Unmöglich: Das Innenressort verweigert dem „Held von der A 281“ ein Dankeschön

30.03.2026 10 Von Axel Schuller

Die Geschichte macht mich auch weiterhin fassungslos: In der Nacht zum 24. Januar 2026 blockierte ein Sattelauflieger zwei Fahrbahnen inkl. Standspur auf der Autobahn A 281 zwischen GVZ und Bremer Airport. Als fast genauso erstaunlich empfinde ich die Ignoranz, mit der die Bremer Innenbehörde mit dem Retter umgeht. Denn: Nur dem beherzten, mutigen Handeln eines 67-jährigen Lastwagenfahrers verdanken einige der nachfolgenden Autofahrer ihr Leben. Und trotzdem: Innensenatorin Dr. Eva Högl (SPD) wird den Trucker – so ihre Behörde – nicht ehren. Neun Wochen nach dem Ereignis teilte das Ressort bremensogesehen mit: „Eine förmliche Belobigung sprechen wir in solchen Fällen nicht aus.“

Liebe Leserschaft, bremensogesehen hatte bereits am 24. Januar über den – aus meiner Sicht – versuchten Mordanschlag unbekannter Täter auf mehr als ein Dutzend Menschen berichtet, die in der Nacht zum besagten Sonnabend auf der A 281 unterwegs waren. Dieser Autobahnabschnitt erschließt nicht nur das Güterverkehrszentrum, sondern auch die Stadtteile Woltmershausen sowie Strom und Seehausen mit der Stadt. 

Unbestritten ist, dass der 67-jähriger Lastwagenfahrer mehrere Leben gerettet hat. Obwohl der zuvor aus dem GVZ geklaute Sattelauflieger im Dunkeln schwer zu erkennen war (auch, weil sich keine Ladung darauf befand), kam der Trucker dank einer Vollbremsung kurz vor dem stählernen Hindernis zum Stehen. Anschließend erwies er sich als Menschenfreund und Lebensretter. Er schaltete den Warnblinker ein und setzte ein Stück zurück, um dann den nachfolgenden Verkehr rechtzeitig zu warnen. Was ihm sehr gut gelungen ist. Keines der nachfolgenden Autos fuhr in den Auflieger hinein. Alle Autofahrer blieben unversehrt, niemand starb – was sehr wohl hätte geschehen können.

Als die Polizei am – man muss schon sagen – Tatort eintraf, standen über ein Dutzend Fahrzeuge auf der A 281. Einige übrigens nicht nur mit einer, sondern auch mit mehreren Personen besetzt.

Und dieser Retter soll nicht ausgezeichnet, nicht einmal belobigt werden?

Die Behörde von Fr. Dr. Högl teilte auf mehrmalige Anfrage von bremensogesehen mit:

„Wir haben den Fall geprüft. Das Verhalten des LKW-Fahrers war vorbildlich – er hat besonnen reagiert und andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer geschützt. Dafür gebührt ihm Respekt und Anerkennung. Eine förmliche Belobigung sprechen wir in solchen Fällen jedoch nicht aus. Das ist kein Urteil über die Person oder ihre Handlung. Belobigungen sind an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, die wir einheitlich und unabhängig von äußeren Anfragen prüfen und anwenden.“   

Auf meine erneute Anfrage, was denn der letzte Satz („…an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, die wir einheitlich und unabhängig von äußeren Anfragen prüfen und anwenden.“) zu bedeuten habe, erhielt ich folgende Antwort:

„Nicht jede anerkennenswerte Leistung erfüllt automatisch die formalen Kriterien für eine förmliche Belobigung. Die Voraussetzungen dafür sind klar definiert und werden in allen Fällen einheitlich angewandt.“

„Behördis“, die Weigerung, den Mann zu ehren, fußt jetzt aber hoffentlich nicht darauf, dass ein Außenstehender die Idee dazu hatte? Oder etwa doch? Die Formulierung „unabhängig von äußeren Anfragen“ riecht leider ziemlich – nach beleidigt-sein.

Ein Blick ins Netz weist folgende zurückliegende Auszeichnungen und Belobigungen des Bremer Innenressorts (KI unterstützt) aus:

Zitat ANFANG:

„Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (jetzt Innensenatorin Dr. Eva Högl – beide SPD) verleiht regelmäßig Rettungsmedaillen und spricht öffentliche Belobigungen für mutiges Handeln und Lebensrettung aus. 

Beispiele aus den vergangenen Jahren: 

  • März 2025: Eine 68-jährige Bremerin erhielt eine öffentliche Belobigung, da sie einer Rentnerin half, die Opfer eines betrügerischen Enkeltricks wurde.
  • August 2024: Drei Kinder und Jugendliche (fünf, sechs und acht Jahre alt) wurden mit einer öffentlichen Belobigung für die Rettung vor dem Ertrinken ausgezeichnet.
  • Mai 2024: Eine 54-jährige Bremerin erhielt eine öffentliche Belobigung für ihre Zivilcourage, als sie einem Uhrmacher zur Hilfe kam, der in seinem Geschäft angegriffen wurde.
  • September 2020: Ein 28-Jähriger wurde mit der Rettungsmedaille ausgezeichnet, nachdem er einen Mann aus der Weser gerettet hatte.“

ENDE des Auszuges aus dem Internet.

Gemessen an den aufgezeigten Fällen soll der „Held der A 281“ – ernsthaft? – nicht einmal eine Belobigung erhalten?

Das Dollste:

Der Trucker wird aller Voraussicht nach nie etwas von den lobenden Äußerungen der Höglschen Presseabteilung erfahren („Das Verhalten des LKW-Fahrers war vorbildlich – er hat besonnen reagiert und andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer geschützt. Dafür gebührt ihm Respekt und Anerkennung.“). Denn, diese Sätze wurden ja nur an den Blog gemailt

Es wäre schon ein Wahnsinns-Zufall, wenn der Trucker den Blog vor die Augen bekäme, oder er von einem meiner Abonnenten angesprochen würde.

Unterm Strich: Ich empfinde es weiter als nicht nachvollziehbar, ignorant und peinlich, dass der Mann mehrere Menschen vor schweren körperlichen Schäden oder womöglich sogar vor dem Tod bewahrt hat – von „seinem Staat“ jedoch keinerlei Dank erhält.

Übrigens: Die Staatsanwaltschaft hat bisher nicht herausgefunden, wer Ende Januar den Sattelauflieger im nahe GVZ gestohlen hatte. „Insoweit können aktuell auch keine Angaben zu einem etwaigen Tatmotiv gemacht werden“, teilte die Pressestelle der Staatsanwaltschaft mit. Somit bleibt weiter unklar, ob „gewöhnlich“ Kriminelle oder doch Polit-Radikale den Sattelauflieger auf der Autobahn abgestellt hatten. Die Ermittlungen, so die Behörde, dauern an.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S. Schauen Sie sich bitte unbedingt die Kommentar-Vielfalt zum jüngsten Gastkommentar von Barbara Heller zum Ostermarsch an.