Weglassen, schludern, werben – ist das Qualitätsjournalismus?
Was will der Weser-Kurier, selbsternannter Vertreter des „Qualitätsjournalismus“? Kämpft der Verlag echt gegen den drohenden Bedeutungsverlust – oder hat er sich schon aufgegeben? Unter gelernten Journalisten gilt inzwischen die Gleichung: „Schlag den WK auf, und du hast Blutdruck.“ Na ja, manchmal. Unterbrochen von einigen Highlights wie interessanten Interviews und einigen Leitartikeln, macht sich wiederholt Öde breit. Als alter Print-Journalist droht jetzt mir fast eine Handlähmung, aber: Radio Bremen bietet inzwischen häufiger interessanteren Lokalstoff. An sieben Tagen in der Woche. Und das für monatlich 18,36 Euro (Zwangsgebühr).
WK-Leser m/w müssen mittlerweile hart im Nehmen sein. Da wird eine Geschichte über den Neustädter Hafen mit einem Foto der Industriehäfen illustriert. By the way: Trotz (endlich erfolgter) „Korrektur“ in der Printausgabe findet man im e-Paper-Archiv weiter das völlig unpassende Foto.
Ist das Qualitätsjournalismus?
Das wirft eine Grundsatzfrage auf: Wer redigiert die einzelnen Artikel, überarbeitet sie also, bevor sie online gestellt oder gedruckt werden? Man hat den Eindruck, dass dies sehr nachlässig oder gar nicht mehr geschieht.
Ein Beispiel: In der Montagsausgabe schreibt ein Redaktionsmitglied über das Thema Weihnachtsmärkte. In ersten Absatz finden sich gleich dreimal verwandte Ausdrücke „startet“, „Start“, „startend“. Fällt das niemand auf? Oder ist das der Redaktion einfach nur schnuppe? Früher (ja, ich weiß, alter weißer Mann) wurde der WK im Schulunterricht (auch) beispielhaft für Formulierungskunst gelesen.
Ist das Qualitätsjournalismus?
Ebenfalls in der Montagsausgabe: Drei Kauffrauen äußern ihren Unmut über die Schnäppchen-Angebote der „Black Week“, rufen eine „Bunte Woche“ aus und verweisen auf ihre Aktivitäten in den „Sozialen Medien“ inklusive einem Filmchen im Internet.
Keinerlei Hinweis auf die genutzten Portale oder gar, wo man das Video finden kann.
Eine Nachfrage in der Redaktion förderte ein verblüffendes, ja umwerfendes Ergebnis zutage: Der Online-Artikel (nicht zu verwechseln mit dem e-Paper) enthalte einen Link zum Video auf Instagramm.
Da fühlt sich der Leser der gedruckten oder e-Paper-Ausgabe doch so richtig gewertschätzt.
Ist das Qualitätsjournalismus?
Beispiele für Schludereien: Restaurant-Tests (Wochenend-Ausgabe) enthalten seit Wochen keine Preise mehr. Eine Frechheit für jene Leserinnen und Leser, die zwar gerne mal ausgehen, aber dennoch mit ihrem Geld haushalten müssen.
Liebe Gastro-Tester, wissen Sie, für wen Sie beim WK schreiben? Es sind bei Gott nicht ausschließlich die Schönen und Reichen.
Ist das Qualitätsjournalismus?
Noch so’n Ding: Befragt die Redaktion Menschen auf der Straße zu einem Thema, heißt es nicht selten: Das meinen „die Bremer“. Leute, ihr fragt drei, vielleicht auch mal fünf Menschen – das sind nicht die, also alle Bremer. (Bin ich jetzt zu kleinlich? Nee, finde ich nicht.)
Ist das Qualitätsjournalismus?
Und dann ist da auch noch die Chefredakteurin Silke Hellwig, die fast immer das Alter ihrer Interviewpartner weglässt. Selbst, wenn die sich über den Umgang mit Hochbetagten äußern.
Ist das – Sie wissen schon – …?
Alt-Verleger Herbert C. Ordemann müsste sich eigentlich in seinem Grab aktuell im Zustand der Dauer-Rotation befinden. Nahezu wöchentlich (so auch in der aktuellen Dienstagsausgabe) kommen neue Restaurantbetreiber in großen Artikeln zu Wort – früher wurden diese Unternehmer an die Anzeigenabteilung verwiesen. Noch schlimmer: Gastronomen können sich über ihr Scheitern (im Schnoor) öffentlich ausweinen und damit rausreden, dass sie nicht gleichzeitig genug Zeit für Restaurant und Familie gehabt und die Gäste die neuen Gerichte nicht akzeptiert hätten. Kritische Nachfragen: Fehlanzeige.
Ist das…?
Nochmal zur Trennung von redaktionellem Text und Werbung: Schauen Sie mal wochenends auf die neuen Fahrradseiten. Da taucht vor Artikeln schon mal das Kürzel „pd-f“ auf. Ich kenne dies als Abkürzung für den „Pressedienst Fahrrad“. Früher nannte man das schlicht Public-Relations-Texte einer Pressestelle.
Ist das wirklich „Qualitätsjournalismus“?
Die Zukunft lässt leider wenig Gutes erahnen. Ältere, weil höher bezahlte, Mitarbeiter will der Verlag – wie ich höre – mit verlockenden Angebote für Ü-60 loswerden. Blöd nur, dass wichtige Schreiber wie Jürgen Theiner, Joerg-Helge Wagner, Ralf Michel und Jürgen Hinrichs allesamt Ü-60 sind.
Und die Mitglieder der online-Redaktion will man – wie ich ebenfalls im „Flurfunk“ hörte – „ausgliedern“. Ganz bestimmt mit dem hehren Ziel, gute Kräfte mit gutem Lohn anzulocken…
Liebe Leserschaft, haben Sie sich, bzw. ihre Verärgerung, im heutigen Blog wiedergefunden? Oder lieben Sie „Ihr“ Blatt weiterhin? Ich lade Sie ein, Ihre Meinung als Kommentar kundzutun.
Die Vielzahl und Vielfalt der Kommentare zum vorigen Blog über den Radio-Bremen-Jugendfunk „NEXT“ war beeindruckend.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
Moin Axel Schuller, Fragen über Fragen. Allerdings gibt es auch für die hartnäckig Print gewohnten Boomer wie Sie und mich Antworten aus der Chefredaktion. Zum Beispiel in diesem aufschlussreichen und interessanten Interview mit Benjamin Piel, der als Chefredakteur des Weser-Kurier in Bremen wirklich Einiges zu sagen hat. Von »Qualitätsjournalismus« ist in diesem Interview allerdings leider wenig bis nichts zu lesen, dafür aber Einiges, was man nicht mehr will und wohin die digitale Reise gehen soll, um wirtschaftlich zu überleben (oder alternativ: sich endgültig abzuschaffen). Es wird viel und damit alles gesagt zum Themen wie: »Die Kosten für das Printprodukt werden uns erdrosseln« oder »Müssen Volontäre einen Studienabschluss haben?« und zu schwierigen SACHEN wie »Es gibt eben eine Printkundschaft, die hartnäckig an diesem Produkt hängt.« (Verdammt! Verdammt! Wir sind gemeint…). Es gibt eine banale und zugleich sehr, sehr schlaue Aussagen wie »Das Geschäftsmodell kippt ja nicht erst bei einer Printauflage von null Ausgaben. « Auch der eigene Anspruch als regionales Medium mit STARKEM LOKALTEIL wird definiert mit »Wir müssen uns stärker aufs Regionale und Lokale fokussieren und davon wegkommen, dass Lokalzeitungen sich nebenbei als eine Art Zeit oder Süddeutsche sehen. «. Zu neuen, technisierten Arbeitsweisen wird aufgeklärt: »Die KI soll keine totale Seitenautomation vornehmen, aber zumindest einen großen Teil der Inhalte selbstständig zusammenfügen, damit wir den Aufwand dafür reduzieren können.« Und wie wird die POSITIVE Zukunft? »Meine Überzeugung ist: Einfach wird es nicht, aber wir Journalistinnen und Journalisten werden immer wieder Lösungen finden.« Na, dann, Optimismus kann ja nicht schaden. Insgesamt ist das Interview sehr ehrlich und lesenswert, weil wichtig im Meinungsaustausch ist ja immer »Okay, wir sind nicht einer Meinung, aber wir haben uns gegenseitig etwas besser verstanden.« Alles ist im Fluss und den Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit messen wir dennoch weiterhin täglich an den REALITÄTEN der aktuellen Ausgabe. See you! https://www.journalist.de/meinung/meinungen-detail/die-kosten-fuer-das-printprodukt-werden-uns-erdrosseln/
Heute habe ich auch wieder Blutdruck. Die Jubelartikel über just eröffnete Restaurants sind allenfalls kostenlose Werbung. Wie wenig ernst Gastronomie beim WK genommen wird, zeigt die angebliche Restaurantkritik über das Café Engel vom Freitag. Nicht ein einziges Gericht wird beschrieben, geschweige denn, bewertet. Die Krönung der Berichterstattung sind die Umfragen zu „Bremens beste“. Unter den fünf Siegern der Restaurant-Umfrage befindet sich nicht ein einziges Lokal, das Gourmets ernst nehmen. Beim WK hält man anscheinend Gyros, Burger und Rollos für die Krönung kulinarischer Genüsse. Und wundert sich bis in die Verlagsspitze, dass Bremen auf der Landkarte der Spitzengastronomie nicht auftaucht.
Moin, sehr treffende Beschreibung des Abwärtstrends dieses Blattes, das ich seit 40 Jahren abonniert habe. Warum noch? Ich lese wie Bekannte von mir auch die Todesanzeigen, die Veranstaltungsseite und den Sportteil zum Teil. Und die Wochenendbeilage mit der immer guten Kolumne von Rinke. Auch manch gute Artikel von gut ausgebildeten Journalisten wie Theiner und Wagner. Ansonsten nähert sich das Blatt wie in den vorigen Kommentaren dem Boulvardejournalismus an. Und hinzu kommt, wenn Stellungnahmen grosser Organisationen, die in dieser Stadt zigtausend steuerzahlende Bürger vertreten (wie zum Beispiel die Schura), erscheint dort keine Zeile trotz politisch differenzierter, brisanter Aussage. Und wenn eine grosse Organisation wie die Palästinensische Gemeinde Bremen und Umland e.V. über 100 friedliche Demonstrationen in Bremen mit manchmal bis zu 2000 Teilnehmern als Bremer Modell bundesweit registriert, oder Großveranstaltung wie ein Die-In mit 2000 Teilnehmenden oder öffentlichen Ramadan-Essen mit Bürgern auf dem Marktplatz – kein Wort
Wahrscheinlich ist der WK-Chefredaktion nicht bekannt, dass es sich um ca. 1500 steuerzahlende wahlberechtigte Mitbürger und ihre Unterstützer handelt. Und dass in der Bevölkerung die Politik der Waffenlieferungen unserer Regierung laut Umfragen ebenso abgelehnt wird wie die israelische rass. genozidale Politik mit über 100.000 Ermordeten und die völlige Zerstörung der Lebensgrundlagen einer Bevölkerung. Lieber wird über jedes Grüppchen und neue Kneipen berichtet. All das wäre unter früheren Chefredakteuren wie Weise oder Moritz Döbler nicht vorstellbar gewesen.
an Detlef Griesche
Wieder einmal stellen Sie Israel an den Pranger. Kein Wort darüber, dass die palästinensischen Terroristen bei ihrem feigen Überfall am 7. Oktober bestialische Verbrechen begangen und Hunderte Menschen entführt haben. Und da soll sich ein Land nicht wehren? Bis heute hat die Hamas nicht alle Leichen an Israel übergeben und bereitet bei jeder Gelegenheit neue Angriffe vor. Solange die Palästinenser die Hamas, die sie ins Unglück gestürzt hat, unterstützen, werden sie keinen Frieden finden. Auch wenn sie sich noch so friedlich gerieren.
Ich finde ja grundsätzlich, dass es den Eigentümern vom privaten WK freistehen muss, schreiben zu lassen, was sie wollen – in welcher Qualität auch immer. Es geht da ja weniger ums Geldverdienen, sondern um Meinungshoheit, aber vielleicht haben die das vergessen. Wer weiß das schon?
Ich empfinde es ähnlich wie Detlef Griesche auch als Mangel, über was die alles nicht schreiben. Darum kaufe ich das Produkt einfach nicht und ignoriere es weitgehend.
Anders sieht es beim ÖRR aus.
Radio Bremen ist öffentliches Eigentum, wir müssen diese ÖRR-Steuer bezahlen. Dadurch erwächst für uns ein Anspruch auf Einfluss, zum Beispiel durch freie Wahl der Rundfunkräte. Denn das vorliegende mittelalterliche Pfründesystem spottet jeder demokratischen Gesinnung. Außerdem sollten wir einen Anspruch auf Rechtstreue erheben.
Ich habe das in der letzten Printausgabe des Laufpass-Magazins im Dezember 2022 mal ausformuliert. Da der Laufpass im Moment offline ist, hier die Podcast-Version:
https://www.youtube.com/watch?v=j-HCGvHVL_8
Lieber Herr Holtgrefe,
als ehemaliger Journalist des WK sollten Sie eigentlich auch faktenbasiert und differenziert schreiben. Erst denken und dann schreiben! Man kann nicht erwarten, dass Sie sich umfassend und primär mit dem Nahost-Konflikt befassen, aber das, was selbst inzwischen ARD und ZDF mit Sophie von der Tann und Sievers, oder die Magazine Panorama und Monitor u.a. an präziser verantwortlicher Berichterstattung und Kommentierung zur besten Sendezeiten bringen und nach Umfragen ein immer größerer Teil der deutschen Bevölkerung urteilt, sollte auch Ihnen nicht verborgen geblieben sein. Und Gerichtsurteile der IGH und des IStGH scheinen für Sie auch eher auf der Linie Trumpscher Urteilsfähigkeit zu liegen. Schade, ich hatte Sie früher immer alas seriösen Journalisten des früheren WK wahrgenommen. Und: Ich habe mich, wie auch die Organisationen DPG und PG, in Bremen schon auf der ersten Demo 2023 klar und deutlich gegen jeden Antisemitismus, gegen Gewalt und den Terror von Hamas – einer von Netanyahu gegen die Fatah und die PA in Ramallah sogar laut Programm des Likud unterstützten und geförderten Organisation – ausgesprochen! Nachzulesen und -hören im WK und auf B+B 1 Tag nach der ersten Demo gegen den Gaza“krieg“. Aber vielleicht haben Sie da ja auch Ihren ehemaligen Arbeitgeber WK nicht mehr gelesen und nur Weinkolumnen geschrieben. Die ich gern gelesen habe! Übrigens: Weltweit wendet sich das liberale Judentum, vor allem in den USA von der rassistischen Regierungspolitik ab, immer mehr international renommierte jüdische Wissenschaftler, Künstler und Historiker kritisieren Israel, nicht die Juden. Auch in Deutschand vertreten die offiziellen jüdischen Organe wie der ZdJ nicht mal 50% des Judentums und beschimpfen die übrigen, sofern sie Kritik üben, ebenfalls als Antisemiten oder selbsthassende Juden wie auch meine Freunde der „Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in NO“ u.a.. Und in der ZEIT konnte man unlängst lesen, wie immer häufiger in der Welt als Paria-Staat qualifiziert wird und dem Judentum schadet. Wie schrieb einst Wittgenstein: „Wovon ich nichts weiß, davon soll ich schweigen“. Besser noch: Sich kritisch informieren!
Liebe Kommentatoren, ich hatte eigentlich beim Lesen des Blogs gedacht, dass es Herrn Schuller um die Qualität der Berichterstattung im WK geht und nicht um die Abarbeitung der Probleme des Nah Ost Konfliktes!
In einem Blog vom 18.11.25 steht im Kommentar von Herrn Büchse, dass der WK von 60% Zielgruppen-Erreichbarkeit in 2009 auf 16% in 2025 abgerutscht ist. Bei der nachlassenden Berichtsqualität ja auch kein Wunder? Das ist es, was mich umtreibt! Nur noch 16%!
Heute morgen in der Debatte um den PAU Staatsratsaffäre wurde der WK wieder andauernd zitiert! Und das bei nur 16%.
@Josef Teupe: 16% Reichweite ist – sorry – das ist blanker Unfug. Die Zahl bewegt sich nach meiner Erinnerung eher um 60 Prozent. Bei Reichweite kommt es nicht nur auf die Auflage, sondern vor allem auf die Leserzahl an. Also, Menschen, welche die Zeitung anschauen. Deshalb kann man auch nicht die Zahl von verkauften Zeitungen mit der Zahl von gedruckten Anzeigenblättern vergleichen. Der Weser-Kurier wäre gut beraten, auf „falsche“ Zahlen über seine Verbreitung zu reagieren – auch wenn die in Kommentaren zum Blog bremensogesehen genannt werden. „Ignorieren“ kann rasch zur Verselbständigung von Dingen führen, die nicht zutreffen.
Nein, Herr Schuller, das ist kein blanker Unsinn. Meine durchaus wenig gutmütige Behauptung basiert auf der MA-Studie 2024 Pressemedien und den IVW-Daten Q3 2025 (nicht Q2).
Die sprechen über angeblichen Print-/ePaper-Reichweite von „ca. 262.000 täglichen Lesern“ (90.475 Exemplare × 2,9 Leser pro Exemplar = 25–30 %):
Der Multiplikationsfaktor von 2,9 ist in fragwürdig. Die durchschnittliche Haushaltsgröße in Bremen liegt bei 1,9 Personen, der Median-Haushalt besteht aus genau einer Person. Auf welcher Grundlage kommen also diese 2,9 Leser pro Exemplar zustande? Lesezirkel, Arbeitsplätze, Wartezimmer oder einfach ein veralteter Faktor aus Zeiten größerer Haushalte?
Zur digitalen Reichweite:
112.430 tägliche Unique User auf weser-kurier.de (Piano Analytics, Q3 2024) klingen beeindruckend – es gibt jedoch eine sehr starke Überschneidung mit den Print- und ePaper-Nutzern. Reine digitale WK+-Abonnenten (also tatsächlich zahlende „only digital“-Kunden) liegen derzeit bei nur etwa 22.000.
Journalismus mutiert zur Journaille:
Jeder, der das ABC fehlerfrei hersagen kann, darf sich so nennen.
„Journalist“ setze ich grundsätzlich in „Anführungszeichen“. Keine geschützte Berufsbezeichnung – kein überprüfbarer Leistungsnachweis erforderlich. Die ganz schwierigen Fälle können sich auch „Relotius-Spezialisten“ nennen. Erschreckende Studie: Jeder dritte Journalist ist unqualifiziert.
In Deutschland herrscht erheblicher Journalistenmangel. Wie immer mehr Medienanstalten berichteten, gebe es kaum noch wirklich qualifizierte Journalisten. Vor allem seriöse Blätter wie STERN, SPIEGEL oder DIE WELT beschweren sich über den Mangel an guten Redakteuren.
Eine Studie hat herausgefunden, dass mittlerweile sogar jeder dritte Journalist unqualifiziert ist.
Dieser hier ist mir besonders gut in der Erinnerung.
Claas-Hendrik Relotius (geb. 15. November 1985 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist, der für seine Reportagen vielfach ausgezeichnet wurde. Am 19. Dezember 2018 machte sein damaliger Arbeitgeber Der Spiegel öffentlich, dass viele der von Relotius im Magazin veröffentlichten Reportagen ganz oder teilweise erfunden waren.
Daraufhin stellte sich heraus, dass er auch in anderen Medien Artikel veröffentlicht hatte, die Erfindungen enthielten.
Deshalb tummeln sich auch so viele Zeitgenossen in diesem „Berufsfeld“ zu dessen Ausübung keinerlei Qualifikation nachgewiesen werden muss.
NB: Für den Rundfunkbeitrag (ich wiederhole jetzt nicht den Kampfbegriff, den kann ich nicht mehr hören) bekommt man nicht nur Radio Bremen, sondern ARD, ZDF, Deutschlandfunk, Arte zu sehen, hören und lesen. Gute Investition!
Danke Herr Büchse, dass Sie mich unterstützen. Axel Schuller ist ein hervorragender Printredakteur, den ich schon lange kenne und auch bewundere!
Er legt durch seine Recherchen Dinge offen, die sonst nicht allgemein zugänglich wären. Dafür gebührt ihm Anerkennung und Dank!
Aber er ist nicht der „Primus inter Pares“ und der Weisheit letzter Schluss…. Irren ist menschlich – gilt übrigens auch für mich.
@Torsten Büchse, @ Josef Teupe: Ich bin kein Besserwisser und will es auch nicht sein! Aber: Die Media-Analyse (MA) der Bremer Tageszeitungen AG weist für den Bremer Anzeigenblock (WK plus Rotenburger Kreiszeitung) eine Reichweite von sagenhaften 364.000 Lesern aus – bezogen auf: „Bremer Anzeigenblock deutschlandweit,Leser pro Ausgabe, Basis: Deutsch sprachige Bevölkerung ab 14 Jahren“. So ist jedenfalls die offizielle Lesart des Verlages, veröffentlicht am 31.7.2024.
@Axel Schuller, sehen Sie: Ich bin nicht mit den Zahlen verheiratet. Mir geht es vielmehr darum, ein grundsätzliches Prinzip offenzulegen.
Es gibt Unternehmen – egal ob sie Tütensuppe, Autos, Meinungen oder Werbeflächen verkaufen wollen –, die erzählen einem viel, wenn der Tag lang ist und das Produkt sich schlechter verkauft als erhofft wird das schlimmer.
Meine Lebenserfahrung, auch aus der Perspektive der Verkäuferseite, sagt mir: Viele halten ihre Kunden nicht selten für dumm. Genau dadurch erzeugen sie sich aber langfristig selbst ihre Probleme – wollen das jedoch nicht wahrhaben und suchen die Schuld lieber im Außen.
Deshalb muss ich mich schützen, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Aus diesem Grund nehme ich mir das Recht heraus, die Datenlage bewusst zu Ungunsten der Verkäufer zu interpretieren.
Sie haben oben bemängelt, dass es früher einmal eine klare „Trennung von redaktionellem Text und Werbung“ gab. Ein unaufmerksamer Leser des Weser-Kuriers merkt das heute womöglich nicht mehr. Ja, das ist böse – und genau darin liegt ja der unlautere Vorteil, den ich als Verkäufer erhalte: Zugang zum Hirn des Kunden, den ich mit reinen Werbebannern längst nicht mehr erreiche, weil der Konsument darauf trainiert ist, sie auszublenden.
Ich erinnere mich an eine ältere Untersuchung, wonach beim Focus rund 80 % der Inhalte PR-getrieben waren. Wie sieht das beim Weser-Kurier aus?
Wo liegt in diesem ganzen Kontext noch das Zentrum der Wahrheit? Irgendwo im Nebel, oder?
Ich môchte jetzt doch mal eine Lanze für den WK brechen. Ein Radio Bremen Redakteur zitierte mal eine Studie, wonach in Städten und Gemeinden, wo es keine lokale Berichterstattung gibt, der Anteil an Kriminalität, Korruption und sonstigen Missständen erheblich steigt. Für mich ist das unmittelbar plausibel. Ich denke, dass der WK sehr häufig sehr kritisch über lokale Politiker berichtet, zuletzt über die Staatsräte-Affäre z. B. Ich störe mich auch nicht daran, wenn neue Lokale vorgestellt werden. Mich interessiert diese Info als Bewohnerin Bremens durchaus. Gut, mich hat auch gestört, dass es bezogen auf Gerichte und Preise allgemein blieb. Dafür war gerade erst eine detaillierte Übersicht über die Preise beim Weihnachtsmarkt drin (dazu gibt es bei jedem Freimarkt sehr genaue Berichte). Auch die anderen Kritikpunkte fallen für mich im Verhältnis zu immer wieder verdienstvollen und wertvollen Recherchen kaum ins Gewicht. Hier muss unter hohem Zeitdruck jeden Tag ein anspruchsvolles Produkt erstellt werden – da passieren unvermeidlich Fehler. Im Zeitalter von Fake News haben eigenständige lokale Recherchen eine kaum zu überschätzende Bedeutung für ein demokratisches Gemeinwesen. Mir fällt auf, dass gerade demokratiefeindliche Kräfte versuchen, die Glaubwürdigkeit etablierter Medien mit dem Stichwort Lügenpresse zu untergraben, um hier die Kontrollfunktion der Medien als vierter Gewalt auszuhöhlen. Natürlich würde ich mir mehr Vielfalt der lokalen Medienlandschaft wünschen – sehr schade, dass auch die taz ihren Bremen-Teil vor längerem eingestellt hat. Und umso verdienstvoller, dass Herr Schuller mit seinem Blog da oft einen Kontrapunkt zur WK-Berichterstattung darstellt. Wenn aber immer weniger Menschen Tageszeitungen lesen, weil die Glaubwürdigkeit angezweifelt wird, führt dies zu weiterer Konzentration in der Medienlandschaft und weniger Vielfalt – ein Teufelskreis. Fazit: Wir sollten froh sein, dass wir den WK haben und ihm einen wirtschaftlichen Erfolg wünschen – ein Bremen ohne fundierten Lokaljournalismus mag ich mir gar nicht vorstellen.