Bremer Politiker, bitte beenden Sie den drohenden „Krieg“ um Parkplätze – das kann nicht gut enden

11.09.2026 37 Von Axel Schuller

Liebe Senatorin Özlem Ünsal, spüren Sie das? Es braut sich etwas über Ihrer SPD zusammen. Der Begriff „Gewitter“ reicht dafür nicht. Das Unwetter hat das Zeug, sich zu einem Orkan der Unzufriedenen auszuwachsen. Unzufrieden mit dem bürgerfeindlichen, rigorosen Vorgehen Ihrer Behörde gegen unbescholtene Menschen in der Neustadt, in Findorff und anderen Stadtteilen, die nur eines im Sinn haben: Ihre Autos abzustellen. Jüngst hat sich in der Neustadt, übrigens einst Hochburg der Sozialdemokratie, die Bürgerinitiative „Pro Parken / Mobilitätsfrieden“ gebildet. Gegen die unsinnige Anti-Auto-Orgie von Senat und Behörden.

Verehrte Politiker dieser Stadt, verstehen Sie dieses Blogstück bitte als versuchten Weckruf.

Insbesondere nach der Wahl in Sachsen-Anhalt müsste allen Politikern klar sein, dass sie nicht mehr an der Bevölkerung vorbei regieren können.

Runtergebrochen auf die Bremer Stadtteile.

Sie werden im kommenden Jahr bei der Bürgerschaftswahl den Zorn der Menschen zu spüren bekommen, die sich zunehmend drangsaliert fühlen.

Über Jahrzehnte wurde das aufgesetzte Parken toleriert. Weil es gar nicht anders geht. In einer Autostadt (!) mit heute schon doppelt so vielen Autos wie Parkplätzen.

Dann stärkte das Bundesverwaltungsgericht am 6. Juni 2024 die Rechte von Fußgängern und Rollstuhlfahrern auf Gehwegen.

Die unzähligen Autogegner bei Grünen, Linken und Teilen der SPD leiteten aus dem Richterspruch ein generelles Verbot des aufgesetzten Parkens ab.

Leute, um mal ausnahmsweise mit der Sozialdemokratin Bärbel Bas zu sprechen: Das ist Bullshit.

Die Richter haben festgelegt, dass Fußgänger ein Anrecht auf ungehindertes Durchkommen haben. Mehr nicht!

Insbesondere die seit Jahren ideologisch verblendeten Grünen und Linken haben Bürgerschaft, Senat und Verwaltungsspitzen sowie Teile der SPD dazu gebracht, das Gerichtsurteil anders auszulegen, als von den Richtern intendiert. 

Dazu gesellt hat sich das von den Grünen seit Jahren infiltrierte Amt für Straßen und Verkehr (ASV). Diese vermeintliche Umwelt-Pressuregroup hat vielen Politikern eingeredet: Das Urteil des obersten Gerichtes könne nur umgesetzt werden, indem alle Aufsetzer-Parkplätze abgeräumt würden.

Welch ein Wahnsinn!

Das Gerichtsurteil lässt weiter das aufgesetzte Parken zu, wo es per entsprechendem Straßenschild zugelassen wird.

In Findorff, in der Neustadt, im „Viertel“ gehen die Behörden jedoch brachial vor. Parken nur auf einer Straßenseite erlaubt. Alles andere weg.

Für mehrere hundert entfallene Parkplätze in Findorff etwa rühmt sich die Mobilitätsbehörde, 14 neue Nachtparkplätze am Jan-Reiners-Center ausgehandelt zu haben. Und das Heimatblatt Weser-Kurier bejubelt den völlig unpassenden und unzureichenden Ersatz auch noch. In der Neustadt werden die Parkplätze abgeschafft und erst anschließend über ein Anwohnerparkhaus gedacht. Verrückt, oder?

Wer das beidseitige (und damit teilweise aufgesetzte) Parken in Nebenstraßen verbietet, beraubt letztlich großen Teilen der Wohnbevölkerung die Bewegungsfreiheit.

Wenn tausende Plätze entfallen und auf der „freigeräumten“ Straßenseite auch noch absolutes Halteverbot gilt – wie jetzt in der Wiesbadener-, Bach-, Isar- und Aßmannshauser Straße- , alle in der Neustadt – kann 

kein Pflegedienst mehr vorbeikommen

müssen Menschen ihre Einkäufe teilweise über lange Strecken nach Hause schleppen,

kommen Opa und Oma womöglich nicht mehr zu Besuch, weil sie schlecht laufen können,

müssen Frauen nachts mit Angst weitere Wege vom Auto nach Hause zurücklegen,

fehlen Kleinkindern parkende Autos als Abschottung zur Fahrstraße,

denn:

plötzlich deutlich „breitere“ Straßen laden zum schnelleren Fahren ein. Erhöhen also die Gefahren ausgerechnet für die Kleinen, welche die vor dem Bundesverwaltungsgericht erfolgreichen Kläger ja eigentlich schützen wollen.

Die CDU war anfangs indifferent, hat aber dazu gelernt. Die FDP gilt als Unterstützer vernünftiger Lösungen.

Wie sehr sich die Union inzwischen von der Mainstream-Bewegung der Auto-Gegner abgesetzt hat, sieht an einem aktuellen Flyer (siehe am Ende dieses Blogstücks). Darin wirbt die Union offensiv und für ein Parkkonzept mit Augenmaß.

Mein letzter Weckruf-Versuch:

Politiker aller Bürgerschaftsparteien, stoppen Sie den Anti-Auto-Irrsinn. Sonst dürfen Sie sich am 30. Mai 2027 nach 18 Uhr über nix mehr wundern.

Noch ein Wort zum Argument, Müll- und Feuerwehrfahrzeuge passten nicht durch beidseitig beparkte Straßen: In anderen Ländern passt man die Maße solcher Service-Fahrzeuge den Straßenbreiten an – nicht umgekehrt.

So, liebe Leserschaft, sorry für den heute etwas rabiaten Tonfall, aber es regt mich allmählich auf, wie Profi-Politiker verblendeten Behördenleuten hinterher laufen. Offenbar, ohne den eigenen Kopf einzuschalten. Und wenn sich dann Menschen zunehmend unverstanden fühlen, im heftigsten Fall von der Demokratie und von unserer Gemeinschaft abwenden, folgt in Politiker-Kreisen stets die gleiche Reaktion: das übermäßige Vergießen von Krokodilstränen.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: ACHTUNG: In meinem Blog werden nur Leserkommentare mit vollem Namen veröffentlicht.

P.P.S.: Es bleibt dabei: Am Wochenende erscheint an dieser Stelle wieder ein extrem lesenswerter Gastkommentar. Schauen Sie gerne bei bsg vorbei.