Gastkommentar: „Nach 2030 droht dem Land Bremen das Zins-Fallbeil“

25.04.2026 16 Von Axel Schuller

Heute lesen Sie Carl Kau im Gastkommentar. Der Vorstand des Steuerzahler-Bundes Niedersachsen/Bremen kennt wenig Gnade mit dem Senat und der regierenden Koalition. Seine Kritik: Zusätzliche Sitze im Parlament, Goldener Handschlag für Staatsräte und zu wenig Sparwillen. Dazu kommt: Aktuell genießt Bremen die Früchte seiner sehr günstigen Zins-Abschlüsse. Aber: Ab den 2030er Jahren sei mit einer rasant steigenden Zinslast zu rechnen. Carl Kau (72) hat der Bremischen Bürgerschaft von 2007 bis 2015 für die CDU angehört, zuletzt als Vorsitzender des Haushalts- und Finanzausschusses. Der gelernte Banker war bei der Commerzbank und bei der OLB tätig. Aktuell ist er geschäftsführender Gesellschafter der Firma IPONTIX.

Carl Kau schreibt:

Carl Kau (Chef des Steuerzahler-Bundes)

„Bremen als historisch-hanseatischer Stadtstaat bleibt unter seinen Möglichkeiten und landet im Ländervergleich häufig auf den letzten Plätzen. Man weist die höchste Pro-Kopf-Verschuldung (33.000 €) aller Bundesländer auf. Die mit erdrückender Schuldenlast (23,3 Mrd. €) einhergehenden Zinsen werden die Handlungsspielräume künftiger Generationen massiv einengen, denn von klug ausgehandelten Zinssicherungsgeschäften dürfte Bremen nur noch bis Anfang der 2030er-Jahre profitieren; danach droht das Zins-Fallbeil. Gleichzeitig erzielt Bremen miserable Ergebnisse im Bildungsmonitor. Dabei ist Bildung der entscheidende Schlüssel zu Unabhängigkeit, Wohlstand und Gestaltungsfreiheit. Hohe Schulden und ein mangelhaftes Bildungssystem – eine Kombi, die im Standortwettbewerb um junge, leistungsbereite Menschen ein fatales Signal sendet. Insofern wundert man sich, dass Fortschritte hier weder erreicht noch ernsthaft angestrebt werden.

Über fehlende finanzielle Unterstützung kann sich Bremen nicht beklagen: Seit 2020 fließen jährlich 400 Mio. € Sanierungshilfen aus Berlin, wozu ca. 500 Mio. € Bundesergänzungszuweisungen kommen. Daneben erhält Bremen aus dem Länderfinanzausgleich zurzeit etwa eine Milliarde Euro – das sind ca. 1.450 € pro Einwohner! Nicht zu vergessen, dass dies Gelder sind, die andere Länder erwirtschaftet haben. So schultert Bayern mit 11,7 Mrd. € rund 60 Prozent der Finanzausgleichsmasse. Wen wundert es, dass man dort nur wenig Verständnis dafür aufbringt, dass sich Bremen, z.B. mit der FreiKarte Annehmlichkeiten leistet, die der Freistaat seinen Bürgern nicht spendiert.

Großzügig zeigt sich Bremen auch bei der politischen Vertretung. Erinnert sei an die Ausweitung der Bremischen Bürgerschaft in 2023, als wegen der unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung in Bremen und Bremerhaven ein parlamentarisches Ungleichgewicht zugunsten der Seestadt drohte. Statt für den Wegfall eines Bremerhavener Bürgerschaftssitzes votierte die Politik für drei zusätzliche Sitze für die Bürgerschaft – und damit für Mehrkosten des Politikbetriebs. Auch die 2026 vollzogene Rückkehr zu einem beamtenähnlichen Altersversorgungssystem der MdBB fällt in die Kategorie „großzügig“. Seitdem bauen Abgeordnete auf ein Pensionsmodell, das schon nach kurzer Zeit vergleichsweise hohe Versorgungsansprüche sichert.

Dieser Entscheidung war ein „Bürgerforum“ vorausgegangen, das in der Rückschau allenfalls als Feigenblatt zu bezeichnen ist. Ebenfalls brisant: Das Ansparen einer Rücklage für künftige Pensionen ist nicht vorgesehen. Das heißt, dass Pensionen heutiger Mandatsträger vollständig aus Steuerzahlungen künftiger Generationen gestemmt werden müssen, deren Handlungsspielräume damit noch weiter eingeengt werden. Abgerundet wird das Bild durch den Untersuchungsausschuss, der derzeit dem Verdacht nachgeht, ob ehemalige Staatsräte auf fragwürdige Weise in den Ruhestand versetzt wurden und so unzulässig hohe Pensionszahlungen erlangt haben.

Weniger großzügig zeigt sich Bremen im Umgang mit der Wirtschaft. Ganz im Zeichen der Klassenkampf-Rhetorik der Bundesarbeitsministerin scheint man Arbeitgeber eher als Gegner denn als Verbündete zu betrachten. Anders lässt sich nicht erklären, dass hiesige Betriebe und Unternehmen neuerdings Zwangsabgaben an einen Ausbildungsfonds abführen müssen. Betroffen sind auch Arbeitgeber, die sich zwar intensiv um Azubis bemühen, in Bremen aber keine geeigneten Kandidaten finden. Es entsteht der Eindruck, dass die Folgen der Bremer Bildungsmisere auf die Arbeitgeber abgewälzt werden sollen. Dass der Fonds bis heute nicht funktioniert und wiederholt Zuführungen aus dem Landeshaushalt nötig waren, um ihn am Leben zu halten, setzt dem noch die Krone auf. Was soll‘s? Es sind ja nur Steuergelder. 

Alle Versäumnisse und Verschwendungsfälle zu dokumentieren, ginge hier aus Platzgründen nicht. Generell fehlt eine ehrliche Aufgabenkritik, wofür ein klammer Staat im Kern verantwortlich sein kann und sollte. Stattdessen wird eine fragwürdige Prestige- und Klientelpolitik ebenso fortgesetzt wie der Personalaufbau der öffentlichen Hand. Angedachte Investitionsmittel aus Sondervermögen werden kurzerhand zum Stopfen von Haushaltslöchern genutzt und wenn auch das nicht reicht, werden Steuererhöhungen oder das Schleifen der eh schon strapazierten Schuldenbremse gefordert. Wann werden sich die gebeutelten Bremer Steuerzahler endlich dagegen wehren? Wir tun es deutlich vernehmbar für Sie!“

Soweit Carl Kau

Liebe Leserschaft, die Resonanz auf die bisherigen Gastkommentare ist schwarz-weiß. Sie reicht von: „Toll, dass Sie andere Meinungen zu Wort kommen lassen und so das Spektrum erweitern“ bis zu: „Wer selbst nix mehr zu sagen hat, veröffentlicht Gastkommentare.“ Was ich darüber denke, können Sie sich denken…

Mich interessiert Ihre Meinung. Bitte tun Sie diese als Leser-Kommentar kund. Vielen Dank!

HG, as