Gastkommentar: Kirchenmitglied durch Taufe, Austritt aber nur per Gericht
Den Kirchen gehen viele Mitglieder verloren; durch Tod und vermehrt durch Austritt. Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) schrumpfte zwischen 2022 und 2025 von 157.000 auf 145.000 zahlende Schäfchen. Den Katholiken geht es nicht besser. In Bremen gibt es noch 57.000 registrierte katholische Christen. Wirkt sich das auf kirchliche Sozialeinrichtungen wie Caritas und Diakonie aus? Philipp Möller, Vorsitzender des „Zentralrates der Konfessionsfreien e.V.“, meint im Gastkommentar: „NEIN!“ Ich vermute, der Text wird (erneut) eine rege Debatte auslösen. Das ist übrigens eines meiner Ziele, die ich mit Gastkommentaren verfolge: Menschen mögen bitte miteinander sprechen/schreiben, statt nur übereinander zu denken, ohne andere Meinungen wahrzunehmen.
Philipp Möller schreibt:
Das große Kirchenmärchen: Wer zahlt wirklich für Caritas und Diakonie?

„Es ist Gründonnerstag, kurz vor acht Uhr morgens, als mich NDR Info ans Telefon bittet. Das Thema: Kirchenaustritte. Die Frage dahinter: Bricht jetzt der Sozialstaat zusammen?
Denn so lautet das Narrativ, das seit Jahren hartnäckig verbreitet wird – in diesem Fall sogar vom öffentlich rechtlichen Rundfunk: Wenn die Menschen aus der Kirche austreten, dann würden die Kirchensteuereinnahmen sinken, und dann könnten Caritas und Diakonie ihre Arbeit nicht mehr finanzieren. Christlich geführte Krankenhäuser, Altenheime und Kitas würden dann schließen und der Sozialstaat zusammenbrechen.
Daran ist so ziemlich alles falsch.
Die Caritas-Legende
Caritas, Diakonie und Co. werden zu über 98 % aus Versicherungsbeiträgen und Geldern der öffentlichen Hand finanziert – nicht aus der Kirchensteuer. Würden morgen alle verbliebenen Kirchenmitglieder austreten, stünden Caritas und Diakonie mit 98,2 % ihres bisherigen Budgets da. Kirchensteuer und Caritas haben kaum etwas miteinander zu tun.
Aber das Narrativ hat noch zwei weitere Schwachstellen. Erstens sinken die Kirchensteuereinnahmen gar nicht; sie steigen sogar weiter an, weil sie als Annexsteuer mit den allgemeinen Steuereinnahmen zusammenhängen. Und zweitens verfügen die Kirchen über ein enormes Privatvermögen, angehäuft auch deshalb, weil sie als Körperschaften des öffentlichen Rechts von zahlreichen Steuern befreit sind. Von Insolvenz keine Spur.
Was die Kirchen tun: Sie managen Caritas und Diakonie. Sie bestimmen, wer dort arbeiten darf und unter welchen Bedingungen: Homosexuelle können entlassen werden, Wiederverheiratete riskieren ihren Job, weil kirchliche Träger vom Betriebsverfassungsgesetz und vom AGG ausgenommen sind. Bezahlt wird das Ganze von uns allen.
Caritas und Diakonie werden von den Kirchen geführt, aber von der Öffentlichkeit bezahlt – alles andere ist so legendär wie die Ostergeschichte der Auferstehung.
Babytaufe und Kirchensteuer
Wenn ein Baby getauft wird, gilt es religiös und steuerrechtlich als Katholik oder Protestant. Ich finde, es gibt keine religiösen Kinder, nur Kinder religiöser Eltern. Später zieht der Staat automatisch die Kirchensteuer ein. Wer austreten will, muss aktiv zum Amtsgericht – das ist das Gegenteil von säkular.
Gleichstellung als Einfallstor
Es gibt einen weiteren, oft übersehenen Grund, warum der Abbau von Kirchenprivilegien dringend ist: das Gleichstellungsgebot des Grundgesetzes. Was den Kirchen zusteht, steht allen anerkannten Religionsgemeinschaften zu – auch jenen, die die Errungenschaften der Aufklärung aktiv bekämpfen. Der Politische Islam, der von Antisemitismus über Scharia-Polizei bis zu Zwangsverschleierung reicht, fällt in Deutschland auf den fruchtbaren Boden eines Sonderrechtssystems, das seine Vertreter längst für sich einfordern. In Schleswig-Holstein schlossen die Kirchen dafür sogar ein Bündnis mit Ditib und Gemeinden der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş – um einen Gottesbezug in die Landesverfassung zu drängen. Wer Kirchenprivilegien zementiert, ebnet damit auch dem Politischen Islam den Weg.
Was sich ändern muss
Die Kirchensteuer wird laut Subventionsbericht der Bundesregierung im Jahr 2024 mit 4,6 Milliarden Euro aus allgemeinen Steuergeldern bezuschusst. Hinzu kommen 666 Millionen Euro direkte Staatsleistungen – das muss sich ändern.
Für den Sozialstaat gibt es längst Alternativen: Arbeiterwohlfahrt, Deutsches Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband. Sie alle finanzieren sich ebenso aus öffentlichen Mitteln, müssen sich aber an das deutsche Arbeitsrecht halten.
48 % der Menschen in Deutschland sind heute konfessionsfrei. Für 81 % hat Religion keine oder nur eine geringe Bedeutung – laut EKD. Und auf die Frage, ob sie heute noch einmal in die Kirche eintreten würden, antworten 53 % mit Nein.
Die Zeiten, in denen die Menschen in Deutschland entweder katholisch oder evangelisch waren, sind längst vorbei. Es gibt zwar immer mehr Religionen, aber immer weniger Religiöse. Um das grundgesetzliche Gleichstellungsgebot aller Weltanschauungsgemeinschaften zu achten, muss der Staat die alten Kirchenprivilegien abbauen. Nur so wird der Artikel 140 des Grundgesetzes angewandt, nachdem auch Religionen „innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze” agieren müssen. Das ist der säkulare Kern, der Deutschland von einem Gottesstaat unterscheidet. Die Mehrheit der Bevölkerung will nicht länger in einer Kirchenrepublik leben, aber die Politik hinkt um Jahrzehnte hinterher. Das ist gefährlich für die Demokratie und muss dringend geändert werden.“
Gastkommentar ENDE
Liebe Leserschaft, soweit Philipp Möller, Vorsitzender des „Zentralrates der Konfessionsfreien“. Unter dessen Dach haben sich 18 Vereine, Verbände und Stiftungen mit etwa 25.000 Mitgliedern zusammengeschlossen. Ich freue mich auf eine lebhafte – und wie immer – sachliche, argumentative Debatte.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Schauen Sie an den nächsten Tagen ruhig ab und zu auf bremensogesehen vorbei. Ich habe das eine oder andere, was eigentlich mal „vom Hof“ muss. Dafür möchte ich nicht jedesmal einen Ankündigung-Newsletter schicken, sonst befördert mich Ihr Provider womöglich noch in den Spam-Ordner. Das wäre ja nun echt schade…
ALLE Wohlfahrtsverbände, also auch die Kirchen, haben die gleichen Finanzierungsvoraussetzungen. Immer da, wo der Staat die Sozialen Leistungen nicht selbst erbringen will, gibt es staatliche Förderung für alle, die über qualifiziertes Personal und ein überzeugendes Konzept für die Erbringung der Leistungen, verfügen bzw. diese nachweislich bereit stellen. Also: KITAS, Pflege, Kliniken, alle Arten von Fürsorgeeinrichtungen. Das ist nicht neu. Alle Wohlfahrtsverbände dürfen keinen Gewinn machen, sie müssen Überschüsse erneut in soziale Leistungen investieren. Das ist ein wichtiger Unterschied zu privaten Anbietern.
Ein wichtiger Aspekt ist aber die Anregung zur Diskussion über die Entscheidung der Eltern ihre Kinder taufen zu lassen und die sich daraus ableitende Annahme der Mitgliedschaft. Dies allein verpflichtet diese Kinder viele Jahre später zur Entrichtung der Kirchensteuer. Warum muss man sich eigentlich für einen Kirchenaustritt nicht nur beim jeweils zuständigen Finanzamt melden? Das zieht ja auch die Kirchensteuer ein! Und warum zieht eigentlich der Staat meinen Mitgliedsbeitrag für die Kirche ein, auch wenn dieser Staat das dann Steuern nennt? Diese spannenden Fragen stellt Herr Möller leider nicht. Ich hoffe, es entwickelt sich keine neue Neiddebatte auf bremensogesehen. Das ist und bleibt mein Lieblingsblog. Danke an AS und fröhliche Ostergrüße an alle. Ein schöner, übrigens kirchlicher Brauch. Und freie Tage gibt es auch noch!
Es gibt wohl keinen gottverlasseneren Ort als die Amtskirchen. Die Kirche ist für mich vor allem „der Erfinder“ des managementgeführten Konzerns. Dieser Konzern gehört sich selbst, und die Kontrolle haben die Manager (die Pfaffen). Ich würde auch die uns beherrschende Technokratie ideengeschichtlich darauf zurückführen. Dieser Konzern kontrolliert allein in Deutschland weit mehr als tausend Unternehmen.
In zweiter Linie gehören die Kirchen zu den ehemaligen Feudalherren. „Halte du sie dumm, ich halte sie arm“, sagte der Fürst zum Bischof. Und weil das noch heute gelingt, können sie auch unverblümt darüber reden, dass sie die guten Hirten sind. Also die Typen und ihre Hunde – den Schafen das Fell rauben, wenn es noch kalt ist, und zu Ostern und neuerdings zum Zuckerfest einige von uns an den Schlachter verkaufen und sowieso an die Hunde verfüttern.
Aber nicht alles an der Kirche ist schlecht. Mit der Idee des Zölibats im 17. Jahrhundert haben sie die Degeneration von Führungskräften durch Vererbung durchbrochen und eine leistungsorientierte Hierarchie etabliert, die der Organisation das langfristige Überleben ermöglicht. Das gilt natürlich nicht für die Evangelischen; da gibt es inzwischen eine unübersichtliche Zahl von Splittergruppen. Diese setzen alle auf Spiritualität – außer natürlich die Amtsevangelischen; da gibt es vor allem soziales Geschwurbel, aber in Wirklichkeit ist das ab der zweiten Ebene auch nur Business. „Du sollst nicht lügen“ nehmen die also auch nicht so ernst.
„Es gibt zwar immer mehr Religionen, aber immer weniger Religiöse.“ Ich finde diese Aussage irgendwie merkwürdig.
Was heißt eigentlich Religion? – „Gottesfurcht“, „Verehrung des Heiligen“ oder „kultische Pflicht“. Wahrscheinlich ist das der falsche Begriff. Es gibt wohl immer weniger Religiöse, aber der Bedarf an Spiritualität ist wohl konstant; er findet jedoch erlebbarere Formen.
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Ich stimme Herrn Möller in fast allen Punkten zu.
Als wehrloses Kleinkind werden viele von uns getauft und von den Eltern praktisch in eine der beiden Kirchen hineingezwungen. Wie damals bei mir, folgt dann oft der Austritt wenn das Finanzamt, eigenmächtig und ohne Vorwarnung, die Kirchensteuer vom ersten selbst verdienten Lehrgeld abzieht.
Wenn die Kirchen sich selber finanzieren würde, warum nicht. Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften sind ja im Prinzip wie ein Verein. In Vereinen, Verbänden pp. werde Beiträge eigenständig eingezogen. Dass die Steuerzahler, also auch alle anderen arbeitenden Menschen, für den Einzug von Kirchensteuern, über unser Finanzamt, aufkommen müssen ist inakzeptabel.
Der Staat sollte gegenüber allen Religionsgemeinschaften, auch der katholischen und evangelischen Kirche absolut neutral sein.
Religion und Staat müssen endlich komplett getrennt werden und es muss klar sein, dass Religion reine Privatsache ist.
Lieber Axel Schuller,
ich bin überrascht und erfreut über diesen Gastkommentar! Herrn Möller verfolge ich seit einigen Jahren und stimme seinen Punkten in der Regel voll zu.
Ich erinnere mich gut an meine Verärgerung über einen Gottesdienst zur Einschulung an einer staatlichen Grundschule, der in seinem Aufbau darauf ausgelegt war, dass die Eingeschulten sich kaum entziehen konnten.
„Aber der Pastor hat das doch so schön kindgerecht gemacht!“, sagte eine Freundin. Mag sein, finde ich aber deswegen nicht weniger unpassend. Ich behaupte: Das sagte sie nur, weil der Gott, der dort verehrt wurde, (zufällig) auch ihr Gott ist. Das hätte sicherlich anders ausgesehen, wäre sie z.B. eine Muslima oder der Pastor ein Prediger der Scientology.
Jeder soll glauben woran er möchte. Konfessionsbildung hat in von der Öffentlichen Hand getragenen Einrichtungen jedoch nichts verloren.
Das gilt auch für den Religionsunterricht (in der Grundschule ohne adäquate Alternative): Ich finde es nicht angemessen, vier Jahre lang die Bibel in all ihren Facetten zu behandeln. Eine Erwähnung der, geschweige denn eine (kritische) Auseinandersetzung, mit den “großen Schriften“ sucht man derweil vergebens.
Vergessen wurden die Ewigkeitszahlungen! 600 Mio! https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsleistungen
Anzunehmen, dass im einem christlich geführten Krankenhaus eine andere ökonomische Prämisse herrschen würde als in nicht-christlich geführten Häusern, da Gewinne wieder sozialen Projekten zugeführt werden müssten, wie Brigitte Dreyer meint, passt besser ins Märchenbuch als in diesen Blog. Denn grau ist alle Theorie.
In den vergangenen sieben Monaten war ich in stationärer und in kurzen Zwischenspielen auch ambulanter Patient sowohl in christlichen, städtischen und privaten Einrichtungen. Und jede Rechnung ist durch meine Hände gelaufen. Und abgesehen davon, dass ‚kleine Irrtümer‘ bei der Leistungsauflistung immer mal vorkommen, wird spätestena da deutlich, dass es sich in dieser Branche ausschließlich um Wirtschaftsunternehmen handelt, bei denen der ökonomische Erfolg über dem medizinischen und erst recht über dem ethisch-moralischen steht. Und die Aussage, dass Gewinne aus christlich-sozialen Einrichtungen in eben solche abfließen müssen … klassisch richtig in politikorientierter Argumentation, wissend aber nicht erwähnend, dass Gewinne viel früher als andere Buchungspositionen abfließen. Was sollen also solche Scheinargumentationen?
Nebelbomben werfen? Die Kernaussage des Blogs bleibt uneingeschränkt richtig. Ohne wenn, ohne aber.
Falls meine Erinnerung richtig ist, hat Pius XII als Nuntius in Berlin die Judenmorde nicht verbalisiert, um das Konkordat und damit die Kirchensteuer, zu erhalten. Weitgehend unbekannt ist, dass, wenn ein Ehepartner Moslem ist und Geld verdient, er für den christlichen Partner ohne Einkommen bei gemeinsamer Veranlagung Kirchensteuer für einen fremden Glauben bezahlen muss. Genauso unzulässig erscheinen mir die unbezahlten christlichen Werbesendungen der ARD zur besten Sendezeit. Es gibt lt. Liste z.B. einen eigenen katholischen Sender, den jeder Katholik empfangen kann. Es geht also auch anders. Warum dann Zwangsfinanzierung der Übertragung der christlichen Gottesdienste auch über die Gebühren der Konfessionsfreien, bzw. der Angehörigen anderer Religionen? Könnte das, bei der hohen Zahl der Zuwanderer anderer Religionen, evtl. negative Reaktionen im Einzelfall erklären?
Kürzlich fand übrigens der erste Parlamentarische Abend für säkulare Politik statt. Die Eröffnungsrede von Herrn Möller (14 Minuten) ist empfehlenswert und kann hier angeschaut werden: https://youtu.be/R5mJp8SOTjo?is=WT–qfQvBxTbl76b
Ich fordere schon seit langem einen Button auf den Webseiten der Amtskirchen mit Aufschrift und Funktion „Kirchenaustritt“. Es handelt sich um ein monatliches Abo auf eine Mitgliedschaft in einer Amtskirche. Bei Zeitungs- und sonstigen Abos hat der Gesetzgeber vor einigen Jahren solche Kündiungsmöglichkeiten verpflichtend vorgeschrieben.
Herr Möller hat in vielem Recht. Das ist allerdings alles nicht neu, sondern seit vielen Jahren dokumentiert und nachlesbar. Die Kirche hat früher aber viel mehr Macht als heute über die öffentliche Meinung und konnte den Diskurs verhindern.
Ich bin übrigens mit knapp 17 Anfang 1974 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Damals wie heute wurde monatlich eine Liste der Kirchenaustritte an die Gemeinden geschickt. Die landeten dann beim Pfarrer und im Gemeinderat. Letzterem sass mein Vater vor. Man kann sich denken, was das 1974 ausgelöst hat.
Was u.a. fehlt: Es gibt nicht nur die Kirchensteuer, sondern auch das Kirchgeld, das die Kirche von Ehepartnern einziehen darf, die selbst nicht kirchensteuerpflichtig sind. Dazu nimmt man das Familieneinkommen, teilt es durch zwei, zieht das Einkommen der Frau ab und erhebt auf die Differenz (so vorhanden) das sog. Kirchgeld. Höchstrichterlich sanktioniert, ich musste es viele Jahre zahlen.
Lieber Herr Schuller,
bei aller Wertschätzung für Ihre Arbeit halte ich diesen Gastkommentar – gerade am Ostersonntag – für ziemlich geschmacklos. Auf die teils sehr schrägen Argumentationslinien möchte ich daher gar nicht weiter eingehen.
Es ist allgemein bekannt, dass die Sozialeinrichtungen der Kirchen wie andere Einrichtungen auch finanziert werden. Eine Ausnahme bilden leider die Schulen, zumindest in diesem kommunistischen Bundesland Bremen. Dort werden die katholischen und evangelischen Schulen , also die Schulen in freier Trägerschaft benachteiligt. Man könnte auch sagen, diskriminiert.
Umso bemerkenswerter finde ich, dass insbesondere die katholische Kirche erhebliche Mittel für die Ausbildung auch nichtchristlicher oder evangelischer Kinder aufbringt.
Im Übrigen empfinde ich die hier geführte Debatte als ziemlich schräg, dekadent und typisch westdeutsch. Ich selbst bin als Atheist aufgewachsen und habe mich mit 20 Jahren taufen lassen. Es waren die katholische und die evangelische Kirche, die mir als jungem Menschen Hoffnung gegeben haben. Hoffnung darauf, dass es gegen den gottlosen Kommunismus eine Perspektive gibt.
Papst Johannes Paul II. hat den Menschen in Osteuropa Mut gemacht mit den Worten: „Fürchtet euch nicht.“ Wir haben sie besiegt. Und in der DDR war es die evangelische Kirche, die Menschen wie mir Schutz geboten und geholfen hat.
Ich zahle meine Kirchensteuer daher bewusst und gerne. Und meine Kinder sollen selbst entscheiden, ob und welche Religion sie ausüben möchten.
Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Noch eine Ergänzung: Als meine Eltern (Vater katholisch, Mutter evangelisch) heirateten, war das eine „Mischehe“, die nur zulässig wurde, wenn eine katholische Erziehung für die Kinder obligatorisch war. Ich stapfte als Kind also im tiefen Winter von Spitzkunnersdorf nach Leutersdorf durch die Kälte über die verschneiten Felder, um beim dortigen Pastor Katechismus-Unterricht zu bekommen. Noch heute leide ich unter den Folgen.
@Heiko Strohmann: „in diesem kommunistischen Bundesland Bremen“? Echt jetzt?
Im übrigen berichtet gerade Monitor über die jährlichen Kirchenaustritte in beiden Kirchen. Und „buten und binnen“ bringt am Ostermontag eine Sondersendung aus der Strassenbahn zum Thema „Was wir glauben“.
Dass Sie das Thema als Zumutung empfinden (wie viele Kommentatoren unter dem Monitor-Beitrag auf Facebook) ist schon erstaunlich, reiht sich aber ein die „Zumutung“, sich mit jahrzehnte- oder jahrhundertelangem sexuellen Missbrauch auseinanderzusetzen (übrigens der Grund für meinen Austritt mit 17 im Jahre 1974).
Es wäre besser, sich der Wahrheit zu stellen.
Da hat er doch ziemlich Recht. Abbau von Privilegien ist besser als die zunehmende Privilegierung anderer Religionen.
Moin, ich möchte einen Punkt in dem Text ansprechen, der eine ungaubliche Entgleisung bedeutet und vor dem Hintergrund einer solchen Denke eine faktenbasierte kritische Diskussion per se ad absurdum führt. Wer wie der Autor so über den politischen Islam herzieht will keine differenzierten Blicke, sondern plappert propagandistischen Unfug. DAS Entwertet die restlichen Aussagen auch da wo sie teilweise zutreffend. Im übrigen ist das alles nichts Neues
Neu allenfalls, das darüber kaum berichtet wird und dieses hat den schlichten Grund: es ist Systemimmanent und der politischen Klasse durchaus bewusst!
Lieber Her Schuller,
Ihr Beitrag, bzw. der Beitrag des Herrn Möller, provoziert Widerspruch, und das war – so schreiben Sie es – Ihre Absicht. Dies tue ich hiermit gern.
Die Kernthese des Herrn Möller lautet im Grunde, dass unsere Demokratie keine Religion brauche.
Der direkte Kontrapunkt dazu ist der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa, der ein Buch mit dem Titel geschrieben hat „Demokratie braucht Religion“. Als Soziologe – wohlgemerkt gerade nicht als Theologe, dem der nicht geneigte Leser schnell den Vorwurf machen könnte, sowieso nur „pro domo“ zu sprechen, also zur Verteidigung seiner eigenen Institution – als Soziologe also beschreibt Hartmut Rosa unsere Gesellschaft als eine des „rasenden Stillstands“, in der „sie immer mehr Energie aufbringen muss, um das Bestehende zu erhalten“, die die „gegebenen Versprechen nicht einhalten“ könne und die „den Sinn für die Vorwärtsbewegung verloren“ habe. Damit sei unsere Gesellschaft „in ernsthafter Krise“. Er macht deutlich, dass „es in dieser Gesellschaft massiv am hörenden Herzen mangelt, in politischer Hinsicht und in allen möglichen anderen Hinsichten auch“, und dass „wir religiöser Einrichtungen, Praktiken, Gedankengebäude, Überzeugungen, Riten bedürfen, um da herauszufinden“. Hartmut Rosa zitiert Max Weber, der „die intellektuelle Redlichkeit einfordert, erst einmal zu hören, dass es da auf der anderen Seite vielleicht auch Argumente gibt, die mich vielleicht sogar etwas angehen, die mir etwas zu sagen haben“. Der „republikanische Gedanke von Demokratie ist, dass durch dieses wechselseitige Erreichen wechselseitig Transformation stattfindet“ und verweist damit auf den von Hannah Arendt geprägten Begriff der „Natalität“.
Und an dieser Stelle stellt Rosa die These auf, dass es insbesondere die Kirchen sind, die „über ein kognitives Reservoir verfügen, über Riten und Praktiken, über Räume, in denen ein hörendes Herz eingeübt wird und auch erfahren werden kann.“ Denn dadurch entstehe das, was Hartmut Rosa als „Resonanz“ bezeichnet, „welche, indem ich mich angesprochen fühle und darauf antworte, die Erfahrung der Selbstwirksamkeit erzeugt.“ Und weiter: „Da, wo Resonanz zustande kommt, verwandle ich mich“, dann gäbe es Transformation und Lebendigkeit. Und gerade dadurch, dass man sich Religion und Kirche „nicht verfügbar machen“ könne, finde der „Aggressionsmodus“ des rasenden Stillstands kein Ziel und öffne damit den Raum für Transformation. Der entscheidende Punkt sei, dass „das gesamte religiöse Denken, die ganze Tradition, die besten religiösen Deutungen auf die Idee uns Vergegenwärtigung von Resonanzverhältnissen hin angelegt“ seien. Er führt aus: „Daraus gewinnt auch die Religion per se ihre große Kraft; daraus nämlich, dass sie eine Art vertikales Resonanzversprechen gibt, dass sie sagt: Am Grund meiner Existenz liegt nicht das schweigende, kalte, feindliche oder gleichgültige Universum, sondern eine Antwortbeziehung.“ Und er kommt zu dem Schluss: „Wenn eine Gesellschaft das verliert, wenn sie diese Form der Beziehungsmöglichkeit vergisst, dann ist sie endgültig erledigt“. Und damit beantwortet er die Frage, ob „die heutige Gesellschaft noch der Kirche oder der Religion bedarf, mit einem eindeutigen JA.“ Soweit die Antwort eines Soziologen zur Frage der Bedeutung von Kirche und Religion heute.
Herr Möller postuliert nun, dass die Kirchen nur noch das Management von Sozialeinrichtungen übernähmen, die von uns allen finanziert würden. Warum werden sie dann trotzdem als Institutionen gesucht? Vielleicht deshalb, weil Sie mit der religiösen Bindung das von Hartmut Rosa zitierte Verspechen der Resonanz einlösen?
Weiter beklagt er, dass Babys durch die Taufe von ihren Eltern in eine Institution gezwungen würden, aus der sie sich nur vor dem Amtsgericht lösen könnten. Vielleicht hat er übersehen, dass es bereits auf dem Weg zum Erwachsenwerden Institutionen wie die Konfirmation oder die Firmung gibt, bei denen sich die Jugendlichen für oder gegen das Weitergehen des Weges entscheiden können. Es gibt Beispiele, dass Jugendliche sich dagegen entscheiden, aber auch solche, wo Jugendliche – auch aus agnostischen oder atheistischen Elternhäusern – sich bewusst für den Glauben und die Kirche entscheiden. Die Zahl der Erwachsenentaufen nimmt zu. Auch dies ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass Kirche und Religion ihren Sinn in unserer Gesellschaft nicht verloren haben.
Ich wurde in eine streng katholische Familie hineingeboren.
Kindergarten, Vor- und Grundschule waren die „katholische“ Hölle.
Um 5.00h vor der Schule als Kind aufstehen, um den 6.00h Gottesdienst (z.B. Maria Lichtmess 02.02.) gezwungenermaßen mitfeiern zu können.
Dann wurde ich zum Katechismus Unterricht gezwungen.
Danach kam das Katholische Gymnasium Carolinum (Elite bzw. Vorstufe zur Priester Ausbildung) in Osnabrück, ein reines Jungengymnasium.
Das Priester Kolleg ist da heute noch direkt nebenan
in Kloster Oesede (da gab es ein Franziskaner Kloster), wo ich aufgewachsen bin), brauchte man dann plötzlich Erweiterungsfläche für einen Kindergarten Neubau.
Der Gemeinderat hat sich für den „Kloster Garten“ entschieden
als die Baggerarbeiten begannen, hat man etliche Skelett Gerippe von Säuglingen auf dem Gelände ausgegraben.
Für mich war das unfassbar!!!
Ich bin da so oft hin gepilgert als Heranwachsender und habe die Kinder um Verzeihung gebeten.(stellvertretend für die, die gesündigt haben).
Ich konnte mich dann ja an die Uni. nach Göttingen und danach an die TiHo in Hannover absentieren.
Gott sei Dank!!!
Als dann aber der Missbrauchs Skandal in der Katholischen Kirche bekannt wurde, habe ich meinen „Glauben“ verloren.
Ich habe für mich persönlich alle Konsequenzen gezogen und werde nie wieder Mitglied in einer dieser „widerlichen“ Glaubensorganisationen.
Nie wieder….
@Heiko Strohmann:
Sie zäumen das Pferd von hinten auf.
denken Sie mal darüber nach….
@Heiko Strohmann Ihre Denkrichtung muss man wohl politisches Christentum nennen. Leider besteht die Doktrin der Christen aus weit mehr als den 10 Geboten und dem, was Jesus angeblich gesagt hat – und genau da fangen die Probleme an. Das ist alles auf Augenhöhe mit den Islamisten, wenn nicht sogar schlimmer, weil ihr im Bund am Ruder seid und 90 % aller deutschen Probleme verursacht habt. Analog zum politischen Islam werden die vorgeblichen Grundwerte pervertiert.
Da muss man gar nicht weit gucken. Wir haben da in Bremen drei bemerkenswerte Fälle:
Thomas Röwekamp, evangelischer Hobbyfunktionär und meiner Meinung nach Kriegslobbyist,
Andreas Hamburg, Pastor und Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche, der sich für Waffenlieferungen an die Ukraine einsetzt, sowie Maria Esfandiari, Präses der Bremischen Evangelischen Kirche. Sie ist 2022 konvertiert und seit 2025 die Chefin. Das scheint mir eine sehr funktionale Beziehung zum Glauben zu sein. Ihr Wikipedia-Eintrag ist schon interessant – hoffen wir ein wenig, dass Wikipedia auch dort lügt.
Der „Zentralrat der Konfessionsfreien“ (Bund für Geistesfreiheit etc.) – Lobbyorganisationen für Selbstverständlichkeiten? Das ist ja selbst ein Symptom für schwere Missstände in der Berliner Republik. Was machen die denn, wenn das Ziel erreicht ist? Suchen sie sich dann wie die Homosexuellen-Lobbyorganisationen neue Ziele und neue Sponsoren?
Demokratie besteht nicht darin, organisierte Partikularinteressen auszuhandeln und Geld abzugreifen, sondern darin, dass sich die Interessen der Mehrheit durchsetzen. Davon sind wir allerdings weit entfernt.
Deutschland ist weder wirklich säkular noch demokratisch, und das kann man auch leicht untermauern. Die BRD zieht die Mitgliedsbeiträge der beiden Staatskirchen ein und zahlt große „Entschädigungen“ bzw. Subventionen an diese Organisationen. Außerdem gewährt der Staat den Kirchen das Recht, seine Gesetze zu ignorieren. Das ist zweifellos eine enge Verflechtung von Staat und diesen Unternehmen. Diese Privilegien suspendieren den Rechtsstaat – man schafft das besser heute als morgen ab. Denn ohne Rechtsstaat keine Demokratie.
Aber das politische Christentum macht lieber gemeinsame Sache mit Islamisten, als die Privilegien kampflos aufzugeben.
Religion hat nichts mit Glauben zu tun
Sehr geehrter Herr Möller, lieber Herr Schuller, werte Mitdiskutierende,
ich habe den Gastkommentar von Herrn Möller mit großem Interesse gelesen. Die Debatte um Kirchenprivilegien, Kirchensteuern und die Finanzierung von Caritas und Diakonie ist wichtig und längst überfällig. Als jemand, der selbst tiefgreifende Erfahrungen mit einer hochgradig strukturierten und vereinnahmenden Religionsgemeinschaft gemacht hat, möchte ich diese Diskussion gerne um eine persönliche und theologische Perspektive erweitern.
Mein Fazit vorweg: Wir müssen dringend anfangen, zwischen Religion und Glauben zu unterscheiden. Das ist keine Kleinigkeit. Es ist eine Unterscheidung, die über das Schicksal von Menschen entscheidet. Und es ist eine Unterscheidung, die in der aktuellen Debatte über Kirchenprivilegien, Kirchensteuer und staatliche Förderung fast vollständig fehlt.
Die Finanzierung des Systems Kirche – Fakten statt Mythen
Herr Möller spricht in seinem Artikel völlig zu Recht das „große Kirchenmärchen“ rund um Caritas und Diakonie an. Die Fakten in Bezug auf die Finanzierung der sozialen Arbeiten der Amtskirche sind wahr und lassen sich belegen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass diese Wohlfahrtsverbände zu rund 98 Prozent aus Versicherungsbeiträgen und Geldern der öffentlichen Hand finanziert werden. Der kirchliche Eigenanteil aus der Kirchensteuer liegt bei verschwindend geringen rund 1,8 bis 2,2 Prozent.
Würden morgen alle verbliebenen Kirchenmitglieder aus der Kirche austreten, stünden Caritas und Diakonie mit rund 98 Prozent ihres bisherigen Budgets da. Kirchensteuer und soziale Arbeit haben kaum etwas miteinander zu tun. Das Narrativ, der Sozialstaat breche zusammen, wenn die Kirchen Mitglieder verlieren, ist schlicht falsch. Es ist eine Erzählung, die seit Jahren hartnäckig gepflegt wird – und die Herr Möller zu Recht demontiert.
Doch die finanzielle Verflechtung von Staat und Kirche geht noch viel tiefer, als es auf den ersten Blick erscheint. Wir als Steuerzahler – egal, ob wir gläubig sind oder nicht, egal, ob wir einer Kirche angehören oder nicht – bezahlen das System Kirche. Das beginnt bei der Kirchensteuer, die als Sonderausgabe steuerlich absetzbar ist. Diese Absetzbarkeit kostet den Staat jährlich rund 4,6 Milliarden Euro an entgangenen Steuereinnahmen. Das heißt: Auch Konfessionsfreie subventionieren indirekt über den Staatshaushalt die Kirchensteuer der Kirchenmitglieder.
Wer bezahlt die Bischöfe?
Viele Menschen wissen nicht, wie die Gehälter der Bischöfe in Deutschland finanziert werden. Die Bischöfe stehen zwar nicht direkt auf den Gehaltslisten der Bundesländer, aber die Verbindung zum Steuerzahler ist trotzdem eng. Die Bistümer erhalten sogenannte Staatsleistungen – historische Dotationen, die auf den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 zurückgehen. Damals enteigneten die deutschen Fürsten kirchliches Vermögen und verpflichteten sich im Gegenzug, die Seelsorger zu finanzieren. Diese Verpflichtung wurde in Konkordaten festgeschrieben und bis heute nicht abgelöst.
Aus diesen Staatsleistungen speisen sich die Bistumshaushalte, und aus diesen Haushalten werden die Bischofsgehälter bezahlt. Ein Erzbischof in Nordrhein-Westfalen kann bis zu 13.700 Euro monatlich verdienen, in Rheinland-Pfalz sind es rund 11.200 Euro, in Bayern zwischen 10.000 und 13.000 Euro. Die Besoldung orientiert sich an der Beamtenbesoldungsordnung B – der Besoldungsstufe für leitende Positionen des höheren Verwaltungsdienstes. Bis 2012 wurden die bayerischen Erzbischöfe sogar direkt vom Freistaat bezahlt.
Die direkten Staatsleistungen an die Kirchen belaufen sich im Jahr 2026 auf den Rekordwert von 666 Millionen Euro – Tendenz steigend, trotz sinkender Mitgliederzahlen. Das Grundgesetz schreibt in Artikel 140 in Verbindung mit Artikel 138 der Weimarer Reichsverfassung die Ablösung dieser Leistungen sogar als Verfassungsauftrag vor. Passiert ist seit über 100 Jahren: nichts.
Sakralgebäude: Ein Stück unserer Identität
Es wäre jedoch falsch und ungerecht, alle staatlichen Zuwendungen an die Kirchen in einen Topf zu werfen. Es gibt einen Bereich, in dem staatliche Gelder für kirchliche Zwecke ihre volle Berechtigung haben: die Erhaltung unserer Sakralgebäude. Kirchen, Dome, Kapellen und Klöster sind ein unverzichtbares Stück unserer kulturellen Identität und Geschichte – und das gilt unabhängig davon, ob man gläubig ist oder nicht.
Diese Bauwerke sind Zeugen unserer Geschichte, Meisterwerke der Architektur und Anker unserer kollektiven Erinnerung. Der Kölner Dom, der Freiburger Münster, die Wieskirche in Bayern – sie gehören zum kulturellen Erbe der gesamten Gesellschaft. Es ist daher völlig legitim, dass der Staat über die Denkmalpflege Millionenbeträge in den Erhalt dieser Bauwerke investiert. Der Bund hat 2026 allein 35 Millionen Euro für 140 Denkmäler und historische Orgeln bereitgestellt. Diese Förderung ist keine Kirchensubvention im eigentlichen Sinne – sie ist Kulturförderung im Interesse aller Bürger.
Das Gleichstellungsgebot und seine unerwünschten Folgen: Die Zeugen Jehovas
Herr Möller weist in seinem Kommentar auf einen oft übersehenen Aspekt hin: das Gleichstellungsgebot des Grundgesetzes. Was den Kirchen zusteht, steht allen anerkannten Religionsgemeinschaften zu. Das klingt zunächst fair und gerecht. In der Praxis führt es jedoch zu Situationen, die nachdenklich stimmen müssen.
Ein besonders eindrückliches Beispiel sind die Zeugen Jehovas. In einem über 26 Jahre dauernden Rechtsstreit haben sie sich in Deutschland den Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) erstritten. Dieser Status bringt erhebliche Privilegien mit sich: weitreichende Steuerbefreiungen, öffentlich-rechtliche Stellung und Rechtsfähigkeit. Das Institut für Weltanschauungsrecht (ifw) kommt in einer Abhandlung aus dem Jahr 2022 zu dem Schluss, dass die Zeugen Jehovas im Anerkennungsverfahren „falsche oder beschönigende Angaben gemacht“ haben und der K.d.ö.R.-Status deshalb rückgängig gemacht werden müsse. Das Oberverwaltungsgericht Berlin hatte 2005 in dem entscheidenden Urteil keine Zeugen vernommen, keine unabhängigen Gutachten eingeholt und die Selbstdarstellung der Organisation ungeprüft als Beweismittel zugelassen.
Das Paradoxe daran ist nicht zu übersehen: Die Zeugen Jehovas genießen alle Vorteile und Privilegien des Staates, lehnen diesen Staat aber gleichzeitig kategorisch ab. Sie verbieten ihren Mitgliedern die Teilnahme an Wahlen und an politischen Parteien. Sie verweigern den Militärdienst. Sie schotten sich gesellschaftlich ab und betreiben eine aggressive Entfremdung von Gesellschaft und Staat – wie das Landgericht Hamburg in einem Urteil vom November 2020 ausdrücklich feststellte. Eine Organisation, die den Staat ablehnt, aber seine Privilegien in Anspruch nimmt: Das ist ein Widerspruch, der einer demokratischen Gesellschaft nicht gleichgültig sein sollte.
Paralleljustiz: Ein Rechtssystem im Schatten des Staates
Ich weiß, wovon ich spreche. Ich wurde 1966 in Kärnten als drittes Kind einer Bergbauernfamilie in die Sekte der Zeugen Jehovas hineingeboren. Mit 14 Jahren ließ ich mich taufen, mit 22 Jahren verließ ich die Organisation. In meinem Buch „Liebe, Glaube, Freiheit – Mein Leben mit den Zeugen Jehovas“ beschreibe ich detailliert, wie diese Organisation wirklich funktioniert. Es ist ein System, das auf Angst, Kontrolle und Ausbeutung basiert.
Besonders erschütternd ist die interne Paralleljustiz. Die Zeugen Jehovas unterhalten ein eigenes Rechtssystem in Form von sogenannten „Rechtskomitees“ – drei Älteste, die über das Schicksal von Mitgliedern entscheiden. Dieses System entzieht sich jeder staatlichen Kontrolle. Willkür, Ungerechtigkeit und Parteilichkeit sind an der Tagesordnung. Es kommt zu der perversen Situation, dass Opfer von Straftaten – insbesondere von sexuellem Kindesmissbrauch – mundtot gemacht, zu Tätern stilisiert und aus der Gemeinschaft verstoßen werden, während die wahren Täter geschützt in den Reihen der Versammlung verbleiben.
Das Instrument dafür ist die berüchtigte „Zwei-Zeugen-Regel“. Sie besagt, dass ein Täter geständig sein muss oder mindestens zwei Zeugen die Tat bestätigen müssen. Da sexueller Missbrauch naturgemäß ohne Zeugen stattfindet, läuft diese Regel in der Praxis auf systematischen Täterschutz hinaus. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat diese Problematik in mehreren Werkstattgesprächen dokumentiert. Die britische Regierungskommission IICSA kommt in ihrem Bericht von September 2021 zu dem Schluss: „Die Zwei-Zeugen-Regel ist keine angemessene Reaktion auf sexuellen Missbrauch von Kindern. Sie dient dem Schutz des Täters.“ Familien, die sich weigern, die Sache auf sich beruhen zu lassen, werden mit dem Ausschluss aus der Gemeinschaft bedroht.
Nicht umsonst dürfen Zeugen Jehovas in der Schweiz mittlerweile offiziell als „Mobbing-Kirche“ bezeichnet werden – ein Urteil, das 2019 rechtskräftig wurde. Und in Deutschland liegen Strafanzeigen wegen Prozessbetrugs gegen führende Mitglieder der Zeugen Jehovas K.d.ö.R. vor, die im Zusammenhang mit der Erlangung des Körperschaftsstatus erstattet wurden.
Irrlehren: Wenn Religion Gott erfindet
Neben der Paralleljustiz sind es die theologischen Irrlehren der Zeugen Jehovas, die das Wesen des christlichen Glaubens auf den Kopf stellen. Diese Irrlehren sind kein Randphänomen – sie sind das Fundament der gesamten Organisation.
Die Zeugen Jehovas leugnen die Dreieinigkeit. Für sie ist Jesus Christus kein Gott, sondern ein geschaffenes Wesen – genauer gesagt der Erzengel Michael, der vor der Schöpfung als erstes Wesen von Jehova erschaffen wurde. Der Heilige Geist ist für sie keine göttliche Person, sondern lediglich eine unpersönliche Kraft, vergleichbar mit Elektrizität. Damit zerstören sie das Herzstück des christlichen Glaubens: die Trinität – Vater, Sohn und Heiliger Geist als ein Gott in drei Personen.
Die Bibel bezeugt an unzähligen Stellen die Gottheit Jesu. Der Apostel Thomas nennt ihn „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20,28). Der Vater selbst nennt den Sohn „Gott“ (Hebräer 1,8). Jesus ist der Schöpfer aller Dinge (Kolosser 1,16) und nimmt Anbetung entgegen, die nur Gott gebührt (Matthäus 28,17). Der Heilige Geist lehrt (Johannes 14,26), hat einen Willen (1. Korinther 12,11) und kann betrübt werden (Epheser 4,30). Ihn zu belügen bedeutet, Gott zu belügen (Apostelgeschichte 5,3-4).
Um diese Irrlehren zu stützen, haben die Zeugen Jehovas ihre eigene Bibelübersetzung herausgegeben: die Neue-Welt-Übersetzung (NWÜ). In dieser Übersetzung wurde der Text gezielt verfälscht. Das bekannteste Beispiel ist Johannes 1,1: Während alle seriösen Bibelübersetzungen schreiben „…und das Wort war Gott“, lautet die NWÜ: „…und das Wort war ein Gott.“ Durch das Einfügen des unbestimmten Artikels wird die Gottheit Jesu geleugnet. In Kolosser 1,16 wurden die Worte „[anderen] Dinge“ eingefügt, um Jesus als Geschöpf darzustellen, nicht als Schöpfer. Diese Verfälschungen sind kein Zufall – sie sind theologisches Kalkül.
Dazu kommt ein historischer und linguistischer Irrtum, der die gesamte Identität der Organisation untergräbt: der Name „Jehova“. Das Tetragrammaton JHWH (יהוה) ist der Eigenname Gottes im Alten Testament. Die Juden sprachen diesen Namen nie aus und lasen stattdessen „Adonai“ (Herr). In der masoretischen Tradition wurden die Vokalzeichen von „Adonai“ unter die Konsonanten JHWH geschrieben – als Lesehilfe, nicht als Aussprache. Ein mittelalterlicher Mönch kombinierte diese Konsonanten mit jenen Vokalen und schuf so das Kunstwort „Jehova“. Die korrekte Rekonstruktion des Gottesnamens lautet wahrscheinlich „Jahwe“ (Yahweh). „Jehova“ ist ein mittelalterlicher Übersetzungsfehler – und ausgerechnet auf diesem Fehler baut eine ganze Weltorganisation ihre Identität auf.
Hinzu kommen weitere Irrlehren: Die Zeugen Jehovas leugnen die Existenz einer ewigen Hölle. Die Toten befinden sich nach ihrer Lehre in einem Zustand der Bewusstlosigkeit, dem „Seelenschlaf“. Nur eine auserwählte Elite von 144.000 „Gesalbten“ kommt in den Himmel, während die große Mehrheit der Gläubigen auf einer paradiesischen Erde leben soll. Diese Lehren widersprechen den klaren Aussagen Jesu, der mehr von der Hölle als vom Himmel sprach und sie als einen Ort der „ewigen Strafe“ (Matthäus 25,46) und des „unauslöschlichen Feuers“ (Markus 9,43) beschrieb. Die Hoffnung auf den Himmel gilt nach Johannes 14,2-3 allen Gläubigen – nicht nur einer kleinen Elite.
Der Unterschied zwischen Glaube und Religion
All diese Erfahrungen – die Paralleljustiz, die Irrlehren, die soziale Kontrolle, der Kontaktabbruch zur eigenen Familie nach meinem Austritt – haben mich eines gelehrt: Religion hat nichts mit Glauben zu tun. Das ist keine Polemik. Es ist eine Erkenntnis, die mich Jahrzehnte gekostet hat.
Religionen sind von Menschen gemachte Institutionen. Sie errichten Hierarchien und Machtstrukturen. Sie erfinden komplizierte Dogmen und Regeln. Sie üben Kontrolle über das Denken, Fühlen und Handeln ihrer Mitglieder aus. Sie horten Vermögen. Sie grenzen aus, wer dazugehört und wer nicht. Und sie beanspruchen fast immer für sich, den einzig wahren Weg zu Gott zu kennen. Meine Überzeugung, die ich nach jahrelanger Suche gewonnen habe, lautet: Wenn eine Kirche behauptet, die allein wahre Kirche zu sein, dann renne, aber schnell!
Glaube hingegen ist etwas fundamental anderes. Glaube ist eine persönliche, lebendige Beziehung zu Gott. Er braucht keine Institution, keine Hierarchie, keine komplizierten Dogmen. Jesus selbst hat das klar gesagt: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18,20). Nicht die Mitgliedschaft in einer Organisation entscheidet. Nicht die Anzahl der abgeleisteten Predigtstunden. Nicht die Konformität mit einem Regelwerk. Entscheidend ist die Beziehung.
Ein lebendiger Glaube an den Herrn, an Jesus Christus und den Heiligen Geist als Trinität ist das Einzige, was wirklich zählt. Dieser Glaube basiert nicht auf Angst vor einem strafenden Gott oder einem drohenden Weltuntergang. Er basiert auf der Gewissheit, dass Gott uns liebt – bedingungslos, ohne Leistung, ohne Voraussetzung. „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3,16). Das ist die Kernbotschaft des Evangeliums. Nicht Harmagedon. Nicht Ausschluss. Nicht Kontrolle. Liebe.
Der Gott der Zeugen Jehovas – dieser rachsüchtige, eifersüchtige Jehova, der mit Vernichtung regiert und nur 144.000 Menschen in seinen Himmel lässt – hat mit dem Gott der Bibel wenig gemein. Er ist ein Zerrbild, konstruiert aus Angst und Machtstreben. Der Gott der Bibel ist ein Vater, der seinen verlorenen Sohn von weitem kommen sieht und ihm entgegenläuft (Lukas 15,20). Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Fazit: Privilegien abbauen – Glauben respektieren
Herr Möller, ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu. Der Staat muss seine Verflechtungen mit den institutionellen Kirchen kritisch prüfen. Die historischen Staatsleistungen in Höhe von 666 Millionen Euro jährlich sind nicht mehr zeitgemäß und sollten endlich, wie es das Grundgesetz seit über 100 Jahren vorschreibt, abgelöst werden. Die Finanzierungsstrukturen von Caritas und Diakonie müssen transparent gemacht werden. Und das Gleichstellungsgebot muss konsequent angewendet werden – auch gegenüber Organisationen wie den Zeugen Jehovas, die staatliche Privilegien in Anspruch nehmen, den Staat aber gleichzeitig ablehnen.
Aber wir dürfen das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die Kritik an institutionellen Religionen und ihren Privilegien darf nicht mit einer Kritik am Glauben selbst verwechselt werden. Der persönliche Glaube der Menschen – an Gott, an Jesus Christus, an den Heiligen Geist – ist ein wertvoller und unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft. Er gibt Millionen von Menschen Halt, Orientierung und Hoffnung. Er ist die Quelle von Nächstenliebe und sozialem Engagement. Und er ist frei – frei von Institutionen, frei von Hierarchien, frei von Zwang.
Die Unterscheidung zwischen Religion und Glaube ist keine akademische Spielerei. Sie ist lebenswichtig. Denn während Religionen Menschen unterwerfen, befreit echter Glaube. Während Religionen ausgrenzen, verbindet echter Glaube. Während Religionen Angst säen, spendet echter Glaube Frieden. Das ist die Botschaft, die ich aus meinem Leben mitgenommen habe. Und das ist die Botschaft, die ich gerne in diese Debatte einbringen möchte.
David Jacob Huber ist Autor des Buches „Liebe, Glaube, Freiheit – Mein Leben mit den Zeugen Jehovas“ (BoD, 2026, ISBN 978-3-6957-2998-2) sowie mehrerer Sachbücher.
Es gibt ihn noch: den öffentlich-rechtlichen Rundfunk jenseits von Radio Gaga: den Deutschlandfunk etwa, in dem diese Debatte gerade stattfand: mit Rede und Gegenrede zum hier angeschlagenen Thema:
https://www.deutschlandfunk.de/braucht-demokratie-religion-margot-kaessmann-vs-arnd-henze-100.html
Ich kann Philipp Möller zumindest in einem Punkt ganz klar widersprechen. Als ich vor drei Jahren aus der Kirche ausgetreten bin, weil ich die evangelische Kirche inzwischen als grüne Vorfeldorganisation mit Themen wie „Klimafasten“ empfinde, brauchte ich nicht zum Amtsgericht. Das alles erledigt auch ein Notar für einen kleinen, zweistelligen Betrag. Das Ganze dauert dann 5 Minuten. 🙂
So, ich bin ja nicht nur Informatiker sondern auch Biologe und als solcher betrachte ich das Ganze sehr gerne aus sozial-darwinistischer und evolutionsbiologischer Perspektive und sehe das Ganze doch etwas differenzierter: Menschen bringen natürlicherweise ihrer eigenen Familie oder vielleicht noch ihren direkten Nachbarn Vertrauen entgegen. Doch dieses Vertrauen endet meist an der Dorf- oder Straßengrenze. Historisch gesehen fungierte Religion als sozialer Klebstoff, der es uns ermöglichte, Kooperation weit über den biologischen Verwandtschaftsgrad hinaus zu skalieren. Sie war das starke Bindeglied, das verschiedenste, heterogene Gruppen zusammengeführt und eine gemeinsam geteilte Erzählung geschaffen hat, um a.) Vertrauen unter Fremden aufzubauen und b.) Schutzgemeinschaften zu bilden vor Bedrohungen von Außen. Religionen stabilisieren eine Gesellschaft nach Innen durch ihre Regelwerke und stärken die Gesellschaften nach Außen. Im Darwin-Sinne also ein echter Selektionsvorteil.
Eine Verfassung, ein Grundgesetz ist zwar essenziell für unser Zusammenleben, da es neutral für alle Bürger gilt, doch es ist letztlich ein abstraktes, technisches Instrument. Ein Gesetzestext erzeugt Ordnung, aber keine Beheimatung oder emotionale Bindung – er ist kein spirituelles Fundament. Der berühmte Soziologe Ernst-Wolfgang Böckenförde hat dies treffend formuliert (oft als „Böckenförde-Diktat“ bezeichnet): Der freiheitliche, säkulare Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Er braucht zwingend ein moralisches Fundament, das er nicht per Gesetz erzwingen kann. Fällt dieses von der Religion getragene Fundament weg, wird es oft durch nichts Gleichwertiges ersetzt.
Was passiert, wenn diese Bindekraft schwindet? Gesellschaften zerfallen in kleinere Teilgruppen (Tribalismus), in denen man nur noch der eigenen „Blase“ vertraut. An die Stelle der Religion treten oft politische Ideologien oder extremer Aktivismus als Ersatzreligionen. Statistisch gesehen korreliert eine abnehmende religiöse Bindung in westlichen Ländern mit einer Zunahme von Einsamkeit, Polarisierung und höherem Misstrauen gegenüber Staat und Politik.
Wie schon oben von Berend Erling erwähnt: Der Soziologe Hartmut Rosa geht sogar so weit zu sagen: „Demokratie braucht Religion“. Er beschreibt unsere heutige Gesellschaft als eine des „rasenden Stillstands“, der es massiv am „hörenden Herzen“ mangelt. Religion und Kirche bieten einen Raum für Resonanz und Transformation. Religion gibt uns das tiefgreifende „vertikale Resonanzversprechen“, dass am Grund unserer Existenz nicht ein schweigendes, kaltes Universum liegt, sondern eine Antwortbeziehung. Rosa warnt eindringlich: Wenn eine Gesellschaft diese Form der Beziehungsmöglichkeit vergisst, dann ist sie „endgültig erledigt“.
Wir sollten daher aufpassen, dass wir in unserem Streben nach Individualismus und bedingungsloser Säkularisierung nicht das Fundament einreißen, auf dem unser Ethik- und Moral-Kanon gebaut ist. Religion mag sich wandeln müssen, aber als Bindeglied, das uns emotional beheimatet, Resonanz bietet und Werte vermittelt, die über bloße Gesetze hinausgehen, ist sie für unsere Demokratie und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt heute genauso wichtig wie eh und je.
Und wer in letzter säkularer Konsequenz meint, religiös fundierte Familienfeiern wie Weihnachten oder Ostern, die Familien und Gesellschaften kitten, durch Nationalfeiertage ersetzen zu können, verkennt die starke emotionale Bedeutung dieser Feiertage, auch wenn sie komplett losgelöst von Religion gefeiert werden.
Glauben und Steuern sind in dem Beitrag unzulässigerweise zusammengeführt worden. Ich sollte an den dreieinigen Gott glauben, muss aber nicht Mitglied der verfassten Kirche sein. Davon getrennt ist das Thema Kirchendsteuer und Staatsleistung zu sehen. Das Thema ist so alt wie die Tirpitzsche Sektsteuer. Die Kirchensteuer ist eine Entschädigung für eine riesige Enteignung des Kirchenvermögens nach den Napolionischen Kriegen im Vor-Vor-Jahrhundert. Die Väter des Grundgesetzes wollten diese Entschädigung abschaffen. Gelang nicht, weil seit 1949 Bund und Länder nicht über die Höhe der Entschädigung einig werden. Die Staatsleistungen sind ein anderer Schuh. Die gibt es nicht in jedem Bundesland. In Bremen: 0,00 €! Der Gang zum Gericht dient unserem Staat und nicht der Kirche. ALLE Bürger sollen für ein Problem zahlen, dass uns geldgierige Fürsten vor langer Zeit eingebrockt haben! Politik ist verantwortlich, nicht Kirche. Und da wäre noch der Glaube. Die Kündigung von Kirchmenmitglidschaften hat auch etwas mit fürchterlichem Missbrauch in Kirche und der Woken Verknüpfung von Politik und Glauben in vielen Gemeinden und Landeskirchen zu tun. Ich gehe gerne und gläubig jeden Sonntag in die Kirche. Freue mich über eine bibeltreue Auslegung in der Predigt und wundere mich über manch gottesfernes Verhalten des „Bodenpersonals“! Insgesamt ist der Kommentar eine falsche und unsachliche Verknüpfung. Etwas Recherche hätte gereicht, um dies in diesem sehr guten Blog zu vermeiden! Schade… ich fühle mich ja fast wie im Weserkurier!
@ Thomas Schächter: Der Text war ein Gastkommentar. In ausschließlicher Verantwortung des (jeweiligen) Autors. Erwarten Sie, dass ich „Fremd-Schreiber“ korrigiere?
Was bin ich froh, dass ich mit jungen 18 Jahren diesen Laden, die Bremische Evangelische Kirche (BEK), verlassen habe. Damals war das noch unkompliziert möglich, also durch eigenes Erscheinen und unterschreiben zwar, aber ohne Rechtsbeistand.
Heute agiert der Laden schlimmer als Anbieter von Knebelverträgen vermittelt durch dubiose Callcenter.
Das unsägliche Kirchenasyl in Bremen wäre für mich letzter Anlass gewesen, den Laden sofort zu verlassen.
Sind Caritas und Diakonie nicht schon feste Bestandteile der profitgierigen ‚Flüchtlingsindustrie‘?
Arbeiterwohlfahrt, Deutsches Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband… geschenkt. Auch gerade die machen riesige Profite als Flüchtlingsindustrie.
@Volker Redder Es gibt wenige Leute, die offen zugeben, Sozialdarwinisten zu sein. Respekt für diese Ehrlichkeit. Ich würde sagen, dass sich diese Denkschule diametral zu dem verhält, was Jesus angeblich gesagt hat. Aber ich kenne mich mit der christlichen Mythologie nur lückenhaft aus. Vielleicht gibt es da ja irgend einen Dreh.
Ich bin allerdings aus den gleichen Gründen aus der Kirche ausgetreten wie Sie. Ich habe mich mit 15 taufen und konfirmieren lassen und bin mit 16 wieder ausgetreten. Damals ging es um das Waldsterben. Es wurde ein Zusammenhang zwischen saurem Regen, Aluminium-Getränkedosen und Waldsterben konstruiert. Nur leider waren die Dosen magnetisch und bestanden aus sogenanntem Weißblech – also verzinntem Stahlblech.
Wir sollten im „Gottesdienst“ eine Lügen-Propaganda-Show aufführen. Ich habe das verweigert, die anderen haben trotz meiner „Beweise“ mitgemacht und damit sich selbst und die Zuschauer verblödet. Heute ist es der „Klimawandel“.
Interessanterweise geschah das ausgerechnet in der Bonhoeffer-Gemeinde. Der Mann hatte ja die These aufgestellt, dass die Dummen gefährlicher als die Bösen sind.
@Mag. Albert von Berntorf Ich konnte 1987 auch formlos austreten. Zum Hauptquartier, Unterschrift – fertig. Organisationen, die anfangen, ihre Mitglieder zu fesseln, wissen, dass ihre Dienstleistung mies bis betrügerisch ist. Die DDR musste ihren ganzen Staat zum Arbeitslager machen. Aber auch die BRD möchte seit Januar 2026, dass Männer zwischen 17 und 45 einen Antrag stellen, wenn sie das Land länger als drei Monate verlassen wollen. – Glauben Sie nicht?
Siehe Absatz 3
https://www.gesetze-im-internet.de/wehrpflg/__2.html
Siehe Absatz 2
https://www.gesetze-im-internet.de/wehrpflg/__3.html
Der Kommentar von Philipp Möller wirkt merkwürdig gestrig, wie vor 50 Jahren. Die Kirchen sind ja nun wirklich keine machtvollen Institutionen,des Establishment, gegen die man opponieren müsste. Sie haben massiv an Einfluß verloren, sind heute die leider immer schwächer werdenden Strukturen, die wie auch Sportvereine, Gewerkschaften oder demokratische Parteien, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen.
Beim Lesen des Kommentars musste ich an eine Passage aus dem „Vorbild“ von Siegfried Lenz denken. Lenz lässt darin einen alten Polizisten zu einem 38 jährigen Lehrer, festgenommen auf einer Schülerdemo 1968 sagen: „Es gibt nichts Erbärmlicheres als einen in die Jahre gekommenen Revolutionär.“