Bürger wehren sich gegen zu großes und teures Flüchtlingsheim

21.09.2026 20 Von Axel Schuller

Achtung, Politiker! Nach der viel gelesenen Story über das Park-Desaster in der Neustadt und anderen Stadtteilen geht in Habenhausen die nächste emotionale „Bombe“ hoch. Anlieger des idyllischen, seit „ewigen“ Zeiten gewachsenen Gebietes um den Holzdamm, wollen sich dem Druck der Stadt nicht beugen. Ihre Forderung: Kein übergroßes, bis zu vierstöckiges Flüchtlingsheim in bester Werdersee-Lage. 

Die Menschen wenden sich laut einer ihrer Sprecherinnen, Heike Strack, nicht gegen die Unterbringung von Geflüchteten, wohl aber gegen die Größe des geplanten Neubaues. Und gegen die (von ihnen empfundene) Rotzigkeit der Politik.

Während die alten Häuschen am Holzdamm zwischen 6 und 9 hoch sind, soll das Übergangsheim bis 13 Meter in den Himmel ragen. 

Falls Sie, liebe Leserschaft,  jetzt überlegen, von welcher Gegend ich spreche: Es geht um das Grundstück des ehemaligen Hotels am Werdersee, Ziel unzähliger Bremer Kohltouren. Wo einst geschmaust und geschwoft wurde, soll ein bis zu vierstöckiges Gebäude errichtet werden. Bremen will das ehemalige Hotel-Gebäude abreißen und dort von Investoren ein Flüchtlingsheim mit 70 Wohnungen für 200 Menschen errichten lassen.

Investoren locken den Senat mit dem Bau der Unterbringung – bei einer Mietlaufzeit von 15 Jahren. 15 Jahre? Wird uns Bürgern gegenüber nicht dauernd beteuert, die Zahl der Flüchtlinge werde sinken?

Viele Anwohner verstehen ihre kleine Welt nicht mehr.

Ein Investor baut Wohnungen für maximal 200 Geflüchtete. Die von der Stadt akzeptierte Kaltmiete beträgt 65.000 Euro pro Monat. Im Jahr also: 780.000 Euro. Auf 15 Jahre gerechnet: 11,7 Millionen Euro. Heike Strack, Architektin und Anwohnerin, hat nachgerechnet: Während die Stadt einen Quadratmeterpreis von 17 Euro pro Quadratmeter „Bruttogeschossfläche“ nennt, sind es in der üblichen Vergleichsgröße „Wohnfläche“ 26 Euro/Quadratermeter.

Was die Anwohner maßlos aufregt?

Sie fühlen sich schlecht informiert. Anfangs hatten sie nichts von dem neuen, großen Gebäude in bester Werdersee-Lage erfahren. Als sie dann Sitzungen des Beirates besuchten, fühlten sie sich schlecht behandelt, ja sogar als „Rechte“ geframt. Architektin Strack: „Ich bin keine Rechte.“ 

Die Skepsis dem Neubau gegenüber basiert übrigens auch auf Negativ-Erfahrungen in der Vergangenheit. Das Alt-Hotel war bereits einmal als Flüchtlingsheim (für weniger Menschen) genutzt worden. Mit wenig schönen Begleiterscheinungen.

In einem offenen Brief an den Beirat, heißt es dazu:

„Als die vorherige Unterkunft für Geflüchtete hier übergangsweise war, gab es nicht nur Vermüllung und die Sprengung eines Zigarettenautomaten. Es wurden teuren Autos auf der Straße gehandelt. In der Nachbarschaft gab es zu dieser Zeit diverse Einbrüche in Autos und Häuser. Bei einem konnte von der Polizei ein Bewohner des Übergangswohnheimes ermittelt werden. Die extra angebrachten Kameras in den Grundstücken zeigen nachts Gestalten, die dort herumgeistern. Wissen Sie wie es sich anfühlt, wenn man im Dunkeln aus Angst den Müll nicht mehr rausbringen mag oder wie es ist, wenn nachts um 2 Uhr jemand versucht, die Scheibe im Haus einzuschlagen? Seitdem die Unterkunft weg ist, ist es hier wieder ruhig. Und jetzt wollen Sie uns diese Angst erneut zumuten?“

Heike Strack, Fachfrau und furchtlose Anwohnerin, berichtet im Gespräch mit bremensogesehen:

„Die Kritik der Nachbar richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Unterbringung von Geflüchteten. Sie richtet sich aber eindeutig gegen die enorm hohe Belegungszahl mit 200 Personen. Außerdem ist der Bau aus unserer Sicht baurechtswidrig.“

Ferner bedauert sie:

„Wir haben in Diskussionen mit Politikern immer wieder erlebt, dass Bedenken der Nachbarn stets konfrontativ begegnet wurde. Dies ist übrigens auch eine Erfahrung von Nachbarschaften in Borgfeld, Warfer Landstraße und in der Häschenstraße.“

Ergänzung von mir: Auch die Umnutzung eines Gebäudes am Nordausgang des Bahnhof bereitet Anwohnern in Findorff größte Sorgen, die meist ebenfalls abgetan werden.

Politiker und leitende, entscheidende Beamte wohnen vermutlich äußerst selten neben solchen Einrichtungen.

Heike Strack berichtet: „Bewohner haben tatsächlich Angst vor fehlenden Integrationsmöglichkeiten durch die hohe Bewohnerdichte, Einbrüche, Überfälle und Vermüllung. Das sind Ängste, die man heutzutage offenbar nicht äußern darf, ohne sofort als fremdenfeindlich zu gelten – obwohl keiner in unserem Kreis so denkt.“

Politiker zögen es beim Thema Flüchtlingsunterbringung nicht einmal in Erwägung, dass die Bevölkerung zur Hilfe bereit sei, diese aber halt auch Grenzen habe.

Strack: „Bei uns in Habenhausen wird ein im Vergleich zur weiteren Umgebung ungewöhnlich großes Bestandsgebäude (Hotel zum Werdersee) als Maßstab für einen Neubau gewählt. Dem ließe sich sogar „vielleicht“ noch in gewisser Weise folgen. Aber, der Neubau wird mit vielen Hilfsargumenten noch einmal fast doppelt so groß geplant. Die Nachbarschaft fühlt sich dadurch natürlich über den Tisch gezogen.“

„Sowohl in Borgfeld (in erster Reihe zur Wümme), in der Häschenstraße, (direkt an der Weser) und hier in Habenhausen (in der ersten Reihe am Werdersee) darf offensichtlich nicht einmal darüber diskutiert werden, ob solche prädestinierten Orte überhaupt auf eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen. Eine Bevölkerung, so die Sprecherin, die selbst eben kaum die Möglichkeit hat, in diesen 1A-Lagen wohnen zu können.“ 

In dem offenen Brief heißt es weiter:

„Die Nachbarschaft wünscht sich entgegen der Planung eine gute Durchmischung von freien Wohnungen oder studentischem Wohnen zusammen mit Wohnungen für Geflüchtete.“ 

Was die Architektin besonders wurmt: „Der Klageweg ist  eingeschränkt, da nur gegen die Verletzung nachbarlicher Belange geklagt werden kann. Kein Wunder, dass sich die Bürger hilflos und allein gelassen fühlen.“

Das, verehrte Politiker, kann sich rasch zur Basis für unerwünschte Wahlergebnisse entwickeln…

Liebe Leserschaft, ich habe Sie heute auf diesen Ausflug nach Habenhausen mitgenommen, damit Sie die Kritik und Gefühle der Anrainer in Habenhausen besser nachempfinden können.

Übrigens: Am jetzigen 23. September tagt der Beirat Obervieland für eine abschließende Beiratsstellungnahme im baurechtlichen Verfahren. 23.9.26, 19 Uhr, Bürgerhaus Obervieland.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Liebe Politiker, die sich teilweise selbst als „fortschrittlich“ bezeichnen: Sollten Sie jetzt auch mich als „rechts“ brandmarken, wäre das genauso unpassend wie im Fall von Frau Strack. Aber, wer sich wehrt oder dies unterstützt, läuft heutzutage sofort Gefahr, als „rechts“ diffamiert zu werden. Leider.