Journalisten, bitte Job machen statt rumzuheulen / Neues aus dem WK-Inneren
Liebe Journalisten-Kollegen (m/w), Sie mahnen in den „eigenen“ Medien und sozialen Netzwerken immer häufiger, ohne Qualitätsmedien sei die Demokratie in unserem Land dem Untergang geweiht. Liebe Kollegschaft: Stellt bitte endlich das Heulen und Heischen um Mitleid ein! Macht einfach euren Job, wie wir ihn zumindest früher (bei mir: Mitte der 70er) gelernt haben. / Teil 2: Neues aus dem WK.
Job wie gelernt, bedeutet:
Berichtet, schreibt zur Einordnung gerne Kommentare. Und, angesichts der politischen Präferenzen unter Journalisten (siehe unten*): Vergesst nicht, die Vielfalt der Meinungen in der Bevölkerung abzubilden. Ein wichtiger Teil von denen sind (noch) eure Leser, Zuschauer, Zuhörer, Follower.
Bedeutet: Hört bitte endlich damit auf, eure (noch) Leserschaft & Co in eine bestimmte, nämlich eure, Richtung schieben zu wollen.
Berichtet einfach und schwört dem unsäglichen Haltungsjournalismus ab.
Berichtet über Ereignisse, hellt Hintergründe auf und überlasst es euren Lesern, Zuschauern und Hörern, ihre eigenen Schlüsse zu ziehen.
Einfach sagen, was ist – wie es euer Job ist – ohne der Kundschaft suggerieren zu wollen, was die zu denken, zu fühlen, zu sagen oder gar zu essen hat.
Wenn jetzt jemand meint, ich würde maßlos übertreiben, so schlimm sei das Gros der Journalisten doch nicht, dem antworte ich:
Hören Sie die teilweise verstrahlt wirkenden Hörfunksendungen. Schauen Sie TV, dessen Manipulationsversuche man wiederkehrend studieren kann. Lesen Sie Printprodukte.
Zeitungen, auch der Weser-Kurier, haben eine Novität aus der Taufe gehoben: Manipulation durch Weglassen. Zuweilen ist es atemberaubend, welche Infos diese Zeitung(en) ihrer Leserschaft „erspart“/vorenthält.
Beispiele: Das wird mitgeteilt, eine „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ habe ein Gutachten erstellen lassen, wonach nunmehr sehr gute Chancen für ein AfD-Verbot bestünden. Auch an den Folgetagen: kein Wort über Hintergründe. Nichts. Wenn man Details erfahren will, muss man in diesem Fall die WELT und deren Verriss des „Gutachtens“ lesen.
Oder: Die Bremer Grünen machen Druck, das Klimaprogramm drastisch auszuweiten. Über die Bedenken und die „Gegenwehr“ der FDP, vorgetragen in einer „Aktuellen Stunde“ des Parlaments, „belästigt“ uns das Heimatblatt erst gar nicht.
Darf sich so etwas noch „unabhängige und überparteiliche“ Berichterstattung nennen?
Liebe Leserschaft, Sie merken, ich bin ein wenig überdrüssig. Das liegt daran, dass ich meinen (früheren) Beruf als einen der schönsten überhaupt wahrgenommen habe. Leider ist aber ein Teil des deutschen Journalismus – wie man so sagt – auf den Hund gekommen. Stichwörter: Mainstream- und Haltungs-Journalismus; eigene „Agenda“ verfolgen.
Benjamin Piel, der neue WK-Chefredakteur, ist schlau genug, Mängel seiner Zeitung und anderer Medien zu erkennen. Beispielsweise den Drang von Journalisten, Themen durch nicht-nennen oder nur unscharf-aufzeigen, „kleinhalten“ zu wollen.
Piel schrieb unlängst im eigenen Blatt:
„Besonders unzufrieden sind die Menschen übrigens mit der Berichterstattung zum Thema Migration. Da wünschen sich viele offenbar mehr Klarheit beim Benennen von Herausforderungen. Was übrigens verständlich ist, denn oft genug haben Medien seit 2015 eindeutig bestehende Schwierigkeiten im Umgang mit der Migration lieber mit spitzen Fingern angefasst, als sie nüchtern zu thematisieren. Womöglich wollte man Rechtsextremen wie der AfD nicht in die Hände spielen, was kräftig gescheitert ist.“
Bleibt zu hoffen, dass Piel das Büßerhemd nicht einmalig übergestreift hat. Wobei ich nicht ungerecht sein will: Es gibt im WK auch Lichtblicke: Sonnabend ein Leitartikel von Raffael Hackmann zum skandalösen Umgang des Senats mit dem Fall Jobcenter. Und: Piels „Leiter“ am Montag zu dem Irrsinn, Gefährder auf freien Fuß zu setzen. Bitte weiter so!
Kommen wir auf meinen Eingangs-Wunsch zurück. Journalisten, weist bitte nicht fortwährend auf eure angeblich unabdingbare Rolle für den Erhalt der Demokratie hin. Als Abo-Drücker kann man das ja machen. Journalisten haben aber bessere Mittel: Einfach durch tadellose Inhalte überzeugen.
Noch kurz zu meiner Eingangs-Behauptung, viele Journalisten pflegten eigene politische Präferenzen(*):
Die Technische Universität Dortmund hat im Juni 2024 unter Journalisten eine Umfrage durchgeführt (525 Teilnehmer, Altersschnitt: 47 Jahre, 54% Männer, 45 % Frauen, 1% divers).
Verteilung der politischen „Vorlieben“:
Grüne – 41%
keine Partei – 23 %
SPD -16%
CDU – 8 %
Linke – 6 %
FDP – 3 %
AfD – taucht in der Auswertung nicht auf.
TEIL 2 – Neues aus dem WK-Inneren
Im März hat bekanntlich ein Gericht David Koopmann für max. ein Jahr als WK-Notvorstand eingesetzt. Bernhard Gätjen hat nun den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden aufgegeben. Gätjen, Gesandter der Hackmack-50-Prozent-Eigentümer-Seite, wird künftig ersetzt von Jörg Laskowski (64). Der neue AR-Chef blickt auf eine bewegte berufliche Vergangenheit zurück. Erst bei der Treuhandgesellschaft, dann 18 Jahre Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und zuletzt Geschäftsführer einer Tochterfirma des Mindener Verlagshauses – woher WK-Chefredakteur Piel zuletzt tätig war. Laskowski ist Biker. Klingt nach etwas Handfestem.
Der andere 50-Prozent-Eigentümer, Christian Güssow, hat im kommenden Jahr wieder das Recht, den AR-Vorsitz zu besetzen.
Aktuell ist im Verlag an der Martinistraße eine Menge los, aber es rührt sich nicht viel. Auch wenn zu viel Personal an Bord ist/sein soll. Das Programm Ü-60 in den Vorruhestand, liegt auf Eis. Die freie Position der obersten Marketing-Leitung ist unbesetzt. Demnächst geht der Personalchef in Ruhestand. Und der Madsack-Verlag (Hannover) will nach dem Kauf der Nord-West-Zeitung (Oldenburg) aus der gemeinsamen Firma von NWZ und WK für die Buchhaltung raus. Klingt offenbar einfacher als es ist.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
Den Vorwurf der Einseitigkeit des WK kann ich nicht nachvollziehen. Gerade die FDP kommt überproportional ausführlich zu Wort. Wenn der WK zu bestimmten Themen mehrere Parteien zitiert, dann erwähnt er die Splitterpartei manchmal sogar noch vor der CDU. Auch das „Bündnis Deutschland“ kann sich nicht über mangelnde Erwähnung beklagen.
Es stimmt zwar leider, dass in der Printausgabe ein Artikel über die von der FDP beantragte Aktuelle Stunde zum Klimaschutz fehlte. Online hat der WK aber durchaus darüber berichtet. Daher vermute ich, dass die Redaktion nichts absichtlich unterschlagen wollte, sondern dass es sich hier um einen handwerklichen Fehler handelte, wie er beim WK leider immer häufiger passiert.
Die Redaktion sieht ihre Prioritäten offenbar bei Online und vernachlässigt dafür die Printausgabe. Das sieht man auch daran, dass Onlinetexte oft nicht für die Printfassung überarbeitet werden. Da steht dann zum Beispiel in der Zeitung, dass „heute“ dies und jenes passiert sei, obwohl das Ereignis aus Sicht der Zeitungsleser gestern stattfand.
Absurd ist oft auch die Gewichtung der Themen in der Druckausgabe. Am 13. Juni zum Beispiel erwähnte der WK die News des Tages (Jobcenter-Chef wegen Affäre um „Kreativraum“ abgesetzt) erst auf der zweiten Lokalseite, während er die Schließung eines Dönerladens nach Ekelfunden zum Aufmacher des Lokalteils machte – und sogar zum Kommentarthema auf S. 2 des Politikteils.
Das Auseinanderklaffen von Politik und Medien einerseits und die gelebte Realität der Menschen andererseits wird als „Repräsentationslücke“ beschrieben. Das Problem nimmt in fast allen Politikbereichen zu. Ein aktuelles Beispiel in Bremen: Die Verkehrs- und Mobilitätspolitik. Die Bewohner des Stadtteils Neustadt werden gegenwärtig mit einem „Pilotprojekt“ konfrontiert, das auf eine maximale Beseitigung von Parkmöglichkeiten ausgerichtet ist. Die Verunsicherung ist groß: Viele fragen sich, ob sie ihre Häuser, Mietwohnungen und Geschäfte über kurz oder lang aufgeben müssen. Das Projekt ist die Vorstufe eines Vorgehens der Behörde, das auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt werden soll.
Berichterstattung des WK darüber: Wenn überhaupt, dann nur auf der Stadtteilseite, gern auch mit einer Woche Verspätung. Das Vorgehen der Behörde wird nicht hinterfragt, obgleich offensichtlich ist, dass die Rechtslage ein sehr viel maßvolleres Vorgehen ermöglicht. Die CDU schlägt mittlerweile ein Parkraum-Moratorium vor, verzichtet (wie vom Bundesverwaltungsgericht vorgegeben) auf die Festlegung von Mindestmaßen und erkennt an, dass das Gehwegparken – je nach örtlichen Umständen – ein Teil der Lösung der Parkraumproblematik sein kann. Im WK liest man kaum etwas über die Neuausrichtung der Opposition.
Nicht problematisiert wird, wie die zunehmend prekärer werdende Sicherheitslage in der Neustadt mit einem Pilotprojekt vereinbar ist, das den Anwohnern lange Wege von der Parkmöglichkeit zur Wohnung abverlangt.
Von einem neugierigen, offenen und überparteilichen Journalismus ist zu erwarten, dass er in die Quartiere geht, Anwohner befragt, Meinungsbilder erstellt. Was macht der WK? Befragt allenfalls einen Befürworter, einen Gegner, und die sind dann oft genug auch noch Vertreter von Parteien oder NGO’s, die alles andere als repräsentativ sind.
Man fragt sich, wie in Redaktionsstuben Entscheidungen getroffen werden. Lässt man den Haltungsjournalismus einfach gewähren? Gibt es (informelle) Abstimmungen mit der Politik und den Behörden? So wie es läuft, wird die gegenwärtige Regierungspolitik geschont und – viel schlimmer – werden die Bewohner Bremens, deren Stadtteile als Nächstes dran sind, nicht informiert.
Blog-Leser Eckhard Hansen fragt: „Gibt es (informelle) Abstimmungen mit der Politik und den Behörden?“ Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung als freier Journalist (inzwischen weitgehend im Ruhestand) kann ich bezeugen: Kein seriöses Medium (und dazu zähle ich durchaus auch den WK) stimmt seine Berichterstattung mit staatlichen Institutionen ab – außer vielleicht in Notsituationen, z.B. bei aktuellen Geiselnahmen, wo ein Verbrecher nicht durch Onlinemedienberichte über das Vorgehen der Polizei informiert werden soll.
Und noch ein paar Anmerkungen zur Umfrage über die politischen Vorlieben von Journalistinnen und Journalisten: Dass viele von ihnen stärker rot-grün als konservativ oder rechts geprägt sind, lässt sich vielleicht so erklären: Bei der Wahl dieses Berufs spielt bei vielen eine Rolle, dass sie Missstände aufdecken und für eine gerechtere, humanere Gesellschaft eintreten wollen. Und solche Wertvorstellungen werden nun mal eher im rot-grünen Spektrum vertreten. Das heißt aber noch lange nicht, dass Journalisten mit einer solchen Grundhaltung die konkrete Parteipolitik der Grünen, Linken oder Sozialdemokraten gutheißen oder dafür werben. Sie treten lediglich für bestimmte Werte ein, die eigentlich von allen Demokraten geteilt werden sollten, zum Beispiel Schutz der Menschenrechte, Rücksicht auf Minderheiten, Bewahrung der Schöpfung (eigentlich ein klassisch konservativer Wert) oder Verteidigung der Wissenschaft gegen Schwurbler.
Natürlich gibt es auch bewusst einseitig und verzerrend berichtende rot-grüne Journalisten – leider. Aber viel schlimmer und einflussreicher sind rechtslastige Hetzkampagnen der BILD-„Zeitung“ oder des Krawallportals „Nius“ von Ex-BILD-Chefredakteur Julian Reichelt. Solche Medien werden immer wieder erfolgreich wegen Falschberichterstattung verklagt, und BILD wird ständig vom Deutschen Presserat gerügt, sei es wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht, des Persönlichkeitsschutzes oder wegen Diskriminierung von Minderheiten. Auch die von Axel Schuller gelobte WELT berichtet oft viel einseitiger und verzerrender als etwa der WK.
Journalismus mutiert zur Journaille:
Jeder, der das ABC fehlerfrei hersagen kann, darf sich so nennen.
„“ Journalist““ setze ich grundsätzlich in „“Anführungszeichen““. Keine geschützte Berufsbezeichnung- kein überprüfbarer Leistungsnachweis erforderlich. Die ganz schwierigen Fälle können sich auch „“Relotius-Spezialisten „“ nennen.
Dieser hier ist mir besonders gut in der Erinnerung. (lol).
*****Claas-Hendrik Relotius (* 15. November 1985 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist, der für seine Reportagen vielfach ausgezeichnet wurde. Am 19. Dezember 2018 machte sein damaliger Arbeitgeber Der Spiegel öffentlich, dass viele der von Relotius im Magazin veröffentlichten Reportagen ganz oder teilweise erfunden waren.
Daraufhin stellte sich heraus, dass er auch in anderen Medien Artikel veröffentlicht hatte, die Erfindungen enthielten. *******
Deshalb tummeln sich auch so viele Zeitgenossen in diesem „“Berufsfeld““ zu dessen Ausübung keinerlei Qualifikation nachgewiesen werden muss. Seltsam, dass mir bei diesen Gedanken sofort die Dummda Halalie einfällt.
Diese unterbelichteten „“ Journalisten „“ im TV und in den Medien gehen mir schon seit langem richtig auf den Senkel, allein weil ihnen die Feinheiten der deutschen Sprache nicht geläufig sind, eventuell sogar bewusst irrereden. Sie sprechen in ihren Berichten, dass durch Bomben-und Raketenweinwirkungen Menschen gestorben sind.
Nein – sie sind getötet worden, obgleich das Ergebnis identisch ist. Gestorben wird eines natürlichen Todes, günstigstenfalls im eigenen Bett, im Krankenhaus oder bei einem Unfall.
Gestorben hört sich weniger gewaltsam an, als getötet und ist bei meinem Sprachverständnis eine Verharmlosung.
Wenn Menschen ihre Meinungen, vor allem ihre Erfahrungen nicht mehr in den Medien abgebildet finden, ist das dem Vertrauen nicht förderlich. Sie schreien „Lügenpresse“ und rennen den vermeintlichen Heilsbringern hinterher. In den Medien mutieren sie ab sofort zu Rechten, Nationalisten und Demokratiefeinden. Wie so ein Miteinander neu geknüpft werden soll, eröffnet sich mir nicht. Ja, die Journalisten beiderlei Geschlecht haben eine hohe Verantwortung innerhalb unserer Demokratie: Sie sind dieser nicht nachgekommen! Schade, eine zweite Chance sehe ich nicht.
„Manipulation durch Weglassen“, das war schon 2020 die Spezialität des Herrn Piel – damals noch an anderer Wirkungsstätte. Und es wurde auch damals schon darüber berichtet:
https://minden-waehlt.de/journalismus-nach-dem-prinzip-piel-das-wichtige-weglassen-damit-das-gesinnungsbild-passt/
@Eckhard Stengel, Sie sind wirklich lustig. „Gerade die FDP kommt überproportional ausführlich zu Wort. Wenn der WK zu bestimmten Themen mehrere Parteien zitiert, dann erwähnt er die Splitterpartei manchmal sogar noch vor der CDU. …“ Und ja, das überangepasste BD kommt auch zu Wort, nur ihre Ex-Wähler erreichen Sie dort nicht – die sind schon zu den freien Medien ausgewandert, ich sage nur >1 %.
Also alles tipptopp im Mainstream Meinungs- und Themenkorridor? Propaganda besteht aus den Komponenten Weglassen, Beschönigen und Zensieren (z. B. von kritischen Kommentaren oder diese gar nicht erst zuzulassen). Im Gegensatz zu Herrn Schuller habe ich nicht die Hoffnung, dass der Mainstream wie RB oder WK sich wieder fängt. Ich wünsche, dass die schnell sterben – ich konsumiere das nicht mehr. Denn es gibt ja längst alternativen: Nachdenkseiten, Kontrafunk, Epoch Times, Tichys Einblick und und und.
Falls es Sie interessiert, wie der ÖRR von außen wahrgenommen wird: Der Medienwissenschaftler Michael Meyen hat sich für uns acht Tagesschau-Sendungen angetan. Hoffentlich hat er keine bleibenden Schäden davongetragen. Hier ist sein Bericht:
https://www.youtube.com/watch?v=mhp112ybGCA
Mit dem Haltungsjournalismus ist das so eine Sache. Wohl kein Mensch sieht die Welt, auch seine Umwelt, ohne irgendeine Haltung. Und die fließt natürlich, meistens unbewußt, auch in seine Wortwahl bei der nachrichtlichen Arbeit ein, ohne dass wir schon von einem Meinungsartikel bzw. Kommentar sprechen könnten. Jakob Biazza hat das in der SZ am 22.6.26. das Thema am Beispiel der beiden Podcasts „Ben Ungeskriptet“ und Melanie Ammans Interview-Podcast „Unframed“ luzide beleuchtet. Womit ich bei einem Satz aus Axel Schullers Kommentar wäre: „Da wird mitgeteilt, eine „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ habe ein Gutachten erstellen lassen, wonach nunmehr sehr gute Chancen für ein AfD-Verbot bestünden. Auch an den Folgetagen: kein Wort über Hintergründe. Nichts. Wenn man Details erfahren will, muss man in diesem Fall die WELT und deren Verriss des „Gutachtens“ lesen.“ Hier wird gleich zweimal „geframed“. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte „hat seit ihrer Gründung 2015 eine Reihe bedeutender juristischer Erfolge erzielt. Sie gehört zu den einflussreichsten Organisationen für strategische Prozessführung in Deutschland“. (ChatGPT) Wer sie als „eine“ Gesellschaft für Freiheitsrechte einführt, kann auch gleich „irgendeine“ schreiben. Das zweite Framing ist der Verweis auf den Verriss des „Gutachtens“ (!) in der WELT, als sei dieser Kommentar der einzige oder zumindest qualitativ genügende mediale Text dazu (zum Thema AfD verfolgen die Springer-Medien eine eigene redaktionelle Haltungslinie). Ein Musterbeispiel für gute journalistische Informationsarbeit ist der Artikel von Ronen Steinke in der SZ vom 29.06.26., in dem sachlich und auch mit kritischer Wertung über dieses Gutachten berichtet wird.
Für mich ist der Weser Kurier bereits ein sinkendes Schiff.
Stirbt in Bremen ein Rentner, ist die Chance groß, dass das Blatt einen Abonnenten verliert.
Zum Thema „Haltungsjournalismus“.
Wir wissen, dass im Juli 2027 die politischen Karten neu gemischt werden,
Und da mag auch der eine der andere Journalist des WK brav und haltungskonform so schreiben, wie die ‚linke Blase‘ aus SPD/GRÜNE/SED, heute DIE LINKE und CDU es wünscht. Denn es winken mit Sicherheit einige vorzüglich bezahlte Pressesprecherjobs nach der Wahl für die treuestes und haltungskonformsten Journalisten.
Bei Radio Bremen – speziell aus der Redaktion von ‚buten un binnen‘ wird es ähnlich sein.
Vor diesem Hintergrund erklärt sich für mich die „unabhängige und überparteiliche“ Berichterstattung“, wie sie oben skizziert ist.
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Herr Schulte-Sasse, vielen Dank für Ihren Beitrag. Er ist ein perfektes Beispiel für das, was AS beklagt.
AS moniert am WK, dass dieser auch nach Tagen nichts zu Details und Hintergründen des Gutachtens der Gesellschaft für Freiheitsrechte zur Verfassungstreue der AfD berichtet hat. Das ist der Kern seines Vorwurfs. Sie hingegen machen ihm den Gegenvorwurf, er mindere subtil die wahre Bedeutung der Gesellschaft für Freiheitsrechte als strategischer Prozessführerin und suggeriere zudem, nur in der WELT habe man substantielle Informationen über das Gutachten erhalten könne. So weit, so schlecht.
Selbst wenn Sie Recht haben sollten mit ihrem Gegenvorwurf, lenken Sie vom eigentlichen Thema ab, nämlich, ob der WK zu diesem Thema substantielle Informationen geliefert hat. Und das hat er unbestreitbar nicht. Auch Sie bestreiten das nicht.
Ich nenne das böswilliges Missverstehen. Wenn Sie das als Privatmann praktizieren, finde ich das nicht schlimm. Wenn allerdings Journalisten und Medien das massenhaft betreiben, hört der Spaß auf. Ich habe Jahrzehnte Spiegel und SZ gelesen, irgendwann fand ich gerade deren böswilliges Mißverstehen so unerträglich, dass ich beide seit ca. 4-5 Jahren vollständig ignoriere..
Korrektur zu meinem 1. Kommentar und damit auch zu Axel Schullers Blog-Beitrag: Der WK hat doch noch in der Druckausgabe über die Aktuelle Stunde zur Klimaklage berichtet, aber erst nach zwei Tagen.
@Hermann Schulte-Sasse Sie haben mit Ihrer Einschätzung von GFF nicht ganz unrecht. Aber der politisch Interessierte braucht doch keine Journalisten zum „Einordnen“ eines Papiers. Man braucht nur die Hintergründe seines Produzenten und einen Link zur Quelle:
https://freiheitsrechte.org/uploads/publications/Demokratie/GFF_AfD-Gutachten.pdf
Die journalistischen Leitfragen sollten sein: Wer ist der Produzent, von wem wird er bezahlt, ist das Teil einer Kampagne? Welche anderen Komponenten hat diese Kampagne? Ist es Zufall, dass kurz vorher zwei AfD-Leute zum abgeschlagenen BD wechseln? Kann es Zufall sein, dass Sergej Minich es dem Frank Magnitz gleichtut und zum Bundestagsmandat ein paralleles Bürgerschaftsmandat anstrebt? – Was sicherlich fragwürdig ist und der AfD schaden wird. Oder ist das wie bei Elisabeth Motschmann CDU geplant und er wird hinterher auf den schlechter bezahlten Posten verzichtet, was auch Betrug an den Wählern wäre.
Man kann davon ausgehen, dass die AfD durch den sogenannten Verfassungsschutz unterwandert ist, wie damals die NPD oder wahrscheinlich auch die Grünen und die ehemalige SED, also auch von innen zersetzt wird. Ich erinnere mich noch an das Überwachungsvideo vom Überfall auf Frank Magnitz. Das war nachträglich pixelreduziert, sodass man die Täter nicht identifizieren konnte, und es war auch noch schlecht gemacht. – jeder kann es sehen und alle sehen weg! Das konnte damals nur durch die Polizei oder den VS durchgeführt worden sein, wahrscheinlich um die Täter zu schützen.
@Josef Teupe, Sie können da vielleicht zur historischen Aufklärung beitragen, jetzt, wo es verjährt ist. Durch den Überfall konnte sich Magnitz als Märtyrer inszenieren, den Landesverband übernehmen und sich parteischädigend verhalten, was im Ausschluss der AfD von der Bürgerschaftswahl mündete.
Die Videomanipulation hat weder die Redaktion von WK noch BB interessiert und lässt einen davon ausgehen, dass die Mitwirkende einer Kampagne waren.
George Orwell: „Journalismus heißt Dinge zu veröffentlichen, von denen andere wollen, dass sie geheim bleiben. Alles andere ist Propaganda.“
Herr Wilkening, meinen ausdrücklichen Dank für den Link. Sehr erhellend und sehr klar und nachvollziehbar dargestellt, wie Herr Piel bei Wahlergebnissen klammheimlich die Bezugsgröße wechselt, um ein Ergebnis mal gut und mal schlecht aussehen zu lassen, je nach Genehmheit des politischen Lagers. Mir wurde ganz flau bei der Lektüre. Kann ich nur jedem Leser des WK zur Lektüre empfehlen.
Die Meinungspluralität hat sich schon sehr verengt, aber in fast allen Zeitungen.
Ich vermisse die alte – wirklich noch sozial-liberale – Frankfurter Rundschau der 70er/80er Jahre.
Aber dafür ist eben, abseits von hochpreisigen Politfachzeitschriften, wohl kein Markt mehr da.
Der WK hat bei vielen Skandalen ( z.B. Jobcenter ) jahrelang weggeschaut, warum ist mir ein Rätsel, denn das Jobcenter hat ja da keine ganzseitigen Anzeigen geschaltet. Natürlich will ich da keinen Zusammenhang andeuten.
Mittlerweile ist der WK schon etwas kritischer, aber ich kenne einige, die wegen der zunehmenden Verflachung den WK abbestellt haben. Ebenso „buten + binnen „, früher mal ein sehr kritisches, manchmal auch provokatives, aber immer interessantes Magazin. Heute kaum noch besser als die anderen Regionalmagazine im Norden.
Nur kann man das (Regional-)fernsehen leider nicht einfach abbestellen.
( Ein anderes Thema )
Die Verflachung hat aber m.M. nach wenig mit rechts oder links zu tun.
DIE WELT ist nicht nur von der Seitenzahl dünn geworden, kein Vergleich mehr mit der Zeitung der 90er, immer mehr Krawall, einerseits harte Kritik an der AfD, gleichzeitig wird in Kolumnen aber deren Politik – bis auf den DEXIT – hochgejubelt. Schon seltsam. Habe mein Abo schon 2019 gekündigt.
In der WELT wird fast alles verrissen, insofern würde ich dies betrf. des Anti Afd Gutachtens nicht zu ernst nehmen.
Erhellend war der Parteitag, den jeder auf PHOENIX verfolgen konnte.
Kraftmeierei, roboterhaftes Klatschen, „Remigration“ Rufe und kontrollierte verbale Pöbelei.
Diese Partei ist bei Umfragen auf Platz 1. Wir haben bald andere Probleme als langweiliges Regionalfernsehen und kritiklose Zeitungen.