Darauf kann Bremen stolz sein: KI-Experten aus aller Welt tagen demnächst in unserer Stadt
Kaum zu glauben, aber wahr: In drei Monaten wird eine der größten und wichtigsten KI-Konferenzen in Bremen stattfinden. Und das 43 Jahre nach dem ersten Treffen der Top-Experten auf deutschem Boden (Karlsruhe). Dazu werden rund 4.000 Experten aus Europa, USA, China und Afrika an der Weser erwartet. Jetzt hoffen die Planer an der Bremer Uni, dass sich die geopolitische Lage (USA kontra China) nicht weiter verschlechtert.
Viele Bremerinnen und Bremer werden sich angesichts der positiven Nachricht die Augen reiben. Aber: Bremen hat sich tatsächlich im internationalen Wettbewerb um eine der weltweit angesehensten und ältesten Konferenzen für Künstliche Intelligenz gegen deutlich größere Standorte durchgesetzt, bestätigt Derk Schönfeld bremensogesehen. Er ist Geschäftsführer der „U Bremen Research Alliance“, einer Kooperation der Universität Bremen mit 13 Instituten der von Bund und Ländern finanzierten außeruniversitären Forschung.
Ausschlaggebend war offenbar ein Gesamtpaket, das in dieser Form selten sei: Exzellente Forschung, konkrete Transferstrukturen und eine früh entwickelte KI-Strategie, die konsequent umgesetzt werde.
Vom 15. bis 21. August 2026 wird daher die „International Joint Conference on Artificial Intelligence“ in Kombination mit der „European Conference on Artificial Intelligence“ (IJCAI-ECAI) mehrere tausend KI-Expertinnen und Experten aus aller Welt in die Hansestadt holen. Dieses international-europäisch-kombinierte Treffen spielt in der „höchsten Wissenschafts-Liga (man spricht von einem A-Star-Level). Der Meinungsaustausch wird im Congress-Centrum-Bremen und in Räumen der Uni stattfinden.
Liebe Leserschaft,
hätten Sie gedacht, dass unser kleines Bremen einmal Ziel der KI-Vordenker wird? Ich nicht. Obwohl Bremen seit Jahren bei den Meisterschaften für Fußball-Roboter weltweit vorne mitspielt. Und viele Bremer Institute und Firmen auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz führend sind.
Übrigens: KI ist kein Novum. Der Begriff „Artificial intelligence“ wurde bereits im Jahr 1955 geprägt.
Zurück zum offiziellen Teil der „Bremer“ Konferenz:
In einer Erklärung von Uni und Instituten heißt es:
„Was Bremen auszeichnet, ist die enge Verzahnung seiner Akteure. In der ‚U Bremen Research Alliance‘ arbeiten Universität und 13 außer-universitäre Institute übergreifend zusammen. Diese Kooperation zeigt sich auch in konkreten Forschungsfeldern: etwa in der KI-basierten Robotik, die Anwendungen von der Unterwasserforschung über die Raumfahrt bis hin zur Logistik und Pflege ermöglicht. Gleichzeitig werden KI-Methoden in der digitalen Medizin, der Industrieproduktion und der Klimaforschung eingesetzt.“
Ein zentraler Baustein des Erfolgs sei die konsequente Ausrichtung auf den Wissens-Transfer. Mit dem Aufbau des Bremer KI-Transfer-Zentrums, „Digital Hub Industry“, schaffe das Land gezielt Strukturen, um Forschung schneller zur Anwendung zu bringen.
Die Mega-Konferenz wurde auch aus einem anderen Grund an Bremen vergeben: Wirtschaftlich biete die Hansestadt „ideale Bedingungen für KI-Innovationen. Etablierte Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt, maritimen Wirtschaft, Logistik und Windenergie treffen auf eine lebendige IT- und Start-up-Szene.“
Start-ups im Bereich autonomer Robotik oder digitaler Diagnostik belegten, wie aus Forschung marktfähige Anwendungen entstünden.
Bremen profitiert zudem von seinen kurzen Wegen und enger Zusammenarbeit: „Von der Grundlagenforschung über die Entwicklung Mensch-zentrierter KI-Systeme und Robotik bis hin zum KI-Transferzentrum, das den Wissens- und Technologietransfer vorantreibt, greifen die Strukturen nahtlos ineinander. Diese Stärken überzeugten bei der Bremer Bewerbung zur Ausrichtung der IJCAI 2026 und bieten ideale Voraussetzungen für ein vielfältiges Programm des Summer of AI, der von Juli bis August rund um die IJCAI in Bremen 2026 stattfinden wird“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Tanja Schultz, Professorin für Kognitive Systeme an der Universität Bremen.
Während die Bremer Uni mitsamt den Instituts-Vertretern dem Treffen der KI-Experten entgegenfiebern, beobachten sie aufmerksam die Entwicklungen in der Flugbranche.
Etwaige Einschränkungen auf internationalen Strecken (Kerosin) oder auch eine reduzierte Anbindung Bremens an die Mega-Airports Frankfurt und München (Wegfall der Lufthansa-„Cityline“) könnten Auswirkungen selbst auf die Kongress-Beteiligung aus USA und China haben. Teilnehmer aus dem Silicon Valley oder Shanghai wollen nach ihrer Landung in Deutschland nicht anschließend stundenlang per Zug nach Bremen zuckeln. Bremens Airport-Sprecher John Will macht sich hinsichtlich der Bremer Anbindung aktuell wenig Sorgen. „Lufthansa führt die meisten Flüge von Bremen zu den beiden deutschen Drehkreuzen selbst durch.“
Liebe Leserschaft, lassen Sie uns heute (endlich mal) auf eine positive Nachricht anstoßen. Die Anerkennung unserer Stadt auf internationalem Parkett ist allmal ein Prosit (geht auch ohne Alkohol) wert.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Noch eine Anmerkung zur KI. Ich hoffe, dass bei dem Treffen der Wissenschaftler der Energie-Aspekt nicht zu kurz kommt. KI benötigt bekanntlich Mega-Rechenzentren mit immensem Stromverbrauch. Deshalb werden in den USA bereits neue (kleinere) Nuklear-Kraftwerke gebaut.
Gute Nachrichten, die zeigen, dass sich gute Infrastruktur auszahlt: Mit unseren Messehallen, dem Kongresszentrum sind wir bestens aufgestellt, um große Veranstaltungen erfolgreich umzusetzen. Und genauso wichtig bleibt ein leistungsfähiger Flughafen als internationales Drehkreuz – für Wirtschaft, Austausch und Zukunftsperspektiven.
Mindestens genauso wichtig sind die Unternehmen, denen Bremen solche Veranstaltungen verdankt. Da ist ganz vorne z. B. OHB zu nennen, auch wenn ihr Platzbedarf am Standort in Uninähe für notwendige Erweiterungen ja von den Grünen „erfolgreich“ verhindert wurde. Bremen muss sich bei Marco Fuchs bedanken, dass das Unternehmen trotz der Knüppel, die es von der hiesigen Koalition zwischen die Beine bekommt, seinen Unternehmensweg fortsetzt.
Gleiches gilt für die anderen Leuchturm-Unternehmen. Ob das Klaus Meyer ist mit seinem städtebaulichen Engagement in der Überseestadt, im neuen Hulsberg Viertel, aber zu vorderst seinem Engagement beim Ausbau der Windkraft, in Kunst und Kulturförderung um nur einige zu nennen. Da ist Kurt Zech mit seinem unermüdlichen Einsatz für Bremen aller fehlenden politischen Unterstützung für z.B. die attraktive Umgestaltung der Innenstadt zum Trotz, aber auch in der Überseestadt mit der markanten hafentypischen Gestaltung des Kopfes des Hafenbeckens.
Diese Vorzeige-Unternehmer seien nur stellvertretend genannt, weil Bremen dankenswerterweise viele
von solchen Unternehmen hat gerade auch im Start Up Bereich, denen Bremen einen weltweit guten Ruf u.a. auch im KI Sektor zu verdanken hat und nur so zur Ausrichtung einer derart besonderen Konferenz kommt.
SIE sind es, die dank ihrer Steuern das Geld in Bremens Kassen spülen. Ohne sie sähe es wirtschaftlich in Bremen ganz düster aus.
Erwartbar wäre auf diesem Hintergrund eine Politik, die die Prosperität dieser Unternehmen nicht nur in wohlklingenden Sonntagsreden fördert, sondern tatkräftig und zielgerichtet die notwendigen Rahmenbedingungen schafft, die diese Unternehmen dringend benötigen.
Aber unser Senat priorisiert die eigene viel zu häufig ideologisch geprägte Agenda deutlich höher, als das Wohl solcher Unternehmen und damit auch als die unbedingt erforderlichen Arbeitsplätze, die für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger essenziell sind.
Etwas mehr Dankbarkeit und Demut darf man da schon mal von Politik erwarten, weil diesen Unternehmern verdanken wir den Ast, auf dem wir alle sitzen.
Wenn’s ums Repräsentieren und Eröffnen geht mit Häppchen und so weiter, sind sie alle da und tun so, als seien sie diejenigen, denen zu danken ist. Aber auch das zeigt ein ums andere Mal lediglich, wie verstellt der Blick unseres Senates eigentlich ist.
Ich kann nur wünschen, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer in Bremen nicht von der Politik des Senats beirren lassen, sondern trotzdem weiterhin ihren Weg gehen. Schön wäre natürlich, wenn die Bremerinnen und Bremer das bei der nächsten Wahl mal gründlich bedenken, bevor sie ihr Kreuz auf dem Wahlzettel machen.