Erbbaupacht kann sinnvoll sein, würde im Fall Hulsberg-Viertel aber der GeNo schaden

12.11.2025 7 Von Axel Schuller

Diese rot-grün-rote Koalition ist manchmal – sorry – wie von Sinnen. Man kann es einfach nicht fassen: Die Linke Fraktionschefin Sofia Leonidakis führt erneut die Vertreter von SPD und Grünen am Nasenring durch die Manage. Der neueste Auftritt: Die Grundstücke im Hulsberg-Viertel sollen ab sofort nur noch im Erbbaurecht vergeben werden. Eine der wenigen in der Koalition, die durchblickt und (noch?) gegenhält, ist Bausenatorin Özlem Ünsal (SPD). Sie hat zu dem Plan im Parlament klipp und klar gesagt: „Der Haushalt lässt das nicht zu.

Vorab: Ein Ländchen wie Bremen hat kaum noch Flächen, die es für den Wohnungsbau zur Verfügung stellen kann. Dabei braucht die Hansestadt dringend gute und zugleich bezahlbare Wohnungen. Der Gedanke, restliche, staatliche Flächen nicht mehr zu Höchstpreisen zu verscherbeln, sondern in Erbbaupacht zu vergeben, ist nachvollziehbar

Aber: Diesen Grundsatz für das neue Hulsberg-Viertel inmitten laufender Verkaufsverhandlungen aufzustellen, ist – freundlich formuliert – total schräg.

Haben die heute aktiven Politiker vergessen, wie die Stadt in den Besitz der Hulsberg-Fläche gekommen ist? Und: Haben diese „Landespolitiker“ womöglich auch vergessen, das Bremen aktuell jeden, wirklich jeden Euro braucht?

Zur Erinnerung: Die städtische Krankenhaus Gesellschaft GeNo hangelt sich seit über zehn Jahren von einem zum nächsten Defizit. Im Rahmen der Modernisierung der vier GeNo-Krankenhäuser wurden unter anderem beim Klinikum Mitte in der St. Jürgenstraße überalterte Teile geschlossen (Augen, Urologie, Kinder etc.). 

Die Idee: Bremen reißt dort mehrere alte Gebäude auf dem riesigen Klinikgelände ab, verkauft große Teile des Areals an Investoren und Bauherren-Gemeinschaften, damit diese dort Wohnungen errichten. Der Großteil des möglichst hohen Verkaufserlöses soll auch dafür genutzt werden, um die neuen Gebäude für das KBM zu finanzieren – und die Stadtkasse zu entlassen.

Nunmehr kommen Parlamentarier der SPD, Grünen und Linken daher und verlangen, keine Grundstücke mehr zu verkaufen, sondern nur noch im Erbbaurecht zu vergeben.

Mittendrin. Während gerade Flächen verkauft werden. In einer Phase, in der Bremen jeden Cent benötigt. Und die GeNo demnächst aller Voraussicht nach wieder frisches Geld braucht. In dieser Phase drängen die Koalitionäre den Senat, auf  Einnahmen in zweistelliger Millionen-Höhe zu verzichten. 

Was mich in diesem Zusammenhang umtreibt, ist die Tatsache, dass der SPD-Baupolitiker Falk Wagner zusammen mit der Linken Leonidakis ins gleiche Horn bläst. Wagner, der ja nicht nur der baupolitische Sprecher der Sozialdemokraten, sondern auch deren Landesvorsitzender ist. Ein Politiker, den einige 2023 ins Amt des Bausenators reden und schreiben wollten.

Wie gut, dass er es nicht geworden ist. Sondern Özlem Ünsal. Die Frau verfügt offensichtlich über den unbezahlbaren Vorteil, dass sie nicht aus Bremen stammt, also über einen ungetrübten Blick von außen verfügt. Sie hat dafür gesorgt, dass in Bremen nicht länger von unbezahlbaren Fahrradbrücken geträumt wurde, sondern alle Kräfte für die Sanierung der drei maroden innerstädtischen Brücken eingesetzt werden.

Auch hat Ünsal sich für die Absenkung der Baukosten ins Zeug gelegt; mit dem „Bremer Weg“. 

Und jetzt, beim Thema Erbbaurecht im Neuen Hulsberg-Viertel, hat sie – anders als die Parlamentarier „ihrer“ Koalition – den Blick auf die Finanzen nicht verloren. Erfrischend, wie Ünsal in der Debatte der Stadtbürgerschaft klare Kante zeigte. 

Sie erinnerte: Der Erlös sei nach Abzug der Kosten für die GeNo vorgesehen. Daher stelle „eine Ausweitung des Erbbaurechts auf sämtliche, noch nicht vermarktete Grundstücke im Neuen Hulsberg-Viertel, „angesichts der beschriebenen Erlösbindung eine erhebliche finanzielle Herausforderung“ dar – für die im Haushalt keine Mittel bereitständen.

Ünsal fasste zusammen: „Der Gesellschaftszweck der GEG (Grundstücksentwicklungsgesellschaft), also die Erlösmaximierung zur anteiligen Finanzierung des Klinikbetriebs von Gesundheit Nord, bleibt handlungsleitend.“ 

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller