Dreitägiger Warnstreik von Bus- und Bahnfahrern ist – sorry – eine Frechheit
Was um Himmels Willen ist in Bremens Bus- und Straßenbahnfahrer m/w gefahren? ver.di ruft für Freitag, 27. Februar, erneut zum Streik auf – und in Bremen wird nicht ein, nicht zwei, sondern gleich drei Tage lang gestreikt. Leute, geht’s noch? Die Ausweitung des ÖPNV-Streiks in Bremen auf drei Arbeitstage ist – ich kann es nur so formulieren – eine Frechheit. Noch unverständlicher ist, dass kein Bremer Politiker, keine Institution (Hej, Handelskammer, Handwerkskammer und Arbeitnehmerkammer – für wen arbeiten Sie eigentlich?) und kein Medium Stellung bezieht oder zumindest mal Fragen stellt. ver.di gefällt sich in Bremen offenbar in der Rolle als kleine GdL (das war die einst berüchtigte Lokführer-Gewerkschaft.)
Politiker von SPD und Linken – am „Tag der Arbeit“ stets fotoheischend in der ersten Reihe der DGB-Umzüge – haben seit jeher Probleme, Position gegen die DGB-Gewerkschaft ver.di zu beziehen. Ein Beispiel: Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) gehört der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes seit -zig Jahren an. Obwohl er ganz eindeutig die Rolle des obersten Arbeitgeber des Landes einnimmt, ist er in der Gewerkschaft geblieben. Viele andere Senatoren sind ebenfalls „Ver.disten“. Beim Linken Skandal-Parteitag am vorigen Wochenende war es auch kein Zufall, dass Bremens neuer DGB-Chef Christian Wechselbaum für ein Grußwort eine Megaredezeit von fast 13 Minuten eingeräumt wurde.
Und die Grünen? Die verschieben jetzt sogar die für kommendes Wochenende geplante Landesmitglieder-Versammlung – weil der ÖPNV ausfällt.
Besonders bemerkenswert an dem Zurückzucken der Grünen vor der Gewerkschaft ist, dass der Grüne Landesvorstand nicht ein auch nur ansatzweise kritisches Wort zu dem dreitägigen Streik äußert. Auch CDU, FDP und BD halten sich „vornehm“ zurück.
Dabei könnte man zu dem Warnstreik eine ganze Menge sagen. Da sich meine – vielfach gewerkschaftlich gebundenen – Kollegen von Radio Bremen und Weser-Kurier kritische Fragen verkneifen, schlüpfe ich – notgedrungen – in deren originäre Rolle.
Weshalb schickt ver.di ausgerechnet die Bremer Fahrer und Fahrerinnen gleich für drei Tage auf die Straße. Von Freitag früh bis Montag, drei Uhr morgens? Wird das Bremer Fahrpersonal besonders schlecht behandelt?
Oder will Verdi in Bremen auf Kosten der Fahrgäste – angeblich 300.000 Frauen, Männern und Kinder pro Tag – mit Brachialgewalt um neue Mitglieder werben?
Wie können es Gewerkschafter mit ihrem Gewissen vereinbaren, Freitag viele Schulkinder am Straßenrand stehen zu lassen?
Weshalb wird jetzt bereits zum zweiten mehrtägigen Streik geblasen, obwohl erst zwei Tarifgespräche (am 14.1. und 20.2) stattgefunden und die nächste Runde bereits für Montag, 2.3.2026 terminiert ist?
Weshalb erfährt die Öffentlichkeit so wenig von den Verhandlungsinhalten? Viele Bürger glauben, es gehe um höhere Löhne. Mitnichten. Die sind in den vergangenen Jahren heftig gestiegen. Nein, es geht um Zuschläge für Wochenend- und Nachtarbeit. Und es geht, wie zu hören ist, um Lebensarbeitszeit–Konten.
Ja, es gibt Branchen, da darf man Überstunden dauerhaft ansammeln, um im Alter früher in Rente zu gehen. Dieses Instrument wird bevorzugt in besonders konjunkturabhängigen Branchen, wie aktuell in der Automobilindustrie, genutzt. Letztlich, um Personal abzubauen.
Aber, der ÖPNV ist keine aussterbende, sondern aufgrund politischer Vorgabe eine aufstrebende Branche. Das heißt: Je mehr Straßenbahnen auf die Schienen und je mehr Busse auf die Straßen geschickt werden, um so mehr Fahrpersonal wird benötigt.
Zumindest aktuell noch. Es gibt aber bereits heute zu wenige Menschen, die Busse oder Straßenbahnen lenken wollen. Das beginnende Ausscheiden der Babyboomer aus dem Job und die geringere Zahl an Nachfolgepersonal stellt die ÖPNV-Unternehmer bereits jetzt vor riesige Probleme.
Es sei denn, die ÖPNV-Unternehmen schlagen einen völlig anderen Kurs ein und setzen fortan auf autonome Fahrzeuge, die ohne Fahrer auskommen.
Zurück zu den Tarifverhandlungen und dem bevorstehenden Streik: Wie ich höre, war der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) Bremen – sitzt im Finanzressort von Senator Björn Fecker (Grüne) – durchaus bereit, mit ver.di über einzelne Punkte des gewerkschaftlichen Forderungskataloges zu sprechen und zu verhandeln – sich also auf Kompromiss-Suche zu begeben.
ver.di hat es zwar geschafft, bundesweit die Verhandlungs-Termine zu harmonisieren (bis auf Niedersachsen). Dies führt aber dazu, dass die Damen und Herren Gewerkschafter in den vielen gleichzeitig an unterschiedlichen Orten tagenden Runden sich zu wenig mit ihren „Oberen“ zurückkoppeln können – und plötzlich in Gesprächen wie in München, Frankfurt oder Bremen nicht mehr in der Lage sind, sich konkret und verbindlich zu äußern, also zu „verhandeln“.
Zum Schluss eine Frage an denkende ver.di-Mitglieder: Ist es wirklich angemessen, erneut einen dreitägigen Warnstreik zu veranstalten, obwohl zwischen der vorigen und der für Montag angesetzten Verhandlung nicht einmal zwei Wochen vergangen sind? Jetzt mal ganz ehrlich.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Liebe Leserschaft, ursprünglich wollte ich hier über den Ausgang der Misstrauensanträge gegen Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard und WirtschaftssenatorinKristina Vogt (beide Linke) berichten. Aber: Machen Sie sich am besten selbst ein Bild. (Link anbei.) Ich fand die Argumente der Parlamentsmehrheit von SPD, Linke und Grünen – einschließlich von Bürgermeister Bovenschulte – unfassbar schwach. Ach ja, viel „Spaß“ mit der Bürger:innenschaftspräsident:in Antje Grotheer.
@ Verdi. Ich bin Anwohner am Weserstadion und mag mir gar nicht vorstellen, was hier am Samstag beim Werder-Heimspiel los ist. Ich denke da nur an die mitgereisten auswärtigen Fans und/oder Park and Ride.
Bremen sackt immer weiter ab. Nicht nur in der Tabelle, sondern auch in der Öffentlichkeit und das bundesweit.
@ Misstrauensvotum gegen Vogt und Bernhard.
Nach der Debatte musste ich mich erst einmal schütteln, so wie mein Hund, der aus der Weser kommt. „Nass“ bin ich trotzdem noch. Ich kapiere es nicht! Hat überhaupt einer dieser Abgeordneten kapiert, dass es um Grundsätzliches ging und nicht um Verdienste der politischen Arbeit? Extremisten gehören absolut nicht in unsere Parlamente und auch deren Sympathieträger. HB egal ob von links oder rechts. Das Abstimmungsverhalten der Parlamentarier scheint für mich nur dem Selbstzweck und dem Erhalt der Einkommensverhältnisse (94.500€ in den nächsten 15 Monaten) gedient zu haben.
Wann haben unsere Parlamentarier endlich wieder Rückgrat und Schneid?
Bei Bovenschulte, SPD, Schuster (BA) und vielen anderen und den „Linken“ sehe ich das nicht.
Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will
Die Tarifautonomie ist ein hohes Gut, sonst würde es nicht im Grundgesetz stehen.
Ein Streik stört immer, soll er auch, dafür ist er da.
In der Fläche hat der bundesweite Warnstreik sicherlich größere Auswirkungen als im städtischen Raum.
Die Auswirkungen z.B. auf das Ziel autofreie Innenstadt und weg vom Auto können erheblich sein. Das wird Ver.di sicherlich bedacht haben.
Ich kann mich mehr über die aufgeblähte, teure Bürgerschaft und ihre Arbeit als über den Warnstreik aufregen.
Das Video aus der Bürgerschaft ist für meine Aufmerksamkeitsspanne zu lang, aber danke für das Einstellen.
Herr Schuller, Sie sind eines meiner Fenster in den Mainstream. Ich hätte die Streiks gar nicht mitbekommen, darum musste ich mich erst mal informieren, was Verdi überhaupt will. Das ist alles nicht unvernünftig, aber in der George-Akerlof-artigen Abwärtsspirale deckt das natürlich gnadenlos die ökonomischen Paradoxien und Lebenslügen auf – zumindest wenn man sich die Augen nicht fest zuhält und laut „LaLaLa“ singt oder Mainstream glotzt.
Löhne sollten nur in gleicher Höhe wie die Produktivitätssteigerung erhöht werden, damit es zu einer entsprechenden Inflation kommt. Leider haben wir in der Vergangenheit Luxus- und Investitionsgüter-getriebene Inflation gesehen, die nicht durch Lohnsteigerungen ausgeglichen wurde. (siehe Immobilien und Mietpreise etc)
Und im öffentlichen Dienst gibt es keine Produktivitätssteigerung, die stellen immer mehr Leute ein – leider an den falschen Stellen. Die Löhne müssten also sinken, was natürlich nicht geht.
Im Zuge der Bankenkrise 2008–09, dem vom Westen angefeuerten Bürgerkrieg in der Ukraine ab 2014, der Plandemie ab 2020 und der aktuellen Energiekrise haben die Politikdarsteller unglaubliche Mengen öffentlicher Ressourcen von fleißigen Steuerzahlern an kriminelle Superreiche transferiert. GumEx und Migration in die Sozialsysteme habe ich vergessen!
Was fordert Verdi?
– Kürzere Arbeitszeiten / kürzere Schichten
– Längere Ruhezeiten zwischen Schichten (z. B. mindestens 11 Stunden)
– Entlastung von Personal durch bessere Schichtgestaltung
– Höhere Zuschläge für Nachtarbeit, Wochenende und Sonn-/Feiertagsarbeit
– Mehr Urlaubstage
– Investitionen in Personal und Infrastruktur, um Personalmangel zu bekämpfen
– 7 % mehr Geld
Zusammengefasst: Verdi will den Beruf des Bus- und Bahnfahrers attraktiver machen und bessere Arbeits- und Rahmenbedingungen erzwingen.
Leider hat die öffentliche Hand wegen der Entscheidungen der kriminellen Politikdarsteller jetzt nicht mehr die Freiheit, darauf einzugehen und etwas Vernünftiges auszuhandeln. Da bleibt ja nur der Arbeitskampf – und so traurig es auch ist: Kampf ohne Schaden muss wirkungslos bleiben.
Wir erinnern uns: am 24.2.2025 hat as vorgerechnet, was bei der damaligen Forderung Ver.dis für den öffentlichen Dienst von +8 % an Kosten für die öffentliche Hand, speziell für die BSAG herauskommen würde: + 13 Mio bei 100 Mio Zuschuss aus dem Staatssäckel für die BSAG 2025!! Und dieses Jahr dann noch mal soviel? Wer soll das bezahlen??? Wer hat soviel Geld?? Wer hat soviel Pinkepinke? Wer hat das bestellt???
An sich bin ich ein Fan von Gewerkschaften und unterstütze natürlich das Streikrecht, aber in dieser noch relativ frühen Phase von Tarifverhandlungen drei Tage hintereinander zu streiken, dazu noch am SO, halte ich für weit überzogen. Seltsam finde ich allerdings auch die Begründung in vielen Medien, „davon wäre ja jetzt das Werder Spiel betroffen“. Als wenn es hier ein Grundrecht gäbe alle Streikmaßnahmen deshalb außer Kraft zu setzen, es gibt aber ein Grundrecht auf Streik.
1 Tag oder 2 auseinanderliegende Tage Streik hätte ich noch nachvollziehen können, aber 3 Tage hintereinander, darunter noch den für den darbenden Einzelhandel wichtigen SA, sowie für Familien wichtigen SO, finde ich in der Form unverhältnismäßig. Wie soll denn da die nächste Streikstufe aussehen ? 1 Woche Totalstreik ?
Dies wird dann irgendwann dazu führen, daß mehr Kunden ihre Bremer Karte kündigen und dann wieder aufs Auto umsteigen.
Wenn der SPD-Parteivorstand in seinem Wahlaufruf zu den Betriebsratswahlen auffordert, die Vorschläge des DGB bei den Betriebsratswahlen zu wählen und damit alle Kandidaten brüskiert, die kein Mitglied einer DGB-Gewerkschaft sind, darf sich niemand wundern, wenn sich auch der Bremer Bürgermeister als SPD-Mitglied gegenüber dem DGB parteiisch verhält und kein kritisches Wort zu Warnstreiks von Verdi verliert. Und was die unkritische Haltung der Bremer Medien angeht: Sie haben auch die Tatsache unkommentiert gelassen, dass in diesem Jahr vom Bürgermeister keine Betriebsräte der christlichen Gewerkschaften zum Senatsempfang für Betriebs- und Personalräte eingeladen wurde. Im letzten Jahr war dies von der Senatskanzlei noch als Versehen bezeichnet worden, weil der für die Einladung uständige Mitarbeiter langfristig erkrankt war und man die Einladung gleich dem DGB überlassen hatte.
3 Tage Streik bei laufenden Tarifgesprächen ( bundesparallel) ! 1 Tag Taxi-Stress für Eltern schulpflichtiger Kinder. Besuch in der City also mit PKW? Oder gleich ins Umland? Besuch bei Werder Bremen wg. Vorbereitung auf die 2. Liga sowieso nicht mehr erforderlich? Ein kräftiger Schluck aus Bremens leerer Pulle? Der LFA wird es schon wieder richten?
Nebenbei: @Thomas Meyer: ein vom Westen angefeuerter Bürgerkrieg in der Ukraine ab 2014 ??? (Soweit ich mich zurückerinnere war das die völkerrechtswidrige, gewaltsame „Befreiung der Krim“ durch russische Paramilitärs, Oder existiert noch eine 2. Ukraine? (Timothy Snyder (renommierter Experte für die Geschichte Osteuropas) kann da detailliert Auskunft geben, wenn man sich unsicher ist)
Update
Werder Bremen hat mitgeteilt, daß „Park and Ride“ nicht vom Streik betroffen sei!
Werder organisiert dieses Angebot für alle Fans selbst.
@Dr. Wewerka, ich bevorzuge es, mein Argument, dass der Ukrainekrieg das Werk des Westens ist, mit einer Timeline zu untermauern, statt mit einer blanken Behauptung, diese kommt vom Historiker Daniele Ganser. Ihre „Annektion“ der Krim war 1 Monat nach dem Putsch in Kiew.
Seit 1991: USA investieren über 5 Milliarden USD in „Demokratieförderung“ (NGOs, Medien, Opposition), wie Victoria Nuland am 13. Dez. 2013 öffentlich zugibt. Ganser sieht das als langfristige Vorbereitung eines Regimewechsels („Putsch“). Nuland ist zentrale Figur (US-Assistentin für Europa).
Nov. 2013: Beginn Euro-Maidan-Proteste, Yanukovych stoppt EU-Abkommen unter russischem Druck. Proteste werden als US-gestützte „Farbrevolution“ dargestellt. Nuland verteilt Kekse auf dem Maidan und signalisiert Unterstützung.
Feb. 2014: (Anfang) Eskalation und Scharfschützen-Massaker, Gewalt eskaliert; Snipers (aus Maidan-kontrollierten Gebäuden) töten Demonstranten und Polizisten. Ganser beruft sich auf Untersuchungen (z. B. Ivan Katchanovski), die falsche westliche Narrative widerlegen: Massaker war geplant, um Yanukovych zu stürzen.
4. Feb. 2014: Geleaktes Nuland-Pyatt-Telefonat, Nuland („Fuck the EU“) und US-Botschafter Pyatt planen neue Regierung (Yatsenyuk als PM). Beweis für US-Direktsteuerung des Putsches.
20.–22. Feb. 2014: Illegaler Putsch in Kiew, Yanukovych wird verfassungswidrig abgesetzt (Verletzung von EU-vermitteltem Abkommen). Neue pro-westliche Regierung installiert. Ganser/Rothfuss: US/NATO-Putsch, finanziert durch Nuland/5 Mrd. USD.
23. Feb. 2014: Versuchtes Verbot der russischen Sprache, Parlament hebt Kivalov-Kolesnichenko-Gesetz auf (regionaler Status für Russisch). Wird als „Verbot der russischen Sprache“ propagiert – löst Panik in russischsprachigen Regionen aus (Donbass, Krim). Turchynov vetoiert es zwar, aber Schaden ist angerichtet; dient als Auslöser für Separatismus. Spätere Gesetze (2019) verstärken Ukrainisch als einzige Staatssprache.
Ende Feb. 2014: Russische Intervention auf Krim „Höfliche Menschen“ (russische Truppen) sichern Krim vor drohendem Angriff durch neue Kiewer Regierung. Ganser: Schutz russischsprachiger Bevölkerung vor Nationalisten/Putschisten.
16. März 2014: Referendum auf Krim, Überwältigende Mehrheit für Beitritt zu Russland. Als legitim und freiwillig dargestellt (Schutz vor Kiewer Chaos). Westen erkennt es nicht an, aber Ganser sieht es als Reaktion auf Putsch.
18. März 2014: Sezession der Krim. Putin unterzeichnet Vertrag. Status-quo-ante: Krim war historisch russisch, nun wieder geschützt.
April 2014: Aufstand im Donbass Pro-russische Regionen (Donezk, Luhansk) erklären Unabhängigkeit (DPR/LPR). Reaktion auf Putsch, Sprachunterdrückung und drohende „Anti-Terror-Operation“ Kiews. Ganser: Bürgerkrieg, von Kiew provoziert; Russland unterstützt defensiv.
Mai–Aug. 2014: Eskalation Donbass, Ukrainische Armee greift Separatisten an; schwere Kämpfe. MH17-Abschuss (umstritten, oft westliche Schuld zugeschoben). Russische Hilfe (Freiwillige, Waffen) als notwendig dargestellt.
Sept. 2014 / Feb. 2015: Minsk-Abkommen I/II, Ceasefire-Vereinbarungen (Ukraine, Russland, OSZE, Separatisten). Werden von Kiew nicht umgesetzt (kein Sonderstatus Donbass). Ganser: Minsk als Friedenschance, sabotiert durch Westen/Kiew.
2014–2020: Gefrorener Konflikt / Donbass-Krieg. Ca. 14.000 Tote (UN-Schätzung), viele Zivilisten durch ukrainischen Beschuss (Minen, Artillerie). Ganser/Rothfuss: Systematische Unterdrückung russischsprachiger Gebiete; Russland leugnet direkte Beteiligung, spricht von „Freiwilligen“. Kein Völkermord, aber massive Menschenrechtsverletzungen durch Kiew.
Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Freund von Entschleunigung bin. Aber heute war alles anders. Ich hatte heute morgen sehr, sehr viele Termine in Bremen. An den unterschiedlichsten Orten.
Unser Bremen ist ja eine wunderschöne Stadt, aber verkehrstechnisch normalerweise so übersichtlich wie ein Kabelsalat hinter der HiFi-Anlage. Wenn man von Huchting nach Lesum will, danach ins Büro in die Innenstadt, dann zu Mercedes in Sebaldsbrück, dann kurz nach Oberneuland, wieder zurück in die City und schließlich noch rüber auf die Südseite der Weser – dann plant man dafür im Normalfall etwa drei bis vier Werktage ein. Man packt Proviant ein, schreibt sein Testament und verabschiedet sich von seinen Liebsten.
Aber heute? Heute war es, als hätte jemand die Stadt mit Gleitmittel eingerieben. Ich glitt durch Bremen-Nord und Sebaldsbrück, Oberneuland flog an mir vorbei wie eine Postkarte, die Weserüberquerungen waren auch null Problem.
Ich saß am Steuer und dachte: „Was ist hier los? Hast Du versehentlich die Raumzeit gekrümmt? Bist Du in einer Parallelwelt gelandet, in der alle Bremer gleichzeitig beschlossen haben, heute einfach mal nicht im Weg zu stehen?“
Und dann sah ich sie. Oder besser gesagt: Ich sah sie nicht. Die Straßenbahnen. Die Busse. Nichts. Stille an den Haltestellen. Ein großes, kollektives Nichts auf Schienen:
ÖPNV-Streik.
Tja. Wir denken ja immer, Streiks seien dazu da, alles lahmzulegen. Wir stellen uns vor, wie die Welt knirschend zum Stillstand kommt, wenn die Busfahrer die Schlüssel weglegen. Aber in Bremen passierte heute das genaue Gegenteil. Es war, als hätte man aus einer verstopften Nase den Korken gezogen.
Ohne die Busse, die sich wie riesige Wale durch die engen Gassen schieben, und ohne die Straßenbahnen, die mit der Autorität eines preußischen Beamten alles schneiden, was ihren Weg kreuzt, war da plötzlich: Platz.
Und dann waren da noch die Leute im Homeoffice. Die Helden des digitalen Zeitalters. Sie saßen zu Hause in ihren Schlafanzughosen, starrten in Videokonferenzen und trugen so maßgeblich dazu bei, dass ich auf der Kaisenbrücke nicht mein drittes Frühstück einnehmen musste.
Ich kurbelte das Fenster runter, atmete die ungewohnt abgasarme Luft ein und flüsterte leise in Richtung des Gewerkschaftshauses: „Bitte… macht weiter so. Hört nicht auf zu streiken. Wenn das so weitergeht, schaffe ich es heute sogar noch rechtzeitig zum Mittagessen.“ Und das ist ja bekanntlich der wichtigste Termin des Tages. 😉
Es ist schon paradox: Der ÖPNV streikt, damit sich was bewegt… und bei mir hat es tatsächlich funktioniert. Ich bin heute so schnell durch Bremen gekommen, dass ich zwischendurch kurz überlegt habe, aus reinem Übermut noch mal nach Bremerhaven zu fahren. Aber man soll sein Glück ja nicht strapazieren. Am Ende fängt der Streik richtig an zu wirken und ich bin plötzlich ganz allein auf der Autobahn.
Das wäre dann doch irgendwie unheimlich, oder?
Lieber Axel Schuller, wieder einmal vielen Dank, dass wir aus Ihrer E-Mail gut recherchierte Hintergründe zum heutigen verdi-Streik erfahren. Und auch vielen Dank an die diversen (teilweise kontroversen) Kommentatoren!
Hier mein inhaltlicher Beitrag: Weshalb kann die BSAG nicht mehr ausreichendes Personal akquirieren? Nicht allein die Vergütung für die Fahrer ist das Problem. Sondern die leider auch dort zunehmende gesellschaftliche Forderung nach (meines Erachtens) inzwischen kaum noch zu verantwortender „individueller Lebensgestaltung“. Hier muss es zu einer Quantenverschiebung kommen, ansonsten bricht unser wirtschaftliches Gefüge zusammen!
Aber auch, die nicht mehr gewährleistete Sicherheit des Fahrpersonals. Immer mehr Schwarzfahrer bei weiter sinkenden Kontrollen. Wirtschaftlich und ökonomisch untragbar! Schwarzfahrer stellen u. a. ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Diese Information habe ich von Polizisten. Ich habe in den letzten 10-15 Jahren kein einziges Mal Hinzurufen von Polizei in brenzligen Situationen bei Einschreiten des Fahrpersonals oder von Kontrolleuren (gibt es die überhaupt noch?) erlebt.
Dank des Streiks, sind die Straßen angenehm leer und flott zu befahren. Die BUS freie Zeit kann gern länger andauern. 🙂
Die BSAG Streiker sollen wissen: Niemand braucht die BSAG.
Viele andere Nahverkehrsunternehmer. (z.B. Weser-Ems Bus) könnten leicht und reibungslos alles in Bremen übernehmen und die BSAG kann sich woanders neue Kunden suchen oder das Unternehmen schließen und abwickeln.
Niemand braucht die BSAG!
Sie sagen es, Herr Schuller, falls die BSAG nicht auf autonomes Fahren setzt und Strassebahn – und Busfahrer damit überflüssig werden. Aus einer Reihe von Gründen wäre das oberklug. Nicht nur weil der Bürger streikunhängiger würde, sondern auch weil auf Grund des Pillenknicks gar nicht genug Fahrer rekrutiert werden können. Zudem könnten sich Deutschland und Bremen endlich mal als technologisch at the forefront positionieren.
Ich befürchte allerdings, die Bedenkenträger in unserem Land werden auch diese Chance wieder verschlafen.