Wie schmuggeln „Ultras“ Bengal-Feuer ins Fußball-Stadion?
Fans mit einem normalen Einkommen blutet schier das Herz: Werder musste allein im Februar 260.000 Euro Strafe für 237 Bengal-Feuer von Bremer Fans beim Nordderby gegen den Hamburger SV berappen. 52.000 Euro wurden fällig für 25 „pyrotechnische Gegenstände“ beim Heimspiel gegen Wolfsburg, auswärts in Mainz sowie bei den Heimspielen gegen Stuttgart und St. Pauli, usw. Stets lautet die Frage: „Wie können die das verbotene Feuerwerk überhaupt in die Stadien transportieren? Die Antworten, liebe Leserschaft, werden Sie überraschen!
Ich fasse die Ergebnisse meiner Nachfragen bei Werder und in Polizeikreisen vorab zusammen. Anschließend lasse ich Sie – mache ich ja manchmal so – an meiner Recherche teilhaben, indem ich die Fragen an Werder und die Vereins-Antworten dokumentiere.
Die Ergebnisse: Die Höhe der Strafgelder ärgern auf den ersten Blick, erinnern aber im Vergleich zu den Spieler-Gagen eher an die berühmten Peanuts: Werder Bremen wendete laut Experten-Website im Jahr 2025 rund 55 Millionen Euro (inkl. Boni) für seine Bundesliga-Spieler auf.
Die Hardcore-Fans spielen bei Werder (und anderen Vereinen) eine ganz besondere Rolle. Einigen sich die „Ultras“ auf einen Schweigeprotest, zieht dies die Mannschaft auf dem Spielfeld regelrecht runter. Hauen die Super-Fans hingegen im wahrsten Sinn auf die Pauke, schreien sie sich „die Seele aus dem Leib“, dann tragen sie die Spieler.
Wenn der Anführer („Capo“) einer Fan-Gruppe die Anhänger (wie vor dem Spiel gegen Heidenheim) via Stadion-Lautsprecher emotional aufpeitscht („Wir Fans können Wunder bewirken“), spielt die Mannschaft plötzlich wie befreit auf, beschert dem neuen Trainer nach drei Niederlagen plötzlich einen Sieg.
Die Fußball-Firma Werder Bremen befindet sich also – zurückhaltend formuliert – in einem Spannungsfeld zwischen den Vorschriften (Feuerwerk ist strengstens verboten) und der „Sucht“, von den treuesten Fans emotional und lautstark unterstützt zu werden.
Nicht zu vergessen: Die „echten“ Fans kaufen viele der Fan-Artikel und sorgen somit für ordentlich Umsatz. Außerdem nehmen die „100-Prozentigen“ alle Mühen und Kosten in Kauf und reisen mit der Mannschaft zu den Auswärtsspielen.
Diese Unterstützung lässt sich Werder etwas „kosten“. Die Fans verfügen im Stadion beispielsweise über einen „Fahnensaal“. Dort können sie ihre Riesenbanner, Transparente und Plakate aufbewahren. Nach meinen Recherchen haben sie zu diesen Raum angeblich nicht nur während der Spiele Zutritt.
In dem Fahnensaal, so Insider, könne man so allerlei unterbringen.
Bei Auswärtsspielen müssen die Hardcore-Fans umdisponieren. Da werden Pyro-Artikel an zuvor abgesprochenen Stellen über den Zaun bugsiert. Polizisten hegen zudem den Verdacht, dass kleinere Pyro-Artikel notfalls sogar in Körperöffnungen (ernsthaft, keine Erfindung von mir!) ins Stadion geschmuggelt werden.
So. Nach dem womöglich ungläubigen Staunen können Sie, liebe Leserinnen und Leser, nun meinen „Mail-Wechsel“ mit der Werder-Pressestelle auszugsweise lesen.
Die Fragen von bremensogesehen an Werder und die jeweils dazugehörenden Antworten:
bremensogesehen:
1. Wie kommen verbotene Feuerwerkskörper ins Stadion?
Werder-Pressestelle:
„Für uns gilt klar: Die Sicherheit im Stadion hat oberste Priorität. Das Abbrennen von Pyrotechnik ist verboten. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass organisierte Fanstrukturen Teil der Fankultur sind – sie stehen jedoch nicht über den geltenden Regeln.
Zu 1. Es gibt unterschiedliche Versuche, verbotene Gegenstände ins Stadion zu bringen. Die Identifizierung einzelner Verantwortlicher ist dabei in der Praxis oft anspruchsvoll. Gemeinsam mit den zuständigen Sicherheitsbehörden und Dienstleistern arbeiten wir kontinuierlich daran, Prävention und Kontrollmechanismen weiterzuentwickeln.“
bremensogesehen:
2. Trifft es zu, dass die Bremer Fans im Stadion über einen Fahnenraum verfügen?
3. Haben die Fans einen Schlüssel zu diesem Raum?
4. Haben diese „Schlüsselgewaltigen“ auch außerhalb der Spiele eine Zugangsmöglichkeit?
Werder Bremen:
Zu 2.–4. „Im Weserstadion existieren, wie in vielen anderen Stadion auch, infrastrukturelle Lösungen für organisierte Fanmaterialien. Diese sind in klare organisatorische und sicherheitsrelevante Abläufe eingebettet. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass es sich dabei um interne Regelungen und Zugänge handelt.“
bremensogesehen:
5. Ist Werder bekannt, auf welchem Weg auswärtige Fans ihr Feuerwerk ins Stadion transportieren? Von außen über den Zaun mit Hilfe von „Kollegen“, die sich bereits im Stadion befinden?
Werder Bremen:
Zu 5. „Auch bei Auswärtsspielen gelten entsprechende Sicherheitskonzepte der jeweiligen Veranstalter und Behörden, zu deren operativen Details wir uns nicht äußern.“
bremensogesehen:
6. Trifft es zu, dass Fans (eigene und auswärtige) Feuerwerk sogar in Körperöffnungen „bunkern“, um diese ins Stadion zu schmuggeln?
Werder Bremen:
Zu 6. „Zu spekulativen oder entwürdigenden Darstellungen werden wir keine Stellung nehmen. Unabhängig davon stehen wir im engen Austausch mit Fanvertreter*innen, Sicherheitsbehörden und Verbänden, um sowohl die Sicherheit als auch eine lebendige, verantwortungsvolle Fankultur im Stadion zu gewährleisten.“
Soweit der Mail-Wechsel mit dem Bundesligisten.
Interessant fand ich, dass der Verein sich nicht zu „entwürdigenden Darstellungen“ äußern wollte. Was soll denn an einer Frage „entwürdigend“ sein? Erkundigen Sie sich mal bei Polizisten, wie und wo beispielsweise Dealer die Drogen vor unerwünschten Blicken verstecken…
Aber: Warum erwischt die Polizei so selten die Pyro-„Techniker“ unter den ganz besonderen Fans?
Die Antwort aus Polizeikreisen: „Einige der Ultras tragen zwei Bekleidungen übereinander. Unter den Riesenbannern wird eine Schicht ausgezogen. Nach dem Abbrennen des verbotenen Feuerwerks wird der Riesenbanner erneut über dem Ultra-Block ausgebreitet, und die zweite Klamottenschicht wird wieder übergezogen.“ So sei die nachträgliche Identifizierung der Personen extrem schwierig.
Zum Schluss: Werder, viel Glück an diesem Sonnabend gegen Leipzig! Bremen braucht den Bundesliga-Status für das Ansehen des Ländchens. Und für Selbstbewusstsein.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Seien Sie auf den Gastkommentar am Ostersonntag gespannt. Ich verspreche Ihnen, Sie werden – falls alles klappt 😉 – überrascht sein.
Eine sehr interessante Offenbarung und vielen Dank für die Antwort auf eine Frage, über die ich seit Jahzehnten grübelte. Man fragt sich, warum das so lange funktioniert.
Vielen Dank Herr Schuller!
Was für eine Recherche…. Das ist ja Oscar würdig. Wie lächerlich…
Was sind 260 k € Kosten bei einer Firma mit 142,7 Mio. Euro Umsatz? – Zumal wenn es nutzt?
Angesichts eskalierender Mafiagewalt (Daltons) in Bremen möchte ich dem unwichtigen Thema „Ultras“ noch um ein weiteres unwichtiges Detail bereichern.
„Capo“ ist eine italienische/süddeutsche Bezeichnung für einen Vorarbeiter. Deutschlandweit würde dieser über die Bezeichnung von Funktionshäftlingen in den KZs bekannt, die von der SS als Aufseher eingesetzt wurden. Funktionshäftlinge waren ganz üble Typen, die ihre eigenen Leute gegen Privilegien drangsaliert und verraten haben.
Wer macht die Ultra-Capos eigentlich zu Capos?
Vielleicht hat das ganze Thema Fußball-Fans und die Inszenierung von einer angeblichen Gefahr, die davon ausgeht, doch etwas mit der Mafia-Ausbreitung zu tun. Denn es werden große Polizei-Ressourcen bei den Heimspielen gebunden, die dann nicht mehr gegen Kriminelle vorgehen können. Ist das der Plan der „Regierung“?
Als Außenstehender biete ich mal eine Antwort an. Werder hat mutmaßlich eine ultrabillige Security, die nur daraus aus ist, eine eingeschmuggelte Flasche oder Dose Bier zu entdecken.. Denn im Stadion soll Bier in billigen Plastikbechern teuer verkauft werden.
Jeder Viertklässler erkennt die Milchmädchenrechnung, wenn die Strafgelder regelmäßig die Profite aus Bierverkauf übersteigen. Aber dem Anschein nach rafft das niemand im Werder-Management.
Die Strafen sollten gerne um das 10fache höher sein. Zudem sollte Weder sich endlich von seinen „Ultras“ trennen, Stadionverbote erteilen.
Pyrotechnik gehört zur sogenannten “ Fan – Kultur “ einfach dazu.
Der Begriff Kultur ist übrigens nicht geschützt. Jeder darf ihn verwenden.
Für normale Stadionbesucher sind die Strafen dieser „kulturellen“ Fan Aktionen selbstverständlich im Eintrittspreis enthalten. Ich habe immer schon das Gefühl gehabt, dass Werder diese einpreist.
Brot und Spiele für die Massen.
Und in der Pause gibt’s kulturunwürdige desolate hygienische Zustände auf den Toiletten gratis dazu. Wer das braucht……