WK schreibt CDU-Erfolg klein / DGB-Chef umschmeichelt die Bremer Linken

22.02.2026 11 Von Axel Schuller

Liebe Leserschaft, heute kann ich mich spontan nur schwer entscheiden: erst DGB/Linke, oder doch WK/CDU? Weil’s so besonders ist, zunächst zur selbsternannten „Qualitätszeitung“.  Dr. Wiebke Winter, Chefin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, wurde als erste Bremerin ever ins Präsidium, also ins oberste Gremium ihrer Partei, gewählt. Und das mit 29 Jahren. Unserer Heimatzeitung war es ganz wichtig, gleich im zweiten Satz der Meldung darauf hinzuweisen, dass Winter mit 67,58 Prozent das schlechteste Wahlergebnis der 6 zu wählenden Kandidaten erzielt habe. Zur Einordnung: Bremen stellte von den 1.001 Delegierten sagenhafte 5.

Wie beschränkt muss man eigentlich sein, die erstmalige Bremer Repräsentanz im obersten Führungszirkel der Union in dieser Art darzustellen. Ja, ich weiß: Die Aussage des WK-Korrespondenten ist faktisch korrekt, aber sie drückt tiefste Ahnungslosigkeit oder aber Missbilligung bzw. Verachtung aus.

Nicht einmal Bremens „CDU-Gott-Vater“ Bernd Neumann ist je in dieses Gremium gewählt worden. Das klitzekleine Bremen hat es am Wochenende mit 5 Delegierten beim Bundesparteitag geschafft, mehrere hundert Delegierte anderer CDU-Landesverbände zu überzeugen, von mir aus auch: zu bequatschen, Winter zu wählen. Und so womöglich dem Kandidaten des eigenen Landesverbandes Stimmen zu entziehen. 

Anders ausgedrückt: Obwohl nur 5 Promille Anteil an den Bundesdelegierten, ist der – Franz-Josef Strauß hätte vermutlich gesagt – Pygmäenverband der Bremer CDU mit drei Personen im Bundesvorstand der Partei vertreten. Bei Lichte betrachtet: Unfassbar.

Es gibt nämlich eine weitere Personalie, die der WK bis zum heutigen Tag (laut eigenem Archiv) links liegen lässt: Neben Winter und dem Bremer CDU-Landesvorsitzenden Heiko Strohmann gehört ein dritter Bremer „kraft Amtes“ dem CDU-Bundesvorstand an: Jakob Hornhues, seit mittlerweile November 2025 Bundesvorsitzender der Schüler Union, abgekürzt: SU. (Zur Info: Die SU ist aktuell mit 10.000 Mitgliedern die größte Schülerorganisation in Deutschland.)

Aber was soll’s: Jede Zeitung vernichtet ihre Abo-Verträge selbst, so gut sie eben kann.

By the way: Die monatliche Zwangsgebühr für die Öffentlich-Rechtlichen wird vermutlich 2027 um 28 Cent auf 18,64 Euro angehoben. Der WK donnert demnächst mal eben 3 Euro drauf, verlangt ab März 53,90 Euro.

LINKE ÜBERRASCHT IMMER WIEDER

Die Linken, Sie haben es gesehen oder gelesen, driften weiter nach links ab. Bei ihrem Parteitag wählten sie Max Petermann neben Anna Fischer zum Landessprecher. Petermann gab die Losung aus: Auch für die Linke gäbe es „rote Linien“. Und: „Regieren ist kein Automatismus“. Mehrere beschlossene Anträge kann man bei Bedarf online nachlesen. Den wichtigsten zum Thema „Kein Zurück zu Berufsverboten“ packe ich als Doku bei.

Bereits am Sonnabend stellte die Regierungspartei zwei Reden von ihrer Zusammenkunft ins Netz. Eine vom scheidenden Vorsitzenden Dr. Christoph Spehr und eine von Bremens neuem DGB-Chef Christian Wechselbaum

Das Video trägt die fetzige Überschrift „Milliardäre unser Problem, nicht Migrant*innen“.

War da der Wunsch der Vater der Headline? In dem Video kommt der Satz nämlich nicht vor – obwohl er aus meiner Sicht durchaus zur Denke und zur Rede des Gewerkschafters gepasst hätte.

Der oberste Sprecher der Bremer Gewerkschaften schmiss sich in seinem „Grußwort“ den Linken derart an die Brust, dass ich überlegt habe, ob er möglicherweise Mitglied der Partei ist.

Wechselbaum pries die Partei nicht bloß als „Garant dafür, dass soziale Themen hier nicht hinten runterfallen“, sondern bot auch noch seine Sicht zum Fall des enttarnten V-Mannes dar. Jeder Mensch, der eine Straftat begangen habe, habe das Recht auf einen Anwalt. Die Rücktrittsforderungen gegen den Anwalt Anatol Anuschewski vom Amt im Staatsgerichtshof sei mithin „problematisch“ gewesen.

Seltsam. Erstens war Anuschewski (jedenfalls nach bisherigem Kenntnisstand) bei der Enttarnung nicht als anwaltlicher Vertreter des V-Mannes, sondern als Teil der Enthüller vor Ort. Zweitens: Was hat der Fall mit dem DGB zu tun? Drittens: Sprach Wechselbaum bei diesem Thema auch für die GdP, Gewerkschaft der Polizei, die ebenfalls dem DGB angehört? Und viertens: Die Co-Vorsitzende der Linken Bürgerschaftsfraktion,Sofia Leonidakis, hatte nach Bekanntwerden des „Falles“ die Erwartung formuliert, Anuschewski werde vom Richteramt zurücktreten. Hat die Chef-Linke damit gegen Wechselbaums Überzeugung gehandelt? Ja, wat denn nu?

Der scheidende Linken-Vorsitzende Dr. Christoph Spehr trug eine seltsam anmutende Sicht auf den Verfassungsschutz vor. Er erinnerte zwar an den 1972 von den Ministerpräsidenten beschlossenen „Radikalenerlass“ und dessen Folgen: Von 1972 bis 1991 seien 3,5 Millionen Menschen vom Verfassungsschutz auf die Mitgliedschaft in „inkriminierten“ Parteien (wie KBW) und Gruppen durchleuchtet worden; darauf wurden 11.000 Verfahren durchgeführt; 1.250 Menschen wurde anschließend der Eintritt in den Öffentlichen Dienst verwehrt und 260 Personen mussten den Öffentlichen Dienst sogar wegen angeblich fehlender Verfassungstreue verlassen.

Spehrs Schlussfolgerung daraus: Wir dürfen nie wieder Berufsverbote zulassen. (Lesen Sie dazu in der heutigen Doku den einstimmig beschlossenen Antrag der Linken).

Mit keinem Wort ging Spehr jedoch darauf ein, dass Linke, SPD und Grüne Mitgliedern und Sympathisanten der AfD schon jetzt – also noch vor dem endgültigem Ende des Rechtsstreites zwischen AfD und Verfassungsschutz um die Einstufung „extremistisch“ – am liebsten die Einstellung in den öffentlichen Dienst verwehren würden.

Wie nennt man das? Doppelzüngigkeit passt hier nicht; einseitige Sichtweise vielleicht besser. Linken soll nie mehr nachgestellt werden, Rechten dafür umso mehr?

Liebe Leserschaft, vielleicht können Sie ja zu meiner Aufklärung beitragen – schreiben Sie gerne einen Kommentar.

Munter bleiben!

Herzlichst Ihr

Axel Schuller