Gastkommentar: Der Staat sägt am Ast, auf dem er steuerlich sitzt
Peer Rüdiger beschäftigt sich im Gastkommentar mit den Qualen des Klein- und Einzelhandels in den Bremer Stadtquartieren. Rüder weiß wovon er spricht: Er betreibt die Druckerei „Medienhaven“ im Steintorviertel. Ferner steht er der Interessengemeinschaft Viertel vor, schreibt hier aber als Privat- und Geschäftsmann. Seine Verärgerung gilt der Politik, die für heimische Betriebe ständig neue Regeln aufstellt – während diese für Firmen und Plattformen aus dem Ausland nicht gelten. Die Folge: Selbst bremische Kindergärten kaufen nicht beim Fachhandel in Bremen, sondern im Internet bei ausländischen Anbietern – weil’s billiger ist. Peer Rüdiger (65) ist von Beruf Buchdrucker und staatlich geprüfter Techniker. Sein „Medienhaven“, zu dem auch die Firma „Steintor-Presse“ gehört, verfügt aktuell über fünf Arbeitsplätze.

Peer Rüdiger schreibt:
„Die Geister, die wir bestellten: Warum globale Plattformen unsere Städte aushöhlen:
In den Zentren unserer Städte, besonders in traditionsreichen Mischquartieren, vollzieht sich ein schleichender Verlust an gelebtem Miteinander. Während ein immer größerer Teil des privaten Konsums über globale Plattformen abfließt, verödet nicht nur der lokale Handel, sondern unser soziales Gefüge gerät messbar aus dem Gleichgewicht. Wir erleben eine moderne Variation von Goethes Zauberlehrling: Die Politik hat durch Deregulierung Geister gerufen, die sie nun kaum noch bändigen kann.
Der ungleiche Kampf: Regulierung gegen Rechtsfreiheit
Täglich fluten Millionen Importpakete das Land, eine logistische Lawine, vor der Zoll und Marktüberwachung faktisch kapituliert haben. Während der heimische Mittelstand durch massive Bürokratie und strenge Auflagen gebunden ist, agieren Akteure wie Temu oder Shein in einem weitgehend unkontrollierten Raum. Das ist längst kein fairer Wettbewerb mehr, sondern eine massive Verdrängung lokaler Strukturen.
Wenn die Politik hier nicht durch gerechte Wettbewerbsbedingungen gegensteuert, entzieht sie den Strukturen vor Ort die Existenzgrundlage komplett.
Der Sündenfall der öffentlichen Hand
Besonders irritierend ist, dass dieser Abwärtstrend längst die öffentlichen Institutionen erreicht hat. Wenn Erzieherinnen in klammen Kommunen gezwungen sind, Bastelmaterial oder Buntstifte bei Billig-Plattformen in Fernost zu bestellen, weil die Budgets für den lokalen Fachhandel nicht mehr reichen, ist der Sündenfall komplett.
Der Staat untergräbt damit seine eigenen Mindestlohn-Gesetze, Umweltstandards und Tarifgefüge. Er spart sich buchstäblich arm und sägt an dem Ast, auf dem er steuerlich sitzt.
Die Erosion des öffentlichen Raums
Dieser wirtschaftliche Aderlass hat fatale Folgen für das Stadtbild. Wenn inhabergeführtes Handwerk und kleine Ladengeschäfte unter dem Druck der Plattformökonomie aufgeben, entstehen Leerstände, die weit mehr als nur optische Lücken reißen. In in unseren wunderbaren Bremer Mischquartieren fungieren Betriebe als natürliche Ankerpunkte der sozialen Miteinanders. Noch so gerade eben.
Fallen diese Anker weg, kippt die Dynamik der Straße. Vernachlässigung und eine zunehmende Verwahrlosung besetzen die entstandenen Freiräume. Wo die Frequenz ehrlicher Arbeit schwindet, sinkt die Hemmschwelle für illegale Nutzungen und die Vermüllung ganzer Straßenzüge. Die Kommune verliert hier doppelt: Erst die Gewerbesteuer, die für die Daseinsvorsorge fehlt, und schließlich die Hoheit über die Ordnung im Quartier.
Die soziale Rendite des Lokalen
Lokale Betriebe leisten eine Arbeit, die kein globaler Player abbilden kann. Sie bilden aus, unterstützen lokale Initiativen und sind das „Gesicht“ einer Straße. Hier wird Wertschöpfung durch menschliche Begegnung greifbar. Doch diese soziale Rendite ist in Gefahr, wenn das Umfeld der Betriebe zunehmend von einer Resignation geprägt wird, gegen die der Einzelne machtlos ist.
Fazit: Den Besen stoppen
Der „Meister“ in Goethes Gedicht muss in dieser Realität die Politik sein. Es reicht nicht, den Online-Handel als „modern“ zu verklären, während man zusieht, wie die physische Stadt und die Sicherheit in den Quartieren erodieren. Jeder Klick eines Konsumenten und erst recht jede Beschaffungsentscheidung öffentlicher Stellen, ist eine Entscheidung über die Zukunft unserer Städte.
Es wird Zeit, den „Besen“ beim Fluten der Stube Einhalt zu gebieten, bevor lokales Handwerk und lokaler Handel endgültig weggespült werden.
Anscheinend ist es aber für unsere Bremer Kommunalpolitik billiger, punktuell mehr Polizei auf die Straße zu schicken, als die Zerstörung ganzer Quartiere durch das Ausbluten des lokalen Mittelstandes endlich intellektuell und regulatorisch zu stoppen.“
Soweit der Text von Peer Rüdiger.
Liebe Leserschaft, beim Lesen dieses Textes habe ich mich ertappt gefühlt. So habe ich bislang (beispielsweise) meine Visitenkarten für den Blog möglichst billig drucken lassen – irgendwo im Ausland. Herr Rüdiger, Sie haben mich erwischt und spontan geläutert. Künftig lasse ich in Bremen drucken. Versprochen. Vielleicht kaufen Sie, liebe Leserinnen und Leser, bislang auch das eine oder andere Produkt (womöglich sogar noch viel mehr) im Netz, ohne sich viele Gedanken zu machen. Wenn Sie es sich leisten können: Stärken Sie bitte den heimischen Einzelhandel, gerne auch in den Stadtteilen. Bevor noch mehr kleine Läden durch Kioske verdrängt werden…
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Der vorige Blog über das schaurige Schauspiel, das die rot-grün-rote Koalition mit dem Untersuchungsausschuss „Staatsräte-Affäre“ zu treiben versucht, hat trotz des gleichzeitigen Erscheinens mit dem WK-Leitartikel eine wunderbare Resonanz erfahren (siehe Kommentare). Offenbar gibt es in Bremen doch einen großen Bedarf, neben den Mainstream-Medien eine alternative Sicht zu lesen. Liebe Leserinnen und Leser, vielen Dank für Ihren (häufig persönlich geäußerten) Zuspruch und für Ihr Vertrauen!
Die erfolgreiche Auseinandersetzung mit dem globalen Wettbewerb ist Teil der der Erfolgsgeschichte unseres Landes. Wir können es uns als exportlastiges Land nicht leisten, Importe zu regulieren, weil wir Gegenmassnahmen nicht verkraften können: Importbeschränkungen anderer Länder treffen ins Mark unserer Wirtschaft. Die Beschreibung des Problems durch Herrn Rüdiger leuchtet ein, seine – unausgesproche – Forderung nach Abschottung gegen Temu&Co tut es nicht. Die einzige Lösung heisst: Schaffung wettbewerbsfähiger Bedingungen für Produktion und Handel in Deutschland. Arbeits-, Sozial- und Umweltkosten in D sind zu hoch.
Und: Das Problem des stationären Handels ist im Segment „langsamdrehender“ Artikel kein internationales Thema: Man ist dem Internet bei diesen Sortimenten kostenseitig unterlegen.
Mit diesem Beitrag ist Peer Rüdiger (Grüße aus Findorff ins Viertel) etwas spät dran, aber er analysiert überwiegend völlig richtig – und insbesondere die Infos über das Einkaufsverhalten der Stadt bei Billig & Co sind aufschlussreich.
Was sagte Stefan Brockmann, Vorsitzender des Ausschusses für Einzelhandel der Handelskammer Bremen allwedings zu diesem Thema bereits 2017 in einem interessanten Interview mit FINDORFF GLEICH NEBENAN?
»Ein Großteil des Umsatzes im Internet machen ursprünglich stationäre HändlerInnen aus, die sich heute zugleich auch online bewegen.«
Und:
»Was ich wahrnehme, ist der sogenannte »hybride Verbraucher«, der für unterschiedliche Kaufmuster steht – also sowohl online als auch offline einkauft – und sich nach Lust, Laune, Wetter und Stimmung im Einkaufszentrum bewegt und am selben Tag abends online etwas bestellt. Oder der im Internet ein bestimmtes Produkt gesehen hat und dieses dann vor Ort in seinem Stadtteil kauft. Diese Bewegung sehe ich als klassische Gegenbewegung. Ich glaube allerdings nicht, das es zu einem Gegentrend und damit zu einem Abflachen des Handels im Internet kommt.«
Das ganze Interview: https://www.findorff-gleich-nebenan.de/findorff-gleich-nebenan/politik2/
Noch zu dem Satz in der Ankündigungsmail von Axel Schuller: »Wir haben es selbst in der Hand, ob speziell unsere Stadtteile zunehmend verelenden und zu Kiosk-Hochburgen werden – oder eben nicht. Richtig ist: Auch Kioske sind lokaler Einzelhandel in den Stadtteilen – und haben ebenfalls zu kämpfen: Unser Kiosk gegenüber gibt jetzt auf. Was soll also dieses pauschalierende Bashing an falscher Stelle – und falls einige Kioske, wie besonders im Viertel vermutet, aus anderen Gründen betrieben werden (unbewiesene Vermutung: Geldwäsche), ist es ebenfalls Aufgabe der Stadt Bremen, dagegen vorzugehen und dieses zum Schutz der ehrlichen BetreiberInnen zu unterbinden. Ansonsten: Es lohnt sich mit den InhaberInnen zu sprechen und sie selbst sprechen zu lassen (Einige wollten auch nicht):
https://www.findorff-gleich-nebenan.de/magazin/bremen/handel/kioske/in/findorff/
Ansonsten Peer Rüdigers Beitrag selbstverständlich auf https://www.facebook.com/FindorffVerlag für eine breite Diskussion in Bremen und in den Stadtteilen gern geteilt.
Plädiert Herr Rüdiger wirklich für das Schließen des Internets, jedenfalls wenn es um das Handwerk geht? Ich bin froh, dass die Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft dies nicht beschließen können, sie haben keine Zuständigkeit. Doch wer weiß: wenn sie Visitenkarten brauchen, benutzen sie sicherhalbshalber bitte den PC von Freunden, vorzugshalber in Syke!
„Der größte Schaden entsteht durch die schweigende Mehrheit, die nur überleben will, sich fügt und alles mitmacht.“ – @Peer Rüdiger „Hier kommen Sie nur mit Maske rein!“ „2G, xG“ – können Sie sich noch erinnern? Dann irgendwelche anderen woken Bekenntnisschilder an der Eingangstür. „Hier kein Bargeld.“ Von Personal mit unübersehbaren politreligiösen Kleidungsstücken will ich gar nicht anfangen. Ich vergesse das nicht meide solche Geschäfte und andere wohl auch.
Erkennen Sie nicht auch ein wenig, dass Sie nun die Quittung fürs Mitmachen erhalten? Selbst wenn Sie persönlich vielleicht nicht mitgemacht haben – als Gruppe, als gesellschaftliche Klasse haben die Einzelhändler mitgemacht. Und nun kaufen die nicht mal mehr bei ihnen?
Wussten Sie nicht, dass Organisationen gegenüber ihren Handlangern immer illoyal sind? Und dass die anderen Kunden auch unter Druck stehen und sich Loyalität nicht mehr leisten wollen? Wussten Sie nicht, dass die Apparatschiks der Altparteien ihre Klasse, die der Kleinunternehmen weg haben? Und darum das ganze Geldsystem, die Steuer- und Abgabenordnung, die Bürokratie gegen sie gerichtet ist – und zwar mit Absicht?
Welches Zugeständnis wollen Sie denn vom Staat in Ihrem Rückzugsgefecht? Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin auch gegen die Konzernifizierung. Aber die von Überreichen gestalteten ökonomischen Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft lassen gar keine andere Option zu.
Vielen Dank für den heutigen Gastkommentar, lieber Herr Rüdiger. Ehrlich gesagt fällt es mir gar nicht so leicht, dies zu kommentieren. Einerseits haben Sie in vielem recht, andererseits erleben wir schlicht eine gesellschaftliche Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt: die grundlegende Veränderung des gesamten Einzelhandels.
Das, was heute im Viertel sichtbar wird, ist kein neues Phänomen. Ich habe diese Entwicklung bereits vor 30 Jahren in Gröpelingen und Oslebshausen erlebt, als der personenbezogene Einzelhandel dort nach und nach vom Markt verschwand. Auch damals versuchte man, mit Verschönerungsmaßnahmen gegenzusteuern , leider ohne Erfolg.
In der Innenstadt ist die Lage allerdings noch komplexer. Nüchtern betrachtet muss man hier spätestens ab 2008/2009 von einem massiven politischen Versagen sprechen. Zwischen 2000 und 2007 gab es immerhin noch Ansätze, mit Projekten wie der Katharinenpassage und der Umstrukturierung der Obernstraße neue Strukturen und funktionierende Laufwege zu schaffen.
Um die 2010ner war ich an den Überlegungen beteiligt, gemeinsam mit Jörg Kastendiek – der als Projektmanager beim Umbau der Düsseldorfer Innenstadt Erfahrung hatte –, ein Konzept vorzulegen. Ziel war es, neue Laufwege, bessere Sichtachsen und mehr Aufenthaltsqualität in der Bremer Innenstadt zu schaffen. Dieses Konzept lag 2012 auf dem Tisch und wurde zerschlagen.
Und das nicht nur durch die damals regierende rot-grüne Regierung, sondern auch durch Widerstände innerhalb des Einzelhandels selbst. Teile des Einzelhandelsverbandes und der Handelskammer haben eigene Interessen über das Gesamtwohl gestellt. Unternehmen wie Karstadt haben kurzfristige Vorteile verteidigt, statt frühzeitig auf notwendige Veränderungen zu setzen, etwa indem man am Parkhaus Mitte festhielt, statt sinnvolle Laufwege zu ermöglichen.Kleiner Einwurf: Der letzte fachkompetente Karstadtmanager war Hinrich Blumenberg.
Heute stehen wir vor der Realität dieser Versäumnisse. Die Innenstadt muss neu gedacht werden, grundlegend. Das betrifft nicht nur den Einzelhandel, sondern die gesamte Funktion urbaner Räume. Das wird schwierig genug. Mit der aktuellen Regierung in dieser Stadt sehe ich dafür allerdings wenig Perspektive.
Dabei gab und gibt es durchaus konkrete Ideen der kleinen Schritte. Ich habe selbst um 2020 ein Konzept zur Neuordnung des Domshofs vorgelegt, das mit vergleichsweise einfachen Mitteln umsetzbar gewesen wäre. Stattdessen wurden während der Pandemie 15 Millionen Euro zur angeblichen Stärkung des Einzelhandels ausgegeben – für Maßnahmen wie ein Gerüst auf dem Marktplatz, das am eigentlichen Problem komplett vorbeiging.
Wenn wir aus den Fehlern der Vergangenheit nichts lernen, werden wir die Probleme der Zukunft auch nicht lösen.
@Kay Middendorf „Die einzige Lösung heisst: Schaffung wettbewerbsfähiger Bedingungen für Produktion und Handel in Deutschland. Arbeits-, Sozial- und Umweltkosten in D sind zu hoch.“
Ich denke, dass die „Sozial- und Umweltkosten“ ein sekundäres Problem sind. Aber laut dem Ökonomen Michael Hudson kann es sich kein Unternehmen leisten, in einem Land zu produzieren, in dem seine Arbeiter 60 % ihres Einkommens für Wohnen und Krankenversicherung ausgeben müssen.
Fast drei Viertel der Steuereinnahmen der öffentlichen Hand kommen aus Konsumsteuern und Lohnsteuern von Menschen mit potenziell nur mittlerem und leicht erhöhten Einkommen. (Info Grafik https://t.me/FreiHB/2533). Das ist ordnungspolitisch schädlich; ich berufe mich hier auf Ihren ehemaligen Parteifreund und Ökonomen Max Otte.
Um zu verstehen, was hier in Deutschland (im gesamten Westen) falsch läuft, muss man einmal nach China blicken und sich fragen: Wie ist es ihnen gelungen, innerhalb von 30 bis 40 Jahren aus dem Nichts Millionen Einkommensmillionäre und eine riesige wohlhabende Mittelschicht zu schaffen? Gleichzeitig kann man feststellen, dass Industriearbeiter und Angestellte in Bezug auf die Netto-Kaufkraft – also Nettolohn minus Konsumsteuern minus überzogene Wohnkosten – nicht so weit von Deutschland entfernt sind, wie man denkt.
Schauen Sie sich einmal die Produktionsstätten an: Woher haben ehemalige Kleinunternehmer das Geld für die Ausstattung? Woher kommen die neuen Autoproduzenten, Zulieferer, überschüssigen Wohnungen, die Software-Power etc? Irgendwas machen die Richtig.
Die Chinesen nutzen im Prinzip dasselbe Fiatgeldsystem wie wir, aber sie setzen es anders ein als westliche Staaten. Im Westen werden mit dem Kreditgeldhebel häufig Finanzspekulationen, Unternehmensübernahmen und gebraucht Immobilien finanziert – das ist jedoch unproduktiv. Tatsächlich wirkt es im Detail geradezu kafkaesk.
Neue Unternehmen im Westen benötigen für Innovationen und Produktionsmittel Eigenkapital, weil es dafür kaum (fast keine) Kredite gibt. In China wird hingegen die produktive Wirtschaft mit Fiatgeld, also Kredit bzw. Fremdkapital, ausgebaut. Offensichtlich ist es dort kein Problem, Schulden im Fall einer Pleite einfach zu streichen. Der Überschuss an Unternehmen führt zum härtesten Wettbewerb und besten Prozessen die man sich vorstellen kann. Das ist ein intelligenterer Einsatz des Geldsystems. Das spiegelt sich auch in den vergleichsweise moderaten Börsenbewertungen chinesischer Unternehmen wider. Der IPO ist nicht die Traumstory für chinesische Gründer.
Gegen einen solchen, effizienteren Einsatz des Geldsystems ansparen zu wollen, grenzt an Selbstmord. Genau das ist jedoch die Irrlehre neoliberaler Ökonomen hier.
Erschienen in FINDORFF GLEICH NEBENAN im Frühjahr 2017 vor 10 Jahren: »Ist der Einzelhandel in Findorff gut aufgestellt ?« Zum Meinungsartikel in der ersten Ausgabe gab es seitens des Vorstands der Findorffer Geschäftsleute harsche Kritik…. nach dem Motto: »Herr Rätsch, Sie wollen uns doch nur alle ins Internet bringen!«
https://www.yumpu.com/de/document/view/56769322/findorff-gleich-nebenan-nr-1
Was ist in den Jahren danach passiert? Es wurden und werden lustig Stadtteilfeste mit Flohmärkten ohne nachhaltige Wirkung für den Einzelhandel gefeiert, die meisten Läden sind im Internet weiterhin oder wieder offline und das über Jahre völlig unkreative und stehen gebliebene Stadtteilmarketing dieses Vereinsvorstands wird seit einigen Jahren jährlich mit 120.000 Euro durch das Wirtschaftsressort aus Steuermitteln subventioniert – übrigens seitens der Behörde ohne nachhaltige Evaluation und 2024 noch projektiert als »Quartiersmanagement« für Findorff, das es nie gab u d bis heute nicht gibt.
https://www.findorff-gleich-nebenan.de/der-bremer-rechnungshof-kritisiert-steuergelder-f%C3%BCr-stadtteilmarkting-ohne-evaluation-seit-jahren-scharf.-zum-beispiel-findorff/
Rückblick auf 2017: »Ist der Einzelhandel in Findorff gut aufgestellt ?«
JA:
Im letzten Jahr gab es wieder das große »Findorffer Sommerfest«: Der Straßenflohmarkt mit über 100 TeilnehmerInnen und Verkaufs- und Info-Ständen von fast 50 Geschäften, Vereinen und Institutionen war ein voller Erfolg. Auf der Showbühne verkündete eine Lokalpolitikerin begeistert, dass die von Stadtteilbeirat und Findorffer Geschäftsleuten realisierte Internetseite http://www.findorff.de ganz toll geworden sei.
In den Monaten davor trafen sich interessierte Geschäftsleute, LokalpolitikerInnen und BürgerInnen mehrmals am vom Beirat initiierten runden Tisch »Wirtschaftszentrum Findorff; Leben und Einkaufen«. Ergebnisoffen und ohne störendes Marketingwissen moderiert wurde von den Beteiligten engagiert diskutiert und kreativ gedacht: bspw. kam der wegweisende Vorschlag, ob man nicht einfach Kundenströme aus der Innenstadt, Schwachhausen oder vom Findorffmarkt in die Hemmstraße umleiten könnte.
Es entstand auch die an sich gute Idee für »Ein Logo für Findorff«. Drei Entwürfe wurden präsentiert, die aber leider im Ankauf allen zu teuer waren. Pfiffig und kostenbewusst haben die Geschäftsleute schlussendlich ihr Logo selbst gestaltet, das sie auch als inoffizielles »Stadtteillogo« einsetzen – u. a. auf bunten Einkaufstaschen und -beuteln, die man in ausgesuchten Geschäften günstig erwerben soll. Marketing mit kleinem Etat und großer Wirkung ? So kann es gehen! Regelmäßig gibt es in Findorff den »Business-Lunch«.
Es werden Ideen entwickelt, wie verkaufsoffene Sonntage oder »Evening-Shopping« – einfallsreiche Aktionen, die begeistern.
Zum Thema »Shoppen« kurz angemerkt: Das Shoppen im Internet wird allgemein überschätzt. Wie bringt es die Inhaberin eines eingesessenen Geschäfts auf den Punkt: »Das Internet ist für uns nicht wichtig. Wir leben von der Mund-zu-Mundpropaganda unser Kunden.« Schön, wer das als lokale Händlerin von sich im Jahr 2017 noch behaupten kann!
Man muss das Rad auch nicht immer neu erfinden: Wenn es dann irgendwann irgendwie nicht mehr so läuft mit dem Umsatz, helfen immer noch Aushänge mit üppigen Preisreduzierungen als ein letzter Versuch, die KundInnen für sich zu gewinnen. Der Findorffer Einzelhandel ist aus seiner Sicht gut aufgestellt. Auch Weihnachtsbeleuchtung und Schaufensterdekorationen sind immer wieder schön – da kann man nicht meckern.
Rückblick auf 2017: »Ist der Einzelhandel in Findorff gut aufgestellt ?«
NEIN:
Das Sommerfest war als Imagemaßnahme für den Stadtteil ein großer Event – Dank der Findorffer Geschäftsleute. Aber bringen Straßenfeste für Flohmarkt-Schnäppchenjäger den notwendigen Umsatz ?
Im digitalen Zeitalter stellt sich zuerst die Frage: Wie ist der lokale Einzelhandel vor Ort online aufgestellt ? Ruft man das offizielle Stadtteilportal http://www.findorff.de auf, gibt es auf diesen Seiten bis heute keine ansprechende Selbstdarstellung der Einzelhändler und – gern vergessen – der Dienstleister im Stadtteil. Seit Jahren fehlt ein redaktionelles Gesamtkonzept, das den heutigen Erwartungen der NutzerInnen nach wertig aufbereiteten, tagesaktuellen Informationen entspricht. Auch die Contentpflege ist durch statisches Verharren geprägt.
Statisches Verharren?
Dieser Eindruck bestätigt sich auch, wenn man einige zufällig ausgewählte Internetpräsenzen von Findorffer Händlern aufruft: Online-Shops sucht man so gut wie vergebens. Die digitale Zukunft, für den lokalen Handel überall bereits harte Gegenwart, hat hier auf vielen Seiten noch nicht begonnen. Dabei ist Onlinehandel der Wachstumstreiber im deutschen Einzelhandel. Über 41 Millionen Deutsche nutzen aktiv das Internet – ein stark wachsender Markt, den man als Einzelhändler eigentlich nicht ignorieren kann. Die Aussichten des nur lokal aufgestellten Handels hingegen sind düster: In vier Jahren wird er sich bis zu 30 % reduziert haben. Bedingt durch den Erfolg des Onlinehandels könnten 2020 laut Prognose des Handelsverbandes Deutschland (HDE) 50.000 lokale Läden verschwinden. Experten wie Martin Weigert sehen den lokalen Handel stark unter Druck gesetzt: »Wahrscheinlich ist es, dass traditionelle Geschäfte eines Tages den gleichen Seltenheitswert haben werden wie bereits heute Schallplatten…« Aber bisher ist nur ein Drittel der Einzelhändler in den Onlineversand eingestiegen. In Findorff ist der Anteil noch viel geringer.
Drei positive Beispiele gibt es: http://www.modisign.de und http://www.buecherfenster.de sowie http://www.bremer-gewuerzhandel.de zeigen, wie man sich die heute unverzichtbaren Multi Channel-Fähigkeiten aufbaut.
Wie aber bewirbt man Waren im Geschäft und Onlineshop ? Dazu hier nur soviel: In einer geplanten Kommunikation sind qualitative Medien und die Reichweite als Kontaktmaßzahl die Kriterien für eine Verbreitung: Ziel sollte es sein, zuerst die 25.000 FindorfferInnen im eigenen Stadtteil zu erreichen. Bunte Beutel in Kleinauflagen sind dafür leider völlig kontraproduktiv.
…und so ist es bis heute im Jahr 2026.
Der „Sündenfall der öffentlichen Hand“ ist diese selbst. Vergleichbar arbeitet die gesamte Bevölkerung Irlands für uns (öffentl. Dienst 5,38 Mio.) und ganz Nordmazedonien ist verbeamtet (1,7 Mio. Beamte, krankenversichert und pensionsberechtigt). Dieser Krebs frisst sich ständig weiter durch die Wirtschaft, verlangsamt, verhindert, vermehrt sich und verteuert. Solange Staat und Politik das „Soziale“ übertreiben und die „Marktwirtschaft“ ersetzen wollen, sind wir nicht konkurrenzfähig, müssen importieren. was hier zu teuer wird. Verbilligen wir den Staat, dann werden deutsche Waren und Fachgeschäfte wieder wettbewerbsfähig.
Donnerschlag, das sitzt aber bei einigen Kommentierenden der Colt ganz schön locker. Nein, natürlich will ich nicht unser geliebtes Internet abschaffen, noch bin ich gegen einen geregelten, unsere Regulierungen respektierenden Import.
Denn was wäre Bremen ohne den Import!
Es geht um eine vollkommen aus dem Ruder gelaufene, sehr schlaue Taktik. Chinesische Onliner umgehen geschickt unsere gesamten Regulierungen, indem sie jährlich 5 Milliarden Pakete als Direktimporte nach Europa schicken.
Jeder, der bei Temu, Shein und Co. bestellt, ist bei diesem Modell der Importeur. Von diesen 5 Milliarden Paketen profitiert unsere Hafenwirtschaft also gar nicht. Null!
Zusätzlich wird diese ungeheure Masse an Waren auf nichts geprüft, weder auf Giftstoffe, noch auf Arbeits- und Verbraucherschutz, Lieferkette, Produktsicherheit und andere, durchaus sinnvolle Regulierungen, die hier tätige Unternehmen penibel einhalten müssen.
Was sich unsere Politik dabei denkt bleibt ihr Geheimnis.
Warum werden sie nicht geprüft?
Weil es für 5 Millionen EU-Pakete, respektive 400.000 Pakete täglich nach Deutschland, keine Ressourcen zur Kontrolle gibt!
Die Folgen?
Unsere Häfen schlagen weniger um, da die Paketflut über große Frachtflughäfen kommt
Denn die Konsumenten wollen ihre .Ware ja ruckzuck haben und nicht Wochen auf ein Schiff warten. Die hiesigen Betriebe können gegen diese komplett unregulierten Importströme nicht gegenhalten. Es entsteht ein zerstörerisches Ungleichgewicht.
Auf keinen Fall möchte ich uns in die digitale Steinzeit zurückbefördern. In diesem erbärmlichen Zustand hält uns unsere Politik schon ganz alleine.
Außerdem.
Es ist erstaunlich, dass niemand der hier Kommentierenden die verheerenden Auswirkungen erkennt, die es auf die Kommunen hat, wenn über 50% unserer Kaufkraft ins Ausland abfließt und hier in den lokalen Kreisläufen ein tiefes Loch hinterlässt.
Leute, macht mal eure Klüsen auf!
Die Kommunen haben klamme Kassen und kein Geld mehr für Kultur, Infrastruktur, Soziales oder Breitensport.
Ein paar unglaublich reiche Besitzer von weltumspannenden Plattformen versuchen, die Politik zu beeinflussen.
Unsere Innenstädte und Quartiere erodieren dadurch …
Wenn wir alle nicht lokal dagegenhalten, wird es sehr, sehr bitter.
@PeerRüdiger
Zu
»Es geht um eine vollkommen aus dem Ruder gelaufene, sehr schlaue Taktik. Chinesische Onliner umgehen geschickt unsere gesamten Regulierungen, indem sie jährlich 5 Milliarden Pakete als Direktimporte nach Europa schicken.
Jeder, der bei Temu, Shein und Co. bestellt, ist bei diesem Modell der Importeur. Von diesen 5 Milliarden Paketen profitiert unsere Hafenwirtschaft also gar nicht. Null!
Zusätzlich wird diese ungeheure Masse an Waren auf nichts geprüft, weder auf Giftstoffe, noch auf Arbeits- und Verbraucherschutz, Lieferkette, Produktsicherheit und andere, durchaus sinnvolle Regulierungen, die hier tätige Unternehmen penibel einhalten müssen.«
und
»Die hiesigen Betriebe können gegen diese komplett unregulierten Importströme nicht gegenhalten. Es entsteht ein zerstörerisches Ungleichgewicht.«
Vielen Dank! Als Kernaussage nochmal deutlich auf den Punkt gebracht und völlig richtig: Das poltische Versagen gegenüber solchen globalen Anbietern, die inzwischen den Zwischenhandel ausgeschaltet haben, ist ein Skandal.
ZU
»Die Kommunen haben klamme Kassen und kein Geld mehr für Kultur, Infrastruktur, Soziales oder Breitensport.«
Da ist in Bremen (noch) nicht ganz richtig:
https://www.weser-kurier.de/bremen/politik/bremen-investiert-millionen-in-klimaschutz-sporthallen-und-schulen-doc84tbj349n4nftdx5e5f
Für das Jahr 2025 waren im Haushalt der Freien Hansestadt Bremen für die Förderung des Stadtteilmarketings und der Werbegemeinschaften insgesamt 815.100 Euro veranschlagt.
Diese Summe teilt sich wie folgt auf die institutionell geförderten Initiativen auf:
• Interessengemeinschaft Das Viertel e.V.: 136.000 Euro.
• CityInitiative Bremen Werbung e.V.: 248.800 Euro.
• Vegesack Marketing e.V.: 166.700 Euro.
• Stadtteilmarketing Hemelingen e.V.: 111.800 Euro.
• Neustadt Stadtteilmanagement e.V.: 151.800 Euro.
Die Mittel werden als institutionelle Zuwendungen über die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) im Auftrag der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation ausgezahlt. Zusätzlich zu diesen festen Beträgen stehen für das Jahr 2025 punktuell Mittel für spezifische Stadtteilprojekte zur Verfügung, die über gesonderte Anträge (z.B. im Rahmen des Zukunftsfonds Innenstadt) abgerufen werden können.
Auch bei uns im Dorff erhielt der Verein der Findorffer Geschäftsleute e.V. für ein mittlerweie so genanntes »Projektmanagement« 120.000 Euro pro Jahr jeweils für 2024, 2025, 2026.
https://www.findorff-gleich-nebenan.de/findorffer-gesch%C3%A4ftsleute-e.v.-f%C3%BCrs-das-stadtteilmanagement-2023-mit-120.000-%E2%82%AC-gef%C3%B6rdert./
Hallo Mathias,
deine Zahlen habe zwar nur indirekt mit Temu und Co. zu tun, doch ich habe einmal Gemini rechnen lassen:
In den geförderten Gebieten sind insgesamt über 10.000 Betriebe ansässig – vom kleinen Café und dem Soloselbstständigen bis zum großen Dienstleister.
Teilt man die Fördersumme von 815.000 € durch alle Betriebe, landet man bei einer Unterstützung von etwa 82 Euro pro Betrieb pro Jahr.
Wir reden hier über ein „Rundum-Sorglos-Paket“ für die Quartiere (Events, Deko, Marketing, Social-Media, Web, Print, Behördengespräche, Fortbildung, Leerstandsmanagement), welches pro Betrieb mit gerade einmal 6,80€ € im Monat finanziert werden soll.
Über 130.000 Beschäftigte finden hier ihren Arbeitsplatz. Das Quartiersmanagment ihres Arbeitsumfeldes ist der Stadt umgerechnet gerade einmal 6 € und ein Büschen pro Kopf und Jahr.
Und ja, du hast natürlich recht. Es ist nichts im Vergleich zu dem Schaden, den 400.000 Pakete täglich an Schaden in den Quartieren anrichten. Und nicht nur da, der Kram, welcher da unkontrolliert reinrauscht, wird ja hier auch nicht mehr produziert und verpackt.
@PeerRüdiger »Das Quartiersmanagment ihres Arbeitsumfeldes ist der Stadt umgerechnet gerade einmal 6 € und ein Büschen pro Kopf und Jahr.« Ja, das ist natürlich viel zu wenig, wenn ein gutes Quartiersmanagement realisiert werden soll. Das ist allerdings jeden Euro zuviel, wenn es, wie in Findorff, trotz Förderzweck »Quartiersmanagement« der Zuwendung am Ende gar kein Quartiersmanagement gibt, das klar definiert ist und autonom im Sinne aller im Stadtteil handeln könnte. Hier weitere Hintergründe: https://www.findorff-gleich-nebenan.de/der-stadist/folge-5-was-ist-was-zum-beispiel-quartiersmanagement/
@Peer Rüdiger @Mathias Rätsch Ich habe wenig Verständnis für diese „Wir müssen mehr Geld für Werbung raushauen“-Strategie. Die Lage ist doch so: Die Chinesen haben den Zwischenhandel ausgeschaltet. Die Waren, um die es geht, sind quasi Commodities – da zählt nur der Preis, und der ist direkt vom Produzenten eben unschlagbar.
Die mediane Kaufkraft in Deutschland sinkt inflationsbereinigt. Vor allem durch schädliche Konsumsteuern, mit denen sich der Staat zu über 50% finanziert, wie z. B. die Umsatzsteuer und CO₂-Steuer und in der Folge davon Offshoring. Aber auch durch Rationalisierung, welche gerade aktuell hochbezahlte Jobs entwertet. Wie z.B. den des Werbefuzzis!
Wahrscheinlich werden nur Einzelhändler überleben, die keine Commodities verkaufen und gleichzeitig ihren Kunden einen Freizeitwert anbieten können. Da wird es viele Verlierer geben – Händler und Stadtteile.
Welchen Sinn macht es, in einen sterbenden Markt Werbegelder zu verpulvern? Oder Webseiten zu betreiben, die innerhalb einer Plattformökonomie gar nicht mehr besucht werden? Nur damit die ebenfalls überflüssige Werbeagentur noch ein paar Monate länger lebt?
Dieses Problem erfordert eine radikale Abkehr von den falschen aber liebgewonnenen ordnungspolitischen Prinzipien.
@Torsten Büchse
Ihre Forderung nach Erlebnissen statt reiner Massenware ist absolut richtig und genau hier liegt die Chance für lokale Läden und Fertigung. Wenn wir zum Beispiel in meinem Betrieb Besuchern aus der ganzen Welt unsere alten Letterpress-Maschinen erklären, dann erleben sie etwas, was kein „Durchlauferhitzer“ bieten kann: Handwerk, Haptik und eine Identität, die man anfassen kann. Das ist unsere kleine Antwort auf die Plattformökonomie.
Andere Metropolen haben den Wert solcher Betriebe längst erkannt:
Lübeck kämpft als unsere hanseatische Schwesterstadt aktiv für den Erhalt der lebendigen Altstadt. Dort hat man verstanden, dass der Denkmalschutz wertlos ist, wenn die soziale Mischung aus Handwerk und Handel verschwindet.
Ulm betreibt eine der konsequentesten Bodenpolitiken Deutschlands. Die Stadt kauft gezielt Flächen auf, um die Kontrolle darüber zu behalten, wer in den Erdgeschosszonen einzieht. Das Ziel: Ein gesunder Mix statt austauschbarer Ketten und Paketstationen.
Münster zeigt, wie man durch strikte Planung die Kaufkraft im Zentrum hält, anstatt sie auf die grüne Wiese abwandern zu lassen. Das Ergebnis ist eine der stabilsten Innenstädte Deutschlands.
Paris schützt durch ‚Paris Commerces‘ gezielt kleine Läden und Handwerk, um die Seele der Viertel zu erhalten.
Wien setzt auf die „Stadt der kurzen Wege“, weil lokale Produktion und Handel die Lebensqualität und Immobilienwerte stabilisieren.
Barcelona priorisiert den öffentlichen Raum für Bürger und lokales Gewerbe gegenüber der reinen Paket-Logistik..
Diese Städte bewahren ihre Mischquartiere aktiv vor dem Kippen. Denn wo Gewerbe und Fertigung aus den Erdgeschossen verschwinden, entstehen in Städten wie Bremen nun wirklich keine idyllischen Quartiere, sondern soziale Leerstellen und Angsträume.
Lokale Betriebe leisten, was gesichtslose IT-Giganten niemals tun. Sie bilden aus, zahlen Gewerbesteuer vor Ort und sorgen durch ihre Präsenz für belebte und sicherere Straßen.
Haben sie schon ein Kreisliga-Fußballteam mit Temu-Trikots gesehen?
Eine radikale Abkehr von falschen Prinzipien ist tatsächlich nötig hin zu einer Politik, die diese lokale Struktur schützt, bevor wir unsere Lebensräume endgültig an anonyme Plattformen verlieren.
Und als „Fun-Fact“, im September 2024 hat die Bundestagsfraktion der SPD dazu ein recht dramatisches Positionspapier verfasst, dies hat 1-2 Monate für ordentlich Pressewirbel gesorgt, jetzt ist es wieder in einer Schublade …. Putzig.
https://www.spdfraktion.de/system/files/documents/position-e-commerce.pdf
@Torsten Büchse
ZU: »Die Lage ist doch so: Die Chinesen haben den Zwischenhandel ausgeschaltet. Die Waren, um die es geht, sind quasi Commodities – da zählt nur der Preis, und der ist direkt vom Produzenten eben unschlagbar.«
Post richtig gelesen ud vo allen auch interpretiert? Was schreibe ich dazu?
»Das poltische Versagen gegenüber solchen globalen Anbietern, die inzwischen den Zwischenhandel ausgeschaltet haben, ist ein Skandal.«
Und zwar in dem Sinne, wie Peer Rüdiger es beschreibt:
»Es geht um eine vollkommen aus dem Ruder gelaufene, sehr schlaue Taktik. Chinesische Onliner umgehen geschickt unsere gesamten Regulierungen, indem sie jährlich 5 Milliarden Pakete als Direktimporte nach Europa schicken. Jeder, der bei Temu, Shein und Co. bestellt, ist bei diesem Modell der Importeur. Von diesen 5 Milliarden Paketen profitiert unsere Hafenwirtschaft also gar nicht. Null! Zusätzlich wird diese ungeheure Masse an Waren auf nichts geprüft, weder auf Giftstoffe, noch auf Arbeits- und Verbraucherschutz, Lieferkette, Produktsicherheit und andere, durchaus sinnvolle Regulierungen, die hier tätige Unternehmen penibel einhalten müssen.»
ZU: »Ich habe wenig Verständnis für diese „Wir müssen mehr Geld für Werbung raushauen“-Strategie.«
Wo schreibe ich das deratig undifferenziert? Richtig ist: Was ich kritisiere ist, dass seitens des Bremer Wirtschaftsressort ohne Konzept, klare Positinoierung und echte Kontrolle durcheine offene Evaluation (die durchaus auch zu Ihrem Ergebnis kommen könnte, wenn man sie denn überhaupt professionell durchführen würde) Steuermittel verteilt werden. Da bin ich übrigens nicht allein, wie sie nachlesen hätten können, wenn Sie diesen Link oben angeklickt hätten.
Einfach nachholen und nachlesen: https://www.findorff-gleich-nebenan.de/der-bremer-rechnungshof-kritisiert-steuergelder-f%C3%BCr-stadtteilmarkting-ohne-evaluation-seit-jahren-scharf.-zum-beispiel-findorff/
By the way: Was sind »Werbefuzzies»? Ihre Wortwahl gegenüber professionellen Kommunikationsdesignern ist absolut respektlos – und basiert offensichtlich auf einer Sichtweise auf eine hochprofessionelle Branche, die nicht angebracht ist, wobei diese Branche in der Tat ebenfalls im Wandel ist, wie übrigens ständig mit neuer Positionierung wie in den letzen 50 Jahren.
Mich hätte seine Sicht als Vorstand der Interessengemeinschaft Viertel e. V. in Bezug auf die Schwemme an Geldwäsche-Kiosken und Barber-Shops im Viertel und darüber hinaus interessiert. Man kann vieles beklagen, aber dass ein derart monotones Stadtbild überhaupt möglich ist, liegt an den geschaffenen Strukturen und einem (bewussten) Wegsehen der Verantwortlichen.
Wer sind die Eigentümer der Immobilien? Wieso werden Bestandsmieter durch exorbitant hohe Mieten neuer Besitzer aus arabischen Clanstrukturen zur Geschäftsaufgabe gezwungen, um dann freiwerdende Läden an Personen aus den eigenen Reihen „zu vermieten“?
Wieso wird nicht gegengesteuert? Bei Apotheken schaut man genauer hin, dass nicht eine neben der anderen steht – Mindestabstände sind dort sogar gesetzlich verankert. Aber bei Kiosken, Barber-Shops und dubiosen Burger-Läden, wo bekanntlich die lukrativsten Geschäfte unter dem Ladentisch passieren, stehen manchmal drei dieser Geschäfte nebeneinander. Und der Kioskverkäufer verkauft am einen Tag Burger, am nächsten sitzt er vor dem Barber-Shop mit seiner Shisha.
Und DAS hat wahrlich nichts mit Temu, Shein und Co. oder einer mangelnden finanziellen senatorischen Förderung zu tun. Hier muss viel früher angesetzt werden – mit Gesetzen, die eine Monokultur dubioser Ladengeschäfte krimineller Clanstrukturen verhindert, lange bevor sie entsteht. Dann nutzen die Menschen auch wieder gerne die Angebote vor Ort.
Und da erwarte ich auch mal von einer „Interessengemeinschaft Viertel e. V.“, dass dieses Thema nicht aus falscher ideologischer Rücksichtnahme auf bestimmte Klientel erfolgreich verdrängt wird. Mit der vielbeschworenen „Vielfalt“ hat DAS nichts zu tun.
Amazon, Temu, Shein und Co. sind nicht das Problem. Sie sind momentan die bessere Alternative, solange Bremen und seine Stadtteile ihre Identität an arabische Vororte anpassen und vergessen, dass es hier – außerhalb der Kiosk-Kultur – Menschen gibt, die Wert auf einen entspannten Stadtbummel und einen vielfältigen Einzelhandel legen.
Dazu muss man fairerweise sagen, dass Bäckereien, Drogeriemärkte und Mobilfunkshops ebenso wenig zu einem Stadtbummel einladen. Also nicht auf Internetanbieter schimpfen, sondern mal aktiv gegensteuern.
Welche Stimme soll es denn tun, wenn nicht die Interessenvertretung Viertel e. V.?
@Mathias Rätsch Ja, »Werbefuzzies« ist auch respektlos gemeint. Ich hoffe, dass Ihnen als professionellem Kommunikationsdesigner Walter Lippmann und sein Buch Die öffentliche Meinung von 1922 etwas sagt. Der US-Amerikaner Lippmann war einer der Miterfinder des modernen Kommunikationsdesigns.
Zitat: „Das größte Risiko von Soft Power ist, dass die Auftraggeber der Propaganda als Medienkonsumenten anfangen, an ihre eigenen Lügen zu glauben.“ – Da stehen wir nun.
Globalisierung war so lange etwas Tolles, wie westliche Konzerne fantastische Übergewinne durch billige Produktion in fernen Ländern machen konnten. Das war übrigens auch schon zu Lasten ihrer Kunden. Statt das 1-Euro-Hemd bei H&M für 50 Euro kaufen zu müssen, kann ich es bei Shein jetzt für 10 Euro bekommen. Das ist eine Win-win-Situation zwischen Verbraucher und Produzenten.
Vor einigen Jahren hatte es nur Geringqualifizierte getroffen. Die können sich das Hemd für 50 Euro ja kaum noch leisten, die müssen zu Shein, wenn sie keine Lebensqualität verlieren wollen. Und nun wird Ihre Dienstleistung auf Fiverr auch viel günstiger angeboten. – Ja, ich weiß, die Qualität ist oft schlecht. Aber die Qualität vom Produkt ist auch in DE meist intransparent und nicht selten schlecht. Das ist die von George A. Akerlof beschriebene Todesspirale für Produkte mit intransparenter Qualität, die dazu führt, dass es nur noch schlechte Produkte gibt.
„Bremer Wirtschaftsressort ohne Konzept, klare Positionierung und echte Kontrolle durch eine offene Evaluation.“ Für was beim Staat gilt das nicht? Ich glaube da sitzen einfach die falschen Leute. Die Verwaltung vernebelt was das Zeug hält, auch mit Hilfe ihrer Zunft und das Parlament weigert sich da Kontrolle auszuüben.
Wir brauchen hier mehr Einkommensmöglichkeiten für die vielen Geringqualifizieten, um die Massenkaufkraft hochzuziehen. Dazu muss man aber aufhören, den Staat durch die Sozialversicherungspflichtigen finanzieren lassen zu wollen.
Ich hatte oben in der Antwort an Kay Middendorf geschrieben: „… laut dem Ökonomen Michael Hudson kann es sich kein Unternehmen leisten, in einem Land zu produzieren, in dem seine Arbeiter 60 % ihres Einkommens für Wohnen und Krankenversicherung ausgeben müssen.“
Das löst man nicht durch gute Werbung sondern entweder durch sozialistische Eingriffe oder mit konservativer am Gemeinwohl orientierte Ordnungspolitik wie in China.
@Mario Carlo Stara-Flohr
Guter Einwand, die Schwemme an Geldwäsche-Kiosken und Barber-Shops im Viertel.
Darüber wird nicht gesprochen, darüber darf vielleicht auch nicht gesprochen werden. Denn das wäre in den Köpfen der Links-Grünen im Viertel mutmaßlich rassistisch, ausländerfeindlich.
Sehr unwahrscheinlich, dass das Bremer Finanzamt jemals wagen würde, in den Strukturen nach Geldwäsche zu fahnden.
Da lobe ich mir das linke Berlin. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs bestätigt da die
Beschlagnahmung von Berliner Remmo-Clan-Immobilien als rechtmäßig, auch wenn es erst einmal nur um eine Handvoll Immobilien geht.
In Bremen wäre das undenkbar bei nicht-deutschen. Staatsbürgern.
@ Mag. Albert von Bernstorf: Da stimme ich Ihnen zu. Ich bin der Meinung, dass Religion, Herkunft und/oder Hautfarbe nicht vor Strafverfolgung schützen sollten. Aber in Bremen wird vom linken und in Teilen linksextremen Senat ein Klima der Angst geschaffen, sodass sich weder das Finanzamt an arabische Clans mit Geldwäsche-Kiosken, Barbershops oder Döner-Burger-Läden heranwagt, noch die Polizei an stadtbekannte Dealer, die seit Jahrzehnten im Viertel Hauseingänge zu Drogenumschlagsplätzen machen. Hier schützen Herkunft, Religion und Hautfarbe vor Strafverfolgung. Letzteres bekommt sogar ein Denkmal auf Steuerzahlerkosten. Aber wehe, man ist ein weißer Europäer und gebürtiger Deutscher und kritisiert das – dann framen einen Linke und Grüne einstimmig zum Nazi. Und die SPD schweigt dazu, wohlwissend, dass die mehrheitsbeschaffenden Krücken links und grün ihr die Laufkraft nehmen, wenn sie ihr wegbrechen. Sich dann zu wundern und die Gründe für ausbleibenden Kundenverkehr bei chinesischen oder amerikanischen Online-Shops zu suchen, bedient typische linke Feindbilder – hat aber mit der Realität in Bremens Stadtteilen nichts, aber auch gar nichts, zu tun.
Ein bisschen mehr Ehrlichkeit wäre wünschenswert, erst recht von einer Interessenvertretung, die ja letztlich kein Interesse daran haben kann, dass der eigene Nachbar demnächst von einem kriminellen arabischen Familienclan für einen weiteren Kiosk „geopfert“ wird. Da wünsche ich mir mehr Mut, Missstände beim Namen zu nennen, und nicht irgendwelche sozialistischen Narrative zu bedienen, nach denen chinesische und US-amerikanische Unternehmen schuld daran sind, dass das Viertel (und immer mehr Stadtteile in Bremen und deutschlandweit) mittlerweile eher Gründe liefern, zu Hause zu bleiben und stattdessen Online-Alternativen zu nutzen, die einem dieses monotone und von Gewalt und Dreck geprägte Stadtbild (wie beispielhaft im „Viertel“) ersparen.
Da könnte ich als ehemaliger Einzelhändler schon ein Buch drüber schreiben, versuche mich aber kurz zu fassen.
Selbst habe ich lange Zeit nichts bei Amazon bestellt, aber jetzt bleibt mir oft nichts anderes übrig, weil das Angebot im Einzelhandel so schlecht geworden ist.
In die Innenstadt gehe ich eigentlich nur noch wegen des Schallplattengeschäfts „Hot Shots“, welches wegen eines Wasserschadens im Lager auch ums finanzielle Überleben kämpft.
Schaut man sich aber die Innenstädte in Belgien, NL, Skandinavien, UK, Portugal,, ÖST, LUX oder der Schweiz an, dann gibt es dort noch viele inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte.
Warum ? In den Hauptstädten dieser Länder – Portugal mal ausgenommen – ist die Kaufkraft höher.
Es ist dort aber auch gar nicht möglich mal eben das 11.Handy Geschäft oder den 20.Kiosk zu eröffnen, dies wird von einer Art Innenstadtrat genehmigt, nicht überall gleichwertig, aber zumindest in den 1A Lagen, der gegen die Eintönigkeit der Geschäftsstruktur vorgehen kann.
Warum ist dies in D nicht möglich ? Mir haben Politiker immer vorgehalten dies würde gegen das Eigentumsrecht und das Recht auf freie Berufswahl verstoßen. Gegen EU Recht kann es nicht verstoßen, dies verlangt aber fur Baumaßnahmen ab einer gewissen Höhe ( ich meine ab einer halben Million Euro, bitte korrigieren wenn ich irre )eine EUROPAWEITE Ausschreibung. Deshalb wird immer der billigste Anbieter genommen.
Dies führt dazu, daß hier immer wieder Anbieter Kostenpläne einreichen, die völlig unrealistisch niedrig sind.
Die gewinnen dann die Ausschreibung, gehen entweder schnell in die Insolvenz, oder sie bauen teurer mit einer anderen Firma weiter.
Diese „Geiz ist geil“ Mentalität spart keine Kosten, sondern sie führt zu Verzögerungen, oft schlechterer Qualität und letztendlich zu hohen Preisen.
In der Schweiz ist dies ganz anders: Hier wird nicht der günstigste Anbieter genommen, sondern der scheidet automatisch aus. Es wird auch nicht der zweitgünstigste Anbieter genommen, sondern man schaut sich die Firmen genau an, wie sie in den letzten 10 Jahren gebaut haben. Es gibt einen Punktwert für Zuverlässigkeit, Qualität, Bezahlung der Rechnungen, usw.usw. Die Firma mit dem höchsten Punktwert bekommt den Zuschlag.
Nach EU Recht leider nicht möglich, aber warum ändern die Parteien daran nichts ?
Zum Mietvertrag, ich hatte einen Staffelmietvertrag, jedes Jahr 10 Prozent Erhöhung, in Zeiten des Booms war dies noch möglich, aber 2006 musste ich dann in der Innenstadt die Reißleine ziehen, weil ich fast nur noch für den Vermieter und meine Krankenkasse arbeitete. Ich zog dann in ein Randgebiet und habe es nicht bereut.
Mieter wie Zitronen auszuquetschen führt langfristig zu „Einkaufsstraßen“ wie im Ostertor/Steintor:
Kioske ( meist ohne Druckwerk übrigens), Frisöre, Gyros Buden.
Touristen, die in den 90ern zuletzt dort waren, sind sehr erschrocken.
“ Was ist denn aus dem quirligen Viertel geworden ?“
@Walter König Ein Staffelmietvertrag, der das Inflationsziel der EU um den Faktor 3 übersteigt, kann wahrscheinlich als sittenwidrig eingestuft werden. Was hat sie bewogen, sich darauf einzulassen?
Die „Geiz ist geil“-Mentalität entsteht ja nicht im luftleeren Raum, sondern sie korrespondiert mit einer Abzockermentalität auf der anderen Seite, wie sie sich in solchen Staffelmietverträgen manifestiert. Und die Abzocker sitzen auch in der Staatsverwaltung. Da werden Staatsgrundstücke und Mobilfunklizenzen zu maximalen Preisen versteigert. Und man wundert sich, warum wir das schlechteste und teuerste Mobilfunknetz der Welt haben und die Mieten absurd hoch sind.
Die Beschießkaskade ist der wahre Trickle-Down-Effekt.
@ Herr Büchse: Bei Gewerbemieten ist dies nicht sittenwidrig.
Ich wollte einen Laden direkt im Zentrum der Innenstadt, dies war Mitte der 90er, als die Innenstadt noch sehr gut lief, da gab es viele Bewerber. Da ich in einer Branche war, die sehr große Zuwachsraten von Jahr zu Jahr hatte
( Laserdiscs ), waren die 10 Prozent jährliche Mieterhöhung kein Problem, bis ab etwa 2002/3 der Wettbewerb aus dem Netz stärker wurde, 2005 brach dann mit Hartz IV der Binnenkonsum nahezu zusammen.
Weniger weil da so viele persönlich von betroffen wären, sondern weil die Konsumstimmung durch die
mediale Dauerberichterstattung einbrach. Wirtschaft ist auch immer zu 50 Prozent Psychologie.
Ich habe ja freiwillig unterschrieben, hätte aber gedacht, daß bei nachlassender Konjunktur der Vermieter dann auch entsprechend reagiert und mir entgegenkommt.. Tat er aber nicht. In der Zeit von 2005-15 taten dies viele Vermieter nicht, das Resultat kann man heute in der Innenstadt und im Steintor/Ostertor „bewundern“.,
Die „Geiz ist geil“ Mentalität entstand ja schon in Zeiten der Hochkonjunktur. Ich fand damals die Werbespots ganz witzig, sah dann aber immer mehr Nobelkarossen vor Aldi und Lidl stehen, hörte dann auch Gespräche mit, wo man über den Flug auf die Malediven sprach, aber massenwiese Billigfleisch beim Discounter kaufte, anstatt den Fleischer vor Ort zu unterstützen. Heute könnte ich die extreme Sparsamkeit ja noch verstehen, aber von 1994-2004 wäre die gar nicht nötig gewesen. Und es ist auch nicht falsch gut und günstig einzukaufen, aber fatal, wenn man das Zeugs bei den Billigsthändlern sieht, geht alles ruckzuck kaputt und ist viel teurer als ein Qualitätsprodukt. Dazu der ökologische Schaden, der sich im Preis gar nicht abbildet.
Dieses Zeugs müsste man eigentlich als „Müllimport“ hoch besteuern.
Herr Rüdiger hat vollkommen Recht! Natürlich ist der Onlinehandel nicht mehr wegzudenken. Aber wie er bereits in seinem Kommentar schreibt, geht es um so viel mehr.
1. Die Temu Pakete kommen ohne Zollzahlung ins Land. Die heimische Wirtschaft verdienen nicht nur nichts daran, auch haben „wir“ nicht mal Zolleinnahmen. Konkurrieren mit kriminellen Vorgehensweisen kann niemand.
2. Sie gehen auch vorbei an jeglichen Prüfverfahren, welche die Produkte sicher gestalten sollen. CE Zeichen etc. sind nicht zum Spaß erfunden worden. Auch diese Kosten sparen sich derartige Händler einfach.
3. Das entsprechende Stadtbild aus Leerstand und Verwahrlosung sehen wir schon an diversen Ecken. Herr Rüdiger beschreibt zwar nur einen von vielen Gründen für diese Tendenz, dennoch hat er auch hier Recht.
Es ist schlichtweg armselig und ohne jegliches Selbstbewusstsein, wenn ein G7 Mitglied und Rechtsstaat derart mit sich verfahren lässt. Von Groß und Recht ist hier rein gar nichts zu spüren. Im Übrigen auch nichts von Nachhaltigkeit und Weitsicht.
Aus meiner Sicht ist das hier geschilderte „Zusehen“ der Politik genau ein wesentlicher Aspekt, weshalb die Unzufriedenheit in diesem Land so gigantisch ist. Machen wir so weiter, ist Deutschland in wenigen Jahren in jeder Hinsicht am Ende.
@Fabian Anders: Komplette Zustimmung. Mehr FAKTEN wir: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/iw-temu-und-shein-sollen-deutschen-einzelhandel-milliardensumme-kosten-a-2b1a6822-ea0f-4d42-9ac4-8ad1b9609a7b
Temu und Co. schaffen es doch tatsächlich, die Qualität von 1 Euro Shop Artikeln noch zu unterbieten.
Letztens roch es bei uns im Treppenhaus nach ätzender Farbe, der Geruch kam aber von einem Paket dieser Anbieter. Ein Nachbar hatte es bestellt und der Zusteller einfach auf die Fensterbank gelegt.
Es lag im 1.Stock und noch im 5.Stock konnte man den ätzenden Geruch wahrnehmen.
Es war aber kein Farbeimer im Paket sondern Kochschürzen.
Wer so etwas kauft ist doch selbst schuld. Eigentlich dürfte dieser Mist gar nicht eingeführt werden, jetzt erhöht man immerhin die Gebühren, aber eigentlich müsste man hier ein Importverbot verhängen, bin absolut sicher, dass dort viele Artikel nicht EU-konform sind.
Aber es ist mir auch zu einfach, die Verödung der Innenstädte nur darauf zurückzuführen.