SPD im Zangengriff der Koalition – Wechsel zur CDU würde viele Probleme lösen

05.08.2026 6 Von Axel Schuller

Die Bremer rot-grün-rote Koalition hat offenbar ein neues Motto für sich entdeckt: Jeder gegen jeden. Der Kampf ist eröffnet. Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte und seine SPD befinden sich dabei im Zangengriff von Grünen und Linken. Bovenschulte könnte einen Befreiungsschlag führen – doch dafür ist er wohl zu vorsichtig. Würde er in eine Koalition mit der CDU eintreten, hätte er plötzlich wieder mehr Trümpfe in der Hand als Probleme auf dem Tisch.

Ein Blick zurück lohnt sich. Nämlich auf die Entstehungsgeschichte der Grünen und der Linke. Beide Parteien sind aus der SPD entsprungen. Und zwar, weil die alte Tante SPD nicht in der Lage war, Ihre „Ränder“ zu integrieren.

Die (Bundes-)Grünen wurden 1980 gegründet, weil wertkonservative Sozis mit dem intensiven Schutz der Natur nix am Hut hatten.

Auf der anderen Seite: Die SPD hat es zu Zeiten von Gerhard Schröder und seiner Hartz IV-Reform nicht vermocht, unzufriedene Mitglieder und klassenkämpferisch orientierte Betriebsräte zu binden. 

Ergebnis: 2004 Gründung der Wahlgemeinschaft Arbeit und Soziale Gerechrichtigkeit (WASG). Diese Partei hat sich für viele nicht nachvollziehbar mit der PDS (Nachfolgepartei der SED) 2007 zur Linke fusioniert.

Die aktuelle Linke sucht ihr Heil im verbalen Klassenkampf; mit übertriebenen, unrealistischen Forderungen nach

Verstaatlichung der Wohnungswirtschaft

radikalem Mietenstopp

Ausbau des Sozialstaates 

Punkte mit denen sie bei Jungwählern und Jung-Akademikern gut ankommt – einer Wählergruppe, die deutlich weniger Zuversicht in die Leistungsgesellschaft hat als deren Eltern und Großeltern.

Blicken wir auf Bremen. 

Die Linke piesackt die Sozis häufig. Auf ihr Betreiben wird der Polizei eher mit Argwohn begegnet. So muss die Polizei in Bremen bei anlasslosen Kontrollen auf der Straße Quittungen ausfüllen. Die Polizei verfügt bis heute nicht in allen Dienstwagen über Elektro-Schocker (Taser) – als ob Pistolen weniger gefährlich wären. Das geplante Versammlungs- und Polizeigesetz atmet nach Auffassung von Experten den Geist des Misstrauens.

Kommen wir zu den Grünen:

Die Bremer Grünen sind etwas „pflegeleichter“, zumal mit Dr. Henrike Müller eine Reala in den Senat (Umweltschutz und Wissenschaft) eingezogen ist. Der neue Fraktionschef Dr. Emanuel Herold wird ebenfalls dem Realo-Lager zugerechnet.

Dass die Grünen die Sozis dennoch nerven, liegt unter anderem an ihren stets Moral-unterlegten Forderungen nach Radwegen, Fahrradbrücken, Verdammen des Auto-Verkehrs, Verweigerung des Bundes-Infrastrukturgesetzes (schnelles Bauen von Straßen, Brücken, Hafen, Weser-Vertiefung) und der Grünen-Unterstützung von allerlei Umweltinitiativen.

Folge: Die Deutsche Umwelthilfe, eine auch mit Staatsknete gepäppelte NGO, verklagt aktuell Bremen auf mehr Klimaschutz.

Dass die Hansestadt ihre hochgesetzten Klimaziele in absehbarer Zeit nicht erreichen kann, hat einen handfesten Grund: Die Stahlwerke haben die Pläne ausgesetzt/aufgegeben, auf „grünen“ Stahl umzustellen. Bekanntlich stammt die Hälfte des Bremer CO2-Ausstoßes vom ArcelorMittal-Stahlwerk. 

Zusätzlicher Nervfaktor für die SPD (und die Linke): Umwelt- und Wissenschaftssenatorin Dr. Henrike Müller stellt die Zivilklausel im Hochschulgesetz in Frage.

Mit diesem Vorschlag liegen die Bremer Grünen ganz auf Linie mit ihrer Bundespartei, die sich seit Jahren von der ursprünglichen Friedenspartei (Petra Kelly) zur Unterstützerin einer Militär-basierten Politik gewandelt hat. Mit der Forderung nach Wegfall der Zivilklausel wildern die Grünen zudem im konservativen Lager, beispielsweise bei „rechten“ Sozialdemokraten; bei CDU und FDP sowieso.

Also: 

Schlechte Zeiten für die Bremer SPD. Die Linken sind nicht nur inhaltlich auf Abwegen, sondern verlieren mit der bisherigen Wirtschafts- und Häfensenatorin Kristina Vogt ihr Zugpferd im bürgerlichen Lager (nur noch Platz 3 statt 1 auf der Wahlliste). Die künftige Nummer 1 der Linke, Sofia Leonidakis, gilt keineswegs als wirtschaftsfreundlich. Im Gegenteil: Sie bedient mit ihrer manchmal krawallartigen Politik die neuen Mitglieder perfekt.

Die Grünen sind in Wahrheit des Koalitionspartners SPD überdrüssig. Ein Bündnis mit der CDU könnten sich einige führende Grüne zwar inhaltlich vorstellen. Bloß, dafür wäre ein Wahlergebnis notwendig, dass unrealistisch erscheint.

Die SPD selbst ist nach 81 Jahren Dauer-Regierung ermattet. Ein  Parteileben findet aufgrund verstorbener und ausgetretener Parteigenossen nur noch eingeschränkt statt. Impulse aus dem Landesvorstand um Falk Wagner haben Seltenheitswert. 

Der bequemste Ausweg für die SPD, um weiter regieren zu können,  wäre eine Koalition mit der CDU. Und zwar: sofort.

Die Union will wie SPD-Wirtschaftspolitiker Flächen zur Entwicklung von modernen Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie bereitstellen. Die CDU fordert – wie auch die Handelskammer – seit Jahren eine Richtlinienkompetenz für den bremischen Regierungschef. Die Polizei fände mehr Unterstützung – was sich angesichts des in der Bevölkerung verbreiteten Unsicherheitsgefühls positiv auswirken würde. Und: Die CDU würde das eminent wichtige, oft aber unterschätzte Thema „Parken in den Stadtteilen, mit mehr Augenmaß angehen.       

In einer Großen Koalition könnte die SPD den Schwarzen kurzerhand die problembeladenen Ressorts für Bildung, Soziales, Gesundheit und Finanzen übergeben. Soll doch die CDU endlich beweisen, wie sie mit den schier endlosen Problemen in den einzelnen Ressorts zurechtkommt.

Das „Argument“, Bürgermeister Dr. Bovenschulte müsse vor dem Fest zur Deutschen Einheit am 3. Oktober unbedingt einen Koalitionsbruch vermeiden, ist (aus meiner Sicht) vorgeschoben. Wenn die SPD jetzt einen Wechsel zur CDU vollziehen würde, bliebe Bovenschulte trotzdem Bundesratspräsident, könnte also am 3. Oktober – wie geplant — alle Bundesgrößen zum Festakt in der Hansestadt empfangen.

Bremens Bevölkerung hätte schon bald – wie geplant – am 30. Mai 2027 die Chance, über die nächste Regierung abzustimmen.

Herr Bürgermeister, nur Mut!

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Nachträglich ein kurzer Hinweis: Auf den Gastkommentar von Elisabeth Motschmann hat nunmehr auch die zuständige Wirtschaftsbehörde, namentlich der zuständige Abteilungsleiter Dr. Dirk Kühling reagiert. Inzwischen sind übrigens 20 Kommentare zu Motschmanns Aufruf eingegangen. Nachlesen lohnt sich!