Rücktritt der Vize-Präsidentin macht Personalnot der Grünen überdeutlich

02.03.2026 10 Von Axel Schuller

Heute aktuell und kurz: Dass Sahhanim Görgü-Philipp (56) vom Amt der Vizepräsidentin der Bremischen Bürgerschaft zurücktritt, ist mehr als gerechtfertigt: Zu sehr hat die Grüne die Gefühle all jener mit Füßen getreten, die noch Mitgefühl mit den Opfern des Nazi-Terrors und deren Nachfahren empfinden. Ihr Selfie mit einem Original-Koffer aus einer Holocaust-Ausstellung und dem Text „Fertig für heute“ war unfassbar dumm. Die Grüne stürzt ihre Partei gleichwohl in eine echte  Personalkrise. Die Regierungspartei verfügt in Wahrheit nämlich über eine extrem kurze Personaldecke für den zu vergebenden Topjob.

Görgü-Philipp (56) gilt zwar als mitfühlende Frau. Doch bei Posts für die sozialen Medien gab es bei ihr offenbar kein Halten.   

Dies ist ihr nun zum Verhängnis geworden. Sie selbst hatte die Holocaust-Ausstellung im Haus der Bürgerschaft eröffnet. Konnte sich jetzt also nicht damit rausreden – wie ihre Foto-Partnerin Katharina Kähler (SPD) – die angeblich nicht wusste, dass es sich um Original-Koffer aus der Nazi-Zeit handelte. 

Zu den Grünen Personalnöten.

Diese spiegelten sich bereits gestern in der Zerrissenheit der Bürgerschaftsfraktion wider. Die eine Hälfte stützte Görgü-Philipp, andere hielten ihren Rücktritt für unausweichlich. Der Landesvorstand stellte sich am Abend offiziell hinter Görgü-Philipp. Doch die 56-Jährige gab angesichts massiver Kritik von CDU, FDP und BD entnervt auf. Als Mitglied des Präsidium muss sie schließlich alle Abgeordneten in der Öffentlichkeit vertreten.

Bei den Grünen hatte es nach der Bürgerschaftswahl 2023 gleich mehrere Interessenten für den Vizeposten gegeben. Der Grund: Er ist finanziell hochgradig interessant. Vizepräsidenten m/w erhalten zusätzlich zu ihrer Diät von 6.369,26 Euro „75 vom Hundert“ als Aufwandsentschädigung. Mithin 1,75 Diäten, bedeutet brutto: 11.173,20 Euro.

Als Interessenten für den lukrativen Vizeposten galten 2023 Michael Labetzke aus Bremerhaven und der Abgeordnete und Weinhändler Ralph Saxe. Am Ende machte Sahhanim Görgü-Philipp das Rennen.

Saxe und Labetzke wollten dann Ende 2025 Fraktionsvorsitzender (2,5fache Diät) werden, als Dr. Henrike Müller ins Amt der Umweltsenatorin gewählt wurde. Labetzke zog noch vor der Wahl zurück, Saxe trat gegen Dr. Emanuel Herold an – und verlor. 

Spannend, auf wen sich die Grünen nach Görgüs Rücktritt als Stellvertreterin von Präsidentin Antje Grotheer (SPD) – sie erhält 2,5 Diäten – einigen werden. Zwei aufstrebende junge Abgeordnete scheiden aktuell vermutlich aus. Dr. Franziska Tell ist gerade Mutter geworden und hatte deshalb nicht erneut für den Landesvorsitz kandidiert. Bithja Menzel wird demnächst Mutter. 

Würde mich nicht überraschen, wenn Ralph Saxe erneut zum Sprung in die höheren Gehaltssphären ansetzen würde. Vermutlich steht ihm dabei jedoch sein Geschlecht im Weg. Nachdem die Grünen 2023 mit Sahhanim Görgü-Philipp eine Frau für den Vizeposten nominiert hatten, ist zu erwarten, dass erneut die Frauen-Karte sticht

Bloß, mit wem? Ex-Umweltsenatorin Dr. Maike Schaefer oder etwa die im Parlament ohnehin umstrittene Kai Wargalla?

Liebe Leserschaft, Sie sehen, Görgüs notwendiger Rücktritt löst bei den Grünen erneut (hinter den Kulissen) ein Tauziehen um den Topjob aus. Wie bereits bei der Nachfolge auf dem Stuhl des Fraktionschefs.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller