Gastbeitrag: Experte für Internationale Fonds ordnet Lufthansa-Rückzug ein / Neuer Airport?
Liebe Leserschaft, heute ein „Schnellschuss“. Vorbereitet hatte ich den Gastkommentar (GaKo) eines bundesweit wichtigen Bremers. Doch dann platzte gestern die Nachricht des Bremer Flughafens herein, dass „Lufthansa“ Bremen – ruckzuck – ab 1. Juli nicht mehr bedienen wird und auf die ICE-Verbindung verweist. Der Bremer Berater für internationale Fonds, Dr. Frank F. Ebner (55), bot mir gestern Abend einen Text zu dem brandaktuellen Thema an, den ich kurzerhand statt eines GaKo veröffentliche. Infos zum Autor finden Sie am Ende.
Dr. Frank Ebner schreibt:
„Will Bremen Schlüssel zur Welt bleiben, darf der Norden international nicht dauerhaft vom direkten Luftverkehr abgekoppelt werden.
Lufthansa streicht zum 1. Juli die Verbindung Bremen–Frankfurt. Das ist mehr als der Wegfall einer einzelnen Verbindung. Es ist ein weiteres Signal in einer langen Entwicklung: Bremen verliert schrittweise die direkte Anbindung an die globale Ökonomie.
Die Mitteilung des Flughafens klingt nüchtern. Lufthansa müsse „unwirtschaftliche Verbindungen streichen“. Als Ersatz: vier Stunden ICE.
Natürlich bleibt Bremen erreichbar. Über München, Amsterdam, Istanbul, Wien oder Zürich kommt man weiterhin in die Welt – allerdings nur mit Umstieg. Schon heute gibt es von Bremen keinen Direktflug nach Asien, Afrika sowie Nord- oder Südamerika. Auch viele europäische Hauptstädte sind nicht direkt erreichbar. Mit Frankfurt fällt nun zudem der wichtigste innerdeutsche Anschluss an einen internationalen Hub weg.
Genau darin liegt das Problem. Bremen erreicht internationale Märkte noch, ist aber immer seltener selbst ein Ort, den internationale Geschäftsreisende, Investoren oder Unternehmen direkt anfliegen und wahrnehmen.
Hafen plus Hub – das globale Erfolgsmuster
„Unser Feld ist die Welt“, sagte Hermann Henrich Meier, der 1857 zusammen mit Eduard Crüsemann den Norddeutschen Lloyd gründete. Das war keine Metapher, sondern Geschäftsmodell und Selbstverständnis zugleich. Der Norddeutsche Lloyd verband Bremen in regelmäßigen, teils wöchentlichen Linienverkehren direkt mit New York, Baltimore, Südamerika und London. Bremen war Gateway-City Deutschlands.
Diese Stellung entstand nicht zufällig. Bürgermeister Johann Smidt gründete 1827 Bremerhaven. Ludwig Franzius korrigierte später die Weser und machte die Häfen hochseetauglich. Bremen dachte global und baute die Infrastruktur dazu.
Die erfolgreichsten maritimen Wirtschaftsräume der Welt verbinden Hafen und internationales Luftdrehkreuz eng miteinander: New York, Dubai, Singapur, Shanghai, Amsterdam, Istanbul oder London.
Deutschland ist die Ausnahme. Frankfurt, der größte Hub, hat keinen Seehafen; ebenso München. Hamburg wiederum hat keinen interkontinentalen Hub. Bremen ebenfalls nicht. Die entscheidenden Infrastrukturen der Globalisierung wurden geografisch getrennt – mit Folgen für die Wirtschaftsdynamik des Nordens.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Häfen jüngst zu „Schlüsselstellen und Drehkreuzen unserer Sicherheit, unserer Souveränität, unserer Wettbewerbsfähigkeit“ erklärt und Milliardeninvestitionen zugesagt. Das ist richtig, greift aber zu kurz, solange Hafenpolitik und internationale Luftverkehrsanbindung weiter getrennt gedacht werden. Wer Bremerhaven zum sicherheitspolitischen Drehkreuz macht, muss den Norden auch interkontinental erreichbar machen.
Warum Bremen den Anschluss verliert
Bremen lebt bis heute von Unternehmen, deren Geschäft global ist. KAEFER, Leschaco, OHB und Airbus stehen exemplarisch für eine Wirtschaft, deren Märkte in Asien, Amerika oder dem Nahen Osten liegen – nicht zwischen Bremen und Osnabrück.
Noch sitzen diese Unternehmen in Bremen. Aber Standortentscheidungen ändern sich selten abrupt. Erst werden Funktionen verlagert, dann entstehen zweite Hauptsitze. Neue Eigentümer und Manager orientieren sich näher an internationalen Drehkreuzen. Nach einigen Jahren bleibt oft nur noch eine Niederlassung.
Der Bremer Kaufmann Matthias Claussen (C. Melchers GmbH & Co. KG) brachte das Problem bereits 2019 in der „Neuen Zürcher Zeitung“ auf den Punkt. Für ein weltweit tätiges Handelshaus sei es „lästig genug“, dass man von Bremen nicht direkt nach Asien fliegen könne. Der ideale Standort sei eigentlich Frankfurt-Kelsterbach.
Die Realität ist unbequem: Bremen lebt wirtschaftlich von der Globalisierung, sitzt infrastrukturell aber zunehmend am Rand.
Deshalb greift auch die Debatte über Regionalflughäfen zu kurz. Weder Bremen noch Hamburg oder Hannover werden allein dauerhaft gegen die großen europäischen Hubs im internationalen Wettbewerb bestehen können. Die eigentliche strategische Frage lautet, ob Norddeutschland seine Kräfte bündelt und einen gemeinsamen interkontinentalen Hub schaffen will – angebunden an Hafenwirtschaft, Logistik, Industrie und Bahn.
Die vertane norddeutsche Chance
Die Idee ist alt. Bürgermeister Hans Koschnick dachte bereits vor Jahrzehnten über einen gemeinsamen Großflughafen der Küstenländer nach. Er scheiterte am norddeutschen Kleinklein und am Hamburger Eigensinn – eine vertane Chance für Norddeutschland.
Heute wirkt der Gedanke logischer denn je. Frankfurt und München stoßen an Kapazitätsgrenzen. Gleichzeitig suchen internationale Investoren weltweit nach langfristigen Infrastrukturprojekten in stabilen Industrieländern.
Was fehlt, ist weniger Kapital als politischer Wille – und der Mut zu einem Projekt, das wieder in globalen Maßstäben denkt.
Bremen kommt weiterhin in die Welt. Aber die Welt kommt immer seltener direkt nach Bremen. Genau deshalb ist die Streichung der Frankfurt-Verbindung mehr als eine Randnotiz. Sie markiert den nächsten Schritt einer Entwicklung, deren strategische Tragweite die Bremer Politik seit Jahren unterschätzt: Bremer Interessen enden nicht an der Stadtgrenze. Sie waren immer global.“
Soweit der Text meines Gastautors.
Zur Person: Dr. Frank F. Ebner (55) ist Berater für internationale Fonds, Finanzierungen und Restrukturierungen von Immobilienprojekten. Er legte die ersten Immobilien- und Infrastruktur-Kreditfonds in Deutschland auf. Der gebürtige Bremer studierte Bauingenieurwesen an der Leibniz Universität Hannover und promovierte an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Berufliche Stationen führten ihn nach San Francisco und Frankfurt. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt heute mit seiner Familie in Bremen.
Ergänzung von mir: Die gestern von WK und RB eher kurze Mitteilungen, „Frankfurt ist nicht mehr“, zieht allmählich Kreise.
Jens Eckhoff, Christdemokrat und enger Mitarbeiter des Bremer Investors Dr. Klaus Meier drückte gestern abend bei Facebook sein Entsetzen aus: „Diese Meldung ist wirklich Worst Case für den Standort Bremen! Viele Geschäftsreisende verlieren den Anschluss an das wichtigste deutsche Drehkreuz. Die Folge: Unternehmen werden den Standort Bremen verlassen.“ Soweit Eckhoff.
Zu beachten ist außerdem, dass der weltweit älteste und angesehene KI-Kongress IJCAI Ende Juli/August vermutlich unter dem Wegfall der Direktverbindung Frankfurt-Bremen leiden wird. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die etwa 1.000 aus Asien, speziell China, erhofften Tagungsteilnehmer nach ihren langen Flügen von Frankfurt tatsächlich den Weg mit dem ICE nach Bremen zurücklegen wollen. Drücken wir die Daumen!
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Ich hätte nie erwartet, dass das vorige Stück „Glosse“ derart unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Schauen Sie gerne noch mal in den Text von Dr. Volker Redder samt den Kommentaren rein.
Senat und Bürgerschaft haben gut zu tun: Ausbildungsabgabe, Fahrradroute und Ausbau der Straßenbahnschienen binden alle Kräfte. Da sollen sich diese Vielbeschäftigen auch noch um die Anbindung Bremens an die Welt kümmern? Dass die Lufthansa vorab nicht mit dem Senat das Gespräch sucht, sollte diesem heftige Kopfschmerzen bereiten. Doch ich vermute: Sie bleiben schmerzfrei!
Lieber Herr Ebner,
eigentlich könnte vieles ganz einfach sein, wenn man logisch und betriebswirtschaftlich vernünftig an die Dinge heranginge. Dann ließen sich Lösungen finden, die wirtschaftlich sinnvoll wären, Arbeitsplätze sichern und Norddeutschland insgesamt stärken würden.
Doch genau daran scheitert es seit Jahrzehnten. Wir reden seit über 50 Jahren darüber, die norddeutschen Häfen besser zu koordinieren und infrastrukturell gemeinsam zu denken. Stattdessen erleben wir bis heute lokalpatriotische Kirchturmpolitik.
Dasselbe gilt für die Flughäfen. Hätte man frühzeitig Hafeninfrastruktur, Flughäfen, Autobahnen, Bahn und Industriepolitik strategisch miteinander verknüpft, hätte Norddeutschland längst ein integriertes Wirtschaftsnetz entwickeln können, statt vieler regionaler Einzelinteressen.
Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Faktor: Energie. Norddeutschland verfügt über Offshore-Windenergie und direkte Anbindungen. Das ist ein enormer Standortvorteil. Wenn der Süden nicht in der Lage ist, ausreichend Netze zu bauen, dann müssen wir die Energie eben selbst stärker industriell nutzen. Denn Industrie siedelt sich dort an, wo Energie verfügbar ist. Das war bei den Windmühlen in Holland so, bei der Kohle im Ruhrgebiet und heute gilt es für Offshore-Windenergie.
Das eigentliche Problem ist daher nicht fehlendes Potenzial, sondern fehlender gesellschaftlicher Wille zur strategischen Bündelung.
Das zeigt sich aktuell auch bei der Diskussion über Hafeninfrastruktur für militärische Nutzung. Dort wird nicht zuerst gefragt, was militärisch oder wirtschaftlich am sinnvollsten wäre, sondern was politisch am leichtesten konsensfähig erscheint.
Ob Emden oder Bremerhaven bevorzugt wird, ist deshalb weniger eine militärische oder wirtschaftliche Frage als eine politische.
Norddeutschland hätte längst die Kraft, als gemeinsamer Wirtschaftsraum international deutlich stärker aufzutreten. Man nutzt diese Stärke nur nicht konsequent.
Es ist sicherlich interessant, nach den Gründen für den Wegfall der Verbindung zu schauen. Die LH nennt wirtschaftliche Gründe. Nun ja. Die Frankfurt-Flieger sind zumeist gut frequentiert, wenn ich die Strecke benutze, sind die Kisten oft ziemlich voll.
Dann mag es weniger an der Einnahmeseite und wohl mehr an den Kosten liegen, wenn LH ausgerechnet diese Strecke als unrentabel sieht. Dazu dürften auch Kosten gehören, die der Airport selber produziert, neben etwa der bundesweiten Luftverkehrssteuer.
Nach dem schmerzlichen Weggang der Verkehrsfliegerschule nach Rostock ist dies nun der zweite Einschnitt, den die DLH am Airport vornimmt. Aus meiner Sicht ist die LH da von einer weiteren Fehlentscheidung der Konzernspitze betroffen.
Man kann das als Unternehmensentscheidung sehen, die nun einmal getroffen wird. Man kann sich auch fragen, ob genug für den Luftfahrtstandort getan wird ( die Antwort liegt auf der Hand ).
Wer wird profitieren, wenn pro Tag ca. 600-800 Menschen nicht nach FRA fliegen können?
Vielleicht wird die München-Verbindung ausgeweitet. Die können dann übrigens die LH -Mitarbeiter, die in Bremen wohnen und ab FRA eingesetzt werden, nicht nutzen.
Möglicherweise wird Turkish Airlines einen weiteren Flug zum Drehkreuz Istanbul auflegen. Oder was auch immer sonst? Vielleicht hilft das Modell Paderborn/Lübeck, wo findige Geschäftsleute eigene Verbindungen mit einer dänischen Airline aufgelegt haben.
Ja, man kann den weltweit zunehmenden Luftverkehr durchaus kritisch sehen.
Aber die Streichung der FRA-Verbindung ist ein schlechtes Signal für unseren Standort.
Der Airport wird die Streichung massiv spüren, die Provinz ruft.
Jetzt ist auch die Landesregierung gefordert!!
Als Nächstes sollte der Bremer Flughafen die Passagierzahlen veröffentlichen, wie viele Leute wöchentlich in beide Richtungen zwischen Bremen und Frankfurt transportiert wurden.
Der Wegfall der Co2 Fluglinie, die doch nur Reichen und deren Geschäftsträgern diente, ist positiv für die Erreichung der Bremischen Klimaziele! Das muß doch auch mal gesagt werden! Als ökologischer und klimafreundlicher Ersatz hat der Senat vorsorglich die Fahrradpremiumroute beschlossen. Die Zukunft ist also sicher!
Hier die Presseerklärung des Senats vom Sonntag, 10.5.26, im Wortlaut:
Die Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation | Senatskanzlei
Senat kritisiert Einstellung der Lufthansa-Verbindung Bremen–Frankfurt
10.05.2026
Der Senat der Freien Hansestadt Bremen kritisiert die Entscheidung der Lufthansa, die Flugverbindung zwischen Bremen und Frankfurt zum 1. Juli 2026 einzustellen. Die Strecke zählt zu den zentralen Anbindungen Bremens an den internationalen Luftverkehr und ist von erheblicher Bedeutung für Wirtschaft, Wissenschaft und internationale Erreichbarkeit des Standorts.
Mit derzeit rund 35 wöchentlichen Abflügen und mehr als 5.000 Passagieren pro Woche (Hin- und Rückflüge) stellt die Verbindung einen wesentlichen Bestandteil der verkehrlichen Infrastruktur dar. Auch für zahlreiche internationale Destinationen ist Frankfurt bislang der zentrale Umsteigepunkt für Reisende aus Bremen, die nicht oder nur eingeschränkt über andere Drehkreuze erreichbar sind.
Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte: „Die Entscheidung der Lufthansa reiht sich ein in eine Vielzahl von Streckenstreichungen in Deutschland in den letzten Wochen und Monaten und ist ein schwerer Schlag für Bremen und den ganzen Nordwesten. Der Flughafen Bremen ist in den letzten Jahren fortlaufend modernisiert worden und erzielt bei Vergleichstests regelmäßig Bestnoten in Sachen Sicherheit und Pünktlichkeit. Der Senat wird deshalb alles dafür tun, dass die Entscheidung noch einmal überdacht wird. Hier sehe ich wegen der infrastrukturellen Systemrelevanz der Lufthansa auch den Bundesverkehrsminister in der Pflicht. Hinzu kommt, dass der Flughafen Bremen eine zentrale Rolle im Zusammenhang mit dem Operationsplan Deutschland einnimmt und Bremen und das Bundesverteidigungsministerium sich in fortgeschrittenen Gesprächen über eine militärstrategische Aufwertung mit massiven Investitionen befinden. Dies darf nicht durch privatwirtschaftliche Entscheidungen konterkariert werden.“
Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation: „Die Entscheidung der Lufthansa ist für den Standort Bremen nicht akzeptabel und in dieser Form nicht nachvollziehbar. Wir erwarten, dass die Lufthansa die Entscheidung unverzüglich zurücknimmt und die Strecke Bremen-Frankfurt weiterhin angeflogen wird. Die Strecke ist ein zentrales Element der internationalen Anbindung unserer Wirtschaft und unseres Wissenschaftsstandorts. Ihr Wegfall schwächt die Erreichbarkeit Bremens spürbar und hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region.“
Nach Angaben der Lufthansa ist die Strecke wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Als Gründe werden unter anderem der Wegfall von Flugkapazitäten durch strukturelle Anpassungen in der Flotte, ein deutlich gesunkener Netzdeckungsbeitrag sowie steigende Betriebskosten genannt. Hinzu verweist Lufthansa auf die aktuell bereits hohen und nach eigener Einschätzung weiter steigenden Kerosinpreise, die sich künftig noch stärker auf die Wirtschaftlichkeit der Strecke auswirken werden.
Der Senat steht hierzu weiterhin in engem Austausch mit der Lufthansa und dem Flughafen Bremen. Dabei wird Bremen mit Nachdruck für den Erhalt der Verbindung werben und darauf drängen, die Entscheidung noch einmal zu überdenken und gemeinsam eine alternative Lösung zu finden.
Für uns, als internationales Beratungsunternehmen, eine sehr negative Entwicklung. Bremen hat gerade mit seiner zentralen Flughafenlage und der guten Erreichbarkeit bisher punkten können. Wenn jetzt das wichtige Drehkreuz Frankfurt von der Landkarte für Bremen verschwindet, ist das für uns eine massive, strategische Einschränkung im betrieblichen Alltag. Für uns verliert Bremen damit einen bedeutsamen Standortvorteil, den wir heute wirtschaftlich noch nicht in der Konsequenz bewerten können. Überraschend und enttäuschend zugleich, dass der Bremer Senat solche wirtschaftlich wichtigen Negativtrends teilnahmslos geschehen lässt.
Bremens Sozialdemokratie und Linke sägen am eigenen Ast
Wie heuchlerisch ist dieser Senat eigentlich? Er sägt mit seinen Parteien immerzu an dem Ast, auf dem Bremen sitzt – und gräbt der Wirtschaft das Wasser ab.
Am Donnerstag, dem 7. Mai, hat der Bundestag in erster Lesung den Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Luftverkehrsteuergesetzes beraten. Ab 1. Juli 2026 sollen wieder die Steuersätze gelten, die vor der Erhöhung in der vergangenen Wahlperiode galten. Drei Tage später, am 10. Mai, kündigte die Lufthansa an, die Flugverbindung Bremen–Frankfurt zum 1. Juli 2026 einzustellen. Könnte es da einen Zusammenhang geben?
Schauen wir uns die Entscheidung an: Bei Kurzstreckenflügen innerhalb Europas und in angrenzende Regionen Nordafrikas und Westasiens (Gruppe eins) soll die Steuer pro Fluggast von 15,53 auf 13,03 Euro sinken, bei Mittelstreckenflügen in den Nahen und Mittleren Osten, nach West- und Zentralafrika sowie Zentralasien (Gruppe zwei) von 39,34 auf 33,01 Euro, bei Langstreckenflügen in alle anderen Länder von 70,83 auf 59,43 Euro. Die Bundesregierung rechnet für 2027 mit Steuermindereinnahmen von 330 Millionen Euro.
Alles meines Erachtens viel zu wenig. Die Luftverkehrsteuer müsste dringend und vollständig auf Null gesetzt werden, wenn wir den Wirtschaftsstandort Deutschland ernsthaft unterstützen wollen. Sie verteuert ausgerechnet jene Verbindungen, die Standorte wie Bremen mit den Weltmärkten verknüpfen.
Doris Achelwilm, Bremer Bundestagsabgeordnete der Linken, sah das im Plenum naturgemäß anders: „Pro Flug in Europa wird die Luftverkehrsteuer jetzt um 2,50 Euro gesenkt, pro Langstreckenflug um 11,40 Euro. Die Entlastungswirkung dieser Maßnahme? Wenig vorhanden, aber das Ganze kostet, nämlich rund 350 Millionen Euro pro Jahr, die beim einfachen Fluggast verpuffen und im Verkehrsetat spürbar fehlen werden. Wer hat am meisten von der Nummer? Die Airlines, die Aktionäre, die Vielflieger, die Luftfahrtlobby, die teilweise mit extrem fragwürdigen Geschäftsmodellen unterwegs ist. Auch hier Ihr Signal: Weiter-so ohne Zukunftskompetenz oder Gespür für diese Zeit.“
Drei Tage später strich genau jene Lufthansa eine zentrale Bremer Verbindung. Zufall? Womöglich. Symptom? Mit Sicherheit.
Und ausgerechnet in dieser Lage erklärt Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke) die Streichung für „nicht nachvollziehbar“. Ich finde sie sehr gut nachvollziehbar. Sie ist die logische Folge einer Politik, deren eigene Bundestagsfraktion in Berlin gerade öffentlich gegen ebenjene Branche austeilt, die Bremen anfliegen soll. Wer Luftfahrt verteuert, wer „die Luftfahrtlobby“ beschimpft, wer Entlastungen als „verpufft“ abtut – der soll sich nicht wundern, wenn Standorte wie Bremen vom Netz genommen werden. Frage in den Raum: Wer koordiniert eigentlich die Arbeit der Linken zwischen Senat, Bürgerschaft und Bundestag?
Statt sich zu beklagen, sollte der Bremer Senat eine Bundesratsinitiative starten und als Handelsstadt dafür plädieren, dass diese unsinnige Luftverkehrsteuer vollständig abgeschafft wird. Auf dieser Grundlage könnte man auch mit der Lufthansa wieder konstruktive Gespräche über die Anbindung Bremens führen.
Deutschland ist im Handel mit Waren und Dienstleistungen 2024 nach UNCTAD-Schätzungen die drittgrößte Handelsnation der Welt – nach China und den USA. Wenn es irgendwo deutscher Unterstützung bedarf, dann beim Anschluss an die Weltmärkte. Und – sorry – nach Asien, Amerika oder Afrika fährt man nicht mit der Bahn. In weite Teile Europas auch nicht. Erst recht nicht, wenn man geschäftlich unterwegs ist und für das Bruttoinlandsprodukt und das Steueraufkommen arbeitet, von dem auch der Bremer Senat lebt.
Quelle: bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw19-de-luftverkehrsteuergesetz-1167350
@Andreas Bovenschulte Sie halten den „Operationsplan Deutschland“ hoch wie ein Evangelist des Teufels die Satansbibel. So wie früher die Aktivisten des SHB Werke von Karl Marx. Da hätten Sie mal dabei bleiben und das ordentlich lesen sollen.
Aber Nein! „Helft uns, und wir sind doch so willfährig bei euren neuen Plänen für den nächsten totalen Krieg!“
Kein ordentlicher Schnellstreckenanschluss, bald auch kein Flugplatz mehr. Am Autobahnring wird seit 50 Jahren herumgebastelt, dafür gibt es viele lohnende Ziele für russische Hyperschallraketen und Tempo 30 auf Hauptstraßen für deren Opfer. (Rheinmetallchef) Armin Papperger bekommt einen Rathausempfang wie sonst nur von der CIA eingesetzte Despoten. Wer von Ihnen beiden (Bovenschulte–Papperger) war da eigentlich der Kellner?
Aber bleiben wir optimistisch: Wenn der „Operationsplan Deutschland“ zum Tragen kommt, muss eh alles neu aufgebaut werden – falls die Gegend hier dann noch bewohnbar sein sollte.
Danke Bovie
Lieber Herr Schuller,
Sie baten auf Nachfrage Ihrer Leser, um mehr Hintergrund zur Vorgeschichte des Bremer Großflughafen-Gedankens.
Den Anstoß gaben in den späten 1960er Jahren die Bewegungen der Nachbarn. Hamburg unterzeichnete am 20. November 1968 mit Schleswig-Holstein das Abkommen über den Großflughafen Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein, jenseits der Elbe), geplant als „Weltflughafen“ mit 3.800 Meter Startbahn und 30 Millionen Flugbewegungen jährlich. Der bayerische Ministerrat unter Alfons Goppel beschloss am 5. August 1969, die Planung für den späteren Münchner Hub aufzunehmen, aus dem Franz Josef Strauß Bayerns Tor zur Welt machte.
Hans Koschnick, seit Ende 1967 Bremer Bürgermeister, wusste, dass Bremen einen Anschluss an die nächste Generation interkontinentaler Großflughäfen brauchte. Sein Verkehrssenator Carl Borttscheller hatte schon früh einen ersten Versuch unternommen – mit Standortvorschlag Bremervörde. Niedersachsen winkte zunächst ab. Im September 1969 folgte ein zweiter Anlauf mit Anfragen an Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Da Hamburg auf Kaltenkirchen beharrte, orientierte sich Koschnick zusammen mit Niedersachsen nach Westen, ins Oldenburgische, Richtung Niederlande und Nordrhein-Westfalen – mit Blick auf die Seehäfen Bremerhaven und Wilhelmshaven.
Eine paritätische Kommission tagte siebenmal. Anfang 1973 lag ein Gutachten des Bremer Hafenoberbaudirektors Ralf Lutz vor: Standortempfehlung Hude oder Rastede. „Bis 1990 soll Bremen II fertig sein“, hielt die Langzeitprognose vom 24. Januar 1973 fest – ein interkontinentaler Großflughafen, 2.400 Hektar, 400 Millionen Mark.
Das Projekt scheiterte zweifach. Am 20. Februar 1973 lehnte Lufthansa-Vorstand Reinhard Abraham Bremen II öffentlich ab; für die Bundesrepublik reichten nach seiner Auffassung drei Hubs: Kaltenkirchen, Frankfurt, München. Damit fehlte der Ankernutzer. Niedersachsen wiederum ließ die finanzielle Beteiligung vermissen. Am 8. Mai 1973 beschloss der Bremer Senat den Verzicht – mit der Begründung, die „nassen Häfen“ Bremens hätten Vorrang. Bremen wählte den Hafen gegen den Flughafen.
Vierzig Jahre später, am 26. August 2013, erklärten die Wirtschaftsminister und -senatoren der fünf norddeutschen Länder in Cuxhaven – für Bremen die Senatoren Martin Günthner (SPD) und Joachim Lohse (Grüne) – auch das Hamburger Projekt Kaltenkirchen für endgültig erledigt. Stattdessen, hieß es offiziell, sollten „die Flughäfen in Norddeutschland bei Kapazitätsengpässen kooperieren“. Wie zukunftsfähig diese Verabredung war, zeigt sich heute. Norddeutschland ist international abgehängt.
Die CDU-Bürgerschaftsfraktion hat am Montag folgende Presseerklärung zur Lufthansa-Entscheidung herausgegeben:
Grobien: „Andreas Bovenschulte muss Flughafen Bremen als zentralen Standortfaktor zur Chefsache machen“
„Die Streichung der Lufthansa-Verbindung zwischen Bremen und Frankfurt ist ein schwerer Schlag für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Bremen“, erklärt Susanne Grobien, hafen- und wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion. „Die Anbindung an das internationale Drehkreuz Frankfurt ist für unsere Unternehmen essenziell. Gerade exportorientierte Branchen wie die Luft- und Raumfahrtindustrie brauchen schnelle und verlässliche internationale Verbindungen. Wer möchte, dass sich Unternehmen hier ansiedeln und investieren, muss auch für eine leistungsfähige Verkehrsanbindung sorgen.“
Die CDU-Fraktion sieht mit Sorge, dass der Flughafen Bremen derzeit mehr Verbindungen verliert als hinzugewinnt. Rund 30.000 Arbeitsplätze, eine Bruttowertschöpfung von rund 2,3 Milliarden Euro und ein Steueraufkommen von knapp 600 Millionen Euro hingen direkt oder indirekt vom Flughafen ab. „Der Senat Bovenschulte muss endlich dafür sorgen, dass der Flughafen für Airlines wirtschaftlich attraktiv bleibt. Dafür braucht es bessere Rahmenbedingungen, mehr Anreize für Fluggesellschaften und eine klare Strategie zur Sicherung des Standorts“, so Grobien.
Die CDU-Fraktion hat hierzu bereits vor zwei Jahren konkrete Vorschläge vorgelegt – unter anderem zur besseren Nutzung der vorhandenen Start- und Landebahnen sowie zur strategischen Weiterentwicklung des Flughafens. „Auch müssen wir uns die Entgeltordnung des Flughafens noch einmal genau anschauen. Strafzuschläge für verspätet landende ‚Home Carrier‘ müssen verhältnismäßig sein, denn sie bilden eine relevante Kalkulationsgrundlage für die Fluggesellschaften“, mahnt Grobien.
Die CDU-Fraktion hat zu dem Thema für die kommende Sitzung der Bremischen Bürgerschaft (Landtag) eine Aktuelle Stunde eingereicht. „Der Senat muss jetzt alles daransetzen, dass die Lufthansa ihre Entscheidung noch einmal revidiert. Zudem muss er erklären, seit wann er über die sich abzeichnende Entwicklung informiert war und wie er weitere Streckenverluste verhindern und die internationale Anbindung Bremens langfristig sichern will“, betont Grobien. „Es geht hier um einen zentralen Standortfaktor für die wirtschaftliche Zukunft unseres Bundeslandes. Herr Bovenschulte muss den Flughafen zur Chefsache machen!“
Ein Leser hat mir eine Meldung aus einem Fachdienst vom August 2013 zugeschickt, die ich Ihnen, liebe Leserschaft, nicht vorenthalten möchte!
Norddeutsches Luftverkehrskonzept ohne Flughafen Kaltenkirchen
Einen neuen Großflughafen im Norden Deutschlands wird es nicht geben. Die Minister und Senatoren der norddeutschen Bundesländer und Hansestädte haben das seit den 1960er Jahren verfolgte Projekt aufgegeben.
27. August 2013, 16:40 Uhr
Die norddeutschen Wirtschaftsminister und -senatoren haben sich auf ein Luftverkehrskonzept ohne weitere
Planung des Großflughafens Kaltenkirchen geeinigt. Das Projekt nördlich von Hamburg solle nicht weiter
verfolgt werden, sagten die Ressortchefs aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nie-
dersachsen und Bremen nach einer Konferenz am Montag in Cuxhaven. Stattdessen sollen die Flughäfen in Norddeutschland bei Kapazitätsengpässen kooperieren.
Der Flughafen Kaltenkirchen ist ein Projekt aus den 1960er Jahren. Der geplante Airport mit zwei parallelen
Start- und Landebahnen soll die Flughäfen Hamburg-Fuhlsbüttel und Lübeck-Blankensee ersetzen. Die da-
für notwendigen Flächen westlich von Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) befinden sich noch immer im Besitz
der Hamburger Flughafengesellschaft.
Im schleswig-holsteinischen Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP von 2009 wurde unter anderem eine
Überprüfung des Standortes im Rahmen eines norddeutschen Luftverkehrskonzepts festgeschrieben. Vor
einem Jahr hatte die IHK Lübeck den endgültigen Abschied vom Projekt Kaltenkirchen gefordert. Die Flughafengesellschaft Hamburg soll die Flächen verkaufen und so Raum für die Entwicklung eines Wohn- und Gewerbegebietes schaffen, hieß es in einem Konzept.
Außerdem forderten die Ressortchefs die Bundesregierung auf, die Luftverkehrssteuer in der jetzigen Form
abzuschaffen. Sie sei wettbewerbsverzerrend. Alleine Hamburg verliere deswegen jährlich rund 200.000
Passagiere an den dänischen Flughafen Billund, sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (partei-
los). Der Bremer Ressortchef Martin Günthner (SPD) verwies darauf, dass die erwarteten Effekte der Steuer nicht eingetreten seien, weil es in Europa ganz unterschiedliche Regeln gebe. Der Bremer Umweltsenator
Joachim Lohse (Grüne) erklärte, dass er den Vorstoß nicht mittrage. Es gehe um eine europäische Harmonisierung, hielten seine Kollegen ihm entgegen.
Hier die Presseerklärung der FDP-Bürgerschaftsfraktion von heute, 11.5. inkl. dem FDP-Antrag, den Rot-Grün-Rot voriges Jahr abgelehnt hatte.
„Lufthansa streicht Bremen–Frankfurt: Senat hat über ein halbes Jahr verschlafen
Thore Schäck: „Im Oktober haben SPD, Grüne und Linke unsere Warnung als ‚überzogen‘ und unsere Vorschläge als ‚Quatsch‘ abgetan. Heute ist genau das eingetreten, wovor wir gewarnt haben – und der Senat steht ohne Plan da.“
Bremen, 11. Mai 2026. Die Lufthansa stellt zum 1. Juli 2026 die Verbindung zwischen Bremen und Frankfurt ein. Damit verliert der Wirtschaftsstandort Bremen den Direktanschluss an das wichtigste deutsche Drehkreuz – mit rund 5.000 Passagieren und 35 Abflügen pro Woche. Genau vor diesem Szenario hatte die FDP-Fraktion bereits in der Bürgerschaftssitzung im Oktober 2025 in einer Aktuellen Stunde gewarnt. Der FDP-Antrag „Luftverkehrsstandort in Bremen und Deutschland stärken“ wurde von der rot-grün-roten Koalition damals abgelehnt.
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion Bremen, Thore Schäck, erklärt dazu:
„Was Bremen heute erlebt, ist die direkte Quittung für die Realitätsverweigerung der rot-grün-roten Koalition. Im Oktober haben wir vor exakt dieser Streichung gewarnt und konkrete Maßnahmen vorgelegt – und wurden dafür verspottet. SPD-Sprecher Volker Stahmann erklärte vom Plenarpult, das, was wir hier schilderten, sei ‚überzogen in der Wahrnehmung‘. Emanuel Herold behauptete, der Wegfall von zum Beispiel Frankfurt sei ‚in puncto Erreichbarkeit nicht das entscheidende Problem‘ und der Linken-Abgeordnete Klaus-Rainer Rupp tat die Lufthansa-Streichliste als bloßes Druckmittel auf die Bundesregierung ab – als wäre nichts zu befürchten. Jetzt ist die Streichung Realität. Und die Koalition heuchelt Entrüstung. Besonders entlarvend die Reaktion von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt. Sie nennt die Streichung ‚nicht akzeptabel und in dieser Form nicht nachvollziehbar‘ – nachdem ihre eigene Fraktion im Oktober gegen jede einzelne Maßnahme gestimmt hat, die genau das hätte verhindern sollen. Auch Bürgermeister Bovenschulte ruft heute nach dem Bundesverkehrsminister – also nach genau der Bundesebene, auf die wir im Oktober mit unserer Forderung zur Luftverkehrsteuer hingewiesen haben. Das ist scheinheilig. Die Wahrheit ist: Die Koalition hat beim Flughafen über ein halbes Jahr verschlafen. Viel Zeit, in denen Bremen hätte handeln müssen.“
Schäck weiter:
„Der Senat muss jetzt vier Dinge tun: Erstens braucht es eine sofortige Bundesratsinitiative Bremens zur Senkung der Luftverkehrsteuer und zur Deckelung der Luftsicherheitsgebühren. Zweitens muss Bremen eine aktive Offensive für alternative Drehkreuzanbindungen starten – über KLM nach Amsterdam, Turkish Airlines nach Istanbul und SWISS nach Zürich, bevor auch diese Verbindungen unter Druck geraten. Drittens muss die Flughafenentgeltordnung zügig überprüft und angepasst werden, damit Bremen für Airlines wieder ein wirtschaftlich tragfähiger Standort wird. Und viertens muss der Senat darlegen, was er in den sieben Monaten seit unserer Warnung konkret unternommen hat. Rot-Grün-Rot muss endlich der Realität ins Auge blicken und dringend seine Hausaufgaben machen. Bremen kann sich keinen weiteren Streckenverlust mit Ansage leisten.“
Der von der rot-grün-roten Koalition abgelehnte FDP-Antrag aus der Landtagssitzung im Oktober 2025 ist heute aktueller denn je. Sie finden Ihn hier: https://sd.bremische-buergerschaft.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZSO-20vARPsozIvSOcsLBgJhwlleNhsv6G7amJV_oLvZ/Drucksache_Land_Drucksache_21-1388.pdf
Lt. Radio Bremen Homepage hat der Fraktionschef der Linken (Linkspartei) Nelson Janßen, also der Parteikollege der Wirtschaftssenatorin Vogt, sich so geäußert: „Fahrt halt Zug, dauert 4 Stunden. Inlandsflüge gehören onehin verboten.“ – Was soll man dazu noch sagen!
Die Presseerklärung der Fraktion von Bündnis Deutschland zum Thema lautet:
Am Samstag wurde durch den WESER-KURIER bekanntgegeben, dass die Flugairline Lufthansa ihre Direktverbindung vom Airport Bremen zum Verkehrsknotenpunkt Frankfurt einstellen wird. Damit verliert der Wirtschaftsstandort Bremen eine wichtige Fluglinie. Privatpersonen sind wie Unternehmen davon betroffen.
Die Fraktion BÜNDNIS DEUTSCHLAND bedauert diese Entscheidung und fordert den Senat auf die politischen Rahmenbedingungen für einen Beibehalt der Flugstecke zu schaffen.
Piet Leidreiter, verkehrspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der Fraktion BÜNDNIS DEUTSCHLAND, erklärt dazu: „Nachdem das Land Bremen bereits den Flughafen Luneplate in Bremerhaven sowie die Ryanair-Base verloren hat, ist die Streichung der Frankfurt-Bremen-Verbindung ein weiteres alarmierendes Signal für unseren Wirtschaftsstandort. Wer internationale Geschäftsbeziehungen pflegen oder schnell globale Anschlussflüge erreichen will, braucht eine leistungsfähige direkte Anbindung an internationale Drehkreuze. Genau diese wichtige Verbindung droht Bremen jetzt zu verlieren.
Die Entscheidung der Lufthansa ist zugleich ein weiteres Zeichen dafür, dass Bremen im Standortwettbewerb zunehmend zurückfällt. Hohe Abgaben wie die Luftverkehrssteuer, steigende Kosten und fehlende politische Impulse setzen den Aviation-Standort Bremen immer stärker unter Druck. Während andere Regionen ihre Infrastruktur gezielt stärken, hinkt Bremen zunehmend hinterher.
Der Senat darf diese Entwicklung nicht einfach hinnehmen. Wir erwarten endlich eine klare Strategie zur Sicherung und Stärkung des Flughafens Bremen. Dazu gehört auch, bestehende Verbindungen aktiv zu unterstützen und neue Perspektiven für den Wirtschafts- und Flugstandort Bremen zu schaffen. Wenn zentrale Flugverbindungen wegfallen, verliert Bremen am Ende nicht nur Mobilität, sondern auch wirtschaftliche Zukunftschancen.“
Die Lufthansa ist ihren Aktionären verpflichtet, nicht Bremen. Und die interessiert, dass das Unternehmen wirtschaftlich arbeitet und keine Strecken bedient, die nur Verluste verursachen. Die Lufthansa-Aktie ist gestiegen, nachdem die Lufthansa angekündigt hatte, dass die Verbindung Bremen-Frankfurt wegfällt. Und Großaktionär Kühne hat seinen Anteil an Lufthansa gerade aufgestockt.
Ich frage mich, ob es aus Sicht der Lufthansa nicht auch andere Gründe geben könnte. Da bis vor einigen Jahren die Flugschule in Bremen war, gibt es nach wie vor viele (Co)Piloten, die in Frankfurt ihren Einsatzort haben, aber in Bremen (und umzu) wohnen. Diese fliegen zu stark vergünstigten Preisen nach Frankfurt, um von dort selbst als Pilot zu fliegen. Daher sind die Flüge ausgelastet, auch wenn Lufthansa daran nichts verdient. Vielleicht will Lufthansa diese Mitarbeiter durch Streichung dieser Verbindung dazu bringen, sich zu überlegen, noch weiter für die Gesellschaft zu arbeiten oder andere Angebote anzunehmen. Wer von jetzt auf gleich CityLine schließt, dem wäre auch so etwas zuzutrauen. Möglicherweise wird die Verbindung in einem Jahr wieder aufgenommen, wenn genügend (Co)Piloten den Konzern verlassen haben / in den Ruhestand gewechselt sind und der Flughafen mit seinen Gebühren der Airline entgegengekommen ist.
@Hermann J. Olbermann „…ihren Aktionären verpflichtet.“ – Das ist eine Binsenweisheit.
Die Passagierzahlen lagen bei über 5.000 Passagieren pro Woche (Hin- und Rückflug) bei bis zu 5 täglichen Rotationen. Das entspricht einer soliden Nachfrage, scheint aber nicht auszureichen, um die gestiegenen Kosten (Kerosin, Gebühren, Personal, Flugzeugverfügbarkeit) wie gewünscht zu decken. Die durchschnittliche Sitzplatzauslastung am Flughafen Bremen lag 2025 bei 77,4 % (stabil zum Vorjahr).
Man spricht nicht davon, dass die gestrichenen Strecken defizitär sind. Sie bringen lediglich nicht genug Deckungsbeitrag. Die Lufthansa tut sicherlich alles, was sie tun kann, um politischen Druck auszuüben – sei es für neue Subventionen oder die Rücknahme von Steuern. Ich schätze, dass Herr Kühne Insider-Informationen hat und deshalb seinen Anteil aufgestockt hat. Vielleicht erhofft man sich, wieder ein paar Millionen Steuergelder abgreifen zu können.
Außerdem ist die Lufthansa mit einem KGV von 7,52 und einer Dividendenrendite von 3,93 % nicht unattraktiv bewertet.
Von den Plänen für „Kaltenkirchen“ wusste ich nichts (da erst vor einigen Jahren nach Bremen gezogen, vorher „Bayern“ und „Schweiz“). Rückblickend würde ich sagen: Das hätte verdammt viel Sinn gemacht! „Irgendwo“ im Umfeld von Bremen und Hamburg ein internationaler Flughafen der Grössenordnung wie Frankfurt oder München mit direkten Verbindungen zu den anderen Metropolen (nix Umstieg in Frankfurt…) und dazu direkte ICE-Anbindung nach Bremen, Oldenburg, Osnabrück, Braunschweig usw. (nicht so ein S-Bahn-Ding wie in München!) – Win-Win für alle!
Gescheitert an der Kleinkariertheit der lokalen Politiker…
Heute wird das nicht mehr umzusetzen sein, allein die Gerichtsverfahren/Einsprüche irgendwelcher oft gar nicht da wohnender Bürger würden min. ein halbes Menschenleben dauern… (ich denke da mit Schaudern z.B. an den Frankenschnellweg in Nürnberg: seit jetzt 39 Jahren wird da um 2,6 km gestritten! Für Norddeutsche: da endet seit 39 Jahren!!! eine Autobahn plötzlich in einer Innen-Stadtstrasse mit Ampeln und Kreuzungen um nach diesen 2,6 km wieder in eine Autobahn überzugehen… Geklagt hatten neben den üblichen „Verdächtigen“ u.a. auch ein „Anwohner“ mit offiziellen Wohnsitz in Nord-Ost-Deutschland…)
@Achim Schäfer „Kaltenkirchen“ liegt nördlich von Hamburg. Was hätte man als Bremer oder Hannoveraner davon? Der Witz am Bremer Flughafen ist ja, dass man in 20 Minuten mit der Straßenbahn hinkommt. Langenhagen hätte sicherlich einen besseren Nordflughafen abgegeben. Aber die zuständigen Parteisoldaten sind zu unfähig, dort einen ICE-Anschluss dranzubauen oder auch nur die S-Bahn auf das letzte ankommende Flugzeug abzustimmen.
Und da sind wir schon beim Kernproblem: In der BRD gibt es eine ausgeprägte Unfähigkeit, große Projekte zu Ende zu denken. Ein Nordflughafen hätte wahrscheinlich weder einen Autobahn- noch einen ICE-Anschluss bekommen. Das zweite hat man in München und Berlin ebenfalls nicht hinbekommen. Der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven ist ein weiteres typisches Desaster mit einspurigem Gleisanschluss. Oder Stuttgart 21 – ein neuer Bahnhof mit nur 80 % der Kapazität des alten. Und wenn wir schon mal dabei sind: Es gibt auch keine ICE Trasse von Hamburg nach Stuttgart, das war bestimmt zu naheliegend als dass man es realisiert hätte. Das kann man sich ja alles nicht ausdenken.
In der Gruppe sind Parteisoldaten und BRD-Technokraten offensichtlich noch weniger nützlich als einzeln.