Selbst gemachtes Leid des Bürgermeisters Bovenschulte

24.03.2026 13 Von Axel Schuller

Es gibt Jobs, die möchte man für kein Geld der Welt haben. Aktuell: Bürgermeister von Bremen. Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) kriegt derzeit von allen Seiten so derbe auf die Ohren, dass der Mann einem (fast schon) leidtun kann. Allerdings: Soweit reicht meine Empathie für die Schwachen und Gequälten jetzt doch nicht. Denn: Der Bürgermeister ist zu einem erheblichen Teil selbst schuld an seiner Misere.

Sein erster eigener Feind heißt: Ideologie.

Der zweite: Falsche Selbstwahrnehmung, man kann es auch Verblendung nennen.

Der dritte: Uneinsichtigkeit, oder: Mangel an Selbstreflexion.

Der vierte: Leben in der Blase.

Der fünfte: Angst vor Entscheidungen.

Der… – das, liebe Leserschaft, können Sie gerne als Kommentar beisteuern.

Legen wir los. 

Ad 1: Der Bürgermeister soll laut Landesverfassung Regierungschef aller Bremerinnen und Bremer sein. Dieses hehre Ziel verfehlt er mit seiner links-ideologisch ausgerichteten Politik. Der Mann gibt sich jovial, besucht Unmengen von Veranstaltungen, kann selbst vor Unternehmer gewinnend auftreten.

Aber, kaum ist der Herr „Bovi“ allein zu Haus, kehrt er sein Inneres nach Außen. Seine Posts bei LinkedIn und Facebook, besonders an Wochenenden, sind legendär. Zusammenfassend kann man sagen: Hauptsache links

Aktuell habe ich den Eindruck, dass Bovenschulte auf seinen neuen Bildungssenator Mark Rackles „abfärbt“, der sich auf social media regelrecht abrackert, um den Linken in der SPD zu gefallen.

Bovenschultes ideologisch geradezu zementierte Festlegung schlägt sich in seiner konkreten Politik nieder. Beispiels: Ausbildungsfonds. Schon mehrfach musste am Gesetzestext herumgedoktert werden, um das Bürokratie-Monster überhaupt in Gang zu bringen.

Dass, und weshalb die Wirtschaft so beharrlich dagegen ankämpft, interessiert ihn nicht.

Grundsätzlich gehört er zum Typus Politiker, der eher Steuern erhöht, als intern den Rotstift anzusetzen. Denn, da würde er es sich ja mit den Gewerkschaften verscherzen…

Zu diesem Aspekt: Bovenschulte ist als Chef aller bremischen Mitarbeiter weiterhin Ver:di-Mitglied. Was für eine Gaga-Konstruktion. Als Mitglied nahm er erst vorigen Sonnabend in der Berliner Freiheit am Gewerkschaftstag teil. Seine Personalräte umgarnt er mit netten Reden und einem jährlichen Empfang. Für seine leitenden Mitarbeiter kommt ihm diese Wertschätzung nicht einmal in den Sinn. 

Ad 2: Falsche Selbstwahrnehmung:

Infratest Dimap stufte bei einer Wähleranalyse für den Weser-Kurier die Wahlaussichten der SPD im Vergleich zur Wahl von 2023 auf nur noch 22 Prozent (-7,8 Prozent-Punkte) ein. Bovenschulte meinte dagegen kurz zuvor bei Radio Bremen, 2027 besser abzuschneiden. Die rot-grün-rote Regierung macht nach seiner Einschätzung eine „erfolgreiche“ Politik, besonders auf den Feldern Wirtschaft, Wachstum, Beschäftigung, Schule, Kita, Klima, sozialer Zusammenhalt.

Aber nur 37 Prozent der Wahlbevölkerung sieht das so. Und mit dem Bürgermeister selbst sind nur noch 50 Prozent zufrieden und sehr zufrieden.

Bovenschulte hat ja recht, wenn er auf positives Wirtschafts-Wachstum und Beschäftigung hinweist. 

Aber, wer lässt die Wirtschaft wachsen? Wer richtet Arbeitsplätze ein? Die Politik, oder die Wirtschaft?

Man kann auch sagen: Die Wirtschaft legt nicht wegen, sondern trotz der politischen Rahmenbedingungen zu.

Und: Viele neue Arbeitsplätze gründen in Wahrheit auf dem Ausbau der Rüstungsindustrie. Ebenfalls das Hafen-Wachstum. Gleichzeitig drängt die Koalition in Uni und Hochschulen auf Einhaltung der Zivilklausel. Welch eine Heuchelei.

Die Bauwirtschaft liegt am Boden – Bau- und Umweltbehörden bekriegen sich schlimmer als zuvor. Die Wohnnebenkosten steigen – nicht wegen gieriger Vermieter, sondern aufgrund staatlicher Eingriffe.

Zusammengefasst: Der Bürgermeister erliegt häufig der Verblendung.

Ad 3: Mangelnde Selbstreflexion. Nach den jüngst verlorenen Landtagswahlen stimmte Bovenschulte in den Chor jener ein, die fordern, man müsse wieder mehr „für die arbeitende Bevölkerung“ tun. Insbesondere die hohen Spritpreise müsse man staatlich eindämmen, um der Bevölkerung direkt zu helfen – und für die SPD milder zustimmen.

Ganz ehrlich: Spritpreishöhe mit miesem Wahlergebnis zu verbinden, halte ich für Stuss.

Bovenschulte sollte sich die Wählerwanderungen in BWB und RLP genauer angucken. Dann würde er feststellen, dass Ex-SPD-Wähler in Scharen zur AfD abgewandert sind. 

Darauf hat der Bremer Bürgermeister, immerhin Mitglied des SPD-Bundesvorstandes, keine Antwort. Spätestens Freitag sollten ihm welche einfallen. Dann nimmt er an einer Krisenrunde der führenden Sozialdemokraten in Berlin teil. 

Zumindest der Bremer SPD-Landesvorsitzende Falk Konstantin Wagner hat nach dem Stuttgarter Wahldebakel (5,5 % für die SPD!) inzwischen eigene Gedanken wiedergefunden. Er fordert, dass der SPD-Bundesvorsitz von der Mitgliedschaft in der Bundesregierung entbunden werden müsse. Er deutlicher Hieb gegen Finanzminister Lars Klingbeil und Arbeitsministerin Bärbel Bas, die von einigen mittlerweile als Arbeitslosenministerin verhöhnt wird.   

Ad 4: Bovenschulte lebt in seiner politischen Blase. Noch immer – so wird mir berichtet – versammelt der Bürgermeister eine Beraterrunde (meist Küchenkabinett genannt) um sich, die ihn bestärkt,Ja-sagt. Erfolgreiche Firmenchefs achten hingegen darauf, mindestens einen „Agent provokateur“ im direkten Umfeld zu haben – der bereits vorab die später garantiert auftauchenden unangenehmen Fragen stellt.

Seine neue Kontrahentin von der CDU, Dr. Wiebke Winter, versucht er auf unanständige, weil unzutreffende Weise zu „framen“, indem er einfach mal behauptet, die Union sei unter der neuen Führung „stärker nach Rechts gerückt“.

Ad 5: Seine Angst vor Entscheidungen führt immer wieder dazu, dass sich u.a. die „Linke“ aufführt, als würde sie die meisten Stimmanteile zur Koalition beisteuern. Ideologie und Angst verhinderten bereits 2023, dass Bovenschulte den Schulterschluss mit der Union suchte. Dabei hätte er in dieser Konstellation deutlich geschmeidiger und erfolgreicher regieren können.

Wie eingangs gesagt, der Bürgermeister kriegt gerade von allen Seiten auf die Ohren. Aber: Das ist größtenteils selbst gemachtes Leid.

Zum Schluss noch ein erschütternder Zahlenvergleich, der die Misere der Bundes-SPD wie unterm Brennglas zeigt:

1990 gehörten 943.402 Frauen und Männer der Sozialdemokratischen Partei an; im Jahr 2000 waren es noch 734.667, im März 2025 nur noch 358.000. Da fließen dann wirklich (fast) die Mitleids-Tränen.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller