NEUE VERSION: Högl überrascht bei Einweihung des Condé-Denkmals / Im Anhang: Erhellende Broschüre

28.09.2026 10 Von Axel Schuller

Feierstunde zur Einweihung des Mahnmals zum Gedenken an den Tod von Laye-Alama Condé. Der vermeintliche Drogenhändler war am 7. Januar 2005 nach einer Brechmittel-Zwangsgabe durch den Polizeiarzt gestorben. Auffällig bei der gestrigen  Feierstunde: Während Innensenatorin Dr. Eva Högl das Wort „Drogen“ nicht in den Mund nahm, erinnerte der amtierende Polizeipräsident Dirk Fasse an diesen Teil der traurigen Geschichte; zumindest kurz. 

ACHTUNG: Nachträgliche Ergänzung um die Broschüre von Ex-Polizeipräsident Lutz Müller und Ex-Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Daraus geht hervor, dass die Verantwortung für die Folgen bei der Brechmittelvergabe NICHT bei der Polizei lag. Zwei Ärzte und zwei Sanitäter waren zugegen, als Laye-Alama Condé ins Koma fiel.

Ein enger Verwandter zeichnete während der Feierstunde in seiner Rede ein Bild vom warmherzigen Laye-Alama Condé, der einem seiner kleinen Brüder in Sierra Leone ein Fahrrad schickte.

Högl betonte, die Verantwortung für den Tod des damals 35-Jährigen trage die Bremer Politik und Verwaltung. Sie erinnerte, dass Condé kein Asyl erhalten hatte, und er hätte ausreisen müssen. Freilich habe er keine Papiere gehabt, so dass eine Ausweisung nicht möglich gewesen sei.

Bremen habe sich nach dem Tod der Problematik gestellt und die Brechmittelvergabe eingestellt. Seinerzeit sei die Gewalt (Brechmittel) gegen den Festgenommenen zwar rechtlich legitimiert gewesen, aber nicht länger zu rechtfertigen. Auch habe der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 2006 den Brechmitteleinsatz als Folter geächtet.

Dirk Fasse, Bremens oberster Polizist, erinnerte zumindest daran, weshalb Condé in Polizeigewahrsam genommen worden war.   

Im Blog bremensogesehen vom 6.1. 2023 hieß es zu den Details:

„Zur Erinnerung: Die Polizei hatte Laye-Alama Condé am 27. Dezember 2004 um 0:10 Uhr am Sielwalleck vorläufig festgenommen. Der 35-Jährige stand im Verdacht, mit Drogen gehandelt zu haben. Die zwei Beamten brachten ihn ins Polizeipräsidium in die Vahr. Die Polizisten hatten den Verdacht, dass Condé etwas verschluckt habe. Beispielsweise kleine, eingepackte Kokainkügelchen…

Darauf wurde eine sogenannte Exkorporation angeordnet. Dabei werden verschluckte Gegenstände unter Anwendung von – damals Brech-, heute Abführmitteln – aus dem Körper herausgeholt.

Ein Polizeiarzt verabreichte dem damals 35-jährigen, gesund wirkenden, Mann ein Brechmittel mit viel Wasser per Nasen-Magen–Sonde. Condé versuchte immer wieder, das Erbrochene nicht auszuspucken, sondern sofort herunterzuschlucken. Dennoch kamen vier Kokain-Kügelchen heraus. Ein fünftes später bei der Obduktion.

Der Mann ist schließlich am 7. Januar 2005 im Joseph-Stift gestorben. Die Obduktion ergab: Laye-Alama Condé ist durch die erhebliche Wasserzufuhr ertrunken und Erbrochenes war beim Versuch, dieses herunterzuschlucken, in die Atemwege/Lunge geraten. Außerdem wurde eine Herz-Vorschädigung festgestellt.

Der Fall beschäftigte mehrere Gerichte bis hin zum Bundesgerichtshof. Am Ende wurde das Verfahren gegen den Polizeiarzt gegen Zahlung von 20.000 Euro an Condés Mutter eingestellt. Vom Land Bremen erstritt die Mutter 10.000 Euro.

Bremen wendet das Brechmittel seit dem tragischen Tod des vermeintlichen Dealers nicht mehr an. Heute werden Abführmittel eingesetzt, um verschluckte Drogen-Portionen („Bodypacking“) aus dem Körper herauszuholen.“

Condes Bruder beschrieb Laye-Alama Condé gestern als fürsorgliches Familienmitglied. So habe er vor seinem Aufbruch nach Deutschland die Geschwister in die Pflicht genommen, Eltern und Großeltern beizustehen. Das aus Bremen nach Sierra Leone geschickte Fahrrad sei ein Symbol für den Wunsch des Toten gewesen, stets zu teilen.

Die Grüne Kai Wargalla betonte, nirgendwo in Deutschland sei die Brechmittelfolter so intensiv wie in Bremen eingesetzt worden. Und immer seien es schwarze Männer gewesen. Miriam Strunge (Linke) erklärte, die „Brechmittelfolter“ stelle „den Tiefpunkt der bremischen Geschichte“ dar.

Gundula Oerter von der BI, die für die Schaffung des Mahnmals gekämpft hatte, hielt den zuständigen Bremer Institutionen wie Senat, Bürgerschaft, Justiz und Ärztekammer in 1.267 Fällen vor, den Brechmitteleinsatz geduldet oder wie die Ärztekammer „sich weggeduckt“ zu haben.

Weitere Rede-Inhalte, liebe Leserschaft, finden Sie bitte bei „buten un binnen“ und gegebenenfalls im Heimatblatt. Bei BuBi wies Frau Högl darauf hin, „auch ein einziger verstorbener Mensch, an den wir denken und der uns Mahnung sein soll, rechtfertigt so ein Mahnmal“.

Frau Dr. Högl, Frage für Leser m/w meines Blogs: Wo steht in Bremen ein Mahnmal für die 752 Drogentoten (nur in der Stadt Bremen) zwischen dem Jahr 2000 und jetzt? Opfer der ungezählten Dealer in dieser Stadt?

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

NACHTRAG: Liebe Leserschaft, ein Viertel-Bewohner hat mich darauf hingewiesen, dass es in Bremen einen Ort gäbe, an dem der Drogentoten gedacht werde. Und zwar einen Stein am Ziegenmarkt. Gerade nachgemessen: 95 Zentimeter hoch, und leider begehrter Pinkelort für Hunde, wie ich eben selbst beobachtet habe (S., 27.9., 16:30). Ursprünglich war der Sterin für die Opfer der Drogen Alkohol und Tabak aufgestellt worden. Mittlerweile werde dort auch der Opfer von Heroin und anderen Drogen gedacht. Mein Fehler: Ich hatte bei der Suche im Netz den Begriff „Mahnmal/Denkmal für Drogentote“ eingegeben und nicht: „Gedenkstein“.

Ihr as

Hier nun die Broschüre des Innenressorts und des Polizeipräsidenten. Diese wirft große Zweifel an der Arbeit der beteiligten Ärzte.auf.

Mein Tipp: Unbedingt lesen.