Können sich CDU und SPD später überhaupt noch einmal zum Regieren zusammenraufen?

17.04.2026 25 Von Axel Schuller

Völlig zerrüttet. So lässt sich das Verhältnis zwischen Bremer SPD und CDU wohl am besten beschreiben. So unversöhnlich haben sich die beiden Noch-Volksparteien in Bremen bislang wirklich nie gegenübergestanden. Ganz anders als in den Jahre 1995 bis 2007 – als man an der Weser gemeinsam regierte. Auslöser für den aktuellen Grabenkrieg ist der Untersuchungsausschuss zum Thema „Goldene Handschläge“ für entlassene Staatsräte.

Ja, je nach Sichtweise, kann man darüber streiten, ob das scharfe Schwert namens Untersuchungsausschuss das geeignete Mittel darstellt, die teilweise merkwürdigen „Frühpensionierungen“ von Staatsräten aufzuklären. Aus Sicht der Opposition: Eindeutig Ja. Aus Sicht der Regierenden: Eindeutig Nein.

Aber die Heftigkeit, mit der sich gerade insbesondere SPD und CDU im wahrsten Sinn des Wortes bekämpfen, ist erschreckend.

Und noch etwas anderes ist unfassbar: Wie Bremer Medien sich von Politikern (gewollt/ungewollt) instrumentalisieren lassen. Dem Weser-Kurier wurde – wie und von wem auch immer – gesteckt, dass der Staatsanwaltschaft von einem Rechner in der CDU-Zentrale Hinweise übermittelt worden seien, wonach in der Wirtschaftsbehörde von Kristina Vogt (Linke) und im Grünen Umweltressort der Ex-Senatorin Kathrin Moosdorf möglicherweise digitale Akten vernichtet worden sein könnten. Die Union selbst will von diesem Verdacht wiederum durch einen externen Anonymus erfahren haben.

Für mich absolut nicht nachvollziehbar:

1. Die Staatsanwaltschaft hat die Mail offensichtlich elektronisch bis in die CDU-Zentrale zurückverfolgt (getrackt) und durch Befragung Fraktionsgeschäftsführer Tobias Hentze als „Urheber“ dingfest gemacht.

Zwischenfrage: Der Bremer Staat fordert Bürger vielfach auf, notfalls auch anonyme Hinweise zu geben – auf vermeintliche Steuersünder, auf Drogengeschäfte im Hafen und auf angeblich böse Buben bei der Polizei. Wohlgemerkt: anonym.

Wie wollen diese Behörden jetzt eigentlich noch Menschen zu „anonymen“ Meldungen ermuntern, wenn man damit rechnen muss, aufgrund von Datentracking die Anonymität zu verlieren?

2. Wie konnte der Wissensstand der Staatsanwaltschaft zum Thema „CDU-Quelle“ beim Weser-Kurier landen

Und:

3. Weshalb hat der WK diese Infos – die für die Aufklärung der „Goldenen Handschläge“ von keinerlei Belang sind – als Aufhänger des Berichtes über die beginnende Tätigkeit des Untersuchungsausschusses benutzt.

Ich erinnere an die aus meiner Sicht unlautere Überschrift zum Arbeitsbeginn des Untersuchungsausschusses: „Staatsratsaffäre: CDU in Erklärungsnot“

Diese Headline suggerierte einen Zusammenhang zwischen Ex-Staatsräten und der oppositionellen Union. Damit entsprach sie einer klassischen Täter-/Opfer-Umkehr.

Seit diesem Bericht weiden sich SPD, Linke und Grüne am angeblich unmoralischen, bösartigen oder sonst was Verhalten des CDU-Fraktionsgeschäftsführer Tobias Hentze. Statt akribisch Beweise zu benennen, wonach Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt ihren Staatsrat Sven Wiebe rechtlich einwandfrei eben nicht widerrechtlich mit „goldenem Handschlag“ verabschiedet hat. Oder Beweise, dass die Grüne (Ex-)Umweltsenatorin Kathrin Moosdorf ihre Staatsrätin Irene Strebl eben nicht unbegründet in den einstweiligen Ruhestand versetzt hat. Oder, dass Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte seine damalige Frau Ulrike Hiller alternativlos aus dem Amt entfernen „musste“.

Ja, SPD, Grüne und Linke fragen nicht einmal, ob denn an den von der CDU weitergeleiteten Hinweisen etwas dran ist, wonach laut einem anonymen Hinweisgeber im Wirtschafts- und im Umweltressort möglicherweise digitale Akten vernichtet worden sein könnten.

Nein, nichts von alledem ruft das Interesse der Koalitionsparteien hervor.

Die Krönung der Vernebelungs-Aktionen von SPD, Grünen und Linken gipfelt jetzt in dem Mehrheitsbeschluss des Untersuchungsausschusses vom Donnerstag, die Christdemokraten Dr. Wiebke Winter (Fraktionsvorsitzende), Heiko Strohmann (Fraktionsvize), Tobias Hentze (Fraktions-GF) und Marius Kossmann (Winters Assistent) in den Zeugenstand des Untersuchungsausschusses vorzuladen. 

Noch dreister geht der Missbrauch eines Untersuchungsausschuss-Auftrages wirklich nicht: Das Gremium hat laut Bürgerschaftsbeschluss vom November 2025 folgende Aufgabe:

„Untersuchung der Versetzung von Staatsrätinnen und Staatsräten der Senate Sieling und Bovenschulte in den einstweiligen Ruhestand zwischen 2015 und 2025.“ 

Aber eben nicht: Wer hat Staatsanwälten wann welche Hinweise auf angebliche Aktenvernichtungen in den Ressorts gegeben?

Die CDU reagiert darauf mit dem einzig richtigen Mittel. Sie hat den Staatsgerichtshof angerufen, um zu klären, ob diese Fragen der Koalitionäre mit dem Auftrag des UA zu vereinbaren sind.

Hintergrund der rechtlichen CDU-Gegenwehr: Rot-Grün-Rot wollen CDU-Fraktionschefin Dr. Wiebke Winter eine Befangenheit anhängen und somit aus dem UA rauskicken.

Wenn es nicht so demokratiefeindlich wäre, müsste man die Unverfrorenheit des Ablenkungsmanövers von SPD, Grünen und Linke fast schon bewundern.

Wobei leider festzustellen ist: Die drei Koalitionäre schaden dem Vertrauen der Bevölkerung in den Parlamentarismus in schlimmster Weise, weil sie für jedermann erkennbar Polit-Taktik über das Ziel stellen, die für Steuerzahler extrem teure Außerdienststellung von Staatsräten aufzuklären.

Der offenbar tiefsitzende Hass der SPD-Fraktionsspitze um Mustafa Güngör auf die amtierenden CDU-Akteure dürfte die künftige Koalitionsfähigkeit der noch großen Parteien mitbestimmen.

Als Anhänger des Parlamentarismus und der Demokratie fragt man sich, wie SPD und CDU je wieder eine Koalition bilden wollen, wenn ein Wahlergebnis dies nahelegen sollte. Dies wäre aus Unionssicht vermutlich nur ohne den SPD-Fraktionsvorsitzenden Mustafa Güngör möglich, der zurzeit regelrecht „Gift und Galle“ gegen Wiebke Winter & Co „spuckt“.

By the Way: Sollte die SPD ihre Attacken gegen die Union mit der jetzigen Wucht fortsetzen, würde es mich nicht wundern, wenn die CDU irgendwann zu einem Gegenschlag ausholen würde. 

Die Umstände, unter denen der heutige Präsident des Senats Andreas Bovenschulte aus dem Amt als Weyher Bürgermeister ausgeschieden ist, um sich zunächst in die Bremische Bürgerschaft und wenig später in den Senat der Freien Hansestadt Bremen wählen zu lassen, könnten möglicherweise auch jetzt noch Stoff für Debatten bieten. Der Bund der Steuerzahler schoss seinerzeit jedenfalls scharf gegen das Verfahren.

Nach meiner Erinnerung hatte Bovenschulte 2019 den Rat von Weyhe darum gebeten/darauf gedrungen, ihn ohne Bezüge bis zum Ende der Dienstzeit zu beurlauben oder förmlich abzuwählen – um seine bis dahin erworbenen Pensionsansprüche als Bürgermeister der Gemeinde nicht zu verlieren.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller 

P.S.: Wie bereits angekündigt: Am Sonntag erscheint ein neuer Gastkommentar. Schauen Sie rein!