Warum „erspart“ die SPD-Spitze ihren Mitgliedern einen Teil der Wahrheit?
Die Bremer SPD schadet sich selbst. Es fehlt an Demut und an Selbstreflexion. Jüngste Beispiele dafür: Der aktuelle Mitgliederbrief der Parteispitze an ihre verbliebenen 3.500 Mitglieder und das Interview des Weser Report mit dem SPD Landesvorsitzenden Falk Wagner.
Die Mitglieder-Information wirft Fragen nach der politischen Aufrichtigkeit auf, und das Interview deutet auf Schönfärberei hin.
Im Newsletter Nr. 18/2026 vom 24. Juli wird – verständlicherweise mit Freude – auf einen Städtevergleich der Geschäftsleute-Plattform LinkedIn verwiesen, bei dem „Bremen auf Platz 1 unter den dynamischsten Städten („Cities on the Rise 2026“) gelandet ist.
Soweit, so gut.
Aber dann bricht sich Unehrlichkeit durch Weglassen ihren Weg.
Im SPD-Newsletter heißt es: „Die Studie hebt hervor, wie sich Bremens traditionelle Stärken in Hafen, Schifffahrt und Logistik mit neuen Wachstumsfeldern verbinden. Besonders die Herstellung von Transportausrüstung, der Maschinenausbau sowie IT-Dienstleistungen und IT-Beratung treiben die Entwicklung voran, Unternehmen der Luft- und Raumfahrt stehen beispielhaft für die Innovations- und Zukunftskraft des Standorts und auch die Universität leistet einen wichtigen Beitrag. (…)“
Das ist unbestritten und prima. Ja, sogar begrüßenswert. Darauf kann man stolz sein.
Dennoch mal nebenbei gefragt, wer eigentlich: Die Politiker der Regierungs-Koalition oder doch die Unternehmer mit ihren Mitarbeitern m/w?
Nicht fair ist es aber, dass die SPD-Spitze ihren 3.500 Mitgliedern (von ehemals 15.000) einen ganz bestimmten Teil des LinkedIn-Textes „erspart“, man könnte auch sagen: unterschlägt.
Und zwar diesen:
„Der Aufschwung wird insbesondere dem wachsenden Verteidigungssektor zugeschrieben, in dem etwa 10.000 Menschen beschäftigt sind und sieben Prozent des bundesweiten Umsatzes erwirtschaftet werden. Unternehmen wie Airbus Defence, Rheinmetall, OHB, Atlas Elektronik und die Lürssen-Werft tragen maßgeblich zu diesem Wachstum bei.“
Kommen wir zum „Sommerinterview“ des Weser Report mit dem SPD-Landesvorsitzenden Falk Wagner. Die Sozialdemokraten sind von ihrem Parteichef und seinen Antworten offenbar so begeistert, dass sie den Text in den Newsletter aufgenommen haben.
Beim Lesen keimte freilich der Verdacht, Wagner könnte in einer Art Parallel-Universum leben.
Eine seiner Kernaussagen betrifft bspw. die Innere Sicherheit. O-Ton Wagner:
„Wir führen mit Eva Högl als Innensenatorin den konsequenten Kurs von Uli Mäurer fort: Mehr Personal, Befugnisse und Ausstattung der Polizei – ein Erfolg, denn die Kriminalitätszahlen sinken.“
Offenbar zur eigenen Beruhigung und der von besonders „linken“ Bremer Genossen m/w fügt der SPD-Landeschef nahezu beschwichtigend hinzu:
„Das ist keine konservative Position. Die Zahl der Menschen, die sich als links verstehen und die trotzdem Werte auf Innere Sicherheit legen, wird immer größer. Wir sind die einzige Partei, die klar für Innere Sicherheit eintritt.“
Wagners Auffassung der sinkenden Kriminalität wird durch einen Blick ins Jetzt jedoch arg relativiert. Beispielsweise durch einen Blick ins Heimatblatt oder auf die Überschriften von Presse-Mitteilungen der Bremer Polizei.
So titelte der Weser-Kurier am vergangenen Wochenende auf Seite 1: „Landessportbund fordert sichere Wege für Frauen“
Im Text heißt es:
„Die Wege vom und zum Sport, besonders auf Bremer Trainingsanlagen und zu Sporthallen, seien nicht gut genug ausgeleuchtet, mahnt der Landessportbund Bremen und fordert sicherere Wege – mithilfe der Politik.“ Und weiter heißt es: „Dunkle Wege, schlecht beleuchtete Tunnel und unsichere Gegenden sind Alltag für viele Sportlerinnen.“
Dieser Hilferuf vom Bremer Landessportbund wiegt besonders schwer, da dessen Präsidentin Eva Quante-Brandt Sozialdemokratin und Ex-Senatorin ist.
Wem diese Hinweise auf real existierende Gefühle der Unsicherheit noch nicht genügen, schaue mal auf die Überschriften der Bremer Polizei-Pressemeldungen (eine Auswahl):
25.6.: „Raub mit Pfefferspray am Bahnhof“
28.6.: „Mutmaßlicher Täter nach Tötungsdelikten festgenommen“
30.6.: „Schmuck und Uhren gestohlen“
30.6.: „Zeugenaufruf nach nächtlichem Überfall“
1.7.: „Mann mit Messer löst Polizeieinsatz aus“
2.7.: „Jugendliche nach Auseinandersetzung mit Messer verletzt“
3.7.: „Polizisten stoppen mit Messer bewaffneten Mann“
5.7.: „Räuber nach Überfall auf einen Einkaufsmarkt flüchtig“
6.7.: „Überfall auf ein Hotel“
10.7.: „Räuber überfällt Bäckerei“
13.7.: „Mann zusammengeschlagen“
13.7.: „Feuer an Firmengebäude gelegt“
15.7.: „Mann in Gröpelingen ausgeraubt“
16.7.: „Auseinandersetzung mit Messer“
16.7.: „Luxusuhr geraubt“
16.7.: „Räuber-Trio gestellt“
17.7.: „Zeugen nach Goldketten-Raub gesucht“
18.7.: „Raubüberfälle in Kattenturm und Findorff“
20.7.: „Raubüberfall auf Kiosk in Findorff“
22.7.: „Schmuckraub in Walle“
23.7.: „Überfall auf Spielhalle“
25.7.: „Waffen, Drogen und Haftbefehl“
26.7.: „Bargeld am Geldautomaten entwendet – Täter bedroht Verfolger mit Messer“
Liebe Leserschaft, hoffentlich habe ich Sie jetzt nicht zu sehr verschreckt.
Aber: Sie spüren/hören/erleben es ja selbst: Viele Jugendliche, w/m, Erwachsene w/m, insbesondere Senioren w/m bewegen sich in bestimmten Gebieten und vor allem im Dunkeln höchst ungern alleine.
Dass die AfD aus dieser Lage der gefühlten und tatsächlichen Unsicherheit versucht, „Honig zu saugen“, ist nachvollziehbar.
Das „Gegenrezept“ der Bremer SPD am vorigen Wochenende überraschte jedoch:
Zitat aus dem Mitglieder-Info
„Der SPD-Unterbezirk Bremen-Stadt startet am Samstag, 25. Juli 2026, 9:00 Uhr eine Protestaktion gegen einen von der AfD vor der Glocke/Domsheide geplanten Infostand. Komm’ vorbei und zeige Flagge für ein weltoffenes und demokratisches Bremen!“
Glauben Sozialdemokraten ernsthaft, sie könnten zur AfD abgewanderte Ex-SPD-Wähler in Osterholz, Tenever, Lüssum, Gröpelingen, Kattenturm usw. mit Protestständen neben der von ihnen verhassten Konkurrenz-Partei zurückgewinnen? Ernsthaft?
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Bereits heute möchte ich Sie vorsorglich auf den Gastkommentar am kommenden Wochenende hinweisen. Vorschlag: Legen Sie schon mal Überweisungs-Formulare bereit. 🙂
Ein treff- und zwecksicherer Blog! Kompliment Axel Schuler! Leider von einem Avatar , dem „digitalisierten Reiner Pfeifer“! Da hilft auch nicht das Kürzei „AS“! Schreib „Wer-da“, mit vollem Namen Werner W. Blinda.
Die „Friedenspartei“ SPD kann einen Aufschwung über Rüstungsgüter einfach nicht gut finden. Zwar plant Deutschland keinen Angriff auf irgendwen in der Welt, doch besser ist es doch über Rüstung zu schweigen.
Da ist es einfach besser, einen AfD Stand zu blockieren. Macht einfach ein gutes Gefühl bei den Genossen (m/w).
Die Überschriften der Bremer Polizei-Pressemeldungen (eine Auswahl): sind beeindruckend. Wir hatten das jeweils einzeln schon gelesen, aber diese Übersicht zeigt die Misere unseres Rechtsstaates, der Bremen einmal war..
Für ein halbwegs seriösen Überblick über die Kriminalität nimmt man die Statistik, keine willkürlichen Überschriften – aber das sollten Sie ja wissen.
Ansonsten bleibt nur zu hoffen, dass möglichst viele in der SPD das lesen und sich überlegen, ob das die richtige Führung ist, wenn man so veräppelt wird.
Liebe Frau Brigitte Dreyer, Sie schreiben: „Zwar plant Deutschland keinen Angriff auf irgendwen in der Welt …“ Was gibt Ihnen da die Gewissheit? Glauben Sie, die würden das vorher in der Tagesschau veröffentlichen, so als Wahlkampfthema? „Wählt Grün und wir versprechen euch einen Atomkrieg?“ Sicherlich nicht, oder?
Wenn sich deutsche Politikdarsteller hinstellen und behaupten, „die Russen“ würden uns 2029 angreifen und darum müsse man geradezu selbstzerstörerisch aufrüsten und die Hälfte des Bundeshaushalts für zukünftige Kriege ausgeben, ist das doch verdächtig. Ich habe mich mit dem Werk von Leuten auseinandergesetzt, die die Entstehung des Ersten und Zweiten Weltkriegs analysiert haben.
Zum Beispiel Wolfgang Effenberger – der kommt zu einem ganz anderen Schluss. Noch nie hat ein Angreifer zugegeben, einen Angriffskrieg zu führen. Es reicht schon, wenn ein Regime glaubt, dass es vom anderen angegriffen zu werden oder sich heimlich bereits angegriffen glaubt, um zu einem präventiven Schlag verleitet zu werden. Die Russen glauben, dass sie seit 2014 von der NATO angegriffen werden. Lassen wir mal außen vor, ob das stimmt oder nicht. Aber eine subjektive Wahrnehmung ist von innen betrachtet von der Wirklichkeit nicht unterscheidbar. Darum haben sie bereits drei Drohnenfabriken in der BRD offiziell als Ziele deklariert. Die sagen: „Wenn ihr nicht aufhört uns anzugreifen, müssen wir diese Drohnenfabriken militärisch ausschalten.“
Damit wir, die blöd gehaltenen Untertanen, das auf keinen Fall erfahren, hat man RT Deutsch (ähnlich damals der BBC) verboten und Journalisten wie Thomas Röper, Alina Lipp, Jacques Baud und Hüseyin Doğru mit tödlich gemeinten EU-Sanktionen überzogen.
Gleichzeitig wird durch die gezielte Massenmigration in das Sozial- und Justizsystem ein Krieg nach innen gegen die Kernbevölkerung geführt. Man erkennt das daran, dass man mehr Beleuchtung von Wegen zu Sportanlagen fordert, statt die Täter, wenn sie keine deutsche Staatsbürgerschaft haben und hier nicht Nachweisen können wovon sie leben, auszuweisen. Das „Regime“ hat sogar 340.000 Arbeitslose eingebürgert, damit eine mögliche AfD-Verwaltung das Problem nicht mehr lösen kann, selbst wenn sie wollte, was wir auch nicht wirklich wissen.
“ Die Wahrheit ist auf dem Platz“
https://www.presseportal.de/blaulicht/nr/35235
Besser als jede Tageszeitung.
Kriminalitätsstatistiken, hier von der SPD ins Spiel gebracht, sind eh Schall und Rauch.
Mein Rezept:
Mit ner alten Uhr, Ausweiskopie und geringen Mengen Bargeld in Bremen rumlaufen.
Teure Armbanduhren gehören eh besser in den Safe. Keine Plastikkartensammlung. Altes Handy.
Keinesfalls die Täter provozieren.
Die Gegend um den Hauptbahnhof, Walle, Gröpelingen, Huchting und andere Hot-Spots meiden.
Ich vermisse Herrn Mäurer, der diese Täter „von der Strasse holen wollte“, aber nicht genug Rückendeckung in der eigenen Fraktion und Koalition besaß.
Die SPD brüstet sich gerne mit den wirtschaftlichen Erfolgen durch die Rüstungswirtschaft, schafft es aber nicht, ihre Koalitionspartner an der Basis zu überzeugen.
Ist aber auch egal. Hauptsache es reicht zum Regieren.
Dort schreit man nach kostenlosem ÖPNV und sozialen Projekten, möchte diese aber lieber mit Schulden statt mit Wirtschaftswachstum aus der Rüstungsindustrie gegenfinanzieren.
Danke, Herr Schuller für diesen Beitrag über dieses „Rosinenpicking“ in der SPD.
@Heiko Strohmann: Herzlichen Glückwunsch! Ich habe gerade bei Compact-TV von Ihrem kleinen Rant gegen den BlackRocks-Kanzler erfahren. Ich überlege mir fast, ob ich die Kreuze bei der nächsten Wahl nicht bei Ihnen machen könnte: Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei
So, so , Axel Schuller soll also ein Avatar sein? Das überrascht mich. Ich bin ihm nämlich erst vor ein paar Wochen bei der Currywurstgesellschaft ganz real begegnet. Was es allerdings mit dem Rainer Pfeiffer auf sich haben soll, erschließt sich mir nicht. Das mag aber vielleicht auch an meinem vergleichsweise geringen Alter liegen.
Zum Blog selbst: Vielen Dank für die Lektüre. Beim Lesen fühlte ich mich stellenweise ein wenig an die „Aktuelle Kamera“ erinnert, frei nach dem Motto: „Der Plan wurde wieder zu 300 Prozent übererfüllt. Mit Produkten auf Weltniveau “ Etwas mehr kritische Distanz und etwas weniger Eigenlob würden der Glaubwürdigkeit der SPD sicherlich nicht schaden.
@Heiko Strohmann
Rainer Pfeiffer war Chefredakteur des Weser Report und wurde danach Medienreferent von Uwe Barschel (MP SWH).
Pfeiffer war maßgeblich an dem politischen Skandal (Barschel-Pfeiffer-Affäre) 1987 in Schleswig Holstein beteiligt.
Es ging um schmutzige Wahlkampf Methoden.
Barschel ist in deren Folgen – aufgedeckt durch „Den Spiegel – zurückgetreten und wurde 9 Tage danach in einem Hotel in Genf tot aufgefunden.
Zum Blog:
Ulli Mäurer war auf einem guten und richtigen Weg, die Kriminalität in Bremen einzudämmen.
Er hat dafür die Grundlage gelegt.
Leider wurde er parteiintern immer wieder ausgebremst und am Ende sogar geschasst!
Dass jetzt aber die SPD Spitze diese anfänglichen Erfolge für sich reklamiert, spottet jeder Beschreibung.
So hat die SPD doch längst die Bekämpfung der Kriminalität jeglicher Couleur auf dem Altar der linkslastigen Politik geopfert.
Es gibt in Bremen keine Eindämmung der Kriminalität und sie wird es auch nicht geben!
Kriminalität wird im Bremen leider nur noch verwaltet.
Der Artikel im „Weser Report“ hat mich aus drei Gründen erschreckt:
Einmal der Inhalt, wie schon beschrieben kommt das Wachstum fast nur von staatlicher Nachfrage nach Rüstung und Raumfahrt. Wagner blendet dies aber aus. Eigentlich blendet er alles aus, die Kriminalität ( da liegt Bremen immer noch unter den Top 3 in Deutschland ), die Machenschaften des Jobcenters, die steigende Armut, das Siechtum der Innenstadt, usw.
Allerdings ist Herr Wagner für Schönfärberei bekannt. Und nicht nur, sondern leider die gesamte Koalition. Bei der SPD ist es allerdings besonders schlimm.
Der zweite Punkt der mich erschreckt, sind die unkritischen Fragen des Weser Report, bzw. fehlende Nachragen.
In den letzten Monaten fiel mir der WR positiv auf, weil er kritisch über das Jobcenter berichtete ( nicht nur über den fast 1 Mio Euro teuren „Pausenraum ), obwohl es in jeder Ausgabe eine unkritische Kolumne des JC „Optimus“ Ossmann gab, früher auch ganzseitige Anzeigen des JCs.
In dem Interview wird nicht einmal wirklich kritisch nachgefragt. Nun ist mir auch klar, Interviews müssen vom Interviewten freigegeben werden. Aber selbst wenn man das Interview so abdrucken musste, warum nicht auf der anderen Seite ein kritischer Kommentar des WR ? Finde ich sehr enttäuschend.
Den dritten Punkt finde ich aber am erschreckendsten. Ich habe den Eindruck der SPD Landesvorsitzende glaubt tatsächlich was er sagt. Nun wird er bei Terminen in Behörden und im JC nur schöngefärbte Aussagen hören, aber es reicht ja ein Rundgang durch die Stadt um den Leerstand und eine Fahrt durch bestimmte Stadtviertel um die fortschreitende Vermüllung zu sehen.
Jedes Mal wenn ich durch die Stadt gehe, nicht mehr sehr oft, sehe ich immer wie ein renitenter Ladendieb aus einem Laden von der Polizei abgeführt wird. Dazu wird das Betteln immer aggressiver. Armut und Verwahrlosung sind mit Händen zu greifen. Ich bin da wirklich fassungslos.
Kürzlich wurde bei mir ( wiederholt ) im Keller eingebrochen, natürlich finden die Einbrecher da nichts mehr, aber es ergibt gar keinen Sinn dies noch bei der Polizei anzuzeigen. Die leicht sinkende Kriminalitätsrate hängt eben auch mit wachsender Resignation zusammen.