Gastkommentar: Deutschlands Energie-Blindflug / Unter Niedersachsen lagert Gas für 30 Jahre
Und wieder ein strittiges Thema im Gastkommentar: Volker Redder (66), IT-Unternehmer, studierter Biologe und Informatiker sowie von 2021 bis 2025 Bremer Bundestagsabgeordneter der FDP, beleuchtet das in dieser Woche plötzlich wieder brandaktuelle Thema Atomenergie, Klein-Kraftwerke und „Energie für 30 Jahre unter Niedersachsens Boden“. Super spannend. Liebe Leserschaft, ich vermute sehr stark, dass Sie heute ins Grübeln geraten werden…
Volker Redder:

„Es ist eine spektakuläre Volte der Vernunft: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat am Dienstag ihren historischen Irrtum eingeräumt und die Abkehr von der Kernkraft als „strategischen Fehler“ bezeichnet. Während geopolitische Erdbeben – vom Ukraine- bis zum aktuellen Iran-Krieg – die Welt erschüttern und die Benzinpreise an deutschen Zapfsäulen Rekorde jagen, erkennt Brüssel endlich, dass Klimaneutralität und Energiesicherheit nur durch einen Mix aus atomarer und erneuerbarer Energie zu garantieren sind.
In Deutschland hingegen verharren wir in einer Art ideologischem Wachkoma. Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßt den Kurswechsel zwar verbal, hat aber anscheinend vergessen, wer in diesem Land gerade die Legislative stellt und flüchtet sich lieber hinter das vermeintliche Dickicht deutscher Gesetze, die ein Wiederanfahren der Kernkraft unmöglich machen würden. Dabei zeigt ein Blick in die Realität: Wo ein politischer Wille ist, ist auch ein Gesetz – erst recht, wenn der industrielle Ruin droht.
Die Märchenstunde der „Grünen Professoren“
Besonders perfide ist die Desinformation, die derzeit wieder durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Teile der Regierung geistert. SPD-Umweltminister Carsten Schneider behauptet allen Ernstes, Mini-Kernkraftwerke seien keine Lösung und weltweit werde nicht in Kernenergie investiert. Die Realität? China baut massiv aus, die USA starten Initiativen zur Kommerzialisierung neuer Kernkraft-Technologien, und 33 Staaten weltweit haben sich zusammengeschlossen, um die Kernkraftkapazitäten bis 2050 zu verdreifachen.
Auch die „Halbwahrheiten“ von Experten wie Volker Quaschning im ÖRR sind brandgefährlich. Wer behauptet, Kernkraft sei unbedeutend oder dreimal teurer als Wind und Sonne, unterschlägt die physikalische Grundgesetzlichkeit. Photovoltaik liefert nur in etwa 1.000 Volllaststunden im Jahr Strom. Ohne gesicherte Grundlast bricht das 50-Hertz-Netz zusammen und wir riskieren einen Riesen-Blackout. Wir leisten uns teure Doppelstrukturen aus hochsubventionierter „Zufallsenergie“ und fossilen Backups, weil wir keine bezahlbaren Speicher haben – und vermutlich nie haben werden, da die Kosten für eine zweiwöchige Dunkelflauten-Absicherung mittels Batterien das deutsche BIP übersteigen würden.
Ressourcen unter unseren Füßen
Was mich als Liberalen besonders fassungslos macht: Wir sitzen auf Schätzen, die wir aus ideologischer Verblendung vergraben.
- Erdgas-Souveränität: Unter Niedersachsen lagern bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas. Damit könnten wir Deutschland 30 Jahre lang KOMPLETT eigenständig versorgen. Stattdessen importieren wir teures US-LNG mit 30% Aufschlag für Transport und Verflüssigung.
- Atommüll-Recycling: In unseren Zwischenlagern liegen 15.000 Tonnen nuklearer Reststoffe. Mit deutschen Technologien der Generation IV, wie dem Dual Fluid Reaktor, könnten wir daraus Strom für 300 Jahre gewinnen und die Endlagerfrage technisch lösen.
Das Resilienz-Drama
Der Berliner Blackout im Januar hat es uns drastisch vor Augen geführt: Einseitige Abhängigkeit von nur einem Energieträger (Strom) ist fatal. Der alte Habeck-Graichen-Plan zum Rückbau des Gasnetzes, den wir Liberale in der Ampel glücklicherweise ausbremsen konnten, würde uns in die totale Erpressbarkeit führen. Wer nur auf Strom setzt, ignoriert zudem den massiven Kupferbedarf für die notwendige Verkabelung, der am Weltmarkt kaum zu decken ist.
Ein souveräner Staat vergräbt seine Ressourcen nicht – er nutzt sie. Wir brauchen den „Souveränitäts-Mix“. Mit realen Industriestrompreisen von 2 Cent/kWh, wie sie durch nukleares Recycling und heimisches Gas möglich wären, würde Deutschland nicht nur geopolitisch unbesiegbar, sondern wieder zum attraktivsten Investitionsstandort der Welt werden.
Es ist Zeit, die Märchenstunde zu beenden und zur physikalischen Realpolitik zurückzukehren.“
Text Ende
Liebe Leserschaft, und, was sagen Sie dazu? Ihre Meinung – wie immer – gerne als Leserkommentar schicken. Und sehr gerne weiterhin in der üblich sachlichen und bitte nicht beleidigenden, Form. Auch, wenn die Meinungen bei den Themen Kernenergie und Erdgas-Fracking vermutlich rasch auseinander gehen.
Übrigens: Die Online-Meinungsforscher von Civey haben sich diese Woche nach der Meinung der Deutschen zum Kurswechsel von Ursula von der Leyen pro Atomenergie erkundigt.
„Wie bewerten Sie die Aussage der EU-Kommissionspräsidentin, dass die Abkehr von der Atomkraft als Energiequelle ein strategischer Fehler sei?“ Ergebnis: 59 Prozent der Bevölkerung bezeichnen von der Leyens Einschätzung als richtig, 34 Prozent halten diese für falsch.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Leserkommentare lesen! Das Thema „aufgesetztes Parken“ treibt die Leserschaft mächtig um. Ebenfalls die Stücke zu den Auswirkungen der Baden-Württemberg-Wahl auf Bremen und zum „Sitzfleisch“ des Koffer-Duos Görgü-Philips/Kähler. Der nachträgliche Blick in Kommentare vorausgegangener Stücke ist für mich stets ein wahrer Erkenntnis-Quell.
Seit Jahren beantwortet die Deutsche Politik die Klimakrise nicht. Ideologie hemmt jeden Blick über den Tellerrand und die Politik sitzt im Schützengraben mit der Angst im Nacken, schon beim Nachdenken über das Thema Energiemix abgewählt zu werden. Ich kenne nicht die Lösung, weiß aber mit Sicherheit: Energiekosten und Wirtschaftsleistung sind die zwei Seiten der selben Medaille! Wenn sich das nicht schnell ändert, werden große Teile der Industrie Deutschland den Rücken kehren müssen, das Klimaziel ist nicht erreicht (nicht jetzt und nicht in Zukunft), die Energiekosten werden so hoch, dass die warme Wohnung im Winter zum Luxus wird. Das alles ist bereits seit Jahren zu sehen, und alle schauen zu.
Ich bin kein „Öko“, aber ich versuche, realistisch auf die Dinge zu schauen. Das, was Herr Redder schreibt, klingt zwar auf den ersten Blick plausibel und easy, ist in Teilen aber eine Mogelpackung.
Es wird der Eindruck erweckt, als seien all diese Technologien im Grunde schlüsselfertig und man müsse nur noch den Hebel umlegen. Auf vielen Ebenen ist das jedoch schlicht falsch.
Zwischen Forschung, politischer Entscheidung, Genehmigungen, Infrastrukturaufbau, Bau und Finanzierung liegen oft Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte.
Diese Faktoren werden in der vorliegenden Argumentation vollständig ausgeblendet. Vor allem die Zeit, die solche Projekte tatsächlich in Anspruch nehmen.
Wir brauchen jedoch Lösungen für das „Hier und Jetzt“, also sehr kurzfristig und nicht erst in 20 Jahren.
Atomkraftwerke
Bundeskanzler Merz hat durchaus einen Punkt, wenn er sagt, dass der Ausstieg aus großen Kernkraftwerken faktisch irreversibel ist. Ob es ein Fehler war, die letzten Anlagen 2023 abzuschalten, ist eine andere Diskussion, auf die ich hier nicht eingehen möchte.
Fakt ist jedoch: Ein neues großes Kernkraftwerk in Deutschland würde heute kaum noch realisiert werden können. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Ein Blick nach Großbritannien zeigt das sehr deutlich. Das Kernkraftwerk Hinkley Point C befindet sich seit 2017 im Bau. Die jahrelange Planungsphase davor ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Die erste Inbetriebnahme wird derzeit für etwa 2030 erwartet, also mehr als ein Jahrzehnt nach Baubeginn.
Die Kosten liegen inzwischen bei rund 35 Milliarden Pfund (über 45 Milliarden Euro).
Die geplante Leistung beträgt etwa 3,2 Gigawatt.
Auch der Strompreis ist relevant: Der garantierte Abnahmepreis für den Strom liegt aktuell bei etwa 127 £/MWh – also knapp 15 Cent pro kWh. Das ist extrem teuer für den Verbraucher.
Zum Vergleich: Strom aus Wind- und Solarenergie liegt häufig deutlich darunter, etwa bei der Hälfte. Von der Kürze der Bauzeiten brauche ich erst gar nicht anfangen, das wäre im Vergleicht „ein Turbo“.
Selbst sogenannte Small Modular Reactors (SMR) lösen dieses Problem nicht automatisch. Viele dieser Reaktoren liefern nur etwa 10 bis 300 Megawatt Leistung, also deutlich weniger als große Kraftwerke. Gleichzeitig würden auch hier Genehmigungen, Standortsuche, Finanzierung und Bau viele Jahre dauern und den großem ähneln.
Dazu kommen grundlegende Fragen, die in solchen Debatten häufig ausgeblendet werden:
Woher sollen die Fachkräfte kommen, die solche Anlagen bauen und betreiben?
Wer finanziert die Projekte, private Investoren oder der Steuerzahler?
Wie wirkt sich das auf den Strompreis aus?
Wer versichert solche Anlagen gegen alle Risiken?
Und woher kommt der Brennstoff, etwa aus Russland oder Kasachstan?
Die Realität ist: Es gibt derzeit mehr offene Fragen als Antworten. Und zur Wahrheit gehört auch, dass Deutschland aktuell kaum in der Lage wäre, neue Kernkraftwerke in einem überschaubaren und mittelfristigen Zeitraum zu realisieren. Wir verfügen auch nicht über die Flächen wie China, Russland und USA, um die Dinger mitten im Nirgendwo zu platzieren, um Risiken zu minimieren. Für Bremen spielt das ohnehin keine Rolle.
Fracking
Puh, da wird ein Fass aufgemacht. Beim Fracking werden große Mengen Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in den Untergrund gepresst, um Gas aus Gesteinsschichten zu lösen.
Dabei wird das Wasser in der Regel mit 0,5 bis 2 Prozent Chemikalien sowie mit bis zu 20 Prozent Sand vermischt. Gerade bei früher eingesetzten Fracking-Flüssigkeiten gab es Stoffe mit teilweise hohen ökotoxikologischen und gesundheitlichen Risiken.
Ein zentrales Problem ist das Risiko für das Grundwasser (das ist der Knackpunkt). Besonders oberflächennahe Grundwasserleiter können durch Methan, Chemikalien oder sogenanntes Flowback-Wasser belastet werden.
Man muss nur in Regionen wie Texas oder Louisiana schauen, um zu sehen, welche Umweltkonflikte dort entstanden sind und das schon vor Jahrzehnten.
Hinzu kommt: Der mögliche Ertrag in Deutschland wäre vergleichsweise begrenzt bei extrem hohen Umweltrisiken.
Wenn man sich stattdessen die erneuerbaren Energien ansieht, zeigt sich ein anderes Bild:
Ein modernes Offshore-Windrad kann heute bis zu 6 MW Leistung erzeugen. Allein in der deutschen Nordsee sind bereits mehrere Gigawatt installiert.
Für ein Bundesland wie Niedersachsen stellt sich daher durchaus die Frage, ob Fracking überhaupt notwendig wäre.
Fazit
1. Dunkelflauten
Dunkelflauten gibt es, aber sie sind sehr selten. In Deutschland treten sie statistisch nur wenige Male (zwei) im Jahr auf. Diese Phasen können durch Speicher, flexible Gaskraftwerke oder europäische Stromnetze überbrückt werden.
2. Erneuerbare Energien sind vielfältig und verringern Abhängigkeiten
Es geht nicht nur um Solarenergie. Unser Energiesystem besteht aus vielen Bausteinen:
-Wasserkraft
-Windenergie
-Solarenergie
-Müllverbrennung
-industrielle Abwärme
-Geothermie
Viele Menschen nutzen bereits Solarstrom und andere autarke Technologien im eigenen Haushalt und wissen aus eigener Erfahrung, wie gut das funktioniert.
3. Das eigentliche Problem ist die Infrastruktur
Die Energie ist grundsätzlich vorhanden. Das Problem ist häufig, dass wir sie nicht effizient speichern, transportieren oder dort einsetzen können, wo sie gebraucht wird (Netzausbau!).
4. Technologieoffen, aber realistisch bleiben
Natürlich sollten wir technologieoffen bleiben. Aber wir müssen auch realistisch und wirtschaftlich denken. Es ist doch klar, wer am Ende die Zeche zahlen muss.
Der Ausbau der Stromnetze und Speichertechnologien wäre in vielen Fällen schneller und günstiger umzusetzen, als vollständig neue und komplexe Technologien aufzubauen.
Zum Schluss noch ein Wort als Bremer Lokalpatriot
Gerade im Norden haben wir hervorragende Voraussetzungen für eine starke und unabhängige Energieversorgung. Wir müssen uns hier nicht verzwergen.
Hier gibt es:
-Windenergie
-Sonne
-Fluss- und Wasserenergie
-industrielle Abwärme
-Geothermie
-und viele Möglichkeiten mehr
Eigentlich also alles, was wir brauchen.
Was oft fehlt, sind weniger die technischen Möglichkeiten, sondern die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wenn wir diese schaffen, kann unser Industriestandort wieder ganz vorne auf der Karte stehen.
Was für einen Sinn macht es, auf Kernkraft zu verzichten – während Deutschland an allen Grenzen von Atomkraftwerken umgeben ist und deren Risiken mittragen muss?
Zur Kernenergie ist alles längst gesagt, nur offenbar noch nicht von Ursula von der Leyen und Volker Redder.
Sie ist unwirtschaftlich, wenn man mal die Rückbauarbeiten mit einbezieht.
Die Endlagerung ist für Jahrzehnte ungeklärt.
Kein Versicherungskonzern versichert Atomkraftwerke, weil zu gefährlich.
Ein Blick nach Frankreich und Finnland zeigt: Jahre, manchmal Jahrzehnte über Zeitplan beim Bau mit einer einhergehenden Vervielfachung der Baukosten.
Die vielgerühmten kleinen Reaktoren mit 300 MW (quasi für jedes Stadtviertel) wurden noch nie gebaut. Sie sind Schimären.
Uran kommt?
Mit wem plant man gerade ein Werk in Lingen, NRW, für den Bau von Brennstäben mit Uran? Genau, mit Rosatom, dem russischen Energiekonzern. Boykott von Russland? Hier nicht in Sicht. Es siegt wahrscheinlich „die wirtschaftliche Vernunft“.
Es macht so müde, immer wieder das gleiche zu argumentieren …
Danke @Hr.Michalik, da ist wenig hinzu zu fügen (SMRs sind schon so lange im Umlauf wie Kernfusion. Teure und gefährliche Hirngespinste).
Ausser, dass wir durch Untätigkeit das Thema Wasserstoff völlig verschlafen. Und durch Fehl und Überregulierung private Speicher abwürgen. Danke für nichts, Fr. Reiche.
Moin
Hat Herr Volker Redder eine rosarote Brille auf oder ist es politische Verblendung?
Aus meiner Sicht sind wir mit Wind- und Sonnenenergie auf dem richtigen Weg.
Was fehlt, sind einfach gesagt Speicher und Leitungen.
Hier ist die Politik gefragt, Netzausbau und Speicher fördern und kleine private Anlage nicht politisch erschweren bzw. verhindern.
Nicht wie Herr Söder es möchte, mini Atomkraftwerke bauen und die Entsorgung Generationen später in Niedersachen erledigen.
Schönen Sonntag
P.S. meinen Ärger über die Meinung von Herrn Volker Redder habe ich eben schnell in die Tasten entsorgt.
Oh… diese Thesen erscheinen mir mal nicht übernommen von „ Agora Energiewende“ der Meinungsorgel der „Agora Think Tanks gGmbH“, von der ansonsten alle anderen Politiker ihre Meinung übernommen bekommen..
Denkt da etwa jemand selbst?
Lasst uns diese freien Gedanken gern aufgreifen und die abgelesenen Statements mit ThinkTank-Ursprung ausblenden.
ThinkTanks verfolgen ausschließlich nur ihre eigene bittere Agenda, getarnt in mundgerechte bunt gezuckerte Häppchen für das Volk.
Herr Michalik hat die wichtigsten Punkte gut zusammengefasst. Ergänzend zum Thema Atommüll zu Atomstrom: https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/wuerden-dual-fluid-reaktoren-das-atommuell-problem-loesen-ein-faktenfuchs,TqrNeJp
Und überhaupt: bis jetzt ist das Licht ohne Atomkraftwerke in Deutschland nicht ausgegangen. Ja, wir beziehen auch (Atom-)Strom aus dem Ausland. Aber diesen Verbund würden wir auch brauchen, wenn wir Atomkraftwerke hätten.
Angesichts des Aufwandes, der nötig ist, um die bestehenden Reaktoren zurückzubauen (abreißen und Teile davon sicher endlagern) kann die Atomkraft nicht günstig und sinnvoll sein.
Was ich bei Herrn Redder nicht verstehe: warum er das Thema mit einem ÖRR-Bashing verknüpft,
. Schlägt er hier den Boten, wenn er die Botschaft meint?
Warum lassen viele Kommentatoren keine andere Meinung mehr zu? Sofort fallen Begriffe wie „politische Verblendung“ oder „Hirngespinste“, ohne dass das Thema ganzheitlich betrachtet wird.
Dabei wird oft übersehen: Netzausbau bedeutet nicht nur das Aufstellen neuer Windräder. Das eigentliche Problem liegt tief in der Erde und oben am Mast. Unsere bestehenden Netze – in den Straßen und über Land – müssen massiv ertüchtigt werden, um den neuen Belastungen standzuhalten. Wer sich heute eine Wärmepumpe oder eine Wallbox installiert, sollte sich fragen, warum der Netzbetreiber nun eine Abschaltvorrichtung einbauen darf. Wenn die nächsten fünf Nachbarn ebenfalls auf E-Mobilität und Wärmepumpe setzen, droht ohne Netzausbau die Überlastung. „Frieren für die Wende“ ist kein Schreckgespenst, sondern ein technisches Risiko, wenn die Infrastruktur nicht Schritt hält.
Es ist eine absolut intelligente Entscheidung, den Ausbau von Wind- und Solarenergie endlich strikt an den Netzausbau zu knüpfen (wie es Katherina Reiche fordert). Es gibt bereits heute massenhaft Windräder, die nachts abgeschaltet werden, weil der Strom nicht abtransportiert werden kann. Dennoch müssen wir Kunden diesen „Phantomstrom“ über die Netzentgelte voll bezahlen.
Die bittere Wahrheit ist: Die Strompreise werden zukünftig weniger durch die Erzeugung, sondern immer mehr durch die Netzkosten bestimmt. Wer das verschweigt, belügt die Wähler.
Diese Transformation erfordert eine ideologiefreie Strategie und einen realistischen Zeitrahmen. Vor allem aber brauchen wir Fachkräfte, die den Netzausbau physisch leisten. Doch genau hier liegt das Problem: Speziell in Bremen verhindert ein ideologisch geprägtes Schulsystem die Ausbildung genau dieser Kompetenzen. Die resultierende Bildungskrise sichert RRG zwar den nächsten Wahlsieg, beschleunigt aber den wirtschaftlichen Abstieg. Wer zu uns kommt, bringt diese hochspezialisierten Qualifikationen oft nicht mit.
In der aktuellen Debatte werden diese Realitäten ausgeklammert. Wer sie anspricht, wird schnell als „Klimaleugner“ oder Schlimmeres abgestempelt. Währenddessen findet die Forschung zur Energieerzeugung längst woanders statt. Das ist der Einstieg in den Abstieg – eine Realität, die Frau von der Leyen, Wirtschaftsvertreter wie Herr Redder und erst recht die Chinesen längst erkannt haben.
Moin Herr Michalik,
es mag sein, dass Herr Redder Ideen vorträgt, deren Realisierung entweder phantastisch oder mit hohen Risiken behaftet ist. Ihr Vertrauen in die Tragfähigkeit der erneuerbaren Energien setzt aber mindestens ähnliches Gottvertrauen voraussetzt wie die Vorschläge von Herrn Redder. Hier die Struktur unseres Primärenergieverbrauchs in 2024.
Mineralöl: Mit einem Anteil von etwa 32 % weiterhin der wichtigste Energieträger, primär genutzt im Verkehr und für Heizöl.
Erdgas: Liegt bei ca. 24–27 % und ist ein zentraler Faktor für Industrie und Haushalte.
Erneuerbare Energien: Deckten im Jahr 2024 rund ein Fünftel (20 %) des gesamten Primärenergieverbrauchs.
Kohle: Stein- und Braunkohle tragen zusammen noch rund 17–18 % bei, mit sinkender Tendenz.
Mir ist ein absolutes Rätsel, wie es gelingen soll, weitere 80% unseres Primärenergieverbrauchs aus Wind und Sonne zu gewinnen. Von dem erforderlichen Ausbau der Netze für Mittel- und Niedrigspannung und einer Erdgas ersetzenden Wasserstoffkapazität bei der Stahlproduktion und anderen industriellen Prozessen rede ich gar nicht. Von Speichern für Tage mit geringer Wind- und Solarausbeute auch nicht.
Können Sie kurz skizzieren, wie das funktionieren soll? Nur so rein technisch. Das Finanzielle können Sie gerne an dieser Stelle vernachlässigen.
Ich möchte mich bei Martin Michalek ausdrücklich für seinen Kommentar bedanken, weil er die
aktuelle Debatte noch einmal sachlich auf den Punkt gebracht hat. Gerade bei Themen wie
angeblichen technischen Wundermitteln tauchen immer wieder sogenannte „Hirngespinste“ auf,
was gut ist.Verschiedene Arten von Reaktoren geistern schließlich schon seit Menschengedenken
durch die Diskussionen ,dazu gehören auch die immer wieder erwähnten Mini-Reaktoren, von
denen irgendwo in Russland einer stehen soll.
Solche Debatten sind nicht neu. Ich habe darüber bereits vor rund zwanzig Jahren mit Professor
Manfred Fuchs, dem Gründer von OHB, diskutiert. Damals ging es um Fusionsreaktoren und sogar
um die Idee, Helium-3 vom Mond abzubauen, um damit langfristig die Energieversorgung zu
sichern, ohne die bekannten Probleme radioaktiver Verseuchung. Technisch ist vieles denkbar.
Vielleicht werden einige dieser Ideen in 20, 30 oder 40 Jahren Realität. Aber im Moment hilft uns
das in der aktuellen energiepolitischen Debatte schlicht nicht weiter.
Unabhängig davon, ob man über neue Reaktortypen oder eine Reaktivierung von Atomkraftwerken
spricht: Vieles von dem, was derzeit behauptet wird, halte ich für blanke Fantasie. Wir bekommen
es ja noch nicht einmal hin, Stromleitungen durch dieses Land genehmigt zu bekommen. Das
eigentliche Problem ist nämlich nicht die Produktion von Strom, sondern seine Verteilung.
Gerade bei der Windenergie – insbesondere Offshore – könnten wir heute schon deutlich mehr
Strom produzieren, vermutlich sogar das Doppelte dessen, was derzeit erzeugt wird. Das Problem
ist, dass wir diesen Strom nicht von Nord nach Süd transportieren können. Stattdessen müssen
Betreiber im Norden ihre Anlagen abschalten und dafür sogar noch Strafzahlungen leisten.
Ein wesentlicher Teil dieser Blockaden geht auf rund 1400 Bürgerinitiativen ( also das Volk)
zurück, die maßgeblich von den Grünen initiiert oder unterstützt wurden. Das ist das eigentliche
Grundproblem: Wir haben kein Produktionsproblem, sondern ein Verteilungsproblem. Selbst
größere Speicherkapazitäten würden daran zunächst wenig ändern, denn der Strom müsste trotzdem
dorthin gelangen, wo er gebraucht wird.
Natürlich müssen wir auch selbstkritisch sein: Politische Fehler wurden gemacht. Der 2011
eingeleitete Atomausstieg hätte zwingend an den gleichzeitigen Ausstieg aus der Kohleverstromung
gekoppelt werden müssen. Angela Merkel hätte damals sagen müssen: Wir steigen perspektivisch
aus der Kernkraft aus, aber erst dann, wenn wir ohne Kohle auskommen und die Versorgung durch
erneuerbare Energien sowie stabilisierende Gaskraftwerke gesichert ist. Diese Kopplung hat es
nicht gegeben.
Umso bemerkenswerter ist es, dass heute ausgerechnet Politiker aus Bayern – allen voran Markus
Söder – besonders laut auftreten. Sie tragen eine Mitverantwortung für das Desaster beim
Netzausbau. Schon vor 15 Jahren gab es Diskussionen, in denen aus Bayern zu hören war: Wir
setzen auf Gaskraftwerke und ein bisschen Solar, aber Windenergie aus Norddeutschland sei
angeblich Unsinn. Gleichzeitig erklärten Vertreter aus Thüringen, durch den Thüringer Wald
würden keine Stromleitungen führen. Das alles ist dokumentiert.
Deshalb müssen wir jetzt aus der Not eine Tugend machen. Windkraft – insbesondere Offshore –
bleibt neben der Solarenergie ein zentraler Bestandteil unserer Energieversorgung. Parallel dazu
wird man selbstverständlich weiter an neuen Technologien forschen.
Fatal finde ich jedoch die Haltung, so zu tun, als sei früher alles besser gewesen. Das stimmt
schlicht nicht.
Und noch ein Punkt: das Thema Fracking. Hier sollte man sehr vorsichtig sein. Natürlich kann man
darüber diskutieren. Aber Niedersachsen ist ein dicht besiedeltes Land, und die möglichen
Auswirkungen sind real. Ein Blick nach Verden, wo bereits Probeversuche stattgefunden haben,
oder nach Texas zeigt, dass diese Technologie erhebliche Risiken mit sich bringen
Der Gastkommentar aus der APO zeichnet ein Bild, als läge die Zukunft der Energieversorgung in Kernkraft, Mini-Reaktoren und Fracking. Jedoch sprechen die Fakten eine andere Sprache.
Atomstrom ist extrem teuer: Das neue britische Kernkraftwerk Hinkley Point C zeigt das sehr deutlich. Für den dort erzeugten Strom hat der Staat einen garantierten Preis von rund 127 £ pro MWh – also knapp 15 Cent pro Kilowattstunde zugesichert, und zwar über Jahrzehnte. Wie da ein Industriestrompreis von 2 Cent realisiert werden soll, bleibt sicher ein Geheimnis.
Zum Vergleich: Neue Wind- und Solarparks liegen heute häufig deutlich darunter. Wer ernsthaft glaubt, Atomkraft sei der günstige Weg, ignoriert schlicht die aktuellen Zahlen.
Auch die sogenannte SMR-Reaktoren sind vor allem ein Versprechen: Die meisten dieser Mini-Reaktoren existieren bisher nur auf dem Papier. Sie sollen angeblich billig werden – obwohl kleinere Reaktoren physikalisch meist höhere Kosten pro Kilowatt verursachen. Die Industrie selbst spricht von enormen wirtschaftlichen Risiken. Im Übrigen ist die Idee nicht neu, schon in den 1960er Jahren gab es die Idee – dabei blieb es wegen den oben genannten Gründen und einem weiteren, oft verschwiegenen Detail:
Die angebliche Wiederverwertung von Atommüll ist kein Zaubertrick. Sie bedeutet vor allem Wiederaufarbeitung – also die Abtrennung von Plutonium oder hoch angereichertem Material. Genau diese Stoffe sind auch Grundlage für Kernwaffen.
Mehr Wiederaufarbeitung heißt deshalb immer auch mehr Proliferationsrisiko.
Fracking in Niedersachsen ist politisch realitätsfern, aber das ist ja keine Messeinheit in der ein Liberaler denken muss. Die Region hat jahrzehntelange Protesterfahrung gegen riskante Energieprojekte. Bürgerinitiativen, Kommunen und Umweltverbände haben Fracking immer wieder massiv abgelehnt – vor allem wegen Risiken für Grundwasser und Umwelt.
Die Zahl von bis zu 2,3 Billionen Kubikmetern geht auf ältere Abschätzungen technisch gewinnbarer Ressourcen zurück; selbst der Sachverständigenrat für Umweltfragen ordnete diese Größenordnung schon damals eher als „theoretisches Potenzial“ ein.
Die wirkliche technologische Revolution findet nicht bei Atomreaktoren oder Fracking statt, sondern bei Speichern statt: Batteriespeicher sind in den letzten Jahren massiv billiger geworden und ermöglichen genau das, was für ein erneuerbares Energiesystem entscheidend ist: Strom speichern, wenn Wind und Sonne viel liefern – und ihn bereitstellen, wenn sie es nicht tun.
Die Energiewende ist deshalb kein Problem fehlender Technologien, sie ist ein Systemwechsel – von wenigen zentralen Kraftwerken zu einem Netz aus erneuerbaren Energien, Speichern und flexiblen Verbrauchern.
Wer heute ernsthaft auf neue Atomkraft setzt, setzt auf eine Technologie, die teuer, langsam und politisch hochriskant ist. Das hat Herr Redder im Bundestagswahlkampf schon getan, die Quittung gab es dann an der Wahlurne.
Zunächst einmal herzlichen Dank für die sachliche, detaillierte und engagierte Auseinandersetzung mit meinen Thesen. Es ist genau dieser konstruktive Austausch, den wir in der aktuellen energiepolitischen Lage dringend brauchen. Herr Michalik und Herr Strohmann sprechen beide völlig zu Recht wichtige Herausforderungen an, auf die ich gerne differenziert eingehen möchte, da wir in vielen Punkten gar nicht so weit voneinander entfernt sind, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.
1. Hinkley Point C, Kosten und „Hirngespinste“
Herr Michalik, Sie verweisen absolut korrekt auf die Kostenexplosion und die langen Bauzeiten beim britischen Kernkraftwerk Hinkley Point C. Wenn wir heute Reaktoren der 3. Generation individuell planen und bauen, landen wir bei extrem hohen Strompreisen. Mein Ansatz stützt sich jedoch auf die Technologie der Generation IV, wie den in Berlin mitentwickelten Dual Fluid Reaktor (DFR), sowie auf kleine, modulare Reaktoren (SMR). Diese werden nicht als gigantische Einzelprojekte gebaut, sondern standardisiert in Serie gefertigt, was die Stromgestehungskosten auf 1,5 bis 2 Cent/kWh senken wird. Herr Strohmann, Sie bezeichnen solche Anlagen als ferne Zukunftsvisionen. Die Realität sieht jedoch so aus, dass ein erster Testreaktor in deutsch-kanadischer Kooperation bereits ab 2026 in Ruanda errichtet wird und Länder wie China und die USA massiv in diese Technologie investieren. Wir exportieren unser Know-how derzeit leider nur ins Ausland.
2. Die Brennstofffrage und das Endlager
Sie fragen sich völlig zu Recht, woher der Brennstoff kommen soll und werfen die Abhängigkeit von Russland oder Kasachstan in den Raum. Das Faszinierende an Reaktoren der Generation IV ist: Wir haben den Brennstoff bereits! In deutschen Zwischenlagern befinden sich rund 15.000 Tonnen nuklearer Reststoffe. Bisherige Reaktoren haben nur etwa 5 % des Energiegehalts genutzt. Durch das Atommüll-Recycling in neuen Reaktoren können wir diese Stoffe weiterverwenden und damit Deutschland für knapp 300 Jahre völlig CO2-frei und unabhängig mit Strom versorgen. Wir lösen damit das milliardenschwere, bislang ungelöste Endlagerproblem auf technologischem Weg und importieren gar nichts.
3. Das Verteilungsproblem und Dunkelflauten
Herr Strohmann, ich gebe Ihnen zu 100 Prozent recht: Wir haben ein riesiges Verteilungsproblem und scheitern am Netzausbau. Aber genau das ist das stärkste Argument für dezentrale Grundlastkraftwerke! Wenn wir dezentrale Kraftwerke an bestehenden Standorten nutzen, entlasten wir die Netze massiv und sparen uns einen Großteil des unfassbar teuren Netzausbaus sowie die Milliarden für Redispatch-Maßnahmen. Und Herr Michalik, Dunkelflauten mögen statistisch selten erscheinen, aber wenn die garantierte Leistung aus Wind und Sonne in diesen Phasen gegen Null geht, hilft uns das wenig. Um Deutschland für nur zwei Wochen Dunkelflaute mit Batterien abzusichern, bräuchten wir Kapazitäten, deren Kosten das deutsche Bruttoinlandsprodukt übersteigen würden. Wir leisten uns aktuell unbezahlbare Doppelstrukturen aus erneuerbaren Energien und notwendigen fossilen Backups.
4. Die ökologische Wahrheit beim Thema Fracking
Sie beide warnen vollkommen zu Recht vor den Risiken des Frackings, verweisen auf den Grundwasserschutz und die Bilder aus Texas oder Louisiana. Doch hier müssen wir ehrlich über unsere heutige Import-Realität sprechen: Wir importieren aktuell riesige Mengen exakt dieses US-Fracking-Gases (LNG), zahlen dafür rund 30 Prozent Aufschlag und verschlechtern die Klimabilanz enorm, weil das Gas extrem energieaufwendig auf -162 °C herunter gekühlt und über den Atlantik verschifft werden muss. Unter Niedersachsen (im Wealden und Posidonienschiefer) lagern bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas, die uns 30 Jahre lang eigenständig versorgen könnten. Wenn wir diese unter unseren ohnehin weltweit strengsten Umwelt- und Grundwasserauflagen direkt ins heimische Pipelinenetz fördern, ist das ökonomisch und ökologisch ungleich sinnvoller, als die Umweltschäden einfach in die USA auszulagern.
Ich plädiere schlicht für einen physikalischen Realismus. Ein Industriestrompreis von 2 Cent/kWh ist kein Hirngespinst, sondern durch die kluge Nutzung unserer eigenen heimischen Ressourcen absolut machbar. Lassen Sie uns die ideologischen Fesseln ablegen und unsere Ingenieure einfach wieder arbeiten lassen. Für mehr Resilienz und Souveränität. Gerade in diesen Zeiten ein unschlagbares Argument.
Schönen Rest-Sonntag!
Lieber Herr Lenkeit,
vielen Dank für Ihren tatsächlich „interessanten“ Kommentar. Es ist wichtig, Themen kritisch zu diskutieren, doch physikalische Gesetze und wirtschaftliche Realitäten lassen sich nicht ignorieren oder – wie Sie am Ende andeuten – einfach abwählen. Gerne möchte ich Ihnen die Systemzusammenhänge aufzeigen:
1. Äpfel, Birnen und Atomstrom-Kosten
Sie verweisen zu Recht auf die enormen Kosten und garantierten 15 Cent pro Kilowattstunde des britischen Reaktors Hinkley Point C. Dieser ist jedoch ein individuell geplanter Reaktor der 3. Generation, was natürlich extrem teuer ist (s.o.). Mein Thesenpapier stützt sich auf Reaktoren der Generation IV (wie den Dual Fluid Reaktor) und modular in Serie gefertigte Anlagen. Da diese Reaktoren die in deutschen Zwischenlagern liegenden 15.000 Tonnen Atommüll als kostenlosen Brennstoff nutzen, senken wir die Stromgestehungskosten auf 1,5 bis 2 Cent/kWh. Das ist kein Geheimnis, sondern das Ergebnis physikalischer Effizienz.
2. Das teure Märchen der Batterie-Revolution
Sie bezeichnen Batteriespeicher als die große Revolution, die das Speicherproblem lösen soll. Die statistische Realität ist leider eine andere: Ich wiederhole mich, aber um Deutschland für nur zwei Wochen Dunkelflaute mittels Batterien abzusichern, bräuchten wir Kapazitäten, deren Kosten das gesamte deutsche Bruttoinlandsprodukt übersteigen würden. Wenn wir die wahren Gesamtsystemkosten der Energiewende betrachten – inklusive des zwingend notwendigen doppelten Backup-Systems aus Gaskraftwerken, Stromimporten und gigantischem Netzausbau – landen wir laut einer aktuellen DIHK-Studie bei bis zu 5,4 BILLIONEN Euro. Die punktuelle Erzeugung von Wind und Sonne mag günstig sein, das parallele System zur Netzstabilisierung ist jedoch ein unbezahlbarer Doppelstrukturen-Zwang.
3. Atommüll-Recycling ist keine Wiederaufarbeitung
Ihre Warnung vor Kernwaffen (Proliferationsrisiko) durch Plutoniumabtrennung basiert auf veralteter Technik. Moderne Reaktoren der Generation IV arbeiten mit Transmutation: Sie spalten den nuklearen „Müll“ so vollständig, dass am Ende nur Reststoffe bleiben, deren Strahlungsniveau bereits nach 300 Jahren auf das von Natururan sinkt. Statt waffenfähiges Material zu produzieren, vernichten wir den radioaktiven Müll vollständig und sparen uns zudem die absurden Kosten von 25 bis 50 Milliarden Euro für ein Endlager.
4. Die moralische und ökologische Heuchelei beim Fracking
Sie werten das Schiefergas-Potenzial in Niedersachsen als bloß „theoretisch“ und politisch realitätsfern ab. Die Zahl von 2,3 Billionen Kubikmetern entstammt den offiziellen Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und reicht aus, um Deutschland 30 Jahre lang eigenständig zu versorgen. Realitätsfern ist vielmehr unsere aktuelle politische Praxis: Wir importieren massenhaft exakt dieses Fracking-Gas (LNG) aus den USA und zahlen 25 bis 30 Prozent Preisaufschlag für die extrem energieaufwendige Verflüssigung und den Schiffstransport über den Atlantik. Es ist moralisch und ökologisch hochgradig inkonsistent, diese Umweltrisiken einfach in die USA auszulagern, anstatt unser eigenes Gas unter weltweit strengsten Umweltauflagen direkt in unser Pipelinenetz zu fördern.
Die Vergrünung und die Kirchturm-Politik der Bremer CDU (siehe Fracking-Gas) entwickelt sich gerade dramatisch.
Deutsche Experten haben bereits vor Jahren angekündigt, dass sie mit moderner Technik das weltweit sauberste und sicherste Fracking durchführen können.
Über den nicht genutzten Atommüll schrieb sich auch schon der ehemalige Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt die Finger wund.
Mit dieser CDU bekommen die Grünen einen treuen und zuverlässigen Koalitionspartner. Positive Zukunftsaussichten für die erodierende Wirtschaft und den immer stärker belasteten Endverbraucher bieten diese CDU-Ökos leider nicht an.
@alle Kommentatoren.
In diesem Blog hat der von mir hochgeschätzte Herr Professor Dr. Peitgen schon in seinem Beitrag: ‚Politik verharmlost Mega-Investitionen in die Energiewende/Stures Bremen‘ (23.12.2025) ein erschütterndes Fazit gezogen: Ich zitiere: „Es ist unbegreiflich, dass Bremen als ärmstes Bundesland stur an dem Ziel festhält, bereits 2038 klimaneutral zu sein, statt zu energiepolitischer Vernunft zu finden“!
Dem ist nichts hinzuzufügen. Also, liebe Politiker und Entscheider – hier in dem Blog ja so zahlreich vertreten – lesen Sie noch einmal den Blog von Axel Schuller vom 23. Dezember 2025 und handeln Sie. Ich denke, einiges in den Kommentaren erübrigt sich dann.
Sehr geehrter Herr Redder, immer gern. Ich finde tatsächlich, dass ein Äpfel- und Birnen-Vergleich uns nicht weiterhilft. Deswegen ist ihre Überschrift auch unglücklich gewählt, denn wenn wir Reaktoren der Generation IV und SMRs sprechen, dann sprechen wir lieber über Einhörner und Feen.
Die meisten der Generation IV Reaktoren existieren noch nicht im kommerziellen Betrieb. Es handelt sich um experimentelle Forschungsreaktoren oder Demonstrationsanlagen – nichts, was uns hier und heute weiterhilft.
Noch utopischer wird es beim Dual-Fluid-Reaktor, denn hierbei handelt es sich um ein rein experimentelles Konzept – ich bin ja großer Fan der Physik, aber das, was sie beschrieben, ist Science Fiction.
Niemand hat vor, Deutschland zwei Wochen batterielektrisch zu versorgen. Das ist ein beliebter Trick, um Speicherlösungen für 48 bis maximal 72 Stunden zu diskreditieren. Ebenso verhält es sich mit den genannten 5,4 Billionen Euro Kosten: Die oft zitierte Zahl aus der DIHK-Studie wird von Ihnen stark verkürzt: Sie beschreibt nicht die Kosten der Energiewende, sondern die gesamten Energiekosten Deutschlands über 25 Jahre, inklusive Importen von Öl, Gas und Kohle. Ein erheblicher Teil dieser Ausgaben würde auch ohne Ausbau der erneuerbaren Energien anfallen, etwa für Energieimporte, Netzerhalt und Kraftwerksbetrieb.
Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob wir Geld für Energie ausgeben, sondern ob wir es künftig für heimische Infrastruktur und erneuerbare Energien investieren – oder weiter für fossile Brennstoffe ins Ausland überweisen.
Es ist falsch zu behaupten, man könne den vorhanden Atommüll einfach in neuartige Reaktoren packen und damit dann arbeiten. Es bedarf immer einer chemischen Aufarbeitung, es entstehen immer Kosten und – ob sie es wollen oder nicht – das Proliferationsrisiken steigt.
Ich betreibe keine Heuchelei, Ich will gar kein Gas mehr verbrennen. Wenn benötigt, dann nehmen wir Wasserstoff, produziert aus der Überproduktion von Erneuerbaren Energien.
Lieber Herr Lenkeit,
ich verzeihe Ihnen Ihren Hang zur Polemik – wer physikalischen Realitäten ins Auge blicken muss, flüchtet sich gerne mal in die Welt der Fabelwesen. Wenn Sie deutsche Ingenieurskunst jedoch als „Feen und Einhörner“ bezeichnen, erklärt das unfreiwillig sehr gut, warum unser Land technologisch gerade den Anschluss verliert.
Lassen Sie uns bei den Fakten bleiben: Dass der Dual Fluid Reaktor „Science Fiction“ sei, müssen Sie dringend den Physikern des Berliner Instituts für Festkörper-Kernphysik sowie unseren kanadischen Partnern erklären, die ab 2026 in Ruanda den ersten Testreaktor errichten. Während Sie hierzulande noch über Einhörner philosophieren, machen andere Länder unsere Spitzentechnologie längst zur industriellen Realität.
Zu Ihrem Versuch, die 5,4 Billionen Euro der DIHK-Studie wegzuerklären: Sie haben völlig recht, dass in dieser Summe gewaltige Kosten für Netzausbau, Kraftwerksbetrieb und Importe stecken. Aber haben Sie sich mal gefragt, warum diese Kosten so explodieren? Es ist genau der von mir beschriebene Doppelstrukturen-Zwang. Weil Ihre präferierten Erneuerbaren eben nicht verlässlich liefern, müssen wir parallel zum Ausbau von Wind und Sonne ein gigantisches, sündhaft teures Backup-System aus Netzen, teurem US-Fracking-Gas und Gaskraftwerken finanzieren. Dass EY und der BDEW allein den reinen Infrastrukturbedarf bis 2035 auf 1,2 Billionen Euro taxieren, verschweigen Sie geflissentlich. Die aktuelle Politik ist ein fiskalisches Fass ohne Boden.
Und Ihr „Masterplan“ für die Dunkelflaute ist geradezu entlarvend: Sie geben unumwunden zu, dass Batterien uns nicht retten werden. Ihr Joker ist also Wasserstoff aus „Überproduktion“. Ein Blick in das Physik-Buch der 8. Klasse reicht, um zu erkennen, dass die Umwandlung zu Wasserstoff und zurück einen geradezu katastrophalen Wirkungsgrad von 30 bis 35 Prozent hat. Es ist physikalisch und ökonomisch völlig absurd, Strom erst mit 65 Prozent Verlust umzuwandeln, anstatt direkt auf eine kontinuierliche Grundlast zu setzen, die den Stromgestehungspreis auf 2 Cent/kWh drückt.
Sie dürfen gerne weiter auf den extrem teuren Wasserstoff-Prinzen auf dem weißen Pferd warten. Ich setze derweil lieber auf Physik, heimische Ressourcen und bezahlbare Strompreise für unsere Industrie.
Mit den allerbesten, realpolitischen Grüßen.
Lieber Herr Lenkeit,
noch eine „kleine“ Ergänzung. Ich mag ja keine Strohmann-Argumente, auch wenn sie von bestimmten Politikern immer wieder gerne als rhetorische Waffe benutzt werden. Ich muss zugeben, Ihr letzter Kommentar hat mich sehr zum Schmunzeln gebracht. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, mit welcher Vehemenz manche die Physik ignorieren, wenn sie nicht ins eigene Weltbild passt.
Wir machen dann doch noch mal einen kurzen Realitätscheck:
1. Zu den zwei Wochen Batterien und dem „Trick“
Sie sagen, niemand habe vor, Deutschland zwei Wochen batterielektrisch zu versorgen. Wenn die Batterien das aber nicht können, müssen wir die Lücke anders füllen. Und wie das aussieht, haben wir im Jahr 2025 gesehen: Laut Daten des Fraunhofer ISE war Deutschland an über 150 Tagen massiv auf Stromimporte aus dem Ausland angewiesen. Gleichzeitig stehen im Norden massenhaft Windparks still und werden abgeschaltet, weil die Netze den Strom nicht aufnehmen können – wofür wir Kunden über die Netzentgelte („Phantomstrom“) auch noch teuer bezahlen müssen. Wenn das Ihr Konzept einer stabilen Industrienation ist, dann gute Nacht.
2. Wer schickt hier Geld ins Ausland?
Ihre Aussage „Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob wir Geld für Energie ausgeben, sondern ob wir es künftig für heimische Infrastruktur investieren – oder weiter für fossile Brennstoffe ins Ausland überweisen“ ist an unfreiwilliger Komik kaum zu überbieten. Haben Sie meine Thesen eigentlich gelesen? Genau das ist doch der Kern der Forderung! Die aktuelle Politik, die Sie so verteidigen, schickt jährlich Milliarden ins Ausland, um sündhaft teures US-Fracking-Gas (LNG) per Schiff zu importieren. Mein Konzept sieht vor, diese Milliarden im Land zu behalten, indem wir unsere heimischen Ressourcen nutzen: Das Erdgas unter Niedersachsen und den Wertstoff in unseren Zwischenlagern. Wir wollen Souveränität, Sie verteidigen die Import-Abhängigkeit.
3. Transmutation vs. Chemie
Ihre Behauptung, man brauche für neue Reaktoren zwingend eine chemische Aufarbeitung, die das Proliferationsrisiko (Kernwaffen) erhöht, lässt mich ernsthaft fragen: Haben Sie den Physik-Unterricht in der Schule abgewählt? Was Sie beschreiben, ist die Technik von gestern. Moderne Reaktoren der Generation IV (wie der Dual Fluid Reaktor) arbeiten mit physikalischer Transmutation. Dabei werden die langlebigen Isotope direkt im Reaktor durch Spaltung regelrecht vernichtet, bis nur noch Reststoffe mit einer Halbwertszeit von 300 Jahren übrig bleiben. Da wird kein Plutonium für Kernwaffen abgetrennt, da wird schlicht unser Atommüll-Problem elegant und final verbrannt.
Aber trösten Sie sich: Auch Einhörner hielt man lange für Fabelwesen – bis man merkte, dass es Nashörner sind, die einfach nur etwas robuster durchs Leben gehen. In Ruanda, China und Nordamerika baut man diese „Fabelwesen“ der Generation IV jedenfalls gerade in die Realität ein, während wir in Deutschland weiter auf Wind, Sonne und Speicher hoffen. Ach ja, die Hoffnung. Die stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Wünsche Ihnen noch einen vergnüglichen Abend.
@ Martin Michalik:
Sie sagen: „Ob es ein Fehler war, die letzten Anlagen 2023 abzuschalten, ist eine andere Diskussion, auf die ich hier nicht eingehen möchte.“
Ich sage Ihnen: Es war ein historischer Fehler der CDU, und das wissen Sie auch!
Im übrigen: selbst wenn die Politik den Wiedereinstieg in die Atomenergie beschließen sollte, wird sich in Deutschland kein Standort finden lassen. Söder weiss auch ohne geologische Untersuchungen, dass es in Bayern keinen geeigneten Standort für Atomkraft gibt. Einfach, weil ihn das die nächste Wahl kosten würde.
Genauso wenig gibt es Standorte für eine Wiederaufarbeitungsanlage (Wackersdorf wurde von der Industrie aufgegeben, Helmut Kohl erfuhr das aus Presse) oder für ein Endlage.
Atomenergie hat fertig.
Sehr geehrter Herr Glaap,
wer in der energiepolitischen Diskussion mit Helmut Kohl und Wackersdorf argumentiert, zeigt recht deutlich, in welchem Jahrzehnt er gedanklich und technologisch stehen geblieben ist. Lassen Sie uns einen kurzen Ausflug ins Heute machen:
1. „Atomenergie hat fertig“?
Diese steile These müssen Sie dringend der restlichen Welt erklären. Während wir in Deutschland Windräder abschalten, weil die Netze überlastet sind, haben sich vergangene Woche in Paris Vertreter aus 33 Ländern getroffen, um die globale Kernkraftkapazität bis zum Jahr 2050 zu verdreifachen. China baut massiv aus, die USA treiben neue Technologien voran. Dass das renommierte „Wall Street Journal“ unseren deutschen No-Kernenergie-Sonderweg inzwischen als die „dümmste Energiepolitik der Welt“ verspottet, sollte uns vielleicht zu denken geben. Nicht die Kernenergie hat fertig, sondern unser ideologischer Alleingang.
2. Wackersdorf und die Endlager-Illusion
Ihre Angst vor einer neuen Wiederaufbereitungsanlage ist nachvollziehbar, aber technologisch völlig überholt. Reaktoren der Generation IV (wie der Dual Fluid Reaktor) brauchen kein Wackersdorf. Sie nutzen physikalische Transmutation und spalten den Atommüll direkt im Reaktor so vollständig, dass am Ende nur Reststoffe mit 300 Jahren Halbwertszeit bleiben. Wir trennen kein Plutonium ab, wir verbrennen das Problem schlichtweg und ersparen uns damit die aberwitzigen 25 bis 50 Milliarden Euro für ein Endlager. Die Milliarden, die immer wieder schön auf die Gestehungskosten von Kernenergie draufgeschlagen werden, damit die Kosten höher als bei PV und Wind aussehen. Gibt es eigentlich analog Entsorgungs- oder Recyclingkosten für Wind- und PV-Parks, die auf deren Strom in der Kalkulation Berücksichtigung finden. Nein. Warum eigentlich nicht?
3. Das Standort-Problem, das keines ist
Machen Sie sich mal keine Sorgen um Markus Söder oder bayerische Befindlichkeiten. Wir müssen für moderne, dezentrale Reaktoren keine neuen Standorte auf der grünen Wiese suchen oder neue geologische Untersuchungen durchführen. Wir nutzen einfach die bereits bestehenden und erschlossenen Kraftwerksstandorte, an denen die Netzinfrastruktur schon vorhanden ist.
Wer künftigen Wohlstand sichern will, darf technologisch nicht in den 80er Jahren stehen bleiben. WIR sind gerade die Geisterfahrer auf der globalen Energie-Autobahn – nicht die anderen!
Lieber Herr Schuller,
Ihr Blog ist eine hochqualitative Quelle an Informationen. Aber für wen?
ich denke, dass einige Ihrer Leser nicht in der Lage sind, die „Fachliche Kompetenz und Diskussion“ der fast schon „wissenschaftlich anmutenden Kommentare“ in der Sache zu verfolgen. Herr Volker Redder liefert hochqualitative Informationen, die sich in Rede und Gegenrede widerspiegeln. Das gilt auch für Herren Strohmann, Michalik und Lenkeit.
Aber für wen? Vllt nur für sich selbst? Es ist m.E. angeraten, die Rückschlüsse aus den“ wissenschaftlichen“ Erkenntnissen der Kommentatoren so auf den Punkt zu bringen, dass das Interesse aller, sie zu lesen, bleibt.
@ Herrn Teupe: Das ist bei Debatten im Internet so. Jeder schreibt, was er/sie zu einem Thema denkt. Wissenschaft setzt häufig fachliches Verständnis voraus. Mein Eindruck von der Diskussion über den Gastkommentar: Ich denke, kluge Köpfe (und aus denen speist sich Terrine Leserschaft) können die Aussagen für sich selbst bewerten. Und manchmal sind Leserkommentare halt auch etwas länger.
@Volker Redder, Einiges von dem, was sie sagen, ist durchaus richtig. Und Ihren Technologieoptimismus in Ehren, aber Ruanda, dessen Regime wirklich alles egal ist, sodass die Engländer dort sogar gegen Bezahlung ihre unliebsamen Ausländer abladen können? Vielleicht sollten wir lieber fragen, ob sie unsere auch nehmen, statt deren Meinung zur Reaktorsicherheit zu übernehmen.
Dann kommen Sie mit 2 Cent pro kWh Industriestrompreis. Können Sie das bitte mal belegen und auch die Versprechen der beteiligten Firmen an ihre Investoren berücksichtigen? Denn das erinnert mich an die bösartigen und infantilen Aussagen der Grünen, dass Wind und Sonne keine Rechnung stellen.
15.000 t verwertbarer Brennstoff. Also ich denke, es sind vielleicht 10.000 t, weil der Teil, der bereits für die Endlagerung verglast wurde, als verloren betrachtet werden kann.
Ich wohne nicht in Rotenburg, mir ist es egal, ob die dort heute schon eine hohe Krebssterblichkeit haben. Aber dort vor Ort müssen sie mit ernsthaftem Widerstand rechnen, wenn da Erdgas aus der Erde geholt werden soll. Der Staat hat sich in den letzten Jahren ja bereits auf härtere Maßnahmen gegen unfolgsame Untertanen vorbereitet. Wie haben Sie eigentlich abgestimmt, als das alles beschlossen wurde?
Unsere „Freunde“ in Palästina – ähh – Israel werden ja, wenn die „Palästinenserfrage“, wenn man das so bezeichnen darf, bald gelöst haben und das große Erdgasfeld vor der Küste Gazas endlich erschließen, oder? Ich gehe doch mal davon aus, dass die BRD dort Gas abbekommt, sonst hätte sich die Unterstützung des Völkermordes ja nicht gelohnt. Oder hat sich das BRD-Regime auch dort über den Tisch ziehen lassen?
Und zum Abschuss: Wäre es nicht klüger, Abstand von der Klimareligion zu nehmen, statt sich auf diese ganzen fragwürdigen Unwegsamkeiten einzulassen?
Lieber Herr Mayer,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell in energiepolitischen Diskussionen vom eigentlichen Thema abgelenkt wird – sei es durch den Nahostkonflikt oder wilde Spekulationen. Lassen Sie uns die Polemik beiseitelegen und zur physikalischen und ökonomischen Realität zurückkehren:
1. Ruanda setzt nicht unsere Sicherheitsstandards
Ihre Sorge um die Reaktorsicherheit teile ich, aber Ihr Verweis auf die Regierung in Ruanda geht völlig an der Sache vorbei. Der Dual Fluid Reaktor ist eine genuin deutsche Spitzentechnologie, entworfen von Physikern des Instituts für Festkörper-Kernphysik in Berlin. Dass der erste Testreaktor ab 2026 in Ruanda gebaut wird, geschieht im Rahmen einer strengen deutsch-kanadischen Kooperation. Die Sicherheits- und Technologiestandards werden von deutschen und kanadischen Ingenieuren gesetzt. Ruanda ist lediglich pragmatisch genug, unserer vertriebenen Innovation einen Standort zu bieten, während wir uns hierzulande im ideologischen Klein-Klein verlieren.
2. Wie die 2 Cent pro kWh zustande kommen
Das ist keine „bösartige Aussage“, sondern simple Ökonomie. Alte Reaktoren der 3. Generation (wie das hier gerne zitierte Hinkley Point C) wurden als gigantische, individuelle Einzelprojekte gebaut, was die Kosten explodieren lässt. Neue Anlagen der Generation IV werden stattdessen standardisiert und modular in Serie gefertigt, was die Baukosten drastisch senkt. Der wichtigste ökonomische Hebel ist jedoch der Brennstoff: Wir haben in Deutschland rund 15.000 Tonnen nukleare Reststoffe, die wir als kostenlosen Brennstoff nutzen können. Wenn die Brennstoffkosten gegen Null gehen und die Anlagen effizienter arbeiten, sinken die Stromgestehungskosten auf die berechneten 1,5 bis 2 Cent/kWh. Wenn radioaktiver Abfall bereits verglast wurde (um ihn für die Endlagerung wasserunlöslich und stabil zu machen), ist er für eine direkte Transmutation tatsächlich sehr problematisch. Um die langlebigen Isotope (Transurane) spalten zu können, müssten diese zunächst wieder aus der festen Glasmatrix herausgelöst und chemisch abgetrennt werden (das sogenannte Partitioning). Dieser chemische Rück-Prozess ist zwar theoretisch machbar, gilt aber technologisch als extrem aufwendig, teuer und kaum wirtschaftlich (letzteres kann sich natürlich ändern). Der verglaste Teil des Mülls ist also für neue Reaktoren weitaus schwerer nutzbar als klassische, unverglaste Brennstäbe, die sich noch in Castor-Behältern befinden. Ich weiß nicht, wo Sie Ihre Zahlen her haben, stimmen aber Ihre „5.000 Tonnen“, reduziert sich die sehr preiswerte Versorgung von 300 Jahren auf „nur“ 200 Jahre. Ist das tatsächlich ein Gegenargument?
3. Import-Gas löst nicht unser Kernproblem
Ihr Verweis auf mögliche Gasfelder vor der Küste Gazas zeigt genau das strategische Dilemma auf, in dem Deutschland steckt. Ob wir Gas aus den USA, aus Katar oder künftig aus dem Nahen Osten importieren: Wir bleiben immer ein erpressbarer Preisnehmer am Weltmarkt. Dieser Plan zielt auf absolute Souveränität ab. Warum sollten wir uns geopolitisch von Konfliktregionen abhängig machen, wenn wir unter Niedersachsen selbst 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas haben, die uns 30 Jahre lang komplett unabhängig versorgen könnten? Wenn wir das Gas unter unseren weltweit strengsten Umweltauflagen fördern, ist das weitaus verantwortungsvoller, als die Umweltrisiken und Kosten heuchlerisch ins Ausland auszulagern.
4. Pragmatismus statt „Klimareligion“ Ich bin vollkommen bei Ihnen: Wir sollten uns von ideologischen Religionen verabschieden. Genau deshalb plädiere ich ja für einen „Souveränitäts-Mix“, der auf harten physikalischen Fakten, unseren eigenen heimischen Ressourcen und bezahlbaren Industriestrompreisen basiert.
Die Gebäudeschäden durch die Erdgasförderung sollte man mitbedenken, die Niederlande haben deshalb vor 1 1/2 Jahren die Förderung aus Sicherheitsgründen ( Erdbebengefahr) beendet.
Also diese ewig gestrige Befürwortung Einiger der Atomkraft ist ja langsam ermüdend. Es gibt keine Möglichkeit der Endlagerung, also fällt alles aus Atomkraftwerksgeneration 1-3 unter den Tisch.
Da die Generation 4 (Atommüllfresser, wer‘s glaubt, wird selig) noch lange nicht funktioniert und das seit Jahrzehnten schon, sollte man langsam mal den Tatsachen ins Auge blicken und das Geld lieber in Erneuerbare investieren, und natürlich in Stromspeicheranlagen, welcher Art auch immer..
Lieber Herr König, das stimmt. Allerdings nach 60 (!) Jahren Gasförderung. In den ersten knapp 30 Jahren der Gasförderung – von 1963 bis 1990 – wurden pro Jahr zwischen 40 – 80 Mrd. Kubikmeter Gas gefördert – ohne jede seismische Aktivität. Erst 1991 wurde die Förderung dann kritisch; es gab zwischen zehn und 30 Beben pro Jahr (korrelierend zur Fördermenge), die von Politik und Wirtschaft als kleine „Bodensetzungen“ verklärt wurden (das kennen wir hier in Deutschland von Kohleförderung im Ruhrgebiet – auch da gab es „Setzungen“ bzw. Beben, weswegen die Förderungen in den betroffenen Regionen ausgesetzt wurden). Da hätte man damit sofort aufhören müssen – nach fast 30 Jahren Förderung. Haben die Niederländer aber nicht. Haben Sie so wenig Vertrauen in unseren deutschen Staat, dass Sie glauben, hier würde genauso fahrlässig gehandelt werden wie in den Niederlanden?
Atomkraftwerke zu bauen ist sehr teuer, gerechnet auf kurze Zeiträume (20 Jahre) gibt es keine teurere Energie als Kernkraft. Erst so ab etwa 30 Jahren Nutzungsdauer ändert sich dies, aber auch nur, wenn man die heutigen Endlagerkosten nicht richtig mitberechnet..
Auch die oft genannte Energieunabhängigkeit wird oft genannt, aber die meisten Anbieter von Uran sind entweder Diktaturen, oder sie haben langfristige Verträge mit Frankreich oder China.
Bei der Endlagerung, bzw. die langen Zeiträume drastisch zu reduzieren, sind aber bedeutende Fortschritte gemacht worden.
https://www.zdfheute.de/panorama/atommuell-akw-endlager-transmutationsanlage-100.html
Leider hat man mit dem Ende der Atomenergie auch die Forschung in D gekürzt, was in Anbetracht der Endlagersuche nicht besonders clever war und ist.
Ich habe nie verstanden, wieso Kritiker der Atomkraft davon ausgehen, daß hier gar keine wissenschaftlichen Fortschritte gemacht werden, wenn es um Zeiträume von 100 000nden von Jahren geht.
Liebe Leserschaft, allmählich drehen wir uns im Kreis. Ich schlage vor, dieses Diskussionsforum jetzt zu schließen. Vielen Dank für die vielen, sachlichen – und nicht beleidigenden – Beiträge.
Heute Abend gibt es eine interessante Sendung über den Stop der Erdgasförderung in den NL:
https://www.hoerspielundfeature.de/das-feature-100.html