Bremer Prof.: Grüner Wasserstoff für Stahl-Produktion zu teuer und nicht verfügbar
Liebe Leserschaft, bremensogesehen hat ein Gespräch mit einem der bekanntesten Bremer Wissenschaftler, Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen, zum Thema Wasserstoff, speziell im Hinblick auf die Stahlbranche, geführt und gebeten, seine Gedanken zu H2 darzustellen. Ich ziehe Peitgens Fazit vor: „Die verbreitete Vorstellung eines bald kostengünstigen Wasserstoffzeitalters ist – nach heutigem Stand der Technik – nicht haltbar.“ Zur Entscheidung von ArcelorMittal gegen Wasserstoff sagt er: „Das ist wirtschaftlich rational.“
Liebe Leserinnen und Leser, Politiker, insbesondere Bürgermeister. Dr. Andreas Bovenschulte (SPD), IG Metall und Wissenschaftler wie der Bremer Ökonom Prof. Dr. Rudolf Hickel, singen immer wieder das hohe Lied der Transformation. Also der Umwandlung der herkömmlichen Stahlerzeugung mittels Koks auf Wasserstoff. Die Ampel-Regierung und deren Wirtschaftsminister Robert Habeck hatten der Industrie Zuschüsse in Milliarden-Höhe zugesagt. Das Ziel: Heftige Reduktion des CO2-Ausstoßes. Allein das Stahlwerk an der Weser „produziert“ die Hälfte der gesamten Bremer CO2-Emission.
Ich biete Ihnen heute „schwere Kost“. Aber: Sie werden Fakten erfahren, über die sonst nur in der Fachwelt gesprochen wird. In Politiker-Kreisen oder gar in Medien finden Sie dazu wenig bis nichts. Sollte Ihnen das heutige Stück zu lang erscheinen – bleiben Sie trotzdem dran. Ich verspreche Ihnen: Es lohnt sich.
HIER DER TEXT von Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen für bremensogesehen:
Die Hoffnung von Politik und Industrie – insbesondere der Stahlbranche – ruht weiterhin auf dem Energieträger Wasserstoff.
Gleichzeitig meldet der Bundesrechnungshof, vertreten durch Präsident Kay Scheller, erhebliche Zweifel am Gelingen der deutschen Wasserstoffstrategie an. Seine Behörde gilt seit Jahrzehnten als nüchterner, unabhängiger Prüfer der Wirtschaftlichkeit staatlicher Großprojekte. Was könnten die Gründe für diese Bewertung sein?
Ein global führender Industriekonzern wie Air Products, hat seinen CEO Seifi Ghasemi abgesetzt, weil der zu engagiert auf grünen Wasserstoff gesetzt hatte. Ein Signal, das weltweit zu wachsender Zurückhaltung führen dürfte.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Erfolgschancen der deutschen Wasserstoffstrategie einzuschätzen sind.
Vorbemerkung: Volllaststunden und Kapazitätsfaktor
Wer über Wasserstoff spricht, muss die Funktionslogik der Stromerzeugung verstehen.
Eine Solar(PV)-Anlage mit 100 Kilowatt-Peak (kWp) (max. Leistung) liefert nur bei optimaler Sonneneinstrahlung 100 kW. Über den Tag und die Jahreszeiten verteilt schwankt die Leistung stark; nachts sinkt sie auf Null.
In Deutschland erreicht Photovoltaik im Jahresmittel deshalb lediglich einen Kapazitätsfaktor von rund 8 %.
Theoretische 876.000 Kilowattstunden (kWh) Jahresproduktion schrumpfen so auf rund 70.000 kWh.
Windkraft liefert stabilere Werte, aber auch hier gilt:
- Onshore: ca. 20,5 % Kapazitätsfaktor
- Offshore: ca. 33,1 %
Diese Zahlen bestimmen, wie viel Strom in der Realität überhaupt für Elektrolyse zur Verfügung steht.
Elektrolyseure für Wasserstoff
Ein Elektrolyseur funktioniert nach dem gleichen Prinzip: entscheidend sind Volllaststunden.
Ein 1-Megawatt(MW)-System produziert unter optimaler Versorgung etwa 18 kg Wasserstoff pro Stunde, rund 157 Tonnen pro Jahr – aber nur bei 8.760 Betriebsstunden.
Bei realistischen 3.000 Volllaststunden sinkt die Produktion auf 54 Tonnen.
Diese simple Rechnung zeigt: Wasserstoffproduktion hängt nicht nur von installierter Leistung ab, sondern vor allem von Auslastung.
In Nordafrika – mit über 20 % Kapazitätsfaktor für PV-Anlagen – sieht die Bilanz deutlich besser aus als in Deutschland. Aber auch dort kann man Wasserstoff nicht ökonomisch nur mit PV-Anlagen herstellen, weil die Volllaststunden der Elektrolyseure selbst bei Überdimensionierung der PV-Anlagen zu gering wären.
Preise von Wasserstoff I: Strom entscheidet alles
Die Kosten von Wasserstoff hängen direkt vom Preis der erneuerbaren Stromerzeugung ab.
In Deutschland gibt es zwei Optionen:
- Inselbetrieb (ohne Netzanschluss)
– keine Netzentgelte
– aber hohe Abregelungsverluste bei Leistungsspitzen
– geringere Auslastung → höherer H₂-(Wasserstoff)-Preis - Netzgekoppelt
– Abgabeüberschuss theoretisch möglich
– praktisch aber kaum Erlöse bei ohnehin voller Netzauslastung
– häufig sogar negative Preise für den überschüssigen Strom
Batteriespeicher könnten Schwankungen glätten, sind jedoch teuer und treiben die Kosten pro Kilogramm Wasserstoff erheblich nach oben.
Damit wird die Optimierung von Solar, Wind, Elektrolyseur und Speicher zu einem komplexen Systemproblem – in Deutschland mit deutlich schlechteren Ausgangsbedingungen als etwa in Nordafrika.
Transportabler Wasserstoff
Wasserstoff hat eine hohe gravimetrische Energiedichte, aber eine extrem schlechte volumetrische.
1 kg Wasserstoff benötigt 11 m³, Erdgas nur 1,4 m³.
Für den Schiffsverkehr wird Erdgas verflüssigt (LNG) – bei –162 °C und einer Volumenreduktion auf 1/600.
Wasserstoff jedoch muss auf –253 °C gekühlt werden. Das reduziert das Volumen nur auf 1/800 und macht Transport und Lagerung technisch wie ökonomisch höchst anspruchsvoll.
Es existiert weltweit lediglich ein experimenteller LH₂-Tanker.
Ein flächendeckender Transport ist auf absehbare Zeit unrealistisch.
Transportkonzept Ammoniak
Die praktisch gangbare Lösung ist Ammoniak (NH₃) als “Verpackung” von Wasserstoff zu benutzen.
Es lässt sich vergleichsweise einfach verflüssigen und mit vorhandener Infrastruktur transportieren – trotz seiner hohen Toxizität.
Der Wasserstoff wird per Haber-Bosch-Verfahren zu Ammoniak gebunden und am Zielort wieder „gecrackt“.
Doch beide Schritte sind Energie-intensiv:
- Für 1 Tonne Ammoniak: 1–1,5 Megawattstunden (MWh)
- Für die Rückgewinnung von 1 Tonne H₂: ca. 5 MWh
Zudem enthält Ammoniak nur 17,6 % Wasserstoff.
Um 1 Tonne Wasserstoff zu importieren, müssen allerdings 5,66 Tonnen Ammoniak transportiert werden.
Die Rückgewinnung ist verlustreich und teuer.
Der Transport von Wasserstoff per Pipeline wäre zwar günstiger, wirft jedoch erhebliche Sicherheitsrisiken auf, die aus heutiger geopolitischer Sicht kaum lösbar erscheinen.
Ammoniak als globaler Schlüsselstoff
Ammoniak ist eine der bedeutendsten Chemikalien überhaupt: Über 80 % dienen der Düngemittel-Produktion und damit der Ernährung der Weltbevölkerung.
Allein für die Herstellung werden heute weltweit 31–35 Mio. Tonnen Wasserstoff benötigt – 2050 vielleicht 88 Mio. Tonnen.
Die Umstellung dieses Sektors von grauem (fossil erzeugten) auf grünen (mit erneuerbarer Energie hergestellten) Wasserstoff wäre bereits eine Mammutaufgabe – und steht in direkter Konkurrenz zu Wasserstoffimporten für Industrieanwendungen wie Stahl.
CO₂-Preis in Europa
Der EU-Emissionshandel (ETS) setzt derzeit 65–75 € pro Tonne CO₂ an – Tendenz steigend.
Damit verteuert sich grauer Wasserstoff jährlich weiter.
Schon heute entstehen 0,50–1,20 € CO₂-Kosten pro Kilogramm H₂.
Preis für Wasserstoff II: die ernüchternde Realität
Grauer Wasserstoff kostet derzeit 1,50–2,50 €/kg.
Grüner Wasserstoff kostet 5–8 €/kg.
Doch ein Detail zeigt das Grundproblem:
Wenn 1 kWh um 1 Cent teurer → 1 kg H₂ um 55 Cent teurer.
Der politisch angestrebte Industriestrompreis von 6 Cent/kWh führt allein bei der Elektrolyse zu 3,30 €/kg Stromkosten.
Damit wird klar: Grüner Wasserstoff kann in Deutschland nicht billig werden.
„H2Global“ – der Brückenmechanismus
„H2Global“ (ein Projekt des Bundeswirtschaftsministeriums) soll diese Lücke überbrücken:
- Der Staat kauft grünen Wasserstoff (bzw. Ammoniak/Methanol) im Ausland teuer ein.
- Er versteigert ihn in Deutschland günstiger.
- Die Differenz trägt die öffentliche Hand.
Finanziert wird dies aus dem Klima- und Transformationsfonds, gespeist durch ETS-Einnahmen und die nationale CO₂-Abgabe.
Doch: Wenn grüner Wasserstoff dauerhaft teuer bleibt, wird „H2Global“ zu einem Dauersubventionsmodell, das immer größere Summen verschlingt.
Es kann den Übergang erleichtern, aber keine Strukturprobleme lösen.
Das Projekt NEOM
Das saudische NEOM-Projekt gilt als Blaupause für eine globale Wasserstoffwirtschaft:
- 2,2 GW Elektrolyseleistung in der AEL-Technologie
- 3,8 GW erzeugter Hybridstrom aus Solar und Wind mit Batterien für Kurzzeitspeicherung
- extrem niedrige Stromgestehungskosten 1 – 2 Cent pro KWh
- Meerwasserentsalzung, Stickstoffgewinnung und Ammoniaksynthese, Exportterminal – alles integriert
- 30-jähriger Abnahmevertrag mit Air Products
Die Bedingungen sind dort optimal – und grundlegend anders als in Deutschland: Tagsüber liefert die Sonne enorme Energiemengen, und nachts sorgt ein kräftiger thermischer Wind für stabile Leistung. Doch selbst unter diesen Idealbedingungen liegen die zu erwartenden Gestehungskosten nach Export und Rückverwandlung des Ammoniaks in Deutschland deutlich über 5 Euro pro Kilogramm.
Wenn es selbst dort nicht günstiger geht, wird es nirgends günstiger.
Wasserstoffbedarf in Deutschland und Europa
Deutschland benötigt heute 1,5 Mio. Tonnen H₂.
2030 könnten es 2,5–3 Mio. Tonnen sein.
Europa benötigt heute 9 Mio. Tonnen, 2030 etwa 16,5 Mio. Tonnen.
Allein für 1,5 Mio. Tonnen Wasserstoff bräuchte Deutschland 82 Terawattstunden (TWh) Strom – dies wären über 15 % des gesamten heutigen Stromverbrauchs.
Darum plant die Bundesregierung:
30 % Eigenproduktion, 70 % Import.
Vergleich SMR und Elektrolyse
Grauer Wasserstoff wird mit geringem Materialeinsatz erzeugt.
Grüner Wasserstoff hingegen erfordert riesige Mengen von Material mit großem CO₂-Fußabdruck:
- Solarmodule
- Windräder
- Batterien
- Schiffe
- Entsalzungsanlagen
- Ammoniak-Cracker
- Elektrolyseure
Studien zeigen: Der CO₂-Fußabdruck grüner Wasserstofftechnologien bleibt über Jahrzehnte beträchtlich – ein Aspekt, der in politischen Strategien kaum berücksichtigt wird. Eine kürzlich veröffentlichte australische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der CO₂-Fußabdruck von grauem und grünem Wasserstoff derzeit in ähnlicher Größenordnung liegt.
Technologische Hürden
PEM-Elektrolyse – die technologische Achillesferse
PEM-Systeme funktionieren gut mit volatilen Erneuerbaren, benötigen jedoch Iridium – eines der seltensten Metalle der Erde.
- Iridiumbedarf: 300–500 kg pro GW
- Weltjahresförderung: 7–8 t, davon nur 2 t für Elektrolyse nutzbar
- → jährlicher Zubau: 4–6 GW weltweit
Selbst 2030 wären so maximal 30 GW möglich – genug für die europäische Stahlindustrie, aber nicht für den globalen Bedarf.
AEL-Elektrolyse
Robust und ohne Iridium, aber nicht geeignet für häufiges An- und Abschalten. Deshalb ist diese Technologie in Deutschland kaum geeignet, um mit PV- und Windstrom betrieben zu werden – zumindest nicht ohne umfangreiche Batteriesysteme für die Langzeitspeicherung, die aber die Kosten extrem in die Höhe treiben würden.
AEM-Elektrolyse
Vielversprechend, aber noch nicht marktreif.
Herstellung von Wasserstoff in Deutschland
Zwei Extreme:
- Netzstrom (6 Cent/kWh)
→ etwa 6 €/kg H₂ bei andauernder und erheblicher staatlicher Subventionierung - Insellösung aus PV + Wind + Kurzzeit-Speicher
→ ebenfalls rund 6 €/kg H₂
Mit Strom aus dem Netz lassen sich zwar die maximal möglichen Volllaststunden für die Elektrolyseure erreichen, doch selbst bei einem subventionierten Industriestrompreis von 6 Cent/kWh lägen die reinen Stromkosten bereits bei rund 3,30 € pro Kilogramm Wasserstoff. In einer Insellösung hingegen kann man die Volllaststunden nur erhöhen, indem man Langzeitspeicher einsetzt, um saisonale Schwankungen von Sonne und Wind auszugleichen und Dunkelflauten zu überbrücken. Doch Batterien scheiden als Langzeitspeicher aus: Sie müssen über Wochen und Monate hinweg dauerhaft klimatisiert werden, verlieren durch Selbstentladung zusätzlich Energie und würden in den erforderlichen Dimensionen astronomische Kosten verursachen. Deutschland könnte preislich mit Exportregionen konkurrieren müsste dafür aber den Bau von Erneuerbaren massiv ausweiten. Dafür fehlen wahrscheinlich die Flächen.
ArcelorMittal Bremen
ArcelorMittal hat sich – angesichts aller technologischen und ökonomischen Hürden – vorerst gegen eine Umstellung auf Wasserstoff entschieden.
Das ist wirtschaftlich rational und realistisch.
Fazit
Die deutsche Wasserstoffstrategie ist politisch ambitioniert, aber:
- technologisch durch Iridium limitiert,
- ökonomisch kaum tragfähig,
- infrastrukturell nicht vorbereitet.
Im europäischen und globalen Maßstab wird die Herausforderung astronomisch.
Ohne Durchbrüche in der Elektrolysetechnik – insbesondere iridiumfreie Verfahren – bleiben die heutigen Strategien Visionen, keine realistischen Pfade. Das NEOM-Projekt zeigt zudem: Selbst unter Idealbedingungen wird grüner Wasserstoff nicht billig werden. Damit ist klar: Die verbreitete Vorstellung eines bald kostengünstigen Wasserstoffzeitalters ist – nach heutigem Stand der Technik – nicht haltbar.“
ENDE des Textes von Heinz-Otto Peitgen.
Liebe Leserschaft, ich weiß, das war ein vermutlich schwer zu verdauender Brocken. Ich veröffentliche den Text, weil ich fest damit rechne, dass Peitgen so manchem „Träumer“ in Politik, Klimaschützer-Kreisen, Gewerkschaften und auch in der Industrie den Blick erweitern kann.
Am besten teilen Sie den Text im Freundes- und Bekanntenkreis. Bislang findet über die Hürden der Wasserstoff-Technologie so gut wie keine öffentliche Debatte statt. Das können wir alle zusammen ändern. 🙂
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Peitgens beeindruckende Bio können Sie bitte im Netz nachlesen. Der Mathematiker (80) war unter anderem an der Uni Bremen tätig, hat die Bremer Firma MeVis mitgegründet, war Chef der Jacobs-Universität in Bremen-Nord usw. Heute ist er unter anderem Mitglied des Wissenschaftlerkreises 4Pi.
Ich fass das mal in meinen Worten und nach meinem Verständnis nach einmaligem Lesen zusammen:
Grüner Wasserstoff wird immer vom Tropf des Steuerzahlers als „chronisch krank“ abhängig sein und lohnt sich deshalb nicht.
Sowohl ökonomisch als auch ökologisch! Die Transformation von konventioneller Stahlproduktion hin zu der mit Grünem Wasserstoff rechnet sich einfach nicht! Es müssen daher andere Wege zur Klima Rettung beschritten werden! Aber auch da sind die „Visionen von heute die Realität von morgen“.
Danke, Herr Schuller. Ein Fetisch wurde über Jahre aufgebaut und alle machen kräftig mit. Vorneweg die GRÜNEN. Und da keiner am Wege stehen bleiben möchte, rennen alle ahnungslos hinterher.
Herzlichen Dank für diesen interessanten, aufschlussreichen Text!
Dieser Beitrag ist bestens für eine breite Diskussion geeignet. Wenn das alles oder weitestgehend stimmt, was HO Peitgen schreibt ( wovon wir ausgehen dürfen), dann sind wir weit von einer ökonomischen wie ökologischen Phase entfernt, was wir aber als Konsumenten nicht erkennen wegen zu vieler Subventionen auf diversen Ebenen. Zudem gehe ich davon aus, dass das, was Prof. Peitgen schreibt, auch von verantwortlichen Politikern nicht komplett verstanden wird. Es bedarf also Diskussionen auf breitester Basis. Das bleibt aber ein Wunschgedanke. Es muss auch klar herausgestellt werden, welche Zielsetzung erreicht werden soll. Soll es der Wirtschaft helfen und den Konsumenten, werden Politiker immer einen vertretbaren Preis nennen, der am Markt erscheint n a c h vorherigen Subventionen.
Ich werde dazu beitragen, diesen Beitrag breit zu streuen. Die tiefe fachliche Kompetenz fehlt mir aber wie geschätzt 99 % der anderen Leser.
Dank an Herrn Schuller und ganz besonders an Herrn Professor Dr Peitgen! Ich habe mir den Text nochmals sehr genau durchgelesen.
„Wer über Wasserstoff spricht, muss die Funktionslogik der Stromerzeugung verstehen“…. Zitat Ende.
Aber, wer bitte schön soll das in der Bremer Politik sein? Es bedarf dazu bestimmt vorab erstmal eine Aufklärung durch Referenten. Denn ein Abgeordneter ohne naturwissenschaftlichen Hintergrund versteht die Materie nicht so ohne weiteres. Aber er stimmt über die abfliessenden Gelder
in dieses Projekt ab. Also besteht erheblicher Erklärungs- und Aufklärungsbedarf. So fordert es ja auch Herr Schuller.
Was für eine Aufgabe und Mission für alle Leser dieses Blogs. Auf geht’s
Die Analyse von Heinz-Otto Peitgen wirkt im ersten Moment ernüchternd und doch ist sie vor allem eines: hilfreich. Denn sie zwingt uns, die Wasserstoffdebatte auf ein solides Fundament aus Physik und Ökonomie zu stellen. Genau das brauchen wir, wenn wir Industrie, Klima und Arbeitsplätze in Bremen wirklich sichern wollen.
Dass Wasserstoff kein schneller, preiswerter Heilsbringer wird, überrascht uns als CDU nicht. Wir haben den „Champagner der Energien“ immer als das bezeichnet, was er ist: ein kostbarer, begrenzter Energieträger, für den der richtige Einsatz entscheidend ist. Unser Klimaschutzprogramm setzt bewusst auf Technologieoffenheit statt auf einseitige Festlegungen. Schon dort haben wir darauf hingewiesen, dass Wasserstoff zwar ein wichtiges Zukunftselement ist ,aber eben nicht die kurzfristige Wunderlösung, als die er politisch gerne verkauft wird. Gleichzeitig waren wir offen für die Chance, die in einer neuen Technologie steckt. Jede Innovation beginnt klein: Windkraft war einst ein Nischenprojekt, heute ist Offshore ein Rückgrat der europäischen Stromerzeugung. Diese Lernkurve kann Wasserstoff prinzipiell auch nehmen .aber eben realistisch, nicht ideologisch.
Für Bremen bedeutet das: Wir dürfen Wasserstoff nicht abschreiben, aber wir müssen endlich ehrlich priorisieren. Peitgen erinnert uns daran, dass Deutschland strukturelle Standortnachteile hat : hohe Strompreise, wenige Volllaststunden, knappe Materialien. Das ist keine Niederlage, sondern ein Hinweis darauf, welche Alternativen wir parallel verfolgen müssen, wenn wir das Stahlwerk und seine vielen Arbeitsplätze sichern wollen.
Eine dieser Alternativen liegt längst auf dem Tisch: die Direktreduktion auf Erdgasbasis.
DRI mit Erdgas kann den CO₂-Ausstoß der Stahlproduktion sofort und deutlich senken – um bis zu 50 Prozent-.Diese Technologie ist verfügbar, wirtschaftlicher und direkt umsetzbar. Sie bietet einen realistischen Einstieg in die Transformation, ohne den Fehler zu machen, alles an einen einzigen, derzeit überlasteten Energieträger zu hängen. Und sie schafft genau die Brücke, die notwendig ist, bis Wasserstoff tatsächlich in ausreichenden Mengen und zu vertretbaren Kosten bereitsteht.
Wir sollten diese Option offensiv prüfen und politisch unterstützen. Denn Transformation gelingt nicht dadurch, dass man auf den perfekten Zustand wartet, sondern indem man mit pragmatischen, wirksamen Schritten beginnt. Das ist nicht Rückschritt, sondern Fortschritt mit Augenmaß.
In diesem Sinne ist Peitgens Analyse kein Dämpfer für ambitionierte Klimapolitik, sondern eine Einladung, sie endlich realistisch, intelligent und flexibel zu gestalten. Bremen hat alle Voraussetzungen dafür: starke Industrie, erstklassige Forschung und ein politisches Umfeld, das technologieoffene Lösungen zulässt. Wenn wir diese Stärken nutzen, können wir das Stahlwerk und den Industriestandort weiterentwickeln ,nicht gegen die Realität, sondern mit ihr.
https://www.cdu-bremen.de/sites/default/files/2021-11/Klimaschutzprogramm%20CDU%20Bremen.pdf
Ein Super-Beitrag von HO Peitgen, der ganzheitlich und sehr verständlich zeigt, welche Traumtänzer sich in der Politik tummeln.
Heinz-Otto Peitgen weist auf Sachverhalte hin, die man nicht leicht von der Hand weisen kann. Ich empfinde es als sehr hilfreich, Einlassungen von Menschen zu lesen, die des Denkens womöglich mächtiger sind als man selbst, denn das schärft die eigenen Gedanken zum Thema. Sind die Sachverhalte korrekt, die Annahmen nachvollziehbar? Kollidieren sie mit eigenen Glaubenssätzen?
Die Annahmen sind wohlwollend und diplomatisch formuliert. Ein Industriestrompreis von 6 Cent/kWh spiegelt nicht den aktuellen Marktpreis wider – der liegt 2025 bei ca. 17–18 ct/kWh. Der Preis pro Kilogramm Wasserstoff liegt also eher bei 10 Euro. Ob sich unsere Gesellschaft solche Subventionen leisten kann und sollte – also erhebliche Transfers von ehrlichen Steuerzahlern zu globalen Eigentümern von Energiekonzernen? Da habe ich meine Zweifel.
Warum sollte man überhaupt von der konventionellen Stahlerzeugung wegkommen? Weil CO₂ zu einer Klimaerwärmung führt? Also dass die 0,03 % oder 0,05 % Anteil in der Atmosphäre einen Unterschied machen? Angeblich sind sich 96 % der „Klimaforscher“ einig, dass das so ist. Diese Aussage stammt aus der Cook-Studie; ich halte diese für schwerst manipulativ bis hin zu bewusst gelogen. Jeder ist eingeladen, das einmal kritisch zu lesen:
https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/8/2/024024
Auf meinen Reisen in nicht-westliche Länder habe ich festgestellt, dass man dort eher nicht an diese „Atheisten-Religion“ glaubt. Es ist absehbar, dass der globale Süden auf unseren Lebensstandard aufschließen wird und sich dadurch der CO₂-Ausstoß vervielfachen wird. Soweit ich mich richtig erinnere, beträgt der menschengemachte Anteil an den jährlichen CO₂-Emissionen nur etwa 4–5 %. Deutschland hat davon einen Anteil von 1,5 %. Die Emissionen waren 1990 doppelt so hoch, aber dank Offshoring von Produktion ist das CO₂ jetzt in der Bilanz anderer Länder.
Diese Weltverbessener Hybris mündet in Selbstzerstörung. Leider sind die Personen in der Politblase wenig zugänglich für solche Argumente – was man hier ja auch immer wieder lesen kann.
Und darum, also weil es heute Probleme gibt, wollen wir weiter endliche Ressourcen verheizen, den Planet weiter aufheizen? Das kann doch nicht ihr Ernst sein! Fehlende Visionen und Ambitionen sind das Problem
Arcelor hat schon vor Antragstellung klar gesagt: man braucht wettbewerbsfähige Preise von grünem WASSERSTOFF (2€/kg) und Strom (5ct./kwh) – was Habeck zugesichert hat. Nach Peitgens überzeugender Logik ist das nicht darstellbar – auch nicht mit importiertem Wasserstoff.
Bleibt die Variante GAS zur Direktreduktion mit einer deutlichen Reduzierung der Emissionen gegenüber Kohle. Aber: Wir haben in D noch Gasvorräte für 40 Jahre, deren Exploration an Fracking-Verboten scheitert. Obwohl das Verfahren keine nennenswerte Umweltnachteile oder Gesundheitsrisiken birgt – seit 40 Jahren weltweit erprobt und belegt.
Die Klimawende wird nur funktionieren, wenn man nicht weiter nach dem Prinzip verfährt: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Siehe AKW-Abschaltung,
Lieber Otto,
die Ankündigung Deiner Person durch Axel Schuller teile ich. Du bist einer der weltweit anerkanntesten, innovativen Forscher nicht nur der Universität Bremen, übrigens auch mit didaktischer Begabung ausgestattet.
Deinen Text, der mit dem Titel angekündigt wird „Grüner Wasserstoff für Stahl-Produktion zu teuer und nicht verfügbar“, habe ich intensiv gelesen und die physikalischen Details auch nochmals recherchiert. Mein Fazit ist eindeutig: Du hast damit der ökologischen Transformation durch den Ausstieg aus dem elenden Kuppelprodukt CO2 der fossilen Wirtschaftsweise eine ökonomisch nicht nachvollziehbare Abfuhr erteilt. Sicherlich kann ich die physikalischen Details abschließend nicht bewerten. Allerdings wird die Kurzsichtigkeit Deiner Argumentation durch die Behauptung, der Wasserstoffeinsatz sei „viel zu teuer“ und damit ökonomisch insgesamt nicht sinnvoll, belegt. Dabei wird das eigentliche Ziel der ökologischen Transformation komplett ausgeblendet: Die heutigen Marktpreise für Stahl sind „ökologisch blind“, denn die durch den CO2-Ausstoß befeuerte Klimakrise und die dadurch erzeugten Kosten auch für die Wirtschaft werden nicht erfasst. Auf deren betriebliche Verrechnung (Internalisierung) zielen derzeit die ETS-Umweltnutzungszertifikate der EU. Übrigens ist eine Verschärfung dieses Zertifikatesystems mit ETS 2 in der Mache. Bei Deiner Kalkulation der Preise für Wasserstoff und damit am Ende für Rohstahl ist die ökologisch gewollte Steigerung der CO2-Preise nicht berücksichtigt. Ein Stahlwerk muss kalkulieren, ob es die sich verteuernden Zertifikate für die CO2-Belastung leisten will oder aber, diese zur Kostenersparnis abbaut. Ebenfalls muss der bisher am Markt nicht signalisierte Preis für die heute erzeugten Umweltkosten bis hin zur Enteignung durch sich austobende Naturkatastrophen ins Investitionskalkül einbezogen werden. Je mehr es gelingt, die auf die Gesellschaft und Wirtschaft bisher abgewälzten Kosten der Umweltzerstörung („social costs“) zu reduzieren, umso billiger wird am Ende auch der Stahl. Dagegen steht der Einwand, dann werden wir in der teuren Übergangsphase mit fossilem Billigstahl aus China überschwemmt. Deshalb schlägt die EU ein Grenzausgleichsystem (CBAM) vor, welches die Bundesre-gierung zu Recht unterstützt. Übrigens hat sich auch China längst auf den Weg gemacht, den Du für nicht machbar und ökonomisch falsch hältst. Hier der Hinweis auf die zwei wichtigsten Anlagen in China: China Baowu Steel (gigantische Direktreduktionsanlage (DRI) in Zhanjiang) und Hebei Iron and Steel Group (HBIS) (allerdings eingesetzt angereichertes Koksofengas mit einer Wasserstoffkonzentration von 70 % ). In China scheint Deine Kritik an dieser Transforma-tion keine Rolle zu spielen.
Deine Deutung der Entscheidung von ArcelorMittal in Bremen greift viel zu kurz. Der Blick auf die Unternehmensstrategie zeigt, dass dieser Weltkonzern nicht auf den Einstieg in die GreenSteel-Produktion verzichtet. Vielmehr wird erst einmal Bremen zugunsten der Standorte Gent und Dunquerke in Europa in Richtung GreenSteel nicht berücksichtigt. In Bremen droht am Ende ein Werk, das nur noch für die Weiterverarbeitung von gelieferten Brammen zuständig ist – und dessen langfristige Existenz ist bedroht.
Um den ökonomischen Prozess der voranschreitenden Stahlproduktion auf Wasserstoffbasis zu verstehen, lohnt sich das Studium beim Flachstahlwerk der Salzgitter AG. Der Bau des Elektrolyseurs ist vorangeschritten. Die Direktreduktionsanlage (DRI), die mit Wasserstoff den Eisenschwamm für den Elektrolichtbogenofen erzeugt, ist kurz davor, die 140 m-Zielmarke zu erreichen. Der Elektrolichtbogenofen (EAF) wird künftig nicht nur mit dem wasserstoffbasierten Eisenschwamm gefüttert. Produkte der Stahlindustrie, die unendlich oft recyclebar sind, werden wiederverarbeitet und reduzieren damit den ökologischen Fußabdruck von Stahl massiv. An dem Prozess dieser „schöpferischen Zerstörung“ bin ich als Mitglied im Aufsichtsrat der Salzgitter Flachstahl GmbH beteiligt. Gerne will ich einen Besuch mit Dir organisieren.
Und hier nochmals zur Rolle der Wirtschaft. Unternehmen etwa im Bereich für Weißwaren wie Waschmaschinen sind bereit, die derzeit höheren Preise auch als Beitrag im Interesse an einer Versöhnung mit der Umwelt zu bezahlen.
Ich schlage vor, wir diskutieren Deine sicherlich wichtigen Hinweise im Kontext der ökologischen Herausforderungen und Machbarkeiten, vor allem aber auch die positiven Aspekte.
Herr Hickel blendet die globalen Aspekte völlig aus. Die EU-Zertifikate verteuern die fossilen Brennstoffe in der EU, 90% der weltweiten Stahlproduktion stammen aus NonEU-Ländern, die jüngst in Brasilien signalisiert haben, dass sie nicht mitspielen. Und die Abschottung der EU gegen grauen Importstahl wird niemals funktionieren. Autos werden da produziert, wo der Stahl günstig ist. Auch da gilt: Es gibt einen Unterschied zwischen ökologisch Wünschenswertem und dem Machbaren. Was hilft uns eine saubere Bremer CO2-Bilanz, wenn wir mit den Arbeitsplätzen auch die Emissionen nach China verlagern?
Die Intention meines Beitrages geht mit den Verweisen auf das „Machbare“ gegenüber dem „Wünschenswerten“ unter. Ich spreche beim ökologischen Umbau nicht vom mir unterstellten „Wünschenswerten“, sondern von einem nicht mehr aufschiebbaren Handlungszwang. Lesen Sie bitte das BVerG-Urteil von 2021 zu den Klimazielen und das Urteil des Staatsgerichtshof Bremen von 2025 zur Verfassungsklage der CDU in Sachen Nachtragshaushalten. Da wird deutlich, dass wir verfassungsrechtlich begründet heute handeln müssen, um zu verhindern, dass künftige Generationen durch Naturkatastrophen in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt werden. Es gilt die Gefahr eines Wirtschaftens auf der Basis von betriebswirtschaftlichen Preisen, die die dadurch erzeugten ökologischen Kosten nicht berücksichtigen, zu vermeiden. Übrigens ist China mal wieder auch technologisch klüger. Dort werden zwar noch fossile Stahlwerke zur Mitnahme von schnellen Gewinnen eingesetzt. Gleichzeitig wird jedoch der Ausbau von GreenSteel-Produktionslinien betrieben – auch weil die Proteste in der Provinz gegen die fossilen Dreckschleudern wachsen. Wenn allerdings die durch unser bisheriges Handeln erzeugte Klimakrise vor allem mit dem Kuppelprodukt CO 2 geleugnet wird, dann macht der Dialog keinen Sinn.
Mehr als 30 Jahre war ich auf der Klöckner-Hütte Bremen beschäftigt. Mein ganzes Arbeitsleben habe ich dort verbracht.
In der Stahlkrise 1992 brach der Familienkonzern Klöckner-Werke AG zusammen, und die Hütte war das auserkorene Opfer der Konkurrenz. Damals ging es darum, das „Aus“ für 7000 Beschäftigte und ihren Familien mit allen Kräften zu verhindern. Das ist uns gelungen. Betriebsrat/IG-Metall, Unternehmensleitung und Politik haben zusammengefunden.
Als es Anfang der Neunzigerjahre um die Rettung der Hütte ging, wurde die Tatsache, dass sie mehr als 50 % des CO2 Ausstoß im Lande Bremen zu verantworten hat, allenfalls in Fachkreisen diskutiert. In der damaligen öffentlichen Diskussion spielte das Thema CO2- Ausstoß keine Rolle. Damals wurde vor allen Dingen von den Grünen Stahlproduktion schlicht als „Altindustrie“ abqualifiziert, in die zu investieren sich nicht lohnt. Dagegen zu halten war nicht einfach. Unsere Hauptargumente waren damals, wie heute, dass für das Industrieland Deutschland Stahlproduktion unverzichtbar ist, und dass Stahlprodukte unbegrenzt recycelbar sind. Beides einfache und zutreffende Antworten.
In der Regierungszeit der Bremer Großen Koalition von 1995 bis 2007 änderte sich wenig. Zwar wurden von der Landesregierung Umweltziele aufgestellt, aber die Hütte blieb außen vor. Der CO2- Ausstoß bei der Stahlproduktion wurde nicht berücksichtigt Alles nachzulesen in den damaligen Berichten des Senators für Umwelt. (s.a. Transparenzportal Bremen)
Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Die CO2 Produktion von ArcelorMittal-Bremen ist „der Elefant im Raum“. Das gilt natürlich für die gesamte BRD, für ThyssenKrupp, Salzgitter, die saarländische Stahlindustrie und die Chemie- und Zementindustrie.
Die Berliner Ampel-Koalition hat viel angeschoben. Was mit großem Elan und Überzeugungskraft gestartet wurde, wird im Moment sehr nüchtern beurteilt. Angefangen bei ArcelorMittal, der eine Milliardenunterstützung durch Bundes- und Landesregierung für die Umstellung der Hütte auf Wasserstoff ausgeschlagen hat, weil die technischen und organisatorischen Voraussetzungen nicht vorliegen. Auch andere Stahlhersteller wie ThyssenKrupp oder Salzgitter verschieben aus ähnlichen Gründen weitere Investitionsentscheidungen.
Auch das Vorzeigeprojekt der europäischen Stahlindustrie für grünen Stahl steckt in Finanzierungschwierigkeiten. Stegra, früher bekannt als H2 Green Steel baut ein komplett neues Werk in Nordschweden, in dem Stahl zu 100 % mit grünem Wasserstoff hergestellt werden soll. Ursprünglich sollte 2026 die Produktion anlaufen. Aber jetzt hat das Unternehmen einen zusätzlichen Finanzbedarf von 1,5 Milliarden €. Die schwedische Regierung hat inzwischen einen Überbrückungskredit von 35 Millionen € bereit gestellt, der an die Bedingung geknüpft ist, dass die Finanzierungslücke bis zum Frühjahr 2026 geschlossen ist. Auch hier holen geänderte Rahmenbedingungen
ehemalige Prognosen ein.
Konsequent wird wohl nur in in China das Projekt Ökologische Umbau der Wirtschaft verfolgt.
In dieser Situation hat Professor Peitgen eine kritische Analyse der bisherigen Anstrengungen verfasst, die Stahlproduktion auf Wasserstoff umzustellen. Kernaussage ist, dass vieles stockt und nicht zueinander passt. Das ist richtig.
Weite Teile des Gutachtens kann ich nicht bewerten. Dazu habe ich nicht die nötige Fachkompetenz. Deshalb habe ich einen Kenner dieser Materie gebeten, mir seine Einschätzung mitzuteilen. Was Sie im nächsten Abschnitt lesen können, dient sicherlich der Bereicherung der Diskussion:
„Hallo Peter.
Stichpunkte meiner Kritik:
– Kapazitätsfaktoren grundlegend unter dem Standard: Offshore liegt aktuell bei 50% und Alpha Ventus, gebaut 2009/10, in Betrieb seit 2010 und gefördert von der Bundesregierung hat zwischen 2011 bis 2014 bereits 46% erreicht:
av_Factsheet_2015_de.pdf https://share.google/QxurqaYpIMsk6R0at
– Kapazitätsfaktoren bei Onshore, liegen bei Neuanlagen zwischen 30% und 40% und nicht so niedrig wie der Artikel suggeriert
– Planungs- und Genehmigungsgrundlagen sowie andere regulatorische Hemmnisse sind natürlich in der Tat noch eine Herausforderung, aber daran wird sich im kommenden Jahr definitiv was ändern.
– Elektrolyseure: es gibt vor allem zwei Typen von Elektrolyseure. AEM und PEM. PEM basieren auch auf Iridium, das ist richtig und richtig ist auch, dass hier der Kostenfaktor hoch ist. Aber: alle Hersteller versuchen den Anteil an Iridium zu reduzieren. AEM- Elektrolyseure suchen Lösungen ohne Iridium – siehe Komponentenhersteller Enapter: Iridium und die grüne Wasserstoffwirtschaft – Enapter https://share.google/3bpqZ7QNOqXJIuYrv
Fazit:
Die Annahmen im Text basieren auf Grundannahmen von Kapazitätsfaktoren der Windenergie, die unter dem Standard liegen. Somit wird der verfügbare Strom unterschätzt.
Zum anderen gehen die Annahmen von derzeitigen Elektrolyseuren aus, die von Iridium abhängen. Es gibt hier bereits vielversprechende Technologien, die Iridium vermeiden.“
Mich hat diese nüchterne Kurzanalyse eines Fachmanns beeindruckt. Auch auf diesem Forum müssen Diskussionen über das hochkomplexe Thema der Umstellung der Stahlerzeugung auf Wasserstoff nicht zu Glaubenskriegen ausarten.
China wird auch bei der Produktion und dem Export von Grünem Stahl von uns in D nicht zu schlagen sein. Günstig produziert wird er in China unter Einsatz eines Mixes von Strom aus Kernenergie, Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie. Hierbei wird insbesondere die Stromerzeugung von modernen Kernkraftwerken forciert. Diese befinden sich in einer massiven Ausbaustufe, weil ohne Kernenergie die CO2 Reduzierung nicht möglich ist. Ich bin gespannt, wann aus unseren Grünstahl-Träumen Albträume werden. Herzlich Martin Gömöry
Herr Prof. Hickel, trotz Ihrer moralischen Keule gilt auch da wieder: „Thema verfehlt“. Weder der Staatsgerichtshof in Bremen noch das Bundesverfassungsgericht sind ausserhalb der deutschen Grenzen zuständig. Und das Klima kennt keine Nationalstaaten. Deutsche Klimaschutzregeln, die nur dazu führen, dass die klimaschädliche Produktion künftig dort stattfindet, wo sie nicht gelten, sind sinnlos. Und darüberhinaus beschleunigen sie den Export hochwertiger Arbeitsplätze.
Lieber Herr Hickel, als Kind und Jugendlicher habe ich das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ nicht verstanden. Im Laufe der Zeit ist mir immer bewusster geworden, was da eigentlich vor sich geht und dass das dahinterstehende, kritisierte Phänomen echt ist und uns alltäglich begegnet. – Eine Funktionselite fängt an, ihren eigenen Lügen zu glauben, und baut darauf ihre Handlungen auf. Vor genau dieser Gefahr hat dann keine hundert Jahren später Walter Lippmann in seinem 1922 erschienenen Buch „Die öffentliche Meinung“ nochmal gewarnt. Er analysiert darin die ambivalente Rolle der Massenkommunikation bei der Erzeugung der öffentlichen Meinung.
Es gibt Indizien, an denen man erkennt, dass das vorherrschende Narrativ Mist sein könnte. Kritiker der Erzählung kommen mit fein ausgearbeiteten Argumentationsketten, Daten und Fakten. Das ist ja eine Einladung der Kritiker, sie zu widerlegen.
Die Verteidiger des dubiosen Narrativs kommen hingegen mit moralischen Anschuldigungen, Ablenkungen und Ausgrenzung bis hin zur offenen Verfolgung von Dissidenten, aber niemals versuchen sie auch nur, die Argumente zu widerlegen.
Prof. Peitgen hat mit seiner Analyse durchaus recht. Die fast einheitliche Meinung aller Fachleute zu diesem Thema sagt, dass Wasserstoff zur Stahlproduktion natürlich technisch funktioniert, aber nicht wirtschaftlich. Und ein Unternehmen wird seine Produktionskapazitäten (Personal, Kapital etc.) langfristig dort ansiedeln, wo es dauerhaft effizient produzieren kann. Ich habe länger in einem Unternehmen gearbeitet, das Energiespeicher entwickelt und produziert, wir haben auch viel an Wasserstoff als Speicher geforscht. Eines der größten Probleme ist der massive Energieverlust. Bei der Produktion von Wasserstoff und der Rückumwandlung in Energie gehen ca. 70% der Energie verloren, das funktioniert nicht wirtschaftlich.
Es bleibt dabei: Stahl muss (wie jedes Produkt) wettbewerbsfähig sein, sonst kaufen Kunden ihren Stahl eben woanders. Grüner Stahl ist aber nicht wettbewerbsfähig. Das heißt es bleibt entweder dauerhaft ein Subventionsgeschäft oder die Stahlproduktion verlagert sich eben irgendwann dorthin, wo man günstiger zu besseren Bedingungen produzieren kann.
So ist das ja leider meistens mit hochtrabenden politischen Idee: sie scheitern häufig an der Realität.
Es wird nicht lange dauern, dann wird fossiler Stahl aus Deutschland durch den GreenSteel vor allem aus China verdrängt werden. Wir sind mal wieder die Verlierer, weil wir auf die veraltete, nicht zukunftsfähige Hochofentechnologie setzen. Diese Verweigerung eines neuen Innovationsschubs zum Vorteil der Wirtschaft wird am Ende die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands schwer belasten. Übrigens geht es bei der Transformation nicht um Dauersubventionen, sondern um die Herstellung der Wettbewerbsfähigkeit durch die CO2-Grenzausgleichsgabe (CABM). Deutschland verliert derzeit massiv auf den Weltmärkten, weil die in den letzten Jahrzehnten vorangetriebene „schöpferische Zerstörung“ (J. A. Schumpeter) durch eine mutlose, langfristig nicht überlebensfähige Bestandspflege der CO2-lastigen Uralt-Technologie verhindert wird. Dass der Wohlstand künftiger Generationen diejenigen, die mit der CO2-belastenden Wirtschaft heute schnell noch ihren Gewinn machen wollen, nicht interessiert, ist die logische Folge der Innovationsfeindlichkeit.
Lieber Herr Hickel, „Es wird nicht lange dauern, dann wird fossiler Stahl aus Deutschland durch Green Steel vor allem aus China verdrängt werden.“ Aber auf dieser Ebene muss ich Ihnen leider recht auch teilweise geben. Auch wenn es sich durch CO₂-Konsumsteuern um eine Art Selbstamputation handelt. Es wird keinen fossilen Stahl aus Deutschland geben.
Ja, Green Steel ist ein Kernbestandteil der aktuellen Pläne in China, mit dem 14. Fünfjahresplan als laufendem Rahmen und dem 15. als Erweiterung für die ambitionierteren Ziele. China positioniert sich als potenzieller Global Leader – trotz aktueller Rückschläge.
Allerdings wird das CO₂-Narrativ selbst massiv und inzwischen erfolgreich angegriffen. Denn eine Erderwärmung hat in weiten Teilen der Erde positive Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Da gibt es Gewinner und Verlierer; die Gewinner findet man etwa in der Sahelzone und in Russland.
Bei schwindendem Glauben an das CO₂-Narrativ treten die negativen Folgen der Gegenmaßnahmen wieder in den Vordergrund und werden das ganze Vorhaben abwürgen. Denn die Anderen sind nicht so verrückt wir „wir“ und haben mehr Einfluss auf das globale Geschehen.
Wie es der Zufall so will, hat Science Advances im November einen Beitrag zur Erwärmung des Meeres durch Offshore-Windparks veröffentlicht:
https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adw7603
Warmes Wasser kann weniger CO₂ speichern, das ist tatsächlich unumstritten. Windparks emittieren also indirekt mehr CO₂, als sie einsparen sollen. Das passt zu älteren Forschungen, wonach die Windparks an der Nordsee an der Trockenheit in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sind – weil Windparks eine Wirbelschleppe von bis zu 350 km Länge erzeugen sollen. Dazu kommen die Schäden, die ein Windrad bei Vögeln und Insekten anrichtet. Und die Fundamente sollen ewig im Boden bleiben und die Regenwasserversickerung stören. Und, und und.
Dass Ihr Kollege Hans-Werner Sinn vor geraumer Zeit vorgerechnet hat, dass die großflächige Speicherung von Energie aus Kosten- und Landschaftsschutzgründen nichts wird – den haben Sie sicherlich widerlegt, oder?
Zu dem Einwand von Herrn Sörgel betreffend die Kapazitätsfaktoren von Wind On- und Offshore. In der Tat gibt es viele voneinander abweichende Zahlen. Und dann gibt es gute und schlechte Windjahre. Verlass ist nur auf gemessene Ergebnisse von unabhängigen Institutionen. Hier ist der 10-jährige Mittelwert aus den Veröffentlichungen des Bundesamts für Umwelt. Die geben ganz sicher keine pessimistischen Zahlen heraus:
Wind Onshore; 20,2 %
Wind Offshore: 37,5 %.
Quelle:
Zeitreihen zur Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland unter Verwendung von Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat)
(Stand: September 2025)
Umweltbundesamt
Die hohen Zahlen aus dem Beitrag von Herrn Sörgel stammen möglicherweise aus den Planzahlen von Windkraftlobbyisten. Man verlässt sich besser auf die gemessenen Ergebnisse. Die weichen deutlich von den Planzahlen ab.
Ich empfehle eine tiefer gehende Analyse in:
https://youtu.be/gtzDT_Oforw?si=mLdwSBS6ouPpiHDt
Die „tiefer gehende Analyse“ von Peitgen ist außerordentlich interessant. Unbedingt ansehen und verdauen!