Klagemauer-Opposition reicht nicht – wie will die CDU für mehr Wähler attraktiv werden?

19.05.2026 10 Von Axel Schuller

„Der Senat Bovenschulte hat versagt. Er hätte…, muss…, soll….“ Diesen CDU-Analysen treffen sachlich häufig zu. ABER: Was schlägt die CDU statt dessen vor? Darüber erfahren Wähler (m/w/d) wenig bis nichts. Wie will die Union mit dieser Anklage-Politik in Bremen je an die Macht kommen? Bei der nächsten Bürgerschaftswahl am 30. Mai 2027 hat die Partei allenfalls eine theoretische „Machtoption“: unter der SPD mitzuregieren. Das war’s. Denn solange SPD, Grüne und Linke irgendwie eine noch so kleine Mehrheit zusammenkratzen können, wird die SPD nicht unter einer CDU-Bürgermeisterin mitarbeiten. Also, CDU: Wann präsentieren Sie Pläne, die eine deutlich größere Wählerschar überzeugen können? Motto: Wir meckern nicht, wir machen.

Themen gibt es zuhauf:

Dysfunktionale Verwaltung – auch ein Ergebnis des überzogenen Personalvertretungsgesetzes mit einer „Allzuständigkeit“ der Personalräte. Der Senat kann die Mitarbeitervertreter zwar nach (zeitaufwändigem und teurem) Schlichtungsverfahren überstimmen. Geschieht aber selten, weil die meisten Ressortchefs eine Dauerfehde mit den Personalvertretern scheuen. Man könnte es auch Feigheit nennen.

Vorschlag, Damen und Herren der CDU: Hearing abhalten mit Befürwortern und Gegnern des Bremischen Personalvertretungsgesetzes – daraus Ableitung eigener Vorschläge. Aber bitte, nicht vor Öffentlich Bediensteten in den eigenen Reihen kuschen.

Kernfrage an die Experten: 

Ist der ÖD in Bremen aufgrund der weitreichendsten Mitbestimmung tatsächlich effektiver, billiger und kundenfreundlicher als in anderen Ländern?

Und: Wie ist der gleichwohl deutlich höhere Krankenstand im ÖD als in der Privatwirtschaft zu erklären?

Die Rekommunalisierung von Müllabfuhr und Recyclinghöfen ist aus Bürgersicht misslungen.

Seit der neuen Rechtsform „Anstalt des öffentlichen Rechts“ arbeiten zwar etwa 50 Prozent mehr Menschen auf den Recyclinghöfen – bieten aber schlechtere Leistungen als früher (temporäre Schließungen) und belasten die Bürger und Bürgerinnen obendrein mit steigenden Gebühren. 

Trotz dieser aus Bürgersicht Negativ-Story wollen SPD, Linke mit Unterstützung der Grünen „hanseWasser“ ebenfalls rekommunalisieren. Einzige Triebfeder der rot-grün-roten Koalition: Neid. 

Neid auf die Gewinne der bisherigen Haupt-Eigentümer Gelsenwasser und swb. Die hatten den Laden 1999 hoch-defizitär übernommen und anschließend wirtschaftlich auf Vordermann gebracht. 

Das Endlos-Rote-Laterne-laufen der Bremer Bildungspolitik. Hier hat die CDU zwar erste Vorschläge unterbreitet: Jeder, der kein Deutsch kann, muss in eine Vorschulklasse. Leistung soll wieder unterstützt und gewürdigt werden. 

Was aber fehlt: Ein Gesamtkonzept Schule. Wie muss das System umgestaltet werden, um zukunfts-tauglich zu werden. Die in Bremen massiv betriebene Inklusion stößt häufig an ihre Grenzen. Man kann gar nicht so viele speziell geschulte Experten einstellen, um ständig alle Kinder gemeinsam im Klassenverband zu unterrichten. Wie wäre es, die geistig- und verhaltens-eingeschränkten Kinder in bestimmten Fächern aus den Klassen zu nehmen und an der jeweils selben Schule in Gruppen zusammenzufassen – und dort ausschließlich von Experten (m/w) unterrichten zu lassen?

Das würde diesen Kindern vermutlich mehr helfen. Und die anderen könnten „ungestörter“ lernen.

Noch ’nen Vorschlag: Die Union lädt zu einer Anhörung – inklusive Unternehmern wie Dr. Klaus Meier und Kurt Zech, um die Erfordernisse der Wirtschaft zu erfahren. Meier hatte vor 2 Jahren beim „Habenhauser Schaffermahl“ Ideen für eine Schule à la Skandinavien vorgeschlagen. 

Gesundheitspolitik: Die Gesundheitsbehörde hat aktuell vorrangig den Fortbestand der staatlichen GeNo im Blick – nebenbei gesagt: ein Milliarden-Grab. Was wird aus den freien, medizinisch und wirtschaftlich (noch) erfolgreichen Freien Kliniken? Besonders infolge der anstehenden Gesundheitsreform? Hat die Union mehr auf der Pfanne als: Die Klinik Links der Weser darf nicht  geschlossen werden?

Um den schleppenden Wohnungsbau gibt’s viel Gerede – leider ohne entsprechenden Output an neue Wohnungen. Wie kann man sich ernsthaft darüber streiten, ob Balkon-Austritte 2 Zentimeter hohe Schwellen haben dürfen oder nicht? Die verhindern das Reinlaufen von Wasser. Rollstuhlfahrer kennen in der Stadt bestimmt ganz andere Hindernisse.

Dazu passt die Haltestelle Domsheide. Dort streiten Baubehörde und Behindertenvertreter um die Verlagerung der Straßenbahnhaltestellen. Der Ex-Stadtplaner Bernhard Lieber hat einen Alternativplan vorgelegt. Nachfrage bei ihm: Hat sich die CDU-Opposition bei Ihnen mal danach erkundigt? „Nein.“ 

Sorry Leute, aber so viel Ignoranz sagt man gemeinhin eher einer Behörde nach. Eine aktive Opposition darf sich das aber nicht leisten. Jedenfalls nicht, wenn sie als Alternative zum regierenden Senat wahrgenommen werden will.

Bürokratieabbau: Wo kann/muss Personal reduziert werden? Wie lässt sich die Kernverwaltung schlanker organisieren? Beispiel: Muss jede Senatoren-Pressestellen mittlerweile jeweils 3 Mitarbeiter  beschäftigen?

Thema BSAG: Die arbeitet seit Jahren zu teuer. Wissen auch alle.  Anders als bei der ÜSTRA Hannover sperrt sich der Personalrat erfolgreich gegen jede Auslagerung von Tätigkeiten.

Parken: Bremen braucht ein anerkanntes Konzept für die Parkraumnutzung – und zwar aus Sicht aller Verkehrsteilnehmer. Dieses Thema hat aus meiner Sicht das Potenzial, wahl-entscheidend zu werden.

Sozialmissbrauch: Verweigerer und Unwillige gibt es nicht nur außerhalb Bremens. Sondern auch bei uns. Also: Die Zeit der Samthandschuhe ist vorbei. Wie lässt sich das durchsetzen? Ein Themenfeld, auf dem man vermutlich viele (neue) Wähler für sich gewinnen kann. Jedenfalls mehr als mit der Dauer-Klagemauer-Opposition.

Insgesamt interessiert die Wählerschaft:

Was will die CDU im Fall einer Regierungsübernahme eigentlich anders machen, um Bremen aus den Kalamitäten zu befreien? Hat die Union einen Plan? Insbesondere auch für das Stopfen des sich vergrößernden Finanzlochs?

Solange die Öffentlichkeit dies nicht erfährt, wird sie sich auf dem Wahlzettel nicht scharenweise für die CDU entscheiden.

Das leichte Plus der Union vom Wochenende (Civey-Umfrage für Bremen: CDU: 23,1%, SPD 22,2 %, AfD 19,5 %, Linke 14,5 % und Grüne 11,3 %) bedeutet, dass die SPD wegen der Mängel in der Stadt, aber insbesondere wegen ihrer Reform-Verweigerung im Bund Stimmen verliert. Die Union kann aber nicht entsprechend zulegen, weil, so meine These: Die Wähler (m/w) eigentlich nicht wissen, wofür die Bremer Union steht.

Sollte die Bremer CDU deutlich mehr Menschen mit eigenen Ideen, Vorschlägen und Plänen von sich überzeugen, würden sich ihr möglicherweise neue „Machtoptionen“ auftun

Eine geschrumpfte SPD könnte unter der CDU mitregieren, statt sich von den LINKEN vorführen zu lassen.

Oder: Die Grünen, die sich in Wahrheit mit ihrem Dauer-Koalitionspartner SPD zunehmend schwertun:. Wäre eine schwarz-grüne Mehrheit rechnerisch möglich, könnten sich vielleicht nicht nur Grüne  Berufspolitiker mit dem Gedanken anfreunden, die erschöpfte SPD in Erholungs-Kur zu schicken. Ob die vielen Fundis an der Grünen Parteibasis mitspielen würden, ist zugegebenermaßen ungewiss.

Und: Ob und welche Rolle die FDP künftig spielt – das weiß nicht mal die Wahrsagerin auf dem Freimarkt.

Die nächsten 12 Monate bleiben spannend.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Völlig anderes, aber aktuelles Thema: Die einsetzende Debatte über eine neue Straßenbahnbrücke über den Europahafen halte ich für eine „Totgeburt“. Die Bremer Milliardäre Kurt Zech und Dr. Klaus Meier stehen sich bei der Trassenführung der Straßenbahn im Hafen zwar kämpferisch gegenüber. Gleichwohl vermute ich, den Ausgang des Zweikampfs bereits zu kennen: Es wird keine Brücke über den Hafen gebaut. Denn das an der Konsul-Smidt-Straße benötigte Grundstück gehört (soviel wie ich weiß) Kurt Zech. Vllt kriegt Bremen ja doch noch die (übrigens von der CDU favorisierte) Seilbahn.