Journalisten, bitte Job machen statt rumzuheulen / Neues aus dem WK-Inneren

29.06.2026 15 Von Axel Schuller

Liebe Journalisten-Kollegen (m/w), Sie mahnen in den „eigenen“ Medien und sozialen Netzwerken immer häufiger, ohne Qualitätsmedien sei die Demokratie in unserem Land dem Untergang geweiht. Liebe Kollegschaft: Stellt bitte endlich das Heulen und Heischen um Mitleid ein! Macht einfach euren Job, wie wir ihn zumindest früher (bei mir: Mitte der 70er) gelernt haben. / Teil 2: Neues aus dem WK.

Job wie gelernt, bedeutet: 

Berichtet, schreibt zur Einordnung gerne Kommentare. Und, angesichts der politischen Präferenzen unter Journalisten (siehe unten*): Vergesst nicht, die Vielfalt der Meinungen in der Bevölkerung abzubilden. Ein wichtiger Teil von denen sind (noch) eure Leser, Zuschauer, Zuhörer, Follower. 

Bedeutet: Hört bitte endlich damit auf, eure (noch) Leserschaft & Co in eine bestimmte, nämlich eure, Richtung schieben zu wollen. 

Berichtet einfach und schwört dem unsäglichen Haltungsjournalismus ab.

Berichtet über Ereignisse, hellt Hintergründe auf und überlasst es euren Lesern, Zuschauern und Hörern, ihre eigenen Schlüsse zu ziehen.

Einfach sagen, was ist – wie es euer Job ist – ohne der Kundschaft suggerieren zu wollen, was die zu denken, zu fühlen, zu sagen oder gar zu essen hat. 

Wenn jetzt jemand meint, ich würde maßlos übertreiben, so schlimm sei das Gros der Journalisten doch nicht, dem antworte ich:

Hören Sie die teilweise verstrahlt wirkenden Hörfunksendungen. Schauen Sie TV, dessen Manipulationsversuche man wiederkehrend studieren kann. Lesen Sie Printprodukte.

Zeitungen, auch der Weser-Kurier, haben eine Novität aus der Taufe gehoben: Manipulation durch Weglassen. Zuweilen ist es atemberaubend, welche Infos diese Zeitung(en) ihrer Leserschaft „erspart“/vorenthält.

Beispiele: Das wird mitgeteilt, eine „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ habe ein Gutachten erstellen lassen, wonach nunmehr sehr gute Chancen für ein AfD-Verbot bestünden. Auch an den Folgetagen: kein Wort über Hintergründe. Nichts. Wenn man Details erfahren will, muss man in diesem Fall die WELT und deren Verriss des „Gutachtens“ lesen.

Oder: Die Bremer Grünen machen Druck, das Klimaprogramm drastisch auszuweiten. Über die Bedenken und die „Gegenwehr“ der FDP, vorgetragen in einer „Aktuellen Stunde“ des Parlaments, „belästigt“ uns das Heimatblatt erst gar nicht.

Darf sich so etwas noch „unabhängige und überparteiliche“ Berichterstattung nennen?

Liebe Leserschaft, Sie merken, ich bin ein wenig überdrüssig. Das liegt daran, dass ich meinen (früheren) Beruf als einen der schönsten überhaupt wahrgenommen habe. Leider ist aber ein Teil des deutschen Journalismus – wie man so sagt – auf den Hund gekommen. Stichwörter: Mainstream- und Haltungs-Journalismus; eigene „Agenda“ verfolgen.

Benjamin Piel, der neue WK-Chefredakteur, ist schlau genug, Mängel seiner Zeitung und anderer Medien zu erkennen. Beispielsweise den Drang von Journalisten, Themen durch nicht-nennen oder nur unscharf-aufzeigen, „kleinhalten“ zu wollen.

Piel schrieb unlängst im eigenen Blatt:

„Besonders unzufrieden sind die Menschen übrigens mit der Berichterstattung zum Thema Migration. Da wünschen sich viele offenbar mehr Klarheit beim Benennen von Herausforderungen. Was übrigens verständlich ist, denn oft genug haben Medien seit 2015 eindeutig bestehende Schwierigkeiten im Umgang mit der Migration lieber mit spitzen Fingern angefasst, als sie nüchtern zu thematisieren. Womöglich wollte man Rechtsextremen wie der AfD nicht in die Hände spielen, was kräftig gescheitert ist.“

Bleibt zu hoffen, dass Piel das Büßerhemd nicht einmalig übergestreift hat. Wobei ich nicht ungerecht sein will: Es gibt im WK auch Lichtblicke: Sonnabend ein Leitartikel von Raffael Hackmann zum skandalösen Umgang des Senats mit dem Fall Jobcenter. Und: Piels „Leiter“ am Montag zu dem Irrsinn, Gefährder auf freien Fuß zu setzen. Bitte weiter so!

Kommen wir auf meinen Eingangs-Wunsch zurück. Journalisten, weist bitte nicht fortwährend auf eure angeblich unabdingbare Rolle für den Erhalt der Demokratie hin. Als Abo-Drücker kann man das ja machen. Journalisten haben aber bessere Mittel: Einfach durch tadellose Inhalte überzeugen.

Noch kurz zu meiner Eingangs-Behauptung, viele Journalisten pflegten eigene politische Präferenzen(*): 

Die Technische Universität Dortmund hat im Juni 2024 unter Journalisten eine Umfrage durchgeführt (525 Teilnehmer, Altersschnitt: 47 Jahre, 54% Männer, 45 % Frauen, 1% divers).

Verteilung der politischen „Vorlieben“:

Grüne – 41%

keine Partei – 23 %

SPD -16%

CDU – 8 %

Linke – 6 %

FDP – 3 %

AfD – taucht in der Auswertung nicht auf.

TEIL 2 – Neues aus dem WK-Inneren 

Im März hat bekanntlich ein Gericht David Koopmann für max. ein Jahr als WK-Notvorstand eingesetzt. Bernhard Gätjen hat nun den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden aufgegeben. Gätjen, Gesandter der Hackmack-50-Prozent-Eigentümer-Seite, wird künftig ersetzt von Jörg Laskowski (64). Der neue AR-Chef blickt auf eine bewegte berufliche Vergangenheit zurück. Erst bei der Treuhandgesellschaft, dann 18 Jahre Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und zuletzt Geschäftsführer einer Tochterfirma des Mindener Verlagshauses – woher WK-Chefredakteur Piel zuletzt tätig war. Laskowski ist Biker. Klingt nach etwas Handfestem.

Der andere 50-Prozent-Eigentümer, Christian Güssow, hat im kommenden Jahr wieder das Recht, den AR-Vorsitz zu besetzen.

Aktuell ist im Verlag an der Martinistraße eine Menge los, aber es rührt sich nicht viel. Auch wenn zu viel Personal an Bord ist/sein soll. Das Programm Ü-60 in den Vorruhestand, liegt auf Eis. Die freie Position der obersten Marketing-Leitung ist unbesetzt. Demnächst geht der Personalchef in Ruhestand. Und der Madsack-Verlag (Hannover) will nach dem Kauf der Nord-West-Zeitung (Oldenburg) aus der gemeinsamen Firma von NWZ und WK für die Buchhaltung raus. Klingt offenbar einfacher als es ist.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller