Außer der Reihe: „Arbeitsaufträge“ für Bremer Oppositions-Politiker

07.09.2026 6 Von Axel Schuller

Manchmal sticht man in ein Wespennest, ohne dies zu ahnen. So hat offenbar die Dokumentation einer Presseerklärung des CDU-Finanzpolitikers Jens Eckhoff zur Anschaffung der sogenannten Doppik-Software am 2.9. auf bremensogesehen intern hohe Wellen geschlagen. Lesen Sie hier, wo es in Verwaltung und Politik gerade heftig „dampft“. 

Liebe Leserschaft, insbesondere in Politik und Verwaltung:

Nach der Veröffentlichung der Brachial-Kritik von Jens Eckhoff (CDU) an der Anschaffung der neuen Doppik-Software für die Abwicklung und Kontrolle des bremischen Haushaltes sind bei mir gleich mehrere Hinweise und Fragen „gelandet“. („Doppik“ bedeutet: Doppelte Buchführung, also Buchung auf Soll und Haben).

Bei Lichte betrachtet, müssten die nachfolgenden Hinweise sowohl die Opposition von CDU, FDP und „Bürger in Wut“ als auch die  Regierungsfraktionen (die laut Verfassung den Senat ja ebenfalls kontrollieren sollen) auf den Plan rufen, bzw. gleich zu mehreren offiziellen Anfragen an die Landesregierung, speziell an das Finanzressort von Björn Fecker (Grüne), veranlassen. 

Nachfolgend veröffentliche ich einige der kritischen Bemerkungen  und Fragen; übrigens in der Hoffnung, dass dieses zugegeben etwas ungewöhnliche Blogstück die Debatte über die Software und das Drumherum noch einmal in Schwung bringt. 

Auch, wenn Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) intern angeblich darauf gedrungen hat, dass die Koalition nach außen nur noch geschlossen dastehen dürfe.

Zu den Fakten: Der Senat hat beschlossen, die Hamburger Software für Rechnungslegung und Haushalts-Steuerung für jährlich bis zu 8 Millionen Euro zu kaufen – ohne vorab alle Bürgerschaftsfraktionen daran zu beteiligen.

Dabei hieß es noch im rot-grün-roten Koalitionsvertrag vom 3. Juli 2023:

(…) Die Einführung der Doppik ist eine grundlegende Änderung der Haushaltssystematik. Diese hat auch Einfluss auf das parlamentarische Haushaltsverfahren. Deshalb wollen wir diese gemeinsam mit der Opposition mit dem Ziel einer möglichst breit getragenen Zustimmung erörtern.“ 

Gleichwohl wurde die Opposition jetzt nicht eingebunden. Deshalb Eckhoffs aktuelle Weigerung als Vorsitzender des Haushalts- und Finanzausschusses der Bürgerschaft, die Regierungs-Vorlage mit der Zustimmungs-Bitte überhaupt auf die Tagesordnung zu setzen.

So, nun zu vielen Hinweisen und Fragen aus dem Kreis Wissender:

Laut verlässlichen Informationen herrschen sogar in Kreisen von SPD und Linken Bedenken gegen die neue Software.

VORSCHLAG: Wie wäre es, wenn Bremer Politiker einfach mal ihre Kollegen in der Hamburger Bürgerschaft anriefen und sich erkundigten, was sich dort dank Doppik-Software konkret verändert hat? Praxiserfahrungen sind bekanntlich mehr wert als blumige Aussagen von Verkäufern.

FRAGE: Hat irgendein Senatsmitglied die hohen Kosten für die Software problematisiert? Welche Auswirkungen haben diese Ausgaben auf die bislang mit NULL Euro finanzierte KI-Strategie des Senates? (siehe Blog vom 2.9.2026: „IT-Experte Dr. Volker Redder zerreißt Bremens KI-Strategie in der Luft!“

FRAGE: Existiert im Land bereits die notwendige Rechtsgrundlage zur Einführung der Doppik? 

FRAGE: Ist bekannt, ob die für Hamburg „gestrickte“ Software nur eine Unterscheidung zwischen Senat/Bürgerschaft und Bezirksämtern, nicht aber die Unterscheidung zwischen Land Bremen, Stadt Bremen und Stadt Bremerhaven kennt? Und: Schließt sich Bremerhaven dem neuen System an? Wenn nicht, wie wird dann der landesinterne Finanzausgleich zwischen dem Land Bremen und der Seestadt abgewickelt?

FRAGE: Wurden die senatorischen Verwaltungen in die Entscheidungen eingebunden? Mit welchem Ergebnis? 

Dr. Martin Hagen, Digital-Staatsrat im federführenden Finanzressort hat ButenunBinnen gegenüber erklärt, er könne nicht verhehlen, das sich das Software Projekt verzögert habe. 

Dies wurde, wie ich höre, von Parlamentariern als eine „vernebelnde Umschreibung“ charakterisiert. 

FRAGE: Wie groß ist der tatsächliche Personalaufwand, um die Anpassung und Implementierung der neuen Software noch irgendwie zu bewerkstelligen? Zu welchen Mehrkosten führen die Verzögerungen? 

FRAGE: Trifft es zu, dass die Haushaltspolitiker der rot-grün-roten Koalition darauf gedrungen haben, innerhalb des Haushalts- und Finanzausschusses ein Untergremium einzurichten, das die Software-Nutzung und -Wirkung steuert sowie laufend kontrolliert? 

Ganz ehrlich: Auf mich wirkt dieses Zusatz-Gremium wie die Vorstufe zu einem Regierungs-internen „Untersuchungsausschuss“. 

FRAGE: Gründet es auf Unwissen oder ist es einfach bloß politisch fahrlässig, dass ein für Hamburg möglicherweise passendes System „eingekauft“ wird, ohne (angeblich) die Detail-Umsetzung auf Bremer Bedürfnisse geklärt zu haben?

(Fast) am Ende noch ein brandheißes Thema, das erst „kurz vor ultimo“ bei mir platziert wurde.

FRAGE: Ist das neue Rechen- und Finanzsystem eigentlich „Länderfinanzausgleichs-tauglich“? 

Konkret: Wurde das Bundesfinanzministerium in Berlin in die Planungen einbezogen? 

Bekanntlich bindet der Stabilitätsrat des Bundes und der Länder die jährliche Überweisung von 400 Millionen Euro an exakt festgelegte Parameter.

Zum Schluss eine FRAGE meinerseits:

Wollte Dr. Andreas Bovenschulte mit dem „Durchprügeln“ der neuen Software Durchsetzungskraft beweisen, oder hat er vielleicht bloß ängstliches Krisenmanagement betrieben? 

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Liebe Leserschaft, ich weiß: Dieses Stück war bereits das dritte zu einem Software-/KI-Thema. Sorry. Das nächste hat nichts, aber rein gar nichts mit diesem neuen (aber sehr notwendigen) Gedöns zu tun. Darauf haben Sie mein Ehrenwort!