Unfassbar – zwei „identische“ Straßen, aber nur einmal ist aufgesetztes Parken erlaubt

16.09.2026 18 Von Axel Schuller

Einmal ist immer das erste Mal: Das Thema behördliches Abräumen von Parkplätzen im „Flüsseviertel“ der Bremer Neustadt hat so viele Leserinnen und Leser wie lange nicht auf den Plan gerufen. Deshalb, ausnahmsweise, heute ein „Nachdreh“. Denn das Thema ist weiter brutal drängend. Vor allem, weil die Verkehrsbehörde in der Donaustraße offiziell beidseitig aufgesetztes Parken zulässt, dies aber in der parallel verlaufenden, fast identischen Isarstraße verbietet. Wie kann das bloß nur sein?

Der Wegfall von Parkplätzen – legale wie „illegale“ – trifft Menschen in alten, engen Stadtteilen massiv.

Zur Veranschaulichung zitiere ich aus einem der 37 Leser-Kommentare zum ersten Blogstück „Bremer Politiker, bitte beenden Sie den drohenden ‚Krieg’ um Parkplätze…“ vom 11. September 2026.

Leser Gerd Radeke schrieb:

„Ich habe heute mit unserer 91-jährigen Nachbarin Lisa, gesprochen. Sie schilderte, wie sehr die aktuelle Parksituation ihren Alltag inzwischen beeinträchtigt. Ihr Schwager, der sie bisher regelmäßig mit Wasser versorgt und besucht hat, kann wegen des Parkverbots nicht mehr kommen. Auch ihre Freundin kann ihr künftig nicht mehr die Haare machen. Selbst eine Masseurin hat ihre Tätigkeit aufgegeben. Das hat sich alles in den letzten 2 Wochen ergeben.

Für eine 91-Jährige sind solche Einschränkungen im Alltag erheblich. Lisa sagte inzwischen sogar, dass sie sich bei einer Demonstration mit ihrem Rollator gerne beteiligen würde. Auf meine Frage, ob sie sich jemals durch Autos hier in der Isarstraße eingeschränkt fühlte, antwortete sie mit einem klaren NEIN!

Auch ich musste heute schwere Wasserkisten von der Pappelstraße nach Hause tragen, obwohl ich dies aufgrund meiner Rückenprobleme eigentlich vermeiden muss.“

Gerd Radeke schrieb weiter:

Ich möchte alle Politiker, die sich diesen Irrsinn ausgedacht haben, bitten, sich für einen zeitnahen Vor-Ort-Termin in der Isarstraße mit den betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern zu treffen um die Probleme zu diskutieren. 

Die Verantwortlichen sollten sich selbst ein Bild davon machen, welche konkreten Folgen die derzeitige Regelung u. a. für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen hat.

Ich hoffe sehr, dass anschließend eine praktikable und sozial verträgliche Lösung gefunden werden kann.

Darüber hinaus möchte ich darauf hinweisen, dass in der Donaustraße das Aufgesetzte Parken durch Schilder jetzt legalisiert wurde hingegen in der Isarstraße auf einer gesamten Seite ein absolutes Halteverbot weiterhin besteht. 

Um die Unterschiede besser zu verstehen, habe ich beide Straßen vermessen und folgendes festgestellt:

Donaustraße: Breite der Straße.: 5,90 Meter. Fußweg-Breite: 2,00 Meter

Isarstraße: Breite der Straße: 6,00 Meter. Fußweg-Breite: 2,05m.

Also die Donaustraße ist bzgl. der gesamten Breite 15 cm schmaler als die Isarstraße. Daraus lässt sich folgern, dass in der Isarstraße durchaus das Aufgesetzte Parken erlaubt werden könnte.“

ENDE des Leser-Kommentars.

Eine Familie aus der Isarstraße schickte mir ihren Briefwechsel mit der Verkehrsbehörde exakt zu der Ungleichbehandlung von Isar- und Donaustraße:

Bereits im Januar wandte sich die Familie gegen den geplanten Wegfall vieler Parkplätze in der Isarstraße.

Die Verkehrsbehörde antwortete – fast eine komplette Schwangerschafts-Zeit später – im September („bitten um Entschuldigung für die verzögerte Beantwortung),. Es sei zwar korrekt dass sich Donau- und Isarstraße von der Breite her sehr ähnelten. Aber, es gäbe einen Unterschied: Die Isarstraße habe „eine höhere Bedeutung im Fußwegenetz“. 

Zählungen der Fußgänger in der Isar- und Donaustraße werden freilich nicht angeführt. Den gekniffenen Isarstraßen-Bewohnern wird versichert, dass die Situation in der Donaustraße (beidseitig erlaubtes aufgesetztes Parken demnächst evaluiert werde.

Aha.

Und wo sollen die Bewohner des Flüsseviertels (das ist der Kern der Neustadt zwischen Langemarck- und Friedrich-Ebert-Straße) nun ihre Autos stapeln. 

Die Behörde verweist allen Ernstes auf mietbare Parkplätze am Neustadtgütersbahnhof als Ersatz an. 

Google teilt auf die Frage nach der Fußgängerroute mit: „Sie brauchen 10 bis 15 Minuten“ vom Neustadtsbahnhof zur Bachstraße.

Um Wasserkisten oder Kleinkinder  über diese Distanz zu schleppen muss man wohl über einen Sherpa verfügen.

Noch doller: Auf dieser Route will abends/nachts keine Frau allein nach Hause laufen.

FRAGE: Merken die Top-Planer in der Behörde eigentlich, was sie jenen Menschen zumuten, die für ihre Gehälter aufkommen?

Frau Senatorin Ünsal, es wird höchste Zeit, dass Sie sich selbst um das Thema kümmern!

Übrigens: Die Bremer Redaktion der Kreiszeitung Syke hat nach meinem Neustadt-Blog vom 11.9. über die Parksituation in der Bremer Neustadt als erstes Medium berichtet.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Für Sonntag darf ich Ihnen erneut einen Gastkommentar ans Herz legen, der große Beachtung verdient. Der Autor räumt mit einer in der Bremer Politik vorherrschenden, aber – aus seiner Sicht – überholten Beurteilung auf. Also, Sonntag ist ein Blick auf  bremensogesehen fast schon „Pflicht“, Jedenfalls für alle, die sich um die Weiterentwicklung unserer Stadt sorgen.

P.P.S.: Liebe Leserschaft, zum Schluss noch ein weiterer Tipp: Unbedingt die Kommentare zum „AfD-Stück anschauen; inkl. Mäurers Entscheidung!