Gastkommentar: „Früh fördern, verbindlich handeln, Leistung einfordern“

21.03.2026 12 Von Axel Schuller

Liebe Leserschaft, heute ein junger Gastkommentator, der eine klare Meinung zum Bremer Schulsystem vertritt. Jakob Konstantin Hornhues (19), Bundesvorsitzender der Schüler Union, schreibt zum „Zum Versagen der bremischen Bildungspolitik“. Hornhues hat sein Abitur am privaten Nebelthau-Gymnasium in Bremen-Nord abgelegt. Der 19-Jährige studiert Rechtswissenschaften an der Uni Bremen. Er gehört der Schüler Union seit 2019 an. Mitglied der CDU wurde er 2022. Von 2021 bis 2024 war er Vorsitzender der SU Bremen, seit Ende 2025 steht er an der Spitze der Schüler Union Deutschland.

Jakob Konstantin Hoernhues:

„Diese Woche war eine spannende für die Bremer Bildungspolitik. Neben dem beschlossenen Bildungshaushalt verlor der Bremer Bildungssenator auf Social Media die Fassung. Um den Elefanten im Raum zuerst anzusprechen: Nachdem zwei Bremer Schüler, die auch Mitglieder der Schüler Union Bremen sind, aus der Gesamtschülervertretung (GSV) aufgrund von Vorwürfen der Nähe des Gremiums zu linksextremen Ansichten ausgetreten sind, ließ sich der SPD-Bildungssenator Mark Rackles zu folgenden Aussagen hinreißen: „rechte Dumpfbacken“ und „Kofferträger der CDU“.

Dass der Begriff „Kofferträger“ mit Blick auf die in den letzten Wochen in Bremen geführten Debatten völlig deplatziert ist, sollte einleuchten. Minderjährige Schüler als Senator öffentlich so zu beleidigen, ist nicht nur unangemessen, sondern wirft grundlegende Fragen über seinen Umgang mit jungen Menschen auf.

Doch neben diesem ungebührlichen Verhalten gibt es in Bremen auch in der Bildungspolitik ausreichend Baustellen. Der am Mittwoch beschlossene Haushalt bietet dazu erneut Anlass, genauer hinzuschauen.

Aber welchen Anspruch stellen die Koalitionspartner von Rot-Rot-Grün eigentlich an sich selbst?

Alle Parteien betonen, wie wichtig Chancengerechtigkeit ist und, dass Bildungserfolg nicht von der Herkunft abhängen darf. Doch wie sieht die Realität neben diesen Versprechen aus?

Starten wir ganz am Anfang, bei der frühkindlichen Bildung:

Schon hier zeigt sich das strukturelle Problem. Knapp jedes zweite Kind hat vor der Einschulung Sprachförderbedarf, in Bremerhaven sogar deutlich mehr. Gleichzeitig erreichen die bestehenden Programme viele dieser Kinder gar nicht. Die Förderung ist weder flächendeckend noch verbindlich organisiert, sondern hängt zu oft vom Elternhaus und verfügbaren Plätzen ab. Das sogenannte Kita-Brückenjahr bleibt Stückwerk ohne echte Wirkung. So werden Defizite nicht behoben, sondern in die Grundschule weitergereicht.

Blicken wir auf die Schulen selbst, wird die Lage nicht besser.

42 Prozent der Viertklässler verfehlen die Mindeststandards in der Rechtschreibung. Fast jedes zweite Kind hat damit bereits am Ende der Grundschule erhebliche Defizite. Rund 11 Prozent der Schülerinnen und Schüler verlassen in Bremen die Schule ohne Abschluss, in Bremerhaven sind es sogar über 13 Prozent.

Hinzu kommt eine wachsende soziale Schieflage. Zahlreiche Schulen arbeiten unter extrem schwierigen Bedingungen, viele mit sehr niedrigen Sozialindizes und gleichzeitig zu wenig Personal. Besonders in belasteten Stadtteilen fehlt es an Lehrkräften, Unterstützung und klaren Strukturen. Statt gezielt gegenzusteuern, werden diese Probleme seit Jahren verwaltet.

Ein besonders eklatantes Beispiel ist der Umgang mit Schulen in freier Trägerschaft. Diese Schulen sind ein fester Bestandteil unseres Bildungssystems: Sie entlasten staatliche Schulen, schaffen pädagogische Vielfalt und übernehmen Verantwortung.

Das Problem entsteht durch die Politik der Koalition. Statt faire Rahmenbedingungen zu schaffen, werden freie Träger strukturell benachteiligt. Gleichzeitig bleibt das staatliche System vielerorts hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück. Die Folge: Eltern suchen nach Alternativen, wenn sie um die Bildungschancen ihrer Kinder fürchten.

Die soziale Spaltung entsteht damit nicht durch freie Schulen, sondern durch eine Politik, die es nicht schafft, überall verlässlich gute staatliche Bildung zu garantieren. Eine gerechte Bildungspolitik würde beide Säulen stärken.

Der Blick auf den Übergang von Schule in Ausbildung zeigt ein ähnliches Bild. Mit dem Bremer Ausbildungsfonds versucht der Senat, Symptome zu adressieren, statt Ursachen zu  lösen. Unternehmen sollen stärker in die Pflicht genommen werden, während gleichzeitig viele Jugendliche die Schule ohne ausreichende Qualifikation verlassen. Das eigentliche Problem liegt nicht im fehlenden Engagement der Wirtschaft, sondern darin, dass zu viele junge Menschen nicht ausreichend vorbereitet sind.

Statt die Qualität von Bildung zu verbessern, entstehen zusätzliche Belastungen für Betriebe. Wer mehr Ausbildungsplätze will, muss dafür sorgen, dass mehr junge Menschen die notwendigen Kompetenzen mitbringen.

Und damit zurück zu dem Anspruch, den die SPD selbst formuliert. Der bildungspolitische Sprecher Falko Bries sagte in dieser Woche in der Bürgerschaft: „Jedes Kind, das in Bremen zur Schule geht, soll spüren, diese Stadt glaubt an dich.“

Dieser Satz ist richtig, doch er steht im klaren Widerspruch zur Realität. Wer in maroden Schulen lernt, ohne ausreichende Sprachkenntnisse startet und am Ende ohne Abschluss dasteht, spürt nicht Vertrauen, sondern Enttäuschung. Für viele junge Menschen bleibt dieses Versprechen unerfüllt.

Wenn Bremen wirklich an seine Kinder glauben will, braucht es keine Reden, sondern einen grundlegenden Politikwechsel. Früh fördern, verbindlich handeln, Leistung einfordern und alle Schulformen fair behandeln.“

Soweit der Gastkommentar des Bundesvorsitzenden der Schüler Union Deutschlands, Jakob Konstantin Hornhues.

Liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, dass der Text Sie veranlasst, erneut darüber nachzudenken, was in der Bremer Bildung schlecht läuft, so dass wir bei Tests seit Jahren auf dem letzten Platz landen.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Liebe Leserschaft, mit dem vorigen Beitrag über den Suizid eines Schülers habe ich meine Leserschaft offenbar gespalten. Dies war nicht meine Absicht. Ich wollte lediglich dazu beitragen, dass wir das Thema Selbsttod – auch wenn es noch so weh tut – nicht mit Schweigen „bearbeiten“.