Sprung aus dem dritten Stock – tragischer Suizid im Kippenberg-Gymnasium

19.03.2026 27 Von Axel Schuller

Entsetzen und Trauer bestimmen aktuell das Schulleben am Kippenberg-Gymnasium: Dort hat sich am vorigen Freitag ein Schüler aus der Toilette im 3. Stock des Schulgebäudes in den Tod gestürzt. Er war während einer Klassen-Arbeit beim „Spicken“ auf dem (verbotenen) Handy ertappt worden. Die Betroffenheit seiner Mitschülerinnen und Mitschüler ist unfassbar groß. Die Abiturienten sagten ihre (regulär ausgelassene) „Null-Tage-Feier“ ab.

Liebe Leserschaft, Schüler-Suizide waren noch nie Thema im Blog. Aber das Zusammenfallen mehrerer Ereignisse veranlasst mich zur heutigen Ausnahme.

Laut der Studie der Robert-Bosch-Stiftung – über die am Donnerstag berichtet worden war – leiden 25 Prozent der deutschen Schüler unter „psychischen Auffälligkeiten“. Seit Corona ist dieser Horror-Wert erstmals wieder angestiegen.

Die Lokalzeitung berichtete: „Lehrerverbände und Bildungsgewerkschaften äußern sich beunruhigt und fordern für Schüler wie Lehrer mehr Zeit und Unterstützung im Schulalltag.“

Als mögliche Ursachen nannten die Studienautoren „Leistungsdruck, fehlende Mitgestaltungsmöglichkeiten in der Schule sowie Zukunftssorgen“. Ferner wollen die Autoren einen Zusammenhang zwischen Armut und psychischer Belastung festgestellt haben.

Bezüglich des Schwachhauser Kippenberg-Gymnasiums muss man wohl nicht von einem ausgeprägten Armuts-Problem ausgehen.

Unabhängig vom gesellschaftlichen Stand der Eltern: Es ist wohl an der Zeit, in jeder Schule – wie häufig in den USA – einen Psychologen von außerhalb des Schul-Universums mit festen Sprechzeiten zu engagieren, bei dem sich Schülerinnen und Schüler Rat holen können. Wenn sie von existenziellen Sorgen geplagt oder gemobbt werden, oder sich völlig überfordert fühlen. Der berühmte „Vertrauenslehrer“ kann diese Funktion heutzutage nicht mehr in dieser besonderen Form wahrnehmen. Er/sie ist Lehrer, aber kein Psychologe.

Vor 25 Jahren (2001) hatte sich schon einmal ein Schüler (Gregor) dieses Gymnasiums selbst das Leben genommen. Bereits im Jahr 1990, so erinnerten sich gestern „Kippe“-Insider, hatte man zudem im Bürgerpark einen Jugendlichen an einem Baum erhängt gefunden – er fühlte sich dem Leistungsdruck an der Schule nicht gewachsen.

Um es kurz zu machen:

Unser amtierender Bildungssenator Mark Rackles (SPD) scheint derzeit viel Energie auf eine Neuausrichtung der Bremer Bildung zu verwenden. Das ist gut so. Zeitweise findet er auch noch Zeit, Schüler mit der aus seiner Sicht falschen politischen Meinung zu beschimpfen. 

Leider versucht er, sich mit Ausreden durchzulavieren. Bei ButenunBinnen erklärte er unwidersprochen, mit seinem Satz von den „rechten Dumpfbacken“ habe er die CDU-Schüler-Union allgemein, nicht aber die Bremer SU gemeint. 

What? Rackles hatte sich im Zusammenhang mit dem Austritt zweier SUler aus der Bremer Gesamtschülervertretung und deren Kritik an der GSV geäußert – und nicht zur SU in Hintertupfingen oder auf der Hallig Hooge.

Es ist zu hoffen, dass Herr Rackles Zeit findet, sich mit dem schrecklichen Ereignis in dem Schwachhauser Gymnasium zu beschäftigen; zumal es ja nicht der erste Suizid ist.

Dass sich der Schüler aus dem Gebäude in den Tod gestürzt hat, kann viele Ursachen haben. In erster Linie sollte unser Ober-Lehrer Rackles aber bspw. mal nachschauen (lassen), wie es um das Lern-Klima in der „Kippe“ steht, ob sich Schüler in der Lehranstalt ausreichend wahrgenommen fühlen, ob personell alles auf der Reihe ist.

Immerhin waren voriges Jahr Zustände von Angst und Schrecken aus der Schule an der Stader Straße bekannt geworden, die zuvor niemand für möglich gehalten hatte.

Liebe Leserschaft, ich will mit diesen Zeilen keine Vorurteile schüren, keine Schuld-Vermutungen äußern oder gar am Ruf des Kippenberg-Gymnasium kratzen. Wirklich nicht.

Aber ich meine, der schreckliche Tod des Jungen (offenbar ein Jahrgang unter den Abi-Klassen) muss unbedingt aufgearbeitet werden. Daran kann sich der Bildungssenator gerne sinnvoll beteiligen.

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ACHTUNG: Dieser Beitrag ist nach Hinweisen aus der Leserschaft überarbeitet und korrigiert worden. Ich mache dies heute (27.3.), weil der Beitrag weiterhin täglich neue Leser findet.

Ich bedauere, dass ich in der ersten Fassung meine gewohnte Verabschiedung (Munter bleiben!) verwendet habe. Dies war gedankenlos, passte überhaupt nicht zu dem tragischen Ereignis. Ich bitte um Entschuldigung.

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Herzlichst

Ihr Axel Schuller