am Sonntag bei der Demo gegen Rechts auf dem Marktplatz erleben. Wo bitte bleibt die vielzitierte „Stadtgesellschaft“ und deren Gegenwehr? Kuschen vor einer Minderheit, die durch nichts legitimiert ist, darf niemals die Antwort sein. Sonst kann die Mehrheit der Gesellschaft einpacken.