Gastkommentar: Zu langes Warten aufs Grundbuchamt kostet Käufer viel Geld
Das Grundbuchamt muss endlich in die Hufe kommen, um dem Markt gerecht zu werden. Der heutige Gastkommentator, Simon Zeimke (42), christdemokratischer Bürgerschaftsabgeordneter und Digital-Experte, hatte kürzlich seinen Unmut über die Wartezeit bei der Behörde geäußert. Daraufhin habe ich ihn zu einem Gastkommentar eingeladen.

Simon Zeimke schreibt:
„Es gibt Behörden, an die verschwendet man keinen Gedanken – bis man sie braucht. Das Grundbuchamt gehört dazu. Wer in Bremen ein Haus oder eine Wohnung kauft, lernt es zwangsläufig kennen. Und wartet.
Wie lange, hat der Senat gerade auf meine Kleine Anfrage hin beziffert (Drucksache 21/1917): 19,5 Wochen braucht das Grundbuchamt beim Amtsgericht Bremen derzeit im Durchschnitt, von der Erfassung eines Vorgangs bis zum Versand der Eintragungsmitteilung. Fast fünf Monate. Ja, das war schon schlimmer – Ende 2025 lag der Wert bei 37 Wochen. Aber zur Wahrheit gehört auch der Blick ins eigene Bundesland: Bremerhaven erledigt Standardvorgänge in drei bis vier Wochen, selbst Bremen-Blumenthal je nach Fall in sechs Wochen bis drei Monaten. Die Stadtgemeinde braucht ein Mehrfaches davon. Und die Richtung stimmt schon wieder nicht: Im ersten Quartal 2026 waren es 17 Wochen, im zweiten 19,5.
Warum das mehr ist als ein Ärgernis, zeigt der Ablauf eines Immobilienkaufs. Mit der Unterschrift beim Notar gehört einem die Immobilie nämlich noch nicht. Bevor Geld fließt, muss das Grundbuchamt eine Auflassungsvormerkung eintragen, die den Käufer absichert. Erst dann gibt der Notar die Kaufpreiszahlung frei, erst dann zahlt die Bank das Darlehen aus. Immerhin: Diese Vormerkungen behandelt das Amt inzwischen als Eilsachen und schafft sie in rund zwei Wochen. Das entschärft die größte Gefahr – die Behörde bemüht sich, endlich.
Entwarnung ist das trotzdem nicht. In Neubaugebieten muss das Grundbuchamt nach der Aufteilung eines Grundstücks für jede Parzelle ein eigenes Teilgrundbuchblatt anlegen – vorher kann kein Kaufpreis ausgezahlt und kein Bauvorhaben begonnen werden. Wie viele dieser Anträge liegen vor? Weiß der Senat nicht, sie werden „nicht gesondert erfasst“, eine Auswertung sei „aus Kapazitätsgründen nicht möglich“. Und wer monatelang auf seine Eintragung als Eigentümer wartet, kann in dieser Zeit weder eine Eigenbedarfskündigung aussprechen noch manchen Förderantrag stellen. Finanzielle Folgen für Käufer? Dem Amtsgericht sei „ein Ausnahmefall“ bekannt. Natürlich ist er das: Wer Monat für Monat Bereitstellungszinsen an seine Bank zahlt, beschwert sich nicht beim Gericht – er zahlt einfach.
Der Senat kennt die Lage seit Sommer 2025. Was seitdem geschah, liest sich in der Antwort so: Studentische Hilfskräfte halfen 862 Stunden beim Versand von Mitteilungen. Rechtspflegeranwärter, die durchs Examen gefallen sind, kuvertieren Briefe. Zweimal wurden 50 Überstunden pro Kopf angeordnet – bei einer Belegschaft, in der jeder zehnte Beschäftigte langzeiterkrankt ist und zeitweise nur 64 Prozent der Servicekräfte verfügbar waren. Auf dem Papier ist übrigens jede Stelle besetzt. Das ist Krisenmanagement mit Bordmitteln, keine Strukturlösung.
Die eigentlichen Ursachen benennt der Senat selbst: Das Grundbuchamt sitzt isoliert in der Überseestadt, weit weg vom Rest des Amtsgerichts, Aushilfe aus anderen Abteilungen ist „erheblich erschwert“. Bekannt seit Jahren – passiert ist nichts, man „sondiert den Immobilienmarkt“. Was war eigentlich mit der alten Post, gegenüber vom Gericht? Hier hat man eine echte Chance liegen gelassen. Die elektronische Akte? Wird „vorbereitet“. Dieselben Sätze hätten vor einem Jahr in einer Senatsantwort stehen können.
Zum 1. Oktober kommen vier ausgebildete Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger dazu, ab November verspricht der Senat eine „signifikante Verringerung“ der Rückstände. An diesem Versprechen werde ich ihn messen – mit der nächsten Anfrage, falls nötig. Denn Bewegung kam in die Sache erst, als der parlamentarische und öffentliche Druck da war. Ein funktionierendes Grundbuchamt ist keine Verwaltungsromantik. Es ist Standortpolitik. Wer will, dass in Bremen gebaut und gekauft wird, muss dafür sorgen, dass die Justiz das Tempo der Menschen mitgeht – nicht umgekehrt. Bremerhaven zeigt, dass es geht. Bis die Stadt Bremen dort ankommt, gilt: Besser als katastrophal ist noch lange nicht gut.“
Soweit der Text von Simon Zeimke.
Liebe Leserschaft, Herr Zeimke schlägt sich mit dem Thema Grundbuchamt in seiner Eigenschaft als Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion sowohl für Digitalisierung als auch für Justiz schön länger herum. Schauen wir mal, ob es künftig mit dem Amt bergauf geht.
Außerdem bin ich gespannt, ob sich nach Zeimkes Beitrag Leidtragende zu Wort melden.
Die Kommentar-Resonanz auf den vorigen Gastkommentar von Elisabeth Motschmann zum Ausbau der „Glocke“ war erfreulich vielschichtig und – wie so häufig – sachlich. Dafür vielen Dank.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
Vielen Dank für die Möglichkeit, das Thema hier einmal zu platzieren. Die Anfrage und Antwort habe ich nochmal hier zusammengestellt: https://www.simon-zeimke.de/initiativen/grundbuchamt-am-limit-buerger-zahlen-die-zeche/
Lieber Simon Zeimke, ich würde einfach mal von Arbeitsverweigerung bei den Mitarbeitern ausgehen. Die werden viele Kaffeepausen machen und einmal in der Woche hat jemand Geburtstag – der Tag ist praktisch für uns Steuerzahler verloren. Wahrscheinlich haben sie noch nie etwas von REFA gehört. Das geht auf den ursprünglichen Namen aus dem Jahr 1924 zurück: Reichsausschuß für Arbeitszeitermittlung. Da stellt sich jemand mit der Stoppuhr hinter die Mitarbeiter und stellt fest, welche Zeit für jeden Arbeitsschritt erforderlich ist. Und dann wird festgelegt, wie viele Vorgänge er am Tag zu schaffen hat. Außerdem kann man bei „kranken“ Mitarbeitern regelmäßig ermitteln, ob die wirklich arbeitsunfähig sind. Es ist doch unwahrscheinlich das die Arbeitsbedingungen so schlecht sind das die Mitarbeiter dort mehr doppelt so krank sind wie der Durchschnitt. Und natürlich müssen die schlimmsten Minderleister dann gefeuert werden, weil die das Arbeitsklima vergiften.Ich halte das für sozialverträglicher, weil Digitalisierung dieser Vorgänge dazu führt, dass alle ihren Arbeitsplatz verlieren, statt nur die Minderleister. Oder wollen Sie die Minderleister etwa auf andere Behörden verteilen, damit die dort ihr Unwesen treiben können?
Das Grundbuchamt ist seit 1992 in der Überseestadt (damals Europahafen/Altonaer Strasse), weil man ein Gebäude mit einer Tragkraft von 2000kg/m2 brauchte, das eigens für die schweren Akten des Grundbuchamtes aufwändig saniert wurde.
Das ist im alten Postamt mit vertretbarem Aufwand unmöglich.
Das eigentliche Problem ist nicht die Entfernung (durchgehende Strassenbahnverbindung vom Amtsgericht zum Grundbuchamt 5min), sondern das Personalvertretungsrecht: Die Mitarbeitervertretung kann gegen jede zeitweilige Abordnung vom Amtsgericht zum Grundbuchamt ihr Veto einlegen. Und der Krankenstand ist ein Skandal, den man gern totschweigt, ihn allenfalls mit unzumutbaren Arbeitsbedingungen und schlechter Führung legitimiert..
@Thomas Mayer : ich kenne „REFA“ auch noch aus meiner Praktikumszeit in einem Elektro-Mittelständler (Mitte der 70er)… Heute würde vermutlich die Personalvertretung/der Betriebsrat Sturm laufen, zu Streiks aufrufen usw., sollte in einer Behörde/Verwaltung ein „REFA-Mensch“ auftauchen…
Diese unabhängige (die REFA-Personen waren genauso wie die Qualitäts-Kontrolle („Prüffeld“ hiess das damals) direkt der Firmenleitung unterstellt) Personen hatten aber auch einen unvoreingenommen „Blick“ auf die Arbeitsschritte und machten öfters (zumindest bei diesem Mittelständler) Vorschläge sowohl zur Rationalisierung aber auch zur Arbeits-Erleichterung/Ergonomie – daher waren die zwar nicht unbedingt „willkommen“ am Arbeitsplatz, wurden aber nicht „angefeindet“…
„Arbeits-Abläufe“: wenn man wie ich dank meines „nebenbei-ehrenamtlichen“ Engagements bei einigen Bremer Behörden und Sozialverbänden usw. herum kommt, dann sieht man Arbeitsabläufe auch von „innen“, bei denen man nur das grosse Grausen bekommt…
Es ist heftig, wenn jetzt nochmals der „Reichsausschuß für Arbeitszeitermittlung“ ins Spiel gebracht wird!
(ich habe auch so’n Schein gemacht, bei Karmann in Osnabrück…. schrecklich)
Die Zeiten haben wir hoffentlich hinter uns gelassen.
Ich selbst habe auch so meine Erfahrungen mit dem Grundbuchamt gemacht.
Das Amtsgericht Bremen hatte mich als „Zwangsverwaltung“ eines insolventen Immobilien Objekts eingesetzt.
Es war erschütternd, an Grundbucheinträge zu gelangen,
Es ging damals um Rechte von Mietern und Teileigentümern.
Ich habe mir sprichwörtlich die Hacken abgelaufen, um an Informationen zu kommen
Nie wieder werde ich einen solchen Job machen, denn von konstruktiver Zuarbeit des Grundbuchamtes war ich genauso weit entfernt wie die Erde vom Mond!
Lieber Josef Teupe, warum ist REFA heftig? Den alten Wein gibt es auch in neuen Schläuchen heißt dann LEAN, SixSigma oder AGIL etc. Es geht immer um mehr „bang for the buck“. Ja, es ist schrecklich, dass Leute für ihr Geld Leistung bringen sollen. Ich bin absolut dafür, dass es ein bedingungsloses Grundeinkommen für die Bundesbürger gibt, die nicht leisten können oder wollen – statt Hartz-IV-Schikane. Die gesamte Sozialbürokratie ist überflüssig; die können alle gefeuert werden, das spart sofort die Hälfte der Ausgaben.
Aber wenn jemand seine Lebenszeit gegen Geld verkauft, hat der Käufer ein Recht darauf, dass maximal geleistet wird. Und natürlich liegt es in der Verantwortung des Arbeitgebers, das so zu organisieren, dass er diese maximale Leistung erhält und nicht nur Minder- und Blindleistung. Das tut das „Regime“ aber nicht. Ich vermute, weil sie gar nicht wissen, wie sie es angehen sollten – das sind halt einfach die falschen Leute, diese Parteisoldaten.
Mir ist schon klar, dass viele Beamte diesen Lebensweg eingeschlagen haben, weil sie eben nicht leisten wollen oder können. Das kann mir als Bürger aber egal sein: Ich zahle Steuern, und es ist nicht hinnehmbar, dass die staatlichen Leistungen immer schlechter, weniger und teurer statt besser und billiger werden.
Der BlackRock-Lobbyist und noch Kanzler hat kürzlich die Sprechblase in den Raum gestellt, dass „Deutschland produktiver“ werden muss. Wenn der wüsste, worüber er redet, würde er im Kanzleramt anfangen und 2029 mit der halben Mannschaft auskommen und würde wiedergewählt werden. Glaube ich aber nicht.
Von 20 Wochen Wartezeit hätte ich nur träumen können, ich habe 13 Monate gewartet, vermutlich auch nur, weil ich nach 11 Monaten einen Anwalt eingeschaltet habe.
Dies war zwar während der letzten COVID Phase, aber diese lange Wartezeit hat mich sehr viel Geld gekostet.
Denn die ganzen laufenden Kosten bei einer leerstehenden ETW laufen weiter, vom Hausgeld bis zu Versicherungen.
Man kann die ETW auch nicht vermieten, wenn man eigentlich einen Verkauf plant, weil man ja nicht weiß wann endlich das Grundbuchamt alles bearbeitet hat. Noch mehr als diese lange Wartezeit ärgert mich die Hinhaltetaktik. Anfangs sprach man von 3 Monaten, dies hielt ich ohnehin für zu optimistisch, dann kam immer irgendetwas – außer COVID – ein außergewöhnlich hoher Krankenstand, „Koordinierungsprobleme“ ?, eine versehentliche Ablage bei einem gar nicht zuständigen Sachbearbeiter – eine Umstellung aufs „Digitale“, die viel Zeit erfordert, im internen System wäre mein Fall schon als bearbeitet gekennzeichnet gewesen, während er noch unbearbeitet monatelang an falscher Stelle lag, usw.
Wer leitet eigentlich diese Behörde ? Franz Kafka ?
Aber diese extrem lange Wartezeit wäre eine Ausnahme.
( Und die war es nicht, 11-13 Monate waren um 2011/12 teilweise „normal“ )
Den Mitarbeitern selbst kann man vielleicht noch nicht mal Vorwürfe machen, weil sie personell völlig unterbesetzt sind. Aber die Organisation ist dort mangelhaft. Ja man hat den Eindruck es gibt gar keine.
Und warum kommt diese Behörde nicht für die Kosten auf, die sie selbst verursacht hat ?
Bei einer Bearbeitungsdauer von mehr als einem halben Jahr sollte man die Behörde verpflichten die Folgekosten zu übernehmen.
Außerdem will die klamme Stadt Bremen ja auch Grunderwerbssteuer u.a. Steuern einnehmen, aber man hat den Eindruck man lässt alles versanden.
In Niedersachsen dauerte es bei einer Bekannten zum gleichen Zeitpunkt 3 Monate.
Und ich schreibe hier von vergleichbar einfachen Fällen.
Bei den angegebenen durchschnittlichen Wartezeiten bin ich sehr skeptisch, z.B. kenne ich niemanden, obwohl ich einige Wohngeldbezieher kenne, die nicht mindestens mehr als doppelt so lange auf die Bearbeitung gewartet haben, wie der von der Behörde angegebene Durchschnittswert.
Die Bearbeitungszeit von „nur“ 19 Wochen für eine Eintragung einer Auflassungsvormerkung (Eilvorgang), haben wir in unserem Fall (Kaufvertrag v. 17.12.2025 / Eintragung der Vormerkung 29.07.2026 = 33 Wochen) nicht erreicht.
Die Frage sollte nicht Arbeitsstandort oder Personalgröße heißen, sondern WAS HAT SICH CA. 2024 IN DER BEARBEITUNG beim Grundbuchamt VERÄNDERT ?
Generell gab es schon immer die Forderung aus der Bauwirtschaft und von den Notaren, die Veränderung im Grundbuch flexibler zu gestallten. Damit wenn Frau oder Herr Mustermann vom Grundbuchamt krank wurde, am Vorgang in der Krankheitszeit weiter gearbeitet wird.
Lösung = jeder kann im jeden Vorgang arbeiten.
Das VOR einer Bearbeitung am Grundbuch sich jeder in den Fall einlesen muss, erhöht die Bearbeitungszeit mit der Anzahl der Personen die am jeweiligen EINEN Fall arbeiten.
Sollte die Lösung beim ehemaligen Arbeitsablauf liegen
= eine Person = einen Arbeitsvorgang = nur ein Einlesen
dann bitte ich, zum ehemaligen Ablauf zurück zu kommen UND über zukünftige Vertretungen zu diskutieren
@ Thomas Mayer
Ich habe es als junger Mann als schrecklich empfunden, mit Notizblock und Stoppuhr neben meinen Arbeitskollegen, die mich ausgebildet haben, zu stehen, um Arbeitsabläufe zu normieren.
Das war irgendwie beklemmend.
Das habe ich gemeint.