Nach 81 Jahren: SPD lechzt nach einer Auszeit / Zur Wahl in Stuttgart gab’s nur Wort-Schablonen

11.03.2026 11 Von Axel Schuller

Voraussichtlich im Mai kommenden Jahres dürfen wir eine neue Bürgerschaft wählen. Die seit 81 Jahren ununterbrochen regierende SPD lechzt förmlich nach einer Auszeit. Wie ich darauf komme? Nun, Falk Wagner, SPD-Landesvorsitzender in deutlich zu großen Schuhen, versucht seine Partei nach dem Desaster in Baden-Württemberg (5,5 Prozent) mit „Weisheiten“ bei Laune zu halten, die nur einen Rückschluss zulassen: Diese Partei hat fertig. 

Liebe Leserschaft, ich bin mitnichten ein Sadist, gleichwohl zitiere ich jetzt mal – der Objektivität halber – eine Reihe grausamer Wahrheiten auf.

Schauen wir nach Baden-Württemberg: Die SPD hat dort 298.278 Zweistimmen (5,5%) erhalten. Zum Vergleich: die Grünen kamen auf rund 1,6 Millionen Zweitstimmen (30,2%).    

Nach Umfragen von Infratest Dimap bemängelten 59 Prozent aller Baden-Württemberger Wähler, die SPD kümmere sich mehr um Bürgergeld-Empfänger als um Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt tagein, tagaus mit ihrer Hände Arbeit verdienen. 

48 Prozent der Wähler im Ländle meinten: „Die SPD verhindert, dass unser Land mit großen Reformen vorankommt“. 

Das musste erst mal sacken lassen.

Fast noch schlimmer wirkte die anschließende Kaffeesatz-Leserei der bremischen „Genossenschaft“. Falk Wagner (35) erklärte nach der Wahl: „Im spannenden Wettrennen um den Ministerpräsidentenposten ist die SPD heftig unter die Räder gekommen.“ Bei der Wahl in Rheinland-Pfalz werde es bestimmt wieder besser laufen. Und dann der Theorie-Burner schlechthin: „Eine spannende Lehre ergibt sich auch für die CDU: ein junger Spitzenkandidat, der in der Vergangenheit öfters mal rechts geblinkt hat, schrumpft weder die AfD noch gewinnt er für die CDU eine Mehrheit.“

Soweit der „Kopf“ der Bremer SPD. Selbstreflexion scheint für ihn tatsächlich ein Fremdwort zu sein.

Schauen wir mal, was Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte zur Niederlage im Süden „vom Stapel gelassen“ hat.

„In der personalisierten Auseinandersetzung Özdemir/Hagel sind wir unter die Räder gekommen.“

Ups, das haben wir doch gerade von Wagner gehört. 

Übrigens, die SPD-Bundesspitze äußerte sich ähnlich.

Kein Wort zum SPD-Spitzenkandidaten in „Deutsch-Südwest“, der sich vor laufender TV-Kamera um Kopf und Kragen geplappert hatte (bei Terminen in Grenznähe schicke er seinen Fahrer gerne nach Frankreich rüber, um Entenpastete und Baquette einzukaufen). Aufgezeichnet angeblich direkt nach einem Wahlkampftermin bei einer „Tafel“

Schlimmer: Keinerlei Bezug der Bremer Sozis zu den Erkenntnissen der Wahlforscher. Nur gestanzte Polit-Wort-Schablonen. Dabei könnte es doch durchaus sein, dass die alarmierenden Meinungen von BWB-Wählern auch in Bremen durch so manchen Wähler-Kopf schwirren.

By the way: Der Wahlsieg der Grünen in BWB ist – rein mathematisch gesehen – keiner. Daher auch das Sitze-Patt im Stuttgarter Landtag.

Denn: 

Bei den Erststimmen für die Direktkandidaten holte die CDU 1.837.109 Stimmen, die Grünen dagegen nur 1.367.775.

Bei den Zweitstimmen lagen die Grünen mit 1.622.810 Voten vor der Union, die 1.595.456 mal angekreuzt wurde.

Der Grüne Jubel ist zwar verständlich, aber grundlos. Cem Özdemir profitierte lediglich von der ungleichen Gewichtung der Erst- und Zweitstimmen.

Zurück nach Bremen.

Auch viele in der Vergangenheit parteilich festgelegte Bremerinnen und Bremer merken, was alles im Argen liegt. Beispiele: Die Ergebnisse der Schulbildung sind – über alles gesehen – grottig. Die Verwaltung liefert teilweise ungenügende Leistungen ab. Linksextremisten machen in der Stadt mittlerweile, was sie wollen. Bewerfen Polizisten bei einer unangemeldeten Demo mit Feuerwerkskörpern, zünden Bengalos. Die bald täglichen Polizeimeldungen über Diebstahl, Messerattacken und das schändliche Betrügen alter, hilfloser Menschen steigern nicht das Vertrauen in den Staat. 

Dazu kommen der von der Wirtschaft als drangsalierend empfundene Ausbildungsfonds, die steigenden Wohn-Nebenkosten, Dauerklagen von Eltern über die unzuverlässige Kita-Betreuung, Abgeordnete mit „Augenblicks-Aussetzern“ aber ohne erkennbares Ehrgefühl, das massenhafte „Rasieren“ von Parkplätzen in der Stadt.

Die Liste ließe sich fortsetzen.

Perfekt beherrschen Sozialdemokraten indes das Niedermachen der AfD. Verbieten, verbieten rufen sie in Bremen und Niedersachsen. Statt: Wir müssen die Menschen mit besserer und überzeugender Politik für uns gewinnen.

Noch am Sonnabend vor der Baden-Württemberg-Wahl feierten sich Sozis in Osterholz, dass sie der AfD mit einem eigenen Stand Paroli geboten hatten. Dies fördert ja vielleicht die SPD-interne Kuschel-Gruppentherapie. Aber Leute, so ein Stand mit SPD-Fähnchen hält doch keinen Menschen in Tenever davon ab, die Blauen zu wählen.

Den Vogel schoss die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) ab. An einem Tag verkündete sie, der Landesverfassungsschutz habe die AfD als „gesichert rechtsextrem“ hochgestuft. Deshalb werde künftig jeder Beamtenanwärter befragt, ob er AfD-Mitglied sei, um gegebenenfalls aussortiert zu werden. Und nur 24 Stunden später untersagt das Verwaltungsgericht dem Verfassungsschutz die Hochstufung der AfD – und die Ministerin muss ihr Anti-AfD-Formular wieder einsammeln. (Im Nachhinein wächst meine Hochachtung für Ulrich Mäurer, dass er es solange mit solchen Kollegen ausgehalten hat)

So sieht also eine machtvolle, inhaltliche Auseinandersetzung á la SPD mit den Blauen aus…

Genug des Lamentierens.

Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte übertrifft viele seiner Mitstreiter vor allem durch Geschicklichkeit. Wächst die Bremer Wirtschaft, gibt’s mehr Arbeitsplätze (beides großteils wegen prosperierender Rüstungsindustrie) oder, wenn in Bremerhaven mehr Container umgeschlagen werden – stets steht Herr „Bovi“ an der Spitze der Lobeshymen-Sänger

In solchen Momenten könnte man meinen, der Bürgermeister glaube ernsthaft, dass er für die Erfolgsmeldungen der Wirtschaft verantwortlich sei…

Sorry, ich will nicht ungerecht sein. Voriges Wochenende war Bovenschulte endlich doch mal ein echter „Kerl“. Da hat er die Grünen klar, deutlich und begründet in die Schranken gewiesen. Die hatten gefordert, die sinnvolle Fassaden-Begrünung von Wohnhäusern eins-zu-eins verpflichtend auf Gewerbehallen zu übertragen. Kommt nicht in die Tüte (oder so ähnlich) schimpfte der Regierungschef.

Wäre ja auch ein Witz, Bremer Firmen erneut Sonderkosten aufzubrummen, während im niedersächsischen Umland eine Lagerhalle nach der anderen hochgezogen wird – ohne Grün an den Außenwänden.

Munter bleiben!

Herzlichst Ihr,

Axel Schuller

P.S.: Nimmermüde empfehle ich, unbedingt Leserkommentare zu den vergangenen Stücken anzuschauen. Es lohnt sich.