Sozialdemokratin: „Wenn Demokratie und Religion kollidieren, hat Gott Nachrang“

05.01.2026 8 Von Axel Schuller

Liebe Leserinnen und Leser, heute verlassen wir mal wieder kurz unser „Bremchen“. Haben Sie die Neujahrsansprache von Bundeskanzler Friedrich Merz wahrgenommen? Dänemarks sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (48) hat in ihrem Land dagegen ein wahres „Kontrastprogramm“ geboten. Weil in Bremen so gut wie nicht darüber berichtet wurde, es aber auch für uns Relevanz haben kann, lasse ich Sie gerne teilhaben. Ich zitiere nachfolgend einen Ausschnitt, in dem es um den Umgang mit kriminell gewordenen Zuwanderern geht. Als Bonus-Material gibt’s heute zusätzlich Gedanken eines früheren Bremer SPD-Landesvorsitzenden aus dem Jahr 1986. Zunächst aber Frau Frederiksen.

ZITAT Anfang 

„Ich bin nun seit mehr als sechs Jahren Ihre Ministerpräsidentin.
Das war vor allem eine Ehre.
Und wenn wir später in diesem Jahr zur Wahl gehen, könnte sich zeigen, dass diese Neujahrsansprache meine letzte ist.
Erlauben Sie mir deshalb, heute Abend etwas direkter zu sein. Politisch wie persönlich.

Ich wurde Sozialdemokratin, weil mir Gerechtigkeit wichtig ist.
Ich wurde Ministerpräsidentin, weil ich daran glaube, dass wir dieses Land noch besser machen können.
Dafür habe ich mein Bestes getan.

Gleichzeitig wurde die Zeit eine ganz andere, als ich sie mir vorgestellt hatte.
Zuerst Corona. Dann Krieg in Europa. Nun erneut der Konflikt um Grönland – um das Königreich.
Ich glaube, die Krisen haben uns alle geprägt.
Auch mich.

Sie haben mich härter gemacht. Nicht im Inneren. Aber in den Debatten. Ich sehe selbst die Veränderung auf den Bildern.
Ein Teil der Kritik an mir ist berechtigt. Und die nehme ich an.

(…)

Politik kann immer noch einen Unterschied machen.
Selbst wenn eine ungewöhnliche Regierung dahintersteht.

Ich bereue nicht, dass wir vor drei Jahren eine Regierung über die Mitte hinweg gebildet haben.
In einer von Spaltung und Unruhe geprägten Welt haben wir uns hierzulande für Zusammenarbeit entschieden.

Das hat uns als Parteien nicht genutzt.
Aber ich bin überzeugt, dass es Dänemark gedient hat.

Und ich appelliere daran, dass die Parteien im Parlament nicht zu weit voneinander abrücken.

(…)

In Kürze wird die Regierung eine umfassende Ausweisungsreform vorstellen. Sie wird bedeuten, dass noch mehr kriminelle Ausländer aus Dänemark ausgewiesen werden.

Aber lassen Sie mich zunächst Folgendes sagen:
An euch, die ihr Dänemark angenommen habt. Und die wir in unserer Gesellschaft brauchen.

Man kann durchaus Däne sein, auch wenn das Lieblingsgericht nicht Frikadellen sind. Oder Makrelenbrote.
Wir Dänen sehen nicht alle gleich aus. Das sollen wir auch nicht. Aber wir müssen einander wollen.

Und in Dänemark gilt: Wenn Demokratie und Religion kollidieren, dann hat Gott Nachrang.

Deshalb – an diejenigen, die hierher gekommen sind und kriminell werden:
Ihr gehört nicht hierher.
Wir haben genug von eurer Raserei und eurer Dominanzkultur.
Ihr zerstört das schönste Land der Welt. Und das lassen wir nicht zu.

Niemand kann verstehen, warum ein irakischer Mann, der wegen eines brutalen Angriffs mit einem Golfschläger verurteilt wurde, nicht ausgewiesen werden kann.
Oder warum ein vorbestrafter Mann aus dem Kosovo, der über Jahre hinweg seine Kinder und Ehefrau misshandelt hat, hier bleiben darf.

Die Regierung schlägt daher vor, Ausländer auszuweisen, wenn sie schwere Kriminalität begehen und zu mindestens einem Jahr Haft verurteilt werden. Unabhängig davon, welche Bindung sie zu Dänemark haben.

Damit wird klar: Wer zum Beispiel wegen Vergewaltigung, schwerer Gewalt oder anderer schwerer Straftaten verurteilt wird, für den ist es vorbei mit dem Leben in Dänemark.

Dank einer strengen dänischen Ausländerpolitik – bei der wir an die Grenzen der Konventionen gehen – weisen wir bereits viele kriminelle Ausländer aus.
Dass wir nun noch weiter gehen können, liegt daran, dass es Dänemark – gemeinsam mit Italien – vor Weihnachten gelungen ist, die Unterstützung von 27 Ländern für eineneue Auslegung der Europäischen Menschenrechtskonvention zu gewinnen.

Künftig sollen in erster Linie die Bevölkerung und die Opfer geschützt werden. Und nicht der Täter.

Statt Jahre darauf zu warten, dass sich dies in der Rechtsprechung niederschlägt, gehen wir voran und setzen die Gesetzgebung bereits vor dem Sommer um.

Soweit ein Auszug aus der Rede von Mette Frederiksen. Wohlgemerkt: einer Sozialdemokratin.

Sollte jemand Interesse an der kompletten Rede haben: Melden Sie sich gerne per Mail axel_schuller@gmx.de. Ich schicke sie Ihnen dann.

Bonus-Material:

Ergänzend möchte ich einen Bremer Sozialdemokraten zitieren. Leser des Blogstücks über Dr. Günther Czichon („Geburtshelfer“ der Bremer Uni vom 27.12. 2025) haben Czichons Eloge auf den früheren SPD-Landesvorsitzenden Hans-Dieter Müller bereits wahrnehmen können. Da dies ein sehr spezielles Stück war, zitiere ich einige weitsichtige Sätze von HD Müller (wie er genannt wurde) noch einmal für eine größere Leserschaft.

Wer die Entwicklung der Bremer SPD seit mehreren Jahrzehnten verfolgt, wünscht sich vermutlich, dass die heute tonangebenden „Sozis“ (Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte, Parteichef Falk Wagner und Fraktionschef Mustafa Güngör) etwas mehr von HD Müller beherzigen würden. Dieser schlug 1986 bei seiner Bewerbung um den Bremer Parteivorsitz plurale Töne an.

Dr. Günther Czichon schrieb dazu 2006 in seinen Erinnerungen: 

„Er hatte in der Vorstellungsrede vor den Landesdelegierten betont, daß es die Pflicht der SPD ist, immer bürgernah zu bleiben und nie selbstgefällig zu werden: „Gerade, wenn eine Partei so unangefochten und so lange regiert wie in Bremen, muß sie die Partei der Bürger bleiben…. Gerade bei absoluter Mehrheit muß die Partei ständig auch solidarisch Kritik leisten, ja notfalls auch ein Stück Opposition sein. Wir müssen vor allem meiden, was die Konservativen in Bonn gerade vormachen: die Arroganz der Macht.“

ZITAT Ende

Liebe Leserschaft, wer die Zukunft meistern will, begeht aus meiner Sicht keinesfalls einen Fehler, wenn er/sie nachschaut, wie die Altvorderen gedacht und gehandelt haben. 

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

Nachträgliche Ergänzung aufgrund einiger Nachfragen: Der Weser-Kurier glänzt aktuell mit einem vermutlich einmaligen Online-Impressum. „Vorstand: n.n.“ Bedeutet: Die Eigentümer konnten sich auch in der Aufsichtsratssitzung am 2.1.26 auf keinen neuen Chef des Verlages verständigen. Dann muss jetzt das Amtsgericht handeln.