Gastkommentar: Bremen sollte die nächste Ausbaustufe des GVZ im Niedervieland III mutig angehen
Heute geht es um ein „heißes Eisen“ – das Niedervieland III. Wer sich links der Weser nicht so gut auskennt: Das Gebiet grenzt an den Neustädter Hafen sowie an das Güterverkehrszentrum (GVZ) und reicht bis an die Weser. Dort, wo die A 281 zum im Bau befindlichen Wesertunnel führt. Ralph Sandstedt (60), Geschäftsführer der GVZ-Entwicklungsgesellschaft, hält im Gastkommentar ein Plädoyer für eine wirtschaftlich sinnvolle und zugleich ökologisch rücksichtsvolle Erweiterung des GVZ. Noch ist Niedervielland III ein Landschaftsschutzgebiet. Sandstedt ist Vater von drei Kindern.

Ralph Sandstedt schreibt:
Das Güterverkehrszentrum Bremen ist eine Erfolgsgeschichte, auf die Bremen zu Recht stolz sein kann. Seit seiner Entwicklung in den 1980er-Jahren hat sich das GVZ vom Pionierprojekt zum europäischen Spitzenstandort entwickelt. Rund 160 Unternehmen mit etwa 8.700 Beschäftigten sind hier ansässig.
Heute ist es Deutschlands Nummer 1 und zählt auch im europäischen Vergleich zur absoluten Spitze. Diese Position ist ein Standortvorteil für Bremen – kein Selbstläufer.
Wer dauerhaft Champions League spielen will, braucht Perspektiven für die Zukunft. Deshalb muss Bremen heute über die Entwicklungsmöglichkeiten des GVZ sprechen. Eine solche Perspektive könnte Niedervieland III bieten.
Die Geschichte des GVZ zeigt, was möglich ist, wenn Politik den Mut hat, langfristig zu denken.
In den 1980er-Jahren wurde eine landwirtschaftlich geprägte Fläche für eine visionäre Idee entwickelt: ein Güterverkehrszentrum, das Straße, Schiene und Wasser miteinander verbindet und Unternehmen an einem leistungsfähigen Standort bündelt.
Aus dieser politischen Entscheidung ist eine logistische Erfolgsgeschichte mit internationaler Ausstrahlung entstanden.
Was wäre, wenn Bremen heute erneut diesen Mut aufbringt?
Niedervieland III könnte – nach sorgfältiger politischer, planerischer und naturschutzrechtlicher Prüfung – eine Erweiterungsperspektive für das GVZ eröffnen. Dabei geht es nicht darum, Natur gegen Wirtschaft auszuspielen.
Vielmehr geht es um die Frage, wie eine moderne Gewerbefläche des 21. Jahrhunderts aussehen kann, wenn Bremen wirtschaftlich stark und zugleich klimaneutral werden will.
Ein erweitertes GVZ könnte zum Modellstandort für klimaneutrale Logistik und innovative Gewerbeansiedlungen werden: mit
– Photovoltaik,
– energieeffizienten Gebäuden,
– elektrischen und wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen,
– moderner Ladeinfrastruktur und
– intelligenten Energiesystemen.
Neue Gewerbeflächen könnten von Beginn an nach höchsten Nachhaltigkeitsstandards geplant werden.
Auch die Infrastruktur spricht für den Standort. Die A 281 schafft eine leistungsfähige Anbindung an das überregionale Autobahnnetz.
Gleichzeitig verfügt das GVZ über seine besondere Stärke als multimodaler Standort mit Straße, Schiene und Wasser sowie der Nähe zu Häfen und Flughafen. Diese Kombination macht Bremen zu einem herausragenden Logistikstandort in Europa.
Eine Erweiterung würde neue Chancen für Unternehmen, Technologien, Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen. Gerade weil Gewerbeflächen in Bremen knapp sind, muss die Frage erlaubt sein, wo wirtschaftliches Wachstum sinnvoll konzentriert werden kann.
Ein bestehender, hervorragend erschlossener Logistikstandort bietet dafür beste Voraussetzungen.
Natürlich besitzt Niedervieland III heute eine hohe Bedeutung für Natur und Landschaft. Diese Bedeutung muss in jeder Entscheidung berücksichtigt werden. Eine mögliche Entwicklung müsste höchsten ökologischen Anforderungen entsprechen und auf einer transparenten fachlichen Abwägung beruhen.
Dazu gehören der Schutz besonders wertvoller Bereiche, ökologische Aufwertungen sowie angemessene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Eine mögliche Umwidmung darf kein Freibrief für Flächenverbrauch sein, sondern muss wirtschaftliche Entwicklung und ökologische Verantwortung verbinden.
Deshalb sollte Bremen die Debatte über Niedervieland III offen führen.
Auch Naturschutzpolitik muss beantworten, wie eine wachsende Stadt wirtschaftliche Zukunft und Klimaziele verbinden kann.
Das GVZ Bremen hat bewiesen, dass langfristiges Denken funktioniert. Bremen hat in den 1980er-Jahren nicht einfach landwirtschaftliche Flächen umgewidmet. Bremen hat eine Zukunftsentscheidung getroffen – und damit die Grundlage für eine Erfolgsgeschichte mit Champions-League-Qualitäten in der Logistik geschaffen.
Heute steht die nächste Entscheidung an. Angesichts der langen Planungs- und Vorlaufzeiten ist es notwendig, bereits heute über die weitere Entwicklungsperspektive zu entscheiden, damit die erforderlichen Planungsprozesse rechtzeitig angestoßen werden können.
Wenn Bremen seine Spitzenposition als Logistikstandort Europas behalten will, braucht das GVZ langfristige Erweiterungsperspektiven. Nicht irgendwann, wenn keine Flächen mehr verfügbar sind, sondern jetzt muss über die Zukunft nachgedacht werden.
Niedervieland III sollte deshalb Teil dieser Zukunftsdiskussion sein: als mögliche Erweiterungsfläche für ein GVZ, das nicht nur wachsen, sondern zum Vorbild für klimaneutrale und innovative Logistik werden kann.
Dafür braucht es politischen Mut. Den Mut, den Bremen bereits in den 1980er-Jahren bewiesen hat.
Denn wer Champions League spielen will, muss auch bereit sein, die nächste Generation des Standorts zu planen.“
ENDE des Gastkommentars von Ralph Sandstedt
Liebe Leserschaft, ich bin froh, dass Ralph Sandstedt als GVZ-Geschäftsführer so klar Position bezieht. Dies erleichtert den politisch Verantwortlichen, die dringend gebotene Debatte zu führen und die notwendigen Schlüsse zu ziehen. Jetzt!
Sobald der Wesertunnel für die A 281 mit der Querverbindung vom GVZ rüber zu den Stahlwerken fertig ist, gibt es entlang dieses neuen Autobahnstückes Grundstücke, die wohl nicht mehr schutzbedürftig sein dürften. Diese Flächen sind für die Ansiedlung von Firmen prädestiniert, für die aktuell im weiter boomenden GVZ einfach kein Platz mehr ist.
Ich freue mich auf eine sachliche Debatte über dieses „heiße Eisen“! (Bitte dran denken: Bei mir werden nur Leserkommentare mit Vor- und Zunamen veröffentlicht.)
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
Ökonomie vor Ökologie!
Ob das in Bremen klappt?
Auf in den Kampf…..
Biete eine Wette an: Solange R2G in HB noch etwas zu entscheiden hat, wird das nix. Für solche Projekte braucht es einen Politikwechsel.
Ralph Sandstedt hat völlig Recht : Wenn Bremen seine herausragende GVZ-Topstellung in Europa festigen und ausbauen will, muss es das Güterverkehrszentrum sinnvoll erweitern. Was Erich Kühlmann einst als Vertreter der Handelskammer Bremen initiiert hat und zu einem Erfolgsmodell geworden ist, um das uns viele Logistikstandorte in Europa zu Recht beneiden , sollte jetzt in ökonomischer und ökologischer Weise ausgebaut werden. Für Umweltfanatiker sei erwähnt, dass Güterverkehrszentren in erheblichem Maße dazu beitragen, dass Güter von der Straße auf die Schiene verlagert werden ! Raph Sandstedt sollte sich glaubwürdige Unterstützer an die Seite holen !
„Erfolgsgeschichte“ – ??? Die seit 40 Jahren keinen ordentlichen Autobahnanschluss hat? Ich glaube, wir sollten mal aufhören, Erfolg als Teilerfolge im Rückzugsgefecht vor dem Desaster zu definieren.
Dazu gehört auch, dass wir vom Bullshit-Bingo ablassen. Photovoltaik, von der wir schon zu viel haben, elektrische und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, die es unter Marktbedingungen absehbar nicht geben wird, intelligente Energiesysteme als Voraussetzung für eins und zwei. Prima!
Das mag sich ja in irgendwelchen Förderanträgen gut anhören und dazu führen, dass man ein Stück mehr vom Geldkuchen der Steuerzahler bekommt. Aber gegenüber Menschen, die versuchen, ihren Verstand scharf zu halten, sollte man sich da etwas zurückhalten.
Der Wesertunnel ist doch ein Witz. Das ist ein Jahrhundertprojekt der Unfähigen in Planung und Umsetzung.
Von daher wird alles verkehrstechnisch nichts bringen. Das GVZ ist dilettantisch geplant worden und soll jetzt noch dazu dienen, restliche Flächen, die sogar als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind, nachhaltig für immer zu zerstören.
Ein Lieblingsprojekt von RotRotGrün: Die möglichst weitläufige Versiegelung von Boden n Verbindung mit der Zerstörung von Naturflächen. Dafür kann man ja publikumswirksam gegen Schottergärten vorgehen.
Das GVZ ist schon heute ein städtischer Schandfleck. Großflächige Lagerhallen und Parkplätze. Ich habe nicht den Eindruck, dass das bisherige GVZ überhaupt schon vollständig ausgelastet ist..Auch der Neustädter Hafen ist nicht gerade ‚überfüll‘.