Chef-Lehrer Rackles benimmt sich daneben / Gericht bestätigt Koopmann – vorerst
Bremens Bildungssenator Mark Rackles benimmt sich total daneben, beschimpft politisch andersdenkende Schüler als „rechte Dumpfbacken“. Bevor der Shitstorm so richtig losbraust, „entschuldigt“ er sich, ändert seine Posts bei LinkedIn und Facebook, am Ende löscht er sie komplett. Und jetzt? Vergangen und vergessen? Nach dieser spaltarischen, ja fast schon hetzerischen senatorischen Äußerung – was sollen eigentlich Jugendliche vom obersten „Lehrer“ des Landes halten, der sich offenbar nicht immer im Griff hat? Und: Die Führungsmisere beim WK geht in eine neue Runde (s.u.).
Schüler und Politik ist ja ohnehin ein schwieriges Thema. Bremer Schulklassen füllen bei jeder Bürgerschaftssitzung die Ränge des Parlamentes. Ich frage mich dann stets, ob die Eindrücke, die sie dort sammeln, ür die Demokratie wirklich so förderlich sind.
Während Schülerinnen und Schülern beigebracht wird, auch anders Denkenden gegenüber Toleranz aufzubringen; den Gegenüber ausreden zu lassen und erst anschließend die eigene Meinung zu äußern – erleben Schülerinnen und Schüler in der Bürgerschaft etwas völlig anderes: Abgeordnete, die ihren Kolleginnen und Kollegen, teilweise mit unqualifizierten Äußerungen, ins Wort fallen. Oder Parlamentarier, die ihre politischen Mitbewerber teilweise eher wie Gegner verbal attackieren.
Besonders kurios: Bremer Politiker sprechen sich für ein Handyverbot in Schulen aus. Mehr noch, sie wollen den Zugang zu Social Media von einer Altersgrenze abhängig machen.
Gleichzeitig erleben Schüler in Bürgerschaftssitzungen, wie ein Großteil der Abgeordneten den Debatten nicht folgt, sondern auf Handy- und Pad-Displays guckt.
Mit solchen Eindrücken kehren Jugendliche in ihre Schulen zurück – und machen sich ihren eigenen Kopf.
Und dann haut Bildungssenator Mark Rackles (SPD) ohne jedes Maß auf die Pauke. Peinlicher geht’s kaum.
Zum besseren Verständnis: Mitglieder der Schüler Union (SU), die sich als Jung-CDUler verstehen, hatten dagegen gewettert, dass die Gesamtschülervertretung – aus ihrer Sicht – zu weit links unterwegs sei. Zwei SUler waren deshalb aus der GSV ausgetreten.
Darauf pestete Bremens Cheflehrer Rackles öffentlich los.
In seinem Original-Post hieß es wörtlich:
„Schon zu meiner Schulzeit sammelten sich rechte Dumpfbacken in der SU/Schüler Union…scheint sich nicht viel geändert zu haben. Die Kofferträger der CDU Brementragen gerade den breiten Kulturkampf von CDU & #noAfD gegen links orientierte Strukturen, Initiativen, Buchhandlungen & Menschen in die Schüler:innen-Vertretungen Bremens. Der Gesamtschüler:innen-Vertretungen (GSV) wird von den Jung-Merzianern vorgeworfen, dass sie große Sympathien gegenüber dem Linksradikalismus, Linksextremismus und linker Gewalt hätten.(…)“
Als die Empörung über den Begriff „Dumpfbacken“ losbrach, löschte er den ersten Satz des Posts.
Aber auch ohne diese Einleitung war die öffentliche Äußerung alles andere als senatorabel.
Mittlerweile hat er seine Entgleisung komplett aus dem Netz genommen.
Wirklich schade, mein erster Eindruck von Rackles im Oktober 2025 war: Der hat keinen Schiss vor dem Behörden-Apparat, nicht mal vor der GEW. Der will etwas, der kann etwas bewirken.
Jetzt muss ich aber feststellen: Dieser Mann hat mit seinem Post speziell für Schülerinnen und Schüler ein extrem schlechtes, Vorbild abgegeben, dass es keineswegs reicht zu sagen: „Ich entschuldige mich.“
Nebenbei: Ich habe in der Schule noch gelernt, dass man sich nicht entschuldigen kann, sondern nur um Entschuldigung bitten kann.
Rackles fällt bei Facebook und LinkedIn übrigens immer wieder mit Ausfällen gegen Konservative auf, wo ich mich dann frage: Will er sich jetzt den Linken in der Bremer SPD an die Brust werfen, oder was soll das?
Ich denke, Rackles sollte sich darum kümmern, wofür die Bremische Bürgerschaft ihn gewählt hat: Die Bremer Bildung endlich auf Vordermann zu bringen.
Damit hätte er wahrlich mehr als genug zu tun.
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Thema Notvorstand im Weser-Kurier
Das Oberlandesgericht Bremen hat jetzt über die Beschwerde des 50%-Eigentümer Christian Güssow entschieden. Die Bestellung des Ex-Vorstandes David Koopmann zum Notvorstand (bis sich der Aufsichtsrat auf einen neuen Chef einigt) ist demnach „rechtmäßig“ erfolgt. Der Vertreter der anderen 50% Eigentümeranteile, Dr. Ulrich Hackmack, dürfte sich darüber aber nicht so richtig freuen. Denn das OLG hat die Zeit des (von Hackmack unterstützten) Notvorstandes Koopmann befristet. Bis 12. März 2027 muss der Aufsichtsrat endgültig einen neuen Vorstand berufen.
Für Spezial-Interessierte hier die OLG-Presseerklärung vom 18.3.26 im Wortlaut:
Bestellung und Auswahl eines Notvorstandes rechtmäßig
„Das Hanseatische Oberlandesgericht hat am 12.03.2026 eine Beschwerde gegen die Bestellung des früheren Vorstandes eines bremischen Medienunternehmens zum Notvorstand zurückgewiesen, dessen Bestellung jedoch befristet.
Der Aufsichtsrat des Medienunternehmens hatte sich nach Ablauf der Amtszeit des alleinigen Vorstandes der Gesellschaft, der die Gesellschaft nach außen vertritt, nicht auf einen Nachfolger einigen können.
Das Amtsgericht Bremen bestellte daraufhin in einem eigens dafür vorgesehenen unternehmensrechtlichen Verfahren einen Notvorstand, damit das Unternehmen über eine Vertretung verfügt und im Geschäftsverkehr handlungsfähig bleibt.
Das Amtsgericht wählte hierfür den bisherigen Vorstand aus. Hiergegen wendete sich die Beschwerde einiger Mitglieder des Aufsichtsrates. Die Beschwerdeführer rügten, dass die Auswahl des Kandidaten eines der beiden „Lager“, die sich im Aufsichtsrat gebildet haben, fehlerhaft sei.
Der 2. Zivilsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichtsin Bremen hat die Beschwerde im schriftlichen Verfahren zurückgewiesen. Im Vordergrund der zu treffenden Auswahlentscheidung stehe der Zweck, die Funktionsfähigkeit und den Geschäftsbetrieb des führungslosen Unternehmens aufrecht zu erhalten. Deshalb sei es nicht zu beanstanden, dass das Amtsgericht sich darauf gestützt habe, dass der bisherige Vorstand aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit für das Unternehmen mit allen unternehmensinternen Abläufen vertraut sei und keine Einarbeitungszeit benötige. Dagegen sei es nicht Aufgabe der Gerichte, einen Richtungsstreit zwischen den Aufsichtsratsmitgliedern über die künftige Ausrichtung des Unternehmens zu entscheiden.
Allerdings hat der Senat die Bestellung des Notvorstandes auf den Zeitraum von einem Jahr befristet. Ohne diese Maßnahme sei zu befürchten, dass die im Gesetz vorgesehene Notlösung zur Dauerlösung erstarke, sollte ein Teil der Aufsichtsratsmitglieder keinen Anlass für eine Bestellung eines regulären Vorstandes sehen.
Der Senat hat die Rechtsbeschwerde nicht zugelassen, so dass die Entscheidung rechtskräftig ist.“
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Die Debatte über den Gastkommentar von Dr. Volker Redder hat sich nach 31 Leser-Meinungen im Kreis gedreht. Deshalb habe ich das Forum zu diesem Beitrag geschlossen.
Ab sofort gilt also. Bitte Kommentare zu den neuen Themen. Vielen Dank! 🙂
Ein Bildungssenator beleidigt politisch engagierte Schüler öffentlich, behauptet später, er habe sich entschuldigt – nur weiß offenbar niemand, wo diese öffentliche Entschuldigung eigentlich stattgefunden haben soll. Das allein sagt schon viel.
Noch problematischer ist, was dahinter sichtbar wird: Politische Beteiligung junger Menschen scheint nur dann willkommen zu sein, wenn sie ideologisch ins eigene Raster passt. Wer anders denkt, wird nicht ernst genommen, sondern abgewertet. Für einen Bildungssenator ist das ein verheerendes Signal.
Und jeder weiß: Wäre so etwas auf der anderen Seite des politischen Spektrums passiert, wären die Rücktrittsforderungen längst da. Was in Bremen gerade passiert, ist mehr als ein Ausrutscher. Es ist ein politisches Armutszeugnis.
Aus Senator Rackles wird Senator Rücksichtslos im Internet. Ich empfehle dem Senator daher, einen Internetführerschein zu machen.
So ein Umgang mit engagierten Schülern und das als Bildungssenator ist unglaublich. Er ist zum Glück zurückgerudert, aber eine aufrichtige Entschuldigung konnte ich selbst gestern Abend bei Buten un Binnen nicht erkennen. Das ist sehr schade. Es wird offensichtlich ein Gespräch und damit eine Gelegenheit für ihn geben. Hoffentlich nutzt er diese.
Dieser Post von Rackles geht deutlich über das übliche Mass der gegenseitigen Vorhaltungen von Regierung und Opposition hinaus .Üblicherweise muss man ja damit rechnen, dass die heutige Opposition der Koalitionspartner von morgen ist – das setzt Verbalattacken Grenzen, diffamierende und beleidigende Schmähungen werden vermieden.
In diesem Fall lese ich die Botschaft anders: Regieren gemeinsam mit der CDU: niemals. Ein merkwürdiges Verständnis des Parlamentarismus, Herr Rackles. Von Senatoren darf man Besonnenheit und keine Wutausbrüche erwarten.
Interessant ist, dass Herr Rackles der Schüler Union vorwirft, dass sie sich kritisch gegenüber den nach ihrer Auffassung zu vielen Sympathisanten von LINKSextremen und LINKSradikalen Vorstellungen in der Gesamtschülervertretung äußert. Selbst kritisiert er pauschal die Vertreter der Schüler Union als RECHTE Dumpfbacken.
Er macht also genau das gleiche wie das, was er den Vertretern der Schüler Union vorwirft, nur andersrum und merkt es nicht mal. Da kann man nur sagen: Herzlichen Glückwunsch Herr Senator. Damit beweist er eine “ausgeprägte” Kompetenz zu einer differenzierten Betrachtung und ausgewogenen Beurteilung.
Und da er schreibt, dass dem schon in seiner eigenen Schulzeit so war, er diese Sicht also schon seit damals vertritt, hat er leider offensichtlich hinsichtlich der Fähigkeit zur Differenzierung seit seiner Schulzeit nicht viel dazugelernt. Das ist wirklich sehr wenig Lernzuwachs und sehr schade, insbesondere wenn er heute die Verantwortung für die bremische Bildung inne hat. Aber so zeigt sich ganz ungewollt, dass beides auf gleichem Niveau gut zusammenpasst. Dabei hatte ich für die Schüler in Bremen gehofft, dass das Bildungsniveau endlich besser wird. Unter solchen Vorzeichen allerdings, schwant mir auch für die Zukunft Übles.
Sie schreiben: „Während Schülerinnen und Schülern beigebracht wird, auch anders Denkenden gegenüber Toleranz aufzubringen“. Ich denke, da fehlt ein Konjunktiv („sollten“ o. Ä.).
Mein Verdacht ist, dass in der Schule beigebracht wird, es gäbe gute und schlechte Andersdenkende. Kultur fremde Usurpatoren seien gut, Widerspenstigkeit gegen die Obrigkeit schlecht. In sogenannten Laberfächern wie Erdkunde, Geschichte und Politik wird Abtrünnigkeit dann mit schlechteren Noten sanktioniert.
Wenn ich in Rackles Position wäre, würde es mir allerdings auch schwerfallen, mich nicht über die Jung-CDUler lustig zu machen – allerdings aus ganz anderen Gründen.
Zum Thema Mindestalter für Social Media denke ich, die Leute schnallen es einfach nicht. Es geht nicht um Jugendschutz, sondern um die Durchsetzung der digitalen ID und damit der Klarnamenpflicht für alles – und letztlich um die totale Kontrolle. Wer die „falsche“ Meinung verbreitet, soll sanktioniert werden können. Kontosperrungen nicht mehr nur für alternative Medien, sondern dann für alle. Wirtschaftliche Sanktionen nicht nur für Sozialhilfeempfänger, sondern für alle „falsch“ Redenden.
Und zum Beitrag von Volker Redder möchte ich nachtragen: Es ist typisch für industriegetriebene Politprojekte, dass Preisbehauptungen wie „1,5 bis 2 Cent pro kWh Industriestrom“ nie mit nachvollziehbaren Fakten (z. B. Links zu Kalkulationen der Anbieter) untermauert werden. Auch die Verträge mit ihren weiträumigen Haftungsausschlüssen sind nie öffentlich. Deshalb werden solche „Projekte“ fast immer um den Faktor 3–10 teurer als versprochen – der Betrug ist da quasi eingebaut.
Ohne Frage gibt es Dumpfbacken. Vor allem gibt es auch linke Dumpfbacken, vor allem in Bremen. Man sieht sie auch links vom Rednerpult.
Das hat ja nicht lange gedauert, bis dieser „eingekaufte“, angebliche Experte, der von Bovenschulte doch so hoch in den politischen Himmel gelobt worden war, wie Ikarus vom Himmel gestürzt ist.
Dumm nur, dass er sich selbst „verbrannt“ hat.
@Sen.Rackles: Das Kind ist in den Brunnen gefallen…und wird Sie so schnell nicht loslassen. Ich kenne die Bremer!
Es ist bedauerlich, dass ein Mitglied des Senats in dieser Weise den Ton verfehlt. Die Wortwahl gegenüber der Schüler Union ist nicht nur unangemessen, sondern wirft auch Fragen nach dem eigenen Anspruch an politische Kommunikation auf.
Selbst wenn es eine Bitte um Entschuldigung geben sollte, bleibt der Eindruck einer bemerkenswert unklugen, unreflektierten und impulsiven Einlassung. Gerade in einem Amt, das für Bildung und Erziehung steht, wäre mehr Differenzierung und sprachliche Disziplin zu erwarten.
Dieser „trumpeske“ Kommunikationsstil, der sonst regelmäßig kritisiert wird und Hass und Hetze befördert, ist von einem Mitglied des Bremer Senats nicht tolerierbar. Es erstaunt, dass Maßstäbe offenbar situativ relativiert werden. Wenn Sprache verroht, leidet am Ende die politische Kultur insgesamt. Dass Maßstäbe offenbar situativ relativiert werden, verstärkt diesen Eindruck und trägt zur wachsenden Politikverdrossenheit bei.
Hinzu kommt eine inhaltliche Dimension, die über den Einzelfall hinausweist: Wenn bereits Mitglieder der Schüler Union pauschal als „rechte Dumpfbacken“ etikettiert werden, wird der Begriff „rechts“ in einer Weise inflationär verwendet, die seine notwendige historische und politische Schärfe untergräbt. Zugleich wird damit das Spektrum legitimer demokratischer Positionen weiter eingeengt. Wer so argumentiert, verschiebt die Grenzen des Sagbaren nicht nach außen, sondern nach innen – mit der Folge, dass politische Differenz zunehmend delegitimiert wird.
Das bleibt nicht ohne Konsequenzen für die politische Praxis. Wenn zentrale demokratische Kräfte sprachlich so voneinander entfernt werden, stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage künftig noch tragfähige Mehrheiten gebildet werden sollen.
Insgesamt entsteht der Eindruck einer personellen Fehlbesetzung, die Bürgermeister Bovenschulte nachdenklich machen sollte. Vor diesem Hintergrund sollten Mitglieder des Senats etwaige Verlautbarungen dann doch besser mit ihren Pressestäben abstimmen bevor es zu einer weiteren Beschädigung der Institution des Bremer Senats kommt.