Und nun das Bonus-Material: überraschend ein zweiter Lotto-Geschäftsführer

31.03.2022 Aus Von ED-as_Blog-17

Dass ich das noch erleben darf/muss: Da bläht die Stadt eine städtische Gesellschaft um einen weiteren Geschäftsführer auf – und nirgends ist davon zu lesen, zu hören oder zu sehen.

Also präsentiere ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, mein Recherche-Ergebnis als Bonus oben drauf.

Bremen ist neben dem Bremer Fußballverband und dem Landessportbund Hauptgesellschafter der Firma Toto und Lotto GmbH Bremen. Offen gesagt: Ein Anachronismus. Lotto Bremen hätte schon längst kostensparend mit Lotto Niedersachsen fusionieren können. Aber: Bremen ist halt Bremen. Hier wird die Selbstständigkeit selbst einer Mini-Gesellschaft bis zur letzten Lotto-Patrone verteidigt.

Lotto Bremen verfügt laut Geschäftsbericht 2020 über 47 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie einen Geschäftsführer. Dieser Michael Barth steht im Handelsregister für einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro gerade und für einen Gewinn von rund 504.000 Euro. Wow.

Nun hat’s der Stadtgemeinde Bremen als Hauptgesellschafter gefallen, Peter Schneider für diese Groß-Gesellschaft zu einem weiteren Geschäftsführer zu bestellen. Stopp, nicht jenen Peter Schneider, den Sie möglicherweise als bremischen Tausendsassa, also als Chef der Stadthalle, Messe, Großmarkt, Ratskeller und Wochenmärkte kennen. Nein, Peter Schneider ist aktuell Leiter der Spielbank Bremen. Die hat Bremen (wie berichtet) von Westspiel gekauft, um den „Spielerschutz“ zu gewährleisten. Soll bedeuten: Die nunmehr staatliche Spielbank sorgt angeblich besser als ein Privat-Betreiber dafür, dass keine Süchtigen bei ihr an den Roulette-Tischen oder einarmigen Banditen gelangen kann. Von der Stadt bestimmter Geschäftsführer der Spielbank ist Michael Barth. Schneider ist angeblich weiter Direktor (also kein GF der Spielbank).

Mal schauen, ob und wie die beiden künftig gleichberechtigt Toto Lotto leiten. 

Das Ober-Merkwürdige an der Nummer: 

Eine Ausschreibung der zweiten Geschäftsführer-Stelle ist nicht bekannt geworden.

Die Gesellschafter-Versammlung hat’s beschlossen.

Der Aufsichtsrat von Toto Lotto scheint ahnungslos, weil offenbar nicht beteiligt.

Liebe Leserinnen, ich lasse Sie jetzt am Recherche-Glück eines Journalisten teilhaben. Sie sollen schließlich auch mal Freude haben.

Sie kennen mich als Beobachter und Kommentator. Recherchieren geht aber auch noch. 🙂

Im vorliegenden Fall habe ich die zuständige Finanzbehörde des Grünen Senators Dietmar Strehl um Auskunft gebeten. Meine Anfrage habe ich am Mittwoch vor 12 Uhr per Mail in der Pressestelle des Finanzressorts eingereicht. Bis Donnerstag, 20 Uhr, also 32 Stunden später,  habe ich immer noch keine Antworten erhalten. 

So können Sie nur die eine Seite lesen. Tut mir auch leid. Ich nehme an, pfiffige Kollegen der etablierten Bremer Medien werden  in den nächsten Tagen die fehlenden Antworten erhalten und liefern.

Nur soviel aus meinem Erinnerungs-Schatz: Toto Lotto hatte vor Unzeiten, in den 90er Jahren, schon einmal zwei Geschäftsführer. Seinerzeit hatte Finanzsenator Claus Grobecker der Lotto-Gesellschaft einen zweiten GF übergedeubelt. Der Grund: „Grobi“ wollte den Leiter des Finanzamtes Bremen-Ost aus dem Haus des Reichs (Sitz des Finanzsenators) loswerden. GF Lotto GmbH war Horst Stäcker (SPD). Sein zweiter, gleichberechtigter Pilot wurde Dr. Gert Bussenius (CDU)

Der Weser-Kurier titelte seinerzeit:„Schwarz-rotes Lotto-Glück im Doppelpack“. 2005 kam dann Michael Barth, bewusst als alleiniger Geschäftsführer.

Bleiben Sie munter

Herzlichst

ihr as

Axel Schuller