Verkehrsbehinderungen, wenige Kauf-Magnete – Bremen verprellt Kunden

04.12.2025 14 Von Axel Schuller

Die Bremer Innenstadt befindet sich in einem sowohl-als-auch-Zustand. Zögen Weihnachtsmarkt und Schlachtezauber sowie historische Gebäude nicht so viele Touristen an – in der City würde neben wenigen Highlights eher Tristesse walten. Wo sind all jene gut verdienenden Menschen, die Bremen in den Speckgürtel vertrieben hat? Warum kommen die seltener oder gar nicht mehr in die Bremer Innenstadt? Eine Erklärung: Bremen hält Menschen aus dem Umland mit einer teilweise abseitigen Verkehrspolitik von der Fahrt in die Metropole ab. Ich sage nur: Tempo 30 auf dem langen Jammer. Gilt aber nur für die bösen Autos, nicht für die Bimmelbahn.

Für Ortsunkundige: So nennt man in Bremen die schier endlos lange innerstädtische Straße von Horn nach Borgfeld.

Wer – außer der immer noch auf Grün gedrehten Behördenschar im Verkehrsressort – kommt bloß auf die Wahnsinns-Idee, den innerstädtischen„Zubringer“ von Lilienthal, ja auch Worpswede und Borgfeld, mit Tempo 30-Schildern vollzunageln? Abends und nachts rasen einige viel zu schnell auf dem langen Jammer. Ja. Die Alternative kann doch aber nicht Tempo 30 sein. So oder so muss das Tempo kontrolliert werden, sonst hält sich kaum einer dran; egal, welche Ziffern auf die Schilder gemalt sind (wie übrigens auch 30km/h vor Kindergärten mit dem Zusatz 6-22 Uhr). Letztgenannten Blödsinn (an allen Tagen!) sucht man in Hamburg erfreulicherweise vergebens. Die Elbstädter wissen halt, wann Kinder im Bett liegen…  

Die vielen 30-Schilder in Bremen sind als indirekte Wegweiser „nach“ Dodenhof u.a. zu verstehen.

Das gleiche gilt für die nicht gerade verarmte Bevölkerung von Stuhr, Varrel und Co. Die Leute haben keinen Bock mehr, sich in die City zu quälen. Als künftige Krönung des Unfugs wird demnächst eines der bestgenutzten Bremer Parkhäuser unter senatorischen Fanfarenstößen plattgemacht; das Parkdeck zwischen Noch-Karstadt und bald Ex-Kaufhof.

Weil ich gerade bei den Parkgaragen bin. Die olle „Katharina“ weist eine komplett gesperrte Etage für E-Autos auf – nur leider stehen die Ladestationen selbst nach – gefühlt – einem halben Jahr immer noch nicht unter Strom. Dazu fallen in den städtischen Parkhöhlen Gebühren von bis zu 1,50 Euro – pro angefangene halbe Stunde an.

Was machen nun die Stuhrer, Delmenhorster und anderen Umländler, die Bremen offensichtlich nicht mehr haben will? Oldenburg, Weserpark und Dodenhof können sich einen Wolf freuen…

Selbst der Weser-Kurier, verkehrspolitisch meist ja eher „grün“ unterwegs, hat kürzlich aufhorchen lassen. Online konnte man dem Medium entnehmen: „Will nicht mehr nach Bremen fahren – Pendler-Frust wegen B75 und A1“.

Wow, da kamen endlich mal wahrhaftige Menschen aus dem Umland zu Wort, die eines eint: Es stinkt ihnen maßlos, jeden Morgen und Nachmittag in endlosen Staus zu stecken. Unter anderem ausgelöst auch durch den irren Umleitungsverkehr von der A-1-Weserbrücke-Baustelle. Damit die Kritik bloß nicht zu viele aufrüttelte, veröffentlichte der WK den Artikel im Delmenhorster Kurier (verkaufte Auflage keine 4.000 Exemplare). 

Zwischendurch ein, ich gebe es zu, tollkühner Gedanke

Ein Nadelöhr, wie derzeit die Weserbrücke der A 1, muss natürlich repariert werden. Aber: Warum nur tagsüber? Und montags bis freitags. Die Staus auf diesem Autobahnabschnitt inklusive der vielen Unfälle dort und die Irrsinns-Staus auf der B75 und B6 müssten doch Grund genug sein, rund-um-die-Uhr an der Weserbrücke zu werkeln. Und zwar sieben Tage die Woche.

Gerade höre ich die Umweltbewegten aufjaulen: Ja, würden die Leute auf Bus und Bahn umsteigen, gäbe es weniger Staus, weniger Abgase. Wobei sich die BSAG eine Einzelfahrt mit stattlichen 3,20 Euro entlohnen lässt.

Außerdem: Dumm, dass nicht alle Menschen in der Großstadt mit einem ÖPNV-System leben. Und, dass nicht jeder gewillt ist, vollbepackt mit Einkäufen in Straßenbahn, Bus oder Eisenbahn zu steigen.

Das gerühmte Deutschland-Ticket ist doch in Wahrheit ein Angebot für Großstädter. Fast zwei Drittel der deutschen Bevölkerung wohnt zwar nicht gerade in Orten wie Posemuckel, aber doch verstreut auf dem Land. Ohne ordentliche ÖPNV-Anbindung.

Wäre die Umsteige-Rate von Autofahrern aufs D-Ticket höher, könnte man sich im morgendlichen Verkehrsfunk viele Horror-Nachrichten ersparen. Da gibt’s rund um Hamburg Staus von teilweise über 10 Kilometer Länge. Bei uns sorgt die vermaledeite Weserbrücke für Staus und Gram. Und die häufig nur einspurige Verkehrsführung auf den innerstädtischen Heerstraßen.

Keinen Deut besser als den „Umländlern“ geht es Bewohnern von Bremen-Nord, die „in die Stadt“ fahren wollen. Wer am Müllberg Richtung City abbiegt, trifft nicht nur auf den Ausweich-Verkehr der A1, sondern auch auf ein Monument aus der Zeit von Schilda: den Utbremer Fly-Over. Zweispurig von der Autobahn abfahren, um sich dann einspurig über die Utbremer Brücke zu quälen – das muss man wohl unter Bremer Humor einsortieren.

Nicht wenige Auswärtige, die früher nach Bremen zum Shoppen und Bummeln fuhren, meiden die City. Wegen der schlechteren Erreichbarkeit und wegen des – freundlich formuliert – nicht immer überzeugenden Angebots. Ja, natürlich gibt es noch attraktive Läden. Aber spätestens, wenn man in einem einst prosperierenden Kaufhaus steht und nicht nur nach Verkaufspersonal, sondern auch nach Bezahlstationen Ausschau halten muss, hat man – in dem Fall tatsächlich: Mann – genug. Da können sich Eigentümer-geführte Läden wie Bo-Concept, Riestedt, Made in Bremen oder  die neuen Jacobs-Geschäfte im Balgeviertel noch so sehr bemühen. Die Bremer City verfügt abseits des Weihnachtsmarktes über zu wenig Kauf-Magnete.

Dodenhof, Weserpark, Outlet Brinkum (alle drei ohne Park-Gebühren), Oldenburg und Hamburg ziehen der City viel Kundschaft ab. Die künftige Großbaustelle Ex-Parkhaus-Mitte und Ex-Kaufhof wird über Jahre allenfalls Großeltern mit wissbegierigen Enkelkindern anlocken – aber kaum Umsätze generieren.

Statt nun den wirklich nicht armen Umlandbewohnern zumindest aktuell den roten Teppich auszurollen, stößt Bremen sie mit immer neuen Verkehrseinschränkungen eher ab. Demnächst kommt bestimmt auch noch Tempo 30 auf dem Osterdeich. Nach dem Motto: Was wollt ihr Bewohner des Speckgürtels eigentlich hier?

Das hat unsere schöne Stadt nicht verdient!

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller