Dokumentation: Zahlen aus dem Inneren der GeNo
Doku über eine Aufstellung von grausamen Zahlen aus dem Inneren der GeNo: Hier der Inhalt des Papiers, das mir jüngst „zugeflattert“ ist:
„Zur aktuellen Situation der GeNo (Anfang Okt. 26)
Es ist davon auszugehen, dass eine Insolvenz in Eigenverantwortung des Unternehmens unmittelbar bevorsteht.
Hintergründe:
- Zwar wurde der GeNo von den Wirtschaftsprüfern (wie jedes Jahr) eine positive Fortführungsprognose der GmbH bis zum Folgejahr (Mitte 2027) attestiert – allerdings abhängig von einer Bereitschaft der Freien Hansestadt Bremen, weitere Mittel im erforderlichen Umfang bereitzustellen.
- Der Umfang dieser Mittel wurde bereits in der Vergangenheit wiederholt beschrieben:
– Anteil der Baukosten für die Verlagerung des LdW
(unter Berücksichtigung der Gelder aus dem Transformationsfonds) ca. 80 Millionen Euro
– Kosten für Abriss oder Umbau LdW nach Umzug inc. Aufbau Medizinisches Versorgungszentrum ca. 20 Mio
– notwendige Erweiterungen des Parkhauses am KBM (öffentl. Bauträger) ca. 30 Mio
weitere Sanierung der Häuser KBN und KBO
– umfassender Umbau KBO (201 Mio + Forensik 147 Mio, s. Architekt und Gutachter Hofrichter) ca. 348 Mio
– umfassender Umbau KBN ab 2032 (Hofrichter) ca. 224 Mio
Laufende Kosten
– Übernahme der negativen Betriebsergebnisse 2025/26 jew. ca. 50 Mio ca. 100 Mio
– (Preissteigerungen durch Zeitverzug und Umplanungen bis 2030) ca. 50 Mio
– Rückzahlung einer Schuldverschreibung 2030 100 Mio
Summe ca. 862
Weitere Risiken 2026
– Vervollständigung der Bauplanungen am KBM ca. 10 Mio
– Rückzahlung von Fördergeldern (Ki-Klinik) ca. 10 Mio
– Aufwendungen für die Bildungsakademie bis Neubau ca. 5 Mio
– Neuaufbau der Telematik-Struktur in der GeNo
(Technik, Gebühren, Personal, Einrichtung, lauf. Kosten) ca. 15 Mio
– Kosten für Krisenmanagement Gyn. und Pathologie ca. 4 Mio
Summe ca. 44 Mio
- Weitere Risiken ab 2027 ff.
– Fall- und Erlösverluste durch Translation des LDW (ca. 25%) netto ca. 5 Mio
– Konsequenzen aus der Reform des Gesundheitswesens
(KHVVG, KHAG, neue Zuordnung der Leistungsgruppen, Ambulantisierung,
Notfallreform, GKV-Reform, Pflegereform, Aus- u. Weiterbildung)
Folgen sind eigentlich unkalkulierbar! Gilt für alle KH- hier GeNo-Anteil ca. 80 Mio
Summe ca. 85 Mio
Gesamtkosten für die KHB incl. Risiken 2026 bis ca. 2033 (geschätzt) ca. 1 Mrd.
Darin sind die Risiken für Ersatzmaßnahmen i. R. der Landes-KH-Planung nicht enthalten, die im Falle von Insolvenzen anderer Versorgungskrankenhäuser entstehen können.
Grundsätzliches:
Noch 2024 hat die GF der GeNo in ihrer Planung daran festgehalten, dass bereits 2027 eine „schwarze Null“ im EBITDA zu erwarten sei. (Restrukturierungsplan).
Wie in der Vergangenheit wird sich auch diese Prognose nicht erfüllen.
Die GeNo hat
– Verluste an Fällen (2017: 102.000 stationäre Fälle , 2025: ca. 78.000 stationäre Fälle) hinnehmen müssen,
– Verluste an Erlösen pro Fall (CMI) – 2017: 1,054 – 2024: 1,015).
Es gibt viele Schwachstellen in Personalrekrutierung (viel Leihpersonal), viele Leitungswechsel bei Chefärzten und Direktionen, Probleme im Prozessmanagement, in allgemeiner Organisation, Logistik, Einkauf und IT-Struktur. Man kann feststellen, dass die GeNo etliche Jahre der Entwicklung nachholen muss!
Hilfe haben sich GF und Senatorin regelmäßig bei teuren Beratern gesucht (WMC, consus, HC&S, u.v.a.m.). Dennoch sind wesentliche Aufgaben nicht erfüllt worden oder die zu erwartenden Entwicklungen wurden nicht vorhergesehen z.B. die Ambulantisierung oder die Profilierung wichtiger zentraler Leistungsbereiche mit überregionaler Ausstrahlung.
Die Kliniken der GeNo spielen seit Jahren keine besondere Rolle mehr in der medizinischen Welt (s. wiss. Veröffentlichungen, Wahrnehmungen der Fachwelt in Technik und Management)
Intern wurde die „Restrukturierung“ zwar aufgenommen, konzentriert sich aber auf Baumaßnahmen für die Translokation des LdW, Zentralisierung von Instituten und Leistungen, auf Kosten-, Personal- und Bettenreduzierungen. Damit fehlt eine positive Perspektive, die auch die MitarbeiterInnen mittragen können.
In der Geschichte der GeNo seit 2014 hat man bereits ca. 20 Pläne erleben dürfen, „Strukturplanungen“, „Zukunftskonzepte“, „Zukunftspläne“, „Masterpläne“ „Medizinstrategien“, „Mittelfristplanungen“, „Bauzielplanungen“ und „Restrukturierungen“, von denen nur ein Bruchteil umgesetzt oder vieles auch wieder rückgängig gemacht wurde.
Aus den Defiziten ist die GeNo nur ca. 3 Jahre herausgekommen. Der Träger Freie Hansestadt Bremen hat durch Kapitalausstattung, Zuschüsse, Kredite, Kostenübernahmen, Ausgleichszahlungen, Schuldübernahmen seit 2014
mehr als 1,3 Mrd. Euro investiert.
Obendrauf kommen nun:
- die überaus komplexen Reformbemühungen und Kostenreduktionen durch Bundesgesetze (s.o.)
- weitere frei-gemeinnützige und private Krankenhäuser, die ebenfalls unter den neuen Gesetzen leiden und evtl. gegen Wettbewerbsbenachteiligung gegenüber der GeNo klagen werden
- eine prekäre Haushaltslage des Landes Bremen, die dem Investitionsdruck der GeNo nicht mehr gewachsen ist.
Damit wäre die positive Fortführungsprognose hinfällig und eine Insolvenz unausweichlich.“
ENDE der Doku
Liebe Leserschaft, bitte drücken Sie uns die Daumen, dass beim Übertag des Papiers die Formatierungen nicht kaputt gegangen sind.
(Trotzdem) Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr as
Die Zahlen zur GeNo sind erschreckend. Und angesichts der aktuellen Finanzierungsprobleme wird Bremen um Entscheidungen nicht herumkommen.
Was mich allerdings an der inzwischen reflexhaften Forderung nach einer Privatisierung stört: Sie überspringt die eigentlich entscheidende Frage.
Was für eine Gesundheitsversorgung wollen wir in Bremen und der Region überhaupt?
Denn genau diese Frage scheint mir seit Jahren zu wenig gestellt zu werden.
Wir diskutieren über einzelne Krankenhäuser, Standorte, Defizite und Sanierungsbedarfe. Aber Gesundheitsversorgung funktioniert nicht nach den Grenzen einer Krankenhausgesellschaft. Sie besteht aus Hausärzten und Fachärzten, MVZ, Krankenhäusern, Pflege, Rehabilitation, Psychiatrie, Rettungsdienst und vielen weiteren Strukturen. Und sie endet auch nicht an der Landesgrenze.
Wenn Bremen beispielsweise stationäre Kapazitäten abbaut, muss die Frage gleichzeitig lauten, wo die entsprechende Versorgung künftig stattfindet. Wenn wir ambulante Behandlung stärken wollen, brauchen wir dafür Ärzte, MVZ und geeignete Standorte. Wenn hochspezialisierte Leistungen nicht an jedem Standort sinnvoll erbracht werden können, müssen wir über regionale Kooperationen reden.
Das ist Versorgungsplanung.
Und genau die fehlt mir in der bisherigen Debatte.
Statt zuerst festzulegen, welche Versorgung die Bevölkerung Bremens und der Region 2035 oder 2040 tatsächlich benötigt, versuchen wir immer wieder, die bestehenden Institutionen in die Zukunft zu retten.
Das ist die falsche Reihenfolge.
Der Transformationsfonds könnte deshalb eine große Chance sein. Aber dann sollten wir ihn auch als das behandeln, was sein Name verspricht: als Transformationskapital.
Er sollte nicht vor allem dabei helfen, die Vergangenheit finanziell abzusichern.
Wir sollten mit ihm den Übergang in eine andere Gesundheitsversorgung finanzieren: weniger unnötige stationäre Kapazitäten, mehr ambulante Versorgung, leistungsfähige MVZ, sinnvolle regionale Kooperationen, moderne Standorte und eine Infrastruktur, die tatsächlich zur zukünftigen Versorgung passt.
Dafür müsste Bremen zunächst einen Gesundheitsplan 2040 vorlegen.
Mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme:
Was brauchen wir?
Was haben wir?
Was davon ist künftig noch sinnvoll?
Was kostet die bestehende Struktur?
Was kostet der Umbau?
Welche Leistungen können ambulant erbracht werden?
Was muss Bremen selbst vorhalten?
Was können wir regional organisieren?
Und welche Investitionen erzeugen langfristig die größte Wirkung?
Erst danach sollte man entscheiden, welche Rolle die GeNo künftig spielt.
Und erst danach stellt sich die Eigentumsfrage.
Vielleicht ist an einzelnen Stellen eine private Trägerschaft sinnvoll. Vielleicht ist an anderen Stellen eine kommunale oder gemeinnützige Struktur sinnvoll. Vielleicht brauchen wir Kooperationen, die heutige Grenzen überschreiten.
Aber Privatisierung ist kein Ersatz für Planung.
Ein privater Betreiber kann eine bestehende Struktur effizienter führen. Er kann aber nicht die politische Entscheidung ersetzen, welche Gesundheitsversorgung Bremen künftig braucht.
Und genau deshalb halte ich es für gefährlich, den Transformationsfonds als Rettungsfonds für bestehende Strukturen zu betrachten.
Wir haben hier ausnahmsweise die Möglichkeit, erhebliches Geld für Veränderung einzusetzen.
Dann sollten wir es auch für die Zukunft einsetzen.
Nicht die Vergangenheit finanzieren, weil sie teuer geworden ist. Sondern die Zukunft finanzieren, weil wir sie besser organisieren wollen.
@Frank Schmidtsdorff: absolut d’accord! Wir wissen alle, dass das bisherige „System“ nicht sinnvoll funktioniert, weder finanziell noch bezogen auf die „Lokalität“ (also Bremen als Stadtstaat mit einer Menge an kleineren Städten im „Nachbarland“) oder die gesamte Orga der Versicherungen usw.
Also wäre doch das sinnvollste, sowohl eine kurzfristige Überbrückung ABER kombiniert mit einer kompletten Reform landesübergreifend mit Niedersachsen und Hamburg (und evtl. SH) als Vorbild für eine bundesweite Reform. Dass dies nicht innerhalb von 6 Monaten geht: klar. Und ebenso klar: an so einer Reform sollte weder ein Herr Linnemann noch ein Herr Lauterbach oder Herr Spahn mitarbeiten! (der erste, weil er wenigstens klar sagte, dass er kein Fachmann sei, die anderen… (no comment wegen §188 StGB)
Danke, dass Sie die Zahlen veröffentlicht haben. Wie schon gesagt ist es ein Trauerspiel mit Ansage: was soll rauskommen wenn es keine verbindliche Planung für alle 8 Bremer Krankenhäuser gibt und man sich lieber versucht das Wasser abzugraben. Hoffentlich kommt die Insolvenz vor der Wahl…