Frau Kähler, Frau Görgü-Philipp – wie steht es um Ihre Polit-Hygiene?

08.03.2026 9 Von Axel Schuller

Bis heute hatte ich an die Selbstreinigungskräfte der Politik geglaubt. Vergeblich. Zwar ist die Grüne Sahhanim Görgü-Philipp (56) nach dem „Koffer-Eklat“ immerhin von ihrem hervorgehobenen Amt als Vize-Präsidentin zurückgetreten. Aber, kann jemand mit derart schlecht ausgeprägtem Gefühl dafür, was man tut und was man sein lässt, wirklich weiterhin sozialpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion bleiben? UND: Wie kann es angehen, dass Görgüs „Koffer-Partnerin“ Katharina Kähler (SPD) sich wegduckt und einfach weiter als „sozialpolitische Sprecherin“ der SPD-Fraktion auftritt?

Kähler, offiziell Sprecherin der SPD-Fraktion für „Soziales, Familie, Senior:innen und Menschen mit Beeinträchtigungen“, hat nach der öffentlichen Erregung über das unsägliche gemeinsame Koffer-Bild mit der Grünen Görgü-Philipp zwar öffentlich um Entschuldigung gebeten – es sei „ein Augenblicks-Aussetzer“ gewesen, den sie „sich selbst nicht erklären“ könne. Aber: Entspricht dies ernsthaft den heutigen politischen Hygiene-Vorstellungen eines Deutschen Landtages, um Unvorstellbares zu entschuldigen? Und, um anschließend einfach zur Tagesordnung überzugehen? Als Sprecherin ausgerechnet für „Soziales und für Inklusion“ der größten der drei Regierungsfraktionen. Gerade die genannten Politikbereiche setzen ein besonderes Maß an politischem Fingerspitzengefühl, mentaler Sensibilität und Reife voraus.

Nebenbei bemerkt: Die Holocaust-Ausstellung über die Deportation von Juden im Dritten Reich trägt – vor dem Hintergrund des Koffer-Eklats – den nahezu seherischen Titel:

„Das Unvorstellbare zeigen“.

Schülerinnen und Schülern wird vor vermutlich jedem Museumsbesuch eingetrichtert: Ausstellungs-Exponate fasst man nicht an, und macht erst recht nicht Social-Media-Fotos damit.

Aber dann tollen zwei Bürgerschaftsabgeordnete (56 und 46 Jahre alt) aus dem Saal. Gedankenlos wie zwei pubertierende Mädchen greifen sie nach zwei erinnerungsschweren Koffern für einen Feierabend-Post („für heute fertig“). 

Wie wollen die beiden Frauen künftig noch glaubwürdig und mit innerer Würde ausgerechnet als sozialpolitische Sprecherinnen ihrer Fraktionen auftreten – ohne den anderen Abgeordneten zu schaden?

Ihren Hang zu „Wie-sind-wir doch-gut-drauf-Fotos“ haben Kähler und Görgü-Philipp bereits früher mitsamt ihrer Kollegin Selin Arpaz ausgelebt. Im Netz ist ein „Post“ mit überdreht lachenden Gesichtern der beiden Abgeordneten zu finden. Ein Selfie, aufgenommen anlässlich einer Sitzung der Sozialdeputation. Wobei es in der Sitzung, so hörte ich, um vieles, aber leider um nichts Fröhliches gegangen sein soll.

Der innere Drang, sich unbedingt in den sozialen Medien darzustellen, ist entweder Folge eigener Social Media Sucht oder eines merkwürdigen Politikverständnisses. Nach dem Motto: Nur, wer öffentlich präsent ist, kann bei der nächsten Wahl  darauf hoffen, von der eigenen Partei wieder auf der Wahlliste platziert zu werden.

Wenn es noch so etwas wie Ehre, Anstand und Selbstreflexion gibt, müssen Görgü-Philipp und Kähler ihre Positionen als sozialpolitische Sprecherinnen räumen. Gerne ohne Foto bei „Insta“  oder sonstwo im Netz.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Die Resonanz auf die neue bsg-RubrikGastkommentar“ – persönlich und auf der bsg-Website – hat mich freudig gestimmt. Mindestens genau so gut haben mir die Leser-Kommentare gefallen: teilweise unterschiedliche Meinungen, sachlich, fair ausgetauscht und dargelegt. Danke!