50T Euro zum Ersten, 100T zum… und 150.000 Euro – zum WK / Ferner: Fecker braucht Millionen

19.08.2026 14 Von Axel Schuller

Wow. Heute (20.8.) und morgen veranstaltet der Weser-Kurier seine erste große KI-Messe für mehrere tausend Teilnehmer. Insider rechnen mit Kosten von rund 400.000 Euro. Wie gut, dass Vater Staat spendabel ist und satte 150.000 Euro zuschießt – sonst wäre es mit der Messe im Rahmen der internationalen KI Tagung IJCAI wohl nix geworden. 

Im zweiten Teil dieses Blogs heute noch ein echter Finanz-Burner, der wohl ein weiteres Loch in die Bremer Kasse reißen wird.

Liebe Leserschaft, Sie kennen ja meine latent durchschimmernde Faulheit. Deshalb veröffentliche ich hier zunächst die Antwort der Behörde für „Wirtschaft, Häfen und Transformation“ von Senatorin Kristina Vogt (Linke) zu dem sehr ansehnlichen staatlichen Zuschuss im O-Ton.

Auf meine Frage, weshalb die Senatoren für Finanzen, für Wirtschaft und für Umwelt, Klima und Wissenschaft das Event des privatwirtschaftlichen WK finanziell massiv unterstützten, antwortete Christoph Sonnenberg, Pressesprecher von Frau Vogt, bsg:

„Die IJCAI ist ein großartiges Ereignis für den KI Standort Bremen. Tausende von Wissenschaftler*innen kommen in dieser Woche nach Bremen. Aus Sicht des Senats ist es daher mehr als sinnvoll,  parallel zu diesem Großereignis auch die Wirtschaft und die Schüler*innen des Landes bei dem Thema einzubinden und ein entsprechendes Angebot zu schaffen. Dabei ging es neben dem informatorischen Mehrwert für die Unternehmen und den Nachwuchs vor allem um die Darstellung der Standortkompetenzen im Bereich KI und die überregionale Sichtbarkeit bei dem Thema KI. 

In Kooperation mit dem Weser Kurier wurde die Fast Forward entwickelt. Die Ressorts Wissenschaft, Finanzen und Wirtschaft beteiligen sich jeweils mit einem Betrag von 50T€ an den Kosten der Veranstaltung im Rahmen der Kooperation. 

Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Kooperationspartner*innen, wie die Sparkasse, die Handelskammer, die Unternehmensverbände und andere. Ohne diese Kooperationspartner*innen wäre so eine hochkarätige Veranstaltung nicht umsetzbar gewesen.

Neben den Bremer Akteur*innen, die dort auftreten, enthält das Programm sehr viele prominente Speaker. Der Mehrwert für die Teilnehmenden ist so ebenso gesichert, wie die Sichtbarkeit des Standortes mit seinen vielfältigen KI Kompetenzen durch Teilnehmende und die mediale Aufmerksamkeit. IJCAI und Bremen Fast Forward stärken sich so gegenseitig und nutzen die Aufmerksamkeit die diese Woche auf Bremen gerichtet ist, um den Standort mit seinen Kompetenzen überregional sichtbar zu machen.“

Liebe Leserschaft, wenn Sie jetzt Appetit auf „Bremen Fast Forward“ erhalten haben: Die Veranstaltung findet im BLG-Forum am Großmarkt im Hafen statt. Vllt gibt’s noch Eintrittskarten. WK fragen!

Ich setze auf eine halbwegs populäre Veranstaltung, wie es im April  die „growmorrow“ am selben Ort war – damals aber veranstaltet von der NordWestZeitung aus Oldenburg (siehe Blog vom 19.4.2026: „Philosoph Precht bei growmorrow: Kinder vor Aufmerksamkeitsraub bewahren“).

Der Text der Wirtschaftsbehörde enthält übrigens eine Formulierung, die auf kein förmliches Verfahren bei Bewilligung der insgesamt 150.000 Euro hindeutet.

Während der WK in seiner Eigen-Werbung für die Messe stets erwähnt hatte, „Gefördert durch die Senatorin für Wirtschaft, … Finanzen…Umwelt…“ teilte Christoph Sonnenberg nun mit, die drei Behörden seien mit dem WK „eine Kooperation“ eingegangen.

Bedeutet in praxi: Für eine Förderung muss man Förderrichtlinien des Landes einhalten, bei einer Kooperation sind die Hürden für einen Zuschuss offenbar weniger hoch.

By the Way: Der Hinweis des Vogt-Sprechers, Handelskammer, Arbeitgeberverbände und Sparkasse förderten die WK-Messe ebenfalls materiell, kann ich in dieser Absolutheit nicht bestätigen. Die Sparkasse ließ die Anfrage von bsg unbeantwortet. Die Handelskammer erklärte, es fließe kein Geld. Die Unternehmerverbände wollen „im Nachhinein“ über einen Zuschuss entscheiden.

Liebe Leserinnen und Leser, falls Sie jetzt wissen wollen, was sich am heutigen Donnerstag, 20.8., und morgen, 21.8., im BLG-Forum konkret abspielen wird, empfehle ich die Lektüre des WK inkl. einer Sonderveröffentlichung.

Dass Bremen auf die international besetzte KI-Konferenz (IJCAI) im Verbund mit der Universität, vielen KI-orientierten Instituten, Firmen und der Messegesellschaft (m3b) stolz ist, kann ich gut nachvollziehen.

Die IJCAI ist für unser Bundesland so bedeutend, dass Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) dafür ein weiteres Mal die Ressort-Schatulle geöffnet hat: 130.000 Euro wurden für die internationale Tagung der Uni bewilligt.



NACHTRÄGLICHE ERGÄNZUNG:

Das Wirtschaftsressort hat mir heute unjournalistische Arbeit vorgeworfen, weil ich den Gegenwert für die 130.000 Euro weggelassen hätte.

Also, Herr Sonnenberg hatte mir während der Recherche den Mehrwert beim Auftritt bei der IJCAI unter anderem wie folgt beschrieben:

„Finanzielle Beteiligung von SWHT (bedeutet: Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation) als Hauptsponsor
SWHT hat diese Zusage eingelöst und tritt als Hauptsponsor der IJCAI mit rund 130.000 Euro auf. Damit verbunden sind:

1. Logo-Präsenz und Sichtbarkeit für Bremen
2. eine Standfläche von 75 Quadratmetern
3. Zugang zur Konferenz für rund 30 Personen“

Ein anderer, engagierter Beamter des Wirtschaftsressorts wusste (heute morgen) zu berichten, dass keineswegs nur das Vogt-Ressort zu den Finanziers gehöre (was ich nicht geschrieben habe), sondern das Wissenschaftsressort das Bremer Team der IJCAI über drei Jahre bezahlt, „mehr als eine halbe Million Euro an Gehältern“.

Das, verehrte Pressestellen des Senats, hätte ich gerne vor dem Schreiben des Blogs erfahren – nicht hinterher.


Liebe Leserschaft, um nicht missverstanden zu werden. Ich finde es gut, dass Bremen sich der internationalen KI-Gemeinde präsentiert, hiesige Firmen hoffentlich neue Netzwerke knüpfen können und junge Leute bei der Fast Forward Vorzüge der KI kennenlernen können. Und überhaupt: Es ist ein riesiger Erfolg, die IJCAI nach Bremen zu lotsen. (Siehe auch Blog vom 27.4.26: „Darauf kann Bremen stolz sein: KI-Experten aus aller Welt tagen demnächst in unserer Stadt“).

Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass die Öffentlichkeit ein Anrecht auf Informationen über die Geldflüsse zugunsten der IJCAI und der WK-Veranstaltung hat.


Neues Defizit

Ein richtiger Finanzklopfer liegt dem Haushalts- und Finanzausschuss der Bürgerschaft am Freitag auf dem Tisch:

Finanzsenator Björn Fecker (Grüne) bzw. dessen Behörde (Staatsrat Dr. Martin Hagen?) müssen dafür werben, für ein völlig neues, Computer-basiertes Telefon-System für den gesamten bremischen öffentlichen Dienstes zusätzlich 6,4 Millionen Euro zu erhalten.

Das rührt daher, dass der Kooperationspartner Sachsen-Anhalt kurz vor dem Ziel ausgestiegen ist, und Bremen die Kosten an der Backe hat.

Die bisherige Planung für die Telefonie sah für Bremen für die Jahre 2027 bis 2033 Gesamtkosten von rund 57 Millionen Euro vor. Nunmehr kommen in dem genannten Zeitraum 6,4 Millionen Euro obendrauf.

Munter bleiben!

Herzlich hat

Ihr Axel Schuller

P.S.: Für Sonntag darf ich erneut einen Gastkommentar ankündigen. So viel sei verraten: Zu dem Thema haben Sie bei bsg bislang wirklich noch nichts gelesen. Also, es wird spannend.