„Verkehrte Welt“ im Parlament – Vertrauen in Politik, Staat und Medien sinkt rapide

14.12.2025 24 Von Axel Schuller

Selten wurde so häufig darüber lamentiert: Die Demokratie sei in Gefahr. Ist das tatsächlich so, oder versuchen Politiker uns etwas einzureden, weil sie sich möglicherweise eher um ihre eigene Zukunft sorgen? Ich befürchte, die größte Gefährdung geht vom schwindenden Vertrauen großer Bevölkerungsteile in Politik, Staat und auch Medien aus. Laut einer Umfrage der Allensbacher Meinungsforscher vertrauen nur noch 17 Prozent der Bürgerinnen und Bürger den Parteien. Doch zu viele Politiker suchen Mängel nicht bei sich – sondern setzen eher darauf, eine erstarkende Konkurrenzpartei verbieten zu lassen.

Für die Demokratie spielen Parlamente eine wichtige Rolle. Sie bilden via Parteien die Wünsche der Bevölkerung ab. Schaut man – beispielsweise – in die Bremische Bürgerschaft, stellt man erhebliche Abweichungen zur Lebenswirklichkeit der Wähler fest.

Während Menschen im normalen Leben miteinander sprechen, sich zuhören, Meinung austauschen und zuweilen bewerten, geht es im Parlament völlig anders zu. Das wichtigste: Selbst wenn ein Politiker der Regierungsparteien oder der Opposition Gedanken formuliert, denen (eigentlich) auch die „andere“ Seite zustimmen könnte/müsste, applaudiert stets nur die eigene Partei. Bei Abstimmungen kann man die Uhr danach stellen, dass Anträge der „Gegner“ abgelehnt werden. Auf Zuschauer wirkt dies befremdlich bis abschreckend. 

Dazu kommt der Hang von Politikern, andere scheinbar anlasslos zu beschimpfen. Jüngst fiel SPD-Fraktionschef Mustafa Güngör in einer Debatte über seine CDU-Kollegin Dr. Wiebke Winter mit dem Satz her: „Sie haben sich mit Ihrem Populismus ins Aus geschossen.“ Übrigens derselbe Güngör, der jüngst bei der Friedrich-Ebert-Stiftung beklagt hatte, Politiker gingen „zu rüde“ miteinander um, schadeten damit dem Ansehen des Parlamentarismus. Ah, ja.

Schauen wir noch einmal auf die Allensbacher Untersuchung (über die in Bremen nach meiner Wahrnehmung merkwürdigerweise nicht berichtet wurde): 

Nur 28 Prozent vertrauen der Bundesregierung – 2021 war es noch 48 Prozent.

Vertrauen in den Bundestag haben nur noch 36 Prozent,  in „die Parteien“ bloß 17 Prozent. 

Das Ansehen von Zeitungen, Radio, TV und online-Medien sank demnach von 39 auf 22 Prozent.

Den höchsten Wert errang das Bundesverfassungsgericht mit 63 Prozent – 2021 lag dieser Wert freilich noch bei 81 Prozent

Überraschend: Für Entscheidungen dieser Richter interessieren sich laut Allensbach aber mal gerade 23 Prozent der Bevölkerung. Und – Achtung, liebe Medien-Macher – lediglich 14 Prozent verfolgten demnach die Berichterstattung über die gescheiterte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin.

Erinnern Sie sich noch, wie das politische Hickhack um Brosius Tagesschau und Zeitungen beherrscht hat? Es wurde uns schier als Weltdrama feilgeboten.

Übrigens äußerten 54 Prozent bei der Allensbach Untersuchung Verständnis, dass ein Kandidat nicht ins höchste Gericht gewählt wird, wenn er nicht überzeugt.

Soweit die Studie, über die Sie in FAZ (Auftraggeber), WELT und Tagesspiel lesen konnten. 

Vertrauen ist der Kitt der Demokratie. Ein Spitzenpolitiker, der vor der Wahl etwas ankündigt, kurz darauf aber das genaue Gegenteil zur Leitlinie erklärt, verspielt Vertrauen. Kanzler Friedrich Merz kann leider mehr als nur ein Lied davon singen. Hätte er den Mund vorher nicht so voll genommen, könnte man ihm heute weniger radikale Kursänderungen vorhalten.

Auf Bremen übertragen: Die neue Innensenatorin Dr. Eva Högl versprach vor ihrer Wahl, „die gute Politik“ (wie sie es selbst formulierte) ihres Vorgängers Ulrich Mäurer fortsetzen zu wollen. Wenige Stunden nach ihrer Wahl änderte sie den Ressortkurs zum Thema AfD-Verbot.

Oder, ein weiteres Beispiel aus Bremen: Senat und rot-grün-rote Koalitionsmehrheit haben das Gesetz zum Ausbildungs-Abgabe gegen den Widerstand der Arbeitgeberseite durchgesetzt. Mittlerweile klagen 360 Firmen gegen die Zahlungs-Bescheide. Folge: Es fehlt Geld in der staatlichen Kasse. Und wie reagiert die zuständige Arbeitsbehörde? Sie lässt kurzerhand das Gesetz ändern. Nunmehr sollen Klagen gegen die Zahl-Bescheide keine aufschiebende Wirkung mehr haben. Erst so, dann so. Fördert dies wirklich das Vertrauen in die Demokratie?

Ein Beispiel aus der Medienwelt: Die Klima-Streiks von Fridays-for-future wurden in vielen Medien mit großer Wortmacht unterstützt. Dass die Demos während der Unterrichtszeit stattfanden – kein Problem. Es ging ja um das Klima. Die damalige Umweltsenatorin Dr. Maike Schaefer (Grüne) ermunterte sogar ihre Behördenmitarbeiter, zur Demo zu gehen.

Bei den (deutlich kleineren) Schülerstreiks gegen die vermutete Wiedereinführung der Wehrpflicht transportierten viele Medien (widerspruchslos) die Warnungen von Schulbehörden, die Streiks widersprächen der Unterrichts-Verpflichtung. Möglicher Hintergrund: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Nato-Generalsekretär Mark Rutte bereiten uns bald im Tagestakt auf einen angeblichen Angriff der Russen vor. Und Medien vermitteln uns – geradezu willfährig – sogar den Zeitpunkt: spätestens 2029.

Fördert diese behördliche und mediale Doppelmoral das Demokratie-Verständnis junger Menschen?

Ja, und dann ist da die AfD. In einigen Umfragen überholt die Partei inzwischen sogar die CDU. In Bremen wetteifern SPD, Grüne und Linke mit Verbots-Träumen. Verkennend, dass die immer wieder zitierte Einstufung der Partei durch den Verfassungsschutz („erwiesen rechtsextremistisch“) auf Eis liegt. Denn die AfD dagegen klagt. So ist das nun mal in einem Rechtsstaat. 

Wer aktuell ein sofortiges AfD-Verbotsverfahren aus Gründen der Demokratie-Rettung fordert, verhält sich im Grunde undemokratisch.

Aber das interessiert Leute wie die Bremer Linke-Fraktionsvorsitzende Sofia Leonidakis nicht. Sie – sorry, ich muss das so deutlich sagen – geiferte regelrecht im Parlament. Die AfD sei die „größte Gefahr für die Demokratie“. Der „Faschismus ist auf dem Vormarsch“. Ja, er habe die Gesellschaft durchdrungen

Bei dieser Politikerin frage ich mich immer wieder: In welcher Wirklichkeit lebt diese Frau?

Befragen wir zum Schluss mal die KI zum Thema Demokratie:

„Demokratie bedeutet „Herrschaft des Volkes“ (griechisch: demos = Volk, kratos = Herrschaft), bei der die Macht vom Volk ausgeht und die Menschen durch Wahlen und Beteiligung mitentscheiden können. Wichtige Merkmale sind freie und faire Wahlen, Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive, Judikative), Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte wie Meinungsfreiheit und Gleichheit aller Bürger sowie eine vielfältige Medienlandschaft. Sie ermöglicht politische Freiheiten und eine vielfältige Gesellschaft, in der unterschiedliche Meinungen existieren dürfen.“

Fazit: Demokratischer als die AfD zu verbieten wäre es, wenn amtierende Politiker nicht mehr sagten, was sie tun wollen, sondern täten, was sie angekündigen. Diese Ehrlichkeit wäre das einfachste Mittel, die Bevölkerung von der Demokratie zu überzeugen. Zur teilweise „mainstreamingen“ Medienlandschaft habe ich mich ja bereits früher geäußert.

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Herzlichst

Ihr Axel Schuller