Gehälter: Tausche einen BREBAU-Chef gegen zwei Senatoren (m/w/d)

09.02.2026 9 Von Axel Schuller

Hinter den Kulissen findet gerade ein Machtkampf zwischen Weser-Kurier und Senat statt. Die Zeitung verlangt die Offenlegung des Gehaltes von BREBAU-Chef Bernd Botzenhardt (52), doch der bockt. Zum einen hatte er 2015 seinen Vertrag – inkl. Klausel zur Nicht-Veröffentlichung der Bezüge – mit den damaligen Eigentümern Sparkasse und Landesbank geschlossen, und zum anderen möchte er sein Salär vermutlich nicht preisgeben, weil dieses bspw. die Vorstandsgehälter der mehrfach größeren Gewoba geradezu  überragt.

Botzenhardt hatte Glück und will dieses auch festhalten. Von der Aachener „gewoge AG“ kommend, stellten ihn 2015 die damals  freigiebigen BREBAU-Gesellschafter Sparkasse und Landesbank zu einem sehr ordentlichen Gehalt ein – wie das halt so in der Sparkassen- Landesbanken-Welt üblich war.

Mittlerweile ist die BREBAU ins Eigentum Bremens übergegangen. Dort besteht der Senat darauf, dass alle kommunalen Firmen die Gehälter ihrer Top-Leute öffentlich darlegen. Mit der Begründung: Was der Steuerzahler bezahlt, darf er auch wissen. „Transparenzgebot“ lautet das Zauberwort. „Altfälle“ wie Botzenhardt (und vier weitere Manager mit „Neu-Verträgen bspw. von Universum und neuer zweiter BREBAU-GF) berufen sich auf die „informationelle Selbstbestimmung“, mit der sie dem Senat die Veröffentlichung untersagen.

BREBAU-Chef Botzenhardt hat 2024 noch eine weitere Aufgabe übernommen. Die Stadt berief ihn zusätzlich zum Chef der BRESTADT.  Diese bremeneigene Gesellschaft soll den radikalen City-Umbau in der Praxis umsetzen.

Über Botzenhardts Einkommen schweigen sich offiziell alle aus. 

Hier nun „Butter bei die Fische“: Die Bezüge als BREBAU-Chef dürften sich inklusive Tantieme auf rund 500.000 Euro belaufen. Seine Tätigkeit für die BRESTADT soll ihm – wie zu hören ist – weitere etwa 100.000 Euro einbringen.

Das besondere am „Fall“ Botzenhardt ist, dass sein Gehalt in keinem Verhältnis zu den Vorständen der viel größeren, mehrheitlich kommunalen Gewoba steht. Deren Vorstandsfrau Anja Passlack, zuständig für 40.000 Wohnungen, Jahreseinnahmen von 300 Millionen Euro und einem Gewinn von 27 Millionen Euro, erhält laut Beteiligungsbericht des Senats 283.000 Euro Jahressalär.

Die BREBAU verfügt – mal zum Vergleich – über rund 10.000 Wohnungen, nimmt rund 50 Millionen ein und erwirtschaftet einen Gewinn von 5 Millionen plus.

Wie gesagt, der BREBAU-Boss kann sich freuen, einst mit der Sparkasse verhandelt zu haben, die ihn vermutlich unbedingt nach Bremen lotsen wollte.

Die Sparkasse Bremen ist eine private, keine kommunale Bank. Dort sind hohe Bezüge nichts Ungewöhnliches. Das Geldinstitut weist, obwohl in Form einer Aktiengesellschaft geführt, die Vorstandssalärs nur als Gesamtsumme, nicht individualisiert, aus. Im Jahr 2024 gingen 3,2 Millionen Euro an die damals vier Chefs. Nach üblicher Rechenformel (4+1, der CEO wird nach dem Dividieren wie zwei gezählt) dürfte der Vorstandsvorsitzende Dr. Tim Nesemann zu den Einkommens-Millionären gehören.

Apropos „Millionäre“. WK-Chefredakteur Benjamin Piel schrieb jüngst über den neuen BLG-Vorstandschef Matthias Magnor, dieser sei weit entfernt von den Einkommens-Millionären. Seltsam: Die BLG-Bilanz 2024 weist für Magnors Vorgänger Frank Dreeke  Einkünfte von 1,494 Millionen Euro aus. Und Magnor soll den Job für die Hälfte ausüben? Never ever.

Angela Titzrath, abberufene Chefin der Hamburger Hafenfirma HHLA lag laut Handelsblatt mit einer Gesamtvergütung von 1.519 Millionen Euro „knapp vor dem Bremer Amtskollegen Frank Dreeke“. 

Die beiden Hafenmanager und der Chef der städtischen Sparkasse Köln-Bonn gehören angeblich zu den drei bestbezahlten kommunalen Geschäftsführern.

Nicht schlecht dran ist auch der Chef der Handelskammer Bremen. Für deren Hauptgeschäftsführer Dr. Mattias Fonger wendet die Kammer (eine Körperschaft des öffentlichen Rechts) mittlerweile 290.690 zuzüglich einer „leistungsvariablen Vergütung von 27.963 Euro auf.

Während für Fonger wohl noch ein Dienstwagen drin sein dürfte, gewährt Bremen „seinen“ kommunalen Geschäftsführern mit neuen Verträgen bloß noch eine „Mobilitätspauschale. Sie soll, wie ich höre, 400 Euro im Monat betragen und vorrangig dazu dienen, möglichst viel mit Bus und Bahn zu fahren. Im Wettbewerb mit anderen Ländern und Kommunen um Führungskräfte ist die Verweigerung eines Dienstwagens vermutlich nicht unbedingt von Vorteil.

Woher rührt eigentlich die Pflicht zur umfassenden Offenlegung der Bezüge kommunaler Chefs in Bremen?

Treibende Kraft war nach meiner Erinnerung die damalige Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne). Sie war darüber sauer, dass in Zeiten der davor regierenden großen Koalition von SPD und CDU viele öffentliche Dienstleistungen in GmbHs, AGs und Anstalten des öffentlichen Rechts ausgegliedert worden waren. Einige dieser neuen „Firmen“-Chefs erhielten meist nicht nur deutlich mehr Geld als ein bremischer Senator, sondern traten zuweilen mit einem – sagen wir mal – überraschend ausgeprägten Selbstbewusstsein auf.

Linnert „rächte“ sich an ihnen, indem sie die volle Transparenz bei den Gehältern aller kommunalen Top-Manager durchsetzte. Schließlich seien Politiker-Einkünfte ja auch für jedermann nachvollziehbar.  

Wer übrigens in den bremischen Übersichten nie auftaucht, sind die Chefs der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigungen. Deren Salärs findet man im Bundesanzeiger. Allesamt deutlich jenseits des Bürgermeister-Brutto-Einkommens von rund 200.000 Euro. Wobei der Regierungschef weder Beiträge für die Arbeitslosen- und Rentenversicherung abführen muss.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller